16 Flares Twitter 0 Facebook 0 Google+ 16 Email -- 16 Flares ×

Politische Debatten erleben wir zum überwiegenden Teil über die Nachrichten, welche uns der bunte Medien-Dschungel anbietet. Auch Markt- und Branchen-Entwicklungen, sowie wissenschaftliche Entdeckungen zur Bioenergie werden uns von der abwechslungsreichen Medienlandschaft aufnahmegerecht serviert. Immerhin gibt es viel zu berichten und die Welt entwickelt sich 24/7 in solch rasendem Tempo weiter, dass man sich manchmal wie auf einer Achterbahn fühlt, die keine Pause kennt. Und dabei sind Fachartikel über ein Thema (z.B. Energiewende, EEG, Energiepflanzen etc.) oder eine Branche (Biokraftstoffe, Biogas, Holzenergie etc.) nur die Spitze eines Nachrichten-Eisbergs, der durch einen riesigen Ozean von ping-pong spielenden Informationen gleitet. Erfreulicherweise kann man als Kapitän seines eigenen Ruderboots frei entscheiden, welche Informations-Oasen man häufiger ansteuert.

Eisberg als Informations-Insel

„Die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unserer Welt“

Der unausgesprochene Deal beim Zusichnehmen von Informationen über Artikel (Texte!) ist, dass man bereit ist, in die Welt von Begriffen und Schlagworten einzutauchen, mit allen Chancen auf Wissensgewinn und dem Risiko von Missverständnissen bzw. der Unvollständigkeit der entstehenden Bilder. German is easy, aber nur dann, wenn man im Umgang mit Grammatik, Rechtschreibung, Logik, Semantik, Semiotik etc. meisterlich unterwegs ist. Und wer kann das schon von sich behaupten? Ich jedenfalls nicht, wie ich in einigen Artikeln in Hochform auf blitzten lasse.

Reden ist Silber und Schweigen ist Gold lautet eine Redewendung, welche vor allem Journalisten und Blogger vor ein schwieriges Dilemma stellt. Von der anderen Seite der Medaille kommend, motiviert uns Ludwig Wittgenstein sich stärker mit der eigenen Sprache und Ausdrucksweise auseinander zu setzen. Wittgenstein war überzeugt, dass „Die Grenzen unserer Sprache die Grenzen unserer Welt sind.“ Ob, wann und worüber man sich zu Reden oder zu Schweigen entscheidet, ist die Freiheit und Verantwortung jedes einzelnen. Wittgenstein formuliert es noch konsequenter: Was sich überhaupt sagen läßt, läßt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muß man schweigen.

Ich möchte über Bioenergie lesen und schreiben! Das ist in der aktuellen Phase dieser regenerativen Energiequelle zwar wenig erbaulich, aber ich bin optimistisch, dass sich das auch wieder ändert.

Hier zur Empfehlung eine kleine Übersicht von mehr oder weniger versteckten Informations-Inseln, die ich regelmäßig ansteuere, um über Bioenergie und die Energiewende in Deutschland informiert zu bleiben:

Fluch der Bioenergie-Debatte: Verallgemeinerungen, Übertreibungen, Missverständnisse

Vor allem über die flüssige Bioenergie wurde in den vergangenen Jahren viel zu viel und gleichzeitig viel zu wenig gesagt und geschrieben. Die Biosprit-Branche ist meiner Meinung nach ein Paradebeispiele für die Sackgasse, in die uns eine weitgehend oberflächliche Debatte führen kann, die mit den immer gleichen Argumenten jongliert. In mehreren Biosprit-Artikeln über die Tank-oder-Teller-Debatte, der heftigen Kritik am Palmölanbau, der Einführung von E10 oder der Berücksichtigung von indirekten Landnutzungsänderungen (ILUC) habe ich den einseitigen Umgang mit dem Energieträger Biomasse beobachtet. Schon die Übersicht dieser am meisten diskutierten Biosprit-Themen der vergangenen Jahre zeigt, dass sich die öffentliche Debatte in den Medien auf die Risiken und die Kritik von Bioethanol und Biodiesel konzentriert. Die technologischen und ökologischen Fortschritte welche die Branche auf die Kritik hin entwickelt hat, wurde während der vergangenen Jahre leider nur selten gewürdigt.

ILUCSIA

Ich habe das Gefühl, dass es einem die übertreibenden und verallgemeinernden Biosprit-Argumente die wir aktuell öffentlich diskutieren fast schon verbieten, der Debatte wenigstens leichte Anstöße in eine etwas konstruktivere Richtung zu geben ohne als unmoralisch gebrandmarkt zu werden. Ich bin überzeugt, wer die Zeit aufbringt, tiefer in die Bioenergie-Debatte einzusteigen, der wird dort auch von vielen hellen Argumente überrascht.

Die fast vollständige Ausblendung der Potentiale von Biokraftstoffen und die Verallgemeinerung vom dunkelsten Biokraftstoff (Biodiesel aus Palmöl) auf alle Biokraftstoffe verhindert seit Jahren, dass wir den Aufbau der Bioenergie-Branche vorantreiben können, die wir wahrscheinlich zum überwiegenden Teil unterstützen würden. Oder haben Sie ein Problem mit Biokraftstoffen die aus Algen, Holz oder organischen Abfällen gewonnen werden? Irgendetwas sollten wir auf die Beine stellen, um uns vom Erdöl zu emanzipieren. Und das Setzen auf regenerative Biomasse ist einer der vielversprechendsten Ansätze.

Die gesamte Energiewende hat sich mittlerweile eher zu einem Schlachtfeld entwickelt, statt zu einem Thema über das konstruktiv in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Auf Bioenergie-Fachveranstaltungen treffe ich zum überwiegenden Anteil auf Akteure, welche über ihre Branchengrenzen hinweg konstruktiv über Lösungen diskutieren möchten. In den auflagenstärksten Medien des Landes wird aber vor allem über die Probleme der Energiewende (Netzausbau, EEG-Umlage, Billig-Importe von Technologien) und weniger über die Lösungsszenarien (Energieministerium, Nachhaltigkeitszertifizierung, Stromhandel etc.) berichtet.

Glücklicherweise ändert sich das seit einigen Monaten wieder langsam und auch der Blick auf die Bioenergie wird in den Medien wieder etwas bunter. Ein willkommener Anlass für eine kurze 3-Minuten-Party zwischendurch (Danke für den rockigen Soundtrack an Die Ärzte „Hurra“).

Bioenergie Party

Gegen einseitige Argumente hilft nur geduldige Aufklärung

Was ist vom Traum der Bioenergie geblieben, der die euphorische Anfangsphase dieser nicht-fossilen und regenerativen Energiequelle beflügelt hat? Wohin soll die Reise der Bioenergie gehen? Dass abgesehen von einigen Fortschritten (Bioenergie als Regelenergie) der Weg der vergangenen Jahre in eine Sackgasse geführt hat, darüber sind sich viele Akteure der Bioenergie-Branche einig. Irgendjemand sollte aber auf die helle Seite der Bioenergie hinweisen und den dominierenden dunklen Argumenten einen verdienten Gegenpol gegenüberstellen.

Alle bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das die auflagenstarken und meinungsbildenden Medien zum aktuellen Zeitpunkt nur sehr begrenzt als ihre Aufgabe sehen. Leider. Die Redewendung bad news are good news ist wie ein gesprochener Fluch, der in der Medienbranche genüsslich seine Runden dreht. Nachrichten über positive Entwicklungen haben es viel schwerer genügend Aufmerksamkeit zu bekommen, um den Sprung in die breite Meinungsbildung zu schaffen. Deshalb wird auch so selten über im Vergleich weniger intensive, aber positive Ereignisse berichtet. Warum liest man so selten über folgende Entwicklungen:

Ich habe Verständnis für jeden Journalisten, der heute über das eine und morgen über ein anderes Thema innerhalb seines Ressorts schreibt und dem mit Blick auf den anstehenden Redaktionsschluss keine Zeit für eine tiefe Recherche zum Thema Bioenergie bleibt. Aber meiner Meinung nach muss man sich auch nicht bis zu den euphorischen Ursprüngen der Bioenergie durchwühlen, um auch etwas Helles über diese wichtige Energieform schreiben zu können. Ein kurzes Interview mit einem zufriedenen Anlagenbetreiber oder die Rückfrage bei einem der Bioenergie-Verbände ist schnell gemacht.

Die vergleichsweise jungen Bioenergie-Branche hat sich meiner Einschätzung nach kooperativ und mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Auswirkungen des belastenden Sündenbock-Images gewehrt. Zugegeben, vor allem im Bereich Öffentlichkeitsarbeit hätte sicher mehr und schneller etwas passieren können, aber das kann es theoretisch immer.

Die Kampagnen „Biomethan ist Bio-Erdgas“ des Biogasrat+ e.V. und die Biogas-Tour des Fachverbands Biogas e.V. zeigen, dass vor allem die Branche der gasförmigen Bioenergie ihre Verantwortung sehr ernst nimmt und bei den Energieverbrauchern für ihre biogenen Energieträger wirbt. Teilweise mit großem Erfolg, was man daran erkennen kann, dass die dezentrale Gewinnung von Biogas und Biomethan weitgehend anerkannt ist. Vor allem in den Regionen wo die Biogasanlagen stehen, hat auch die gasförmige Bioenergie ihre Schwierigkeiten, aber das Image dieses biogenen Energieträgers ist ausgewogen.

Vor allem die Verbände der gasförmigen und festen Bioenergie werben für ihr Energieprodukt. Bei der flüssigen Bioenergie muss ich gestehen, dass mir leider keine Verbands-Kampagne einfällt, welche um die Herzen und das Interesse der Autofahrer geworben hat. Einzig die Verbio AG hat eine Biosprit-Kampagne gestartet, um ihr Bioenergieprodukt für den Kraftstoffmarkt verbiogas zu bewerben. Diese war allerdings auf Leipzig beschränkt. Und eine Kampagne vom fossilen Energieträger-Kollegen Erdgas setzt sich am Rande auch für die Bewerbung des erneuerbaren Bio-Erdgases ein. Eine echte Kampagne Pro-Biosprit habe ich bisher nicht gesehen. Fairerweise muss aber auch erwähnt werden, dass keine andere Bioenergie-Branche unter so massivem politischem Druck stand und mit dem eigenen Überlebenskampf beschäftigt war wie der Biosprit-Sektor. Die Wirtschaftsakteure als die wirtschaftlichen Profiteure der Bioenergie können aber viel aktiver in der Öffentlichkeitsarbeit werden! Nach allem was ich gehört habe, wird aber aktuell an einer Biosprit-Kampagne („Biokraftstoffe bewegen“) gearbeitet.

Irgendjemand muss darauf hinweisen, dass, so komisch es auch erstmal klingt, Biosprit zunehmend als Vorbild für Nachhaltigkeit gilt. Zumindest sieht man das in Reihen der EU-Kommission so und möchte die Maßstäbe für die nachhaltige Biosprit-Produktion auch auf die gasförmigen und festen Bioenergieträger, sowie mittelfristig auf alle anderen Biomasse-Nutzungspfade, ausweiten. Ein Entwurf zur Umsetzung dieser Biomasse-Politik liegt bei der Kommission bereits seit 2012 vor.

Im nächsten Artikel gibt es einige Anregungen, wie der Fluch der Bioenergie überwunden werden kann. Wenn Sie eigene Ideen zur Überwindung des Bioenergie-Fluchs haben, dann schreiben Sie doch einen Kommentar.