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Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man sich eine Meinung über die Chancen und  Risiken der erneuerbaren Bioenergie gemacht hat. Die Scheinwerfen der Pro-und-Contra-Seiten blenden nicht mehr so stark wie am Anfang und man erkennt ein halbwegs klares Bild von der aktuellen Bioenergie-Debatte. Wie nutzt man seine gewonnene Erfahrung, wenn man auf die eine oder andere Weise vom Traum der Bioenergie angesteckt ist? Welchen Weg wählt man, wenn man die weitere Entwicklung der Bioenergie aktiv beeinflussen möchte?

Pro – Contra – Prontra –Conpro???

Bei meiner Suche nach der „richtigsten“ Einstellung bezüglich der Anwendung der Bioenergie bin ich leider keiner wirklich eindeutigen Wahrheit begegnet. Sowohl im Pro- als auch im Contra-Bioenergie-Lager sind teilweise ziemlich destruktive Argumente im Umlauf.

Mal mehr und mal weniger versteckt, schimmern die Interessen einer der betroffenen Industrien oder einer Umweltbewegung hindurch. Während die schärfsten Anhänger der Contra-Seite alle möglichen verallgemeinernden Schläge in Richtung Bioenergie abfeuert, ist die Pro-Seite emsig damit beschäftigt die entstandenen Wunden wieder zu nähen. Eine zeit- und energieraubende Beschäftigung für beide Seiten.

Die differenziertesten, versöhnlichsten und auch überzeugendsten Argumente zur aktuellen Bioenergie-Debatte habe ich abseits der beiden Hauptlager vernommen. Diese abwägenden Stimmen von Bioenergie-Akteuren sind zwar in der Regel deutlich leiser und kaum hörbar in der Presse, aber wenn man auf sie trifft, dann klingen sie um einiges vernünftiger als der lautstarke Schlagabtausch der Hardliner.

Verwirrung und Wut sind schlechte Berater

Man hat zahlreiche Perspektiven, Studien und Argumente zu Tank-oder-Teller, Regenwaldabholzung, ILUC etc. gehört und weiß um die potentiellen Auswirkungen für die Bioenergiebranche, wenn die Würfel eher Contra Bioenergie fallen sollten.

Man hat verschiedene Schauplätze zum Thema besucht, auf denen mit verschiedenen Argumenten und Tricks versucht wird, sich einen politischen oder wirtschaftlichen Vorteil herauszuschlagen.

Die Teilnahme an der Schlacht der Argumente hat einen zeitweise komplett verwirrt und vorübergehend sehr wütend gemacht – nur wirklich inspiriert oder konstruktiv vorangebracht hat sie einen leider nicht. Warum lassen sich Klimaschutz und Umweltschutz so leicht gegeneinander ausspielen? Ein gordischer Knoten an dem alle möglichen Interessenparteien wild herumziehen, wobei die moralische Dimension der Bioenergie ordentlich Feuer in die Debatte bringt.

Man erinnert sich dunkel an den Traum von einer Bioenergie den man vor diesem Spießroutenlauf hatte. „Bioenergie als ein wichtiger Beitrag zu einer dezentralen, gerechter verteilten Energiewirtschaft, welche den menschlichen C02-Ausstoß senkt und seine Unabhängigkeit vom endlichen Erdöl erhöht.“

Was ist von diesem Traum geblieben, wenn man die hitzigen Debatten weltweit beobachtet?

Ich weiß nicht, ob irgendjemand diesen aktuellen Status Quo der festgefahrenen Bioenergie-Debatte noch für sinnvoll hält, beziehungsweise an nützliche Ergebnisse dieser Streitgespräche glaubt. Müssen beide Seiten tatsächlich so lange weiterhin aufeinander einschlagen, bis eine der beiden Seiten erschöpft zusammenbricht? Ich glaube es ist Zeit für die Eröffnung der Friedensgespräche und einen respektvolleren Umgang mit den Argumenten der Pro- und Contra-Seite!

Meine Hochachtung vor Bioenergie-Akteuren wie Elmar Baumann (Geschäftsführer des VDB) oder Helmut Lamp (Vorstandsvorsitzender des BBE), die seit vielen Jahren immer wieder bereit stehen, um auch den frechsten Kritikern die Stirn zu bieten, dabei meist geduldig und tolerant in der Verteidigung der Bioenergiebranche bleiben und außerdem  ein offenes Ohr für die Probleme und Umweltrisiken der Bioenergie behalten.

„Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin“

Was ist, wenn man seine Energie vor allem dafür nutzt, mit Taten zu überzeugen, anstatt sich auf Gebietskämpfe mit den hochmotivierten Kritikern einzulassen. Kritik an der Bioenergie ist wichtig, aber es gibt auch Formen der Kritik die nicht zielführend, sondern nur vergiftend sind.

Diese medialen Arenen erst mal hinter sich zu lassen und sich mit etwas mehr emotionaler Distanz ein Bild von der Situation zu machen, kann sehr heilsam sein. Im Idealfall kann man etwas Konstruktives dazu beitragen, die Spannungen zwischen der Pro-und-Contra-Seite etwas zu lösen und am Aufbau einer selbstkritischen und noch stärker gemeinsam agierenden Bioenergie-Gemeinschaft mitzuwirken.

Also kehren wir den übereifrigen Propagandaschlagzeilen den Rücken, frei nach dem Brecht-Zitat: „Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.“

Man atmet tief durch, streckt sich und klopft sich im Davongehen den Sand von den ausgetrockneten und ermatteten Kommunikationsorganen. Die Rauchschwaden der Schlachtfelder auf denen die Diskussions-Kämpfe um die Bioenergie weitergehen, werden kleiner und verschwinden am Horizont.

Willkommen zurück in einer Welt in der es weniger um den Rausch einer hitzigen Diskussion und mehr um die konstruktive Gestaltung einer alternativen Energiewirtschaft geht.

Grünes Autos fährt im Schritt des Bioenergie-Traums

Wie sieht Ihr Traum von der Entwicklung der Bioenergie aus?

Welche Position zur Entwicklung der Bioenergie möchte ich einnehmen?

Das ist die entscheidende Frage.

Egal ob man sich mit der gasförmigen, flüssigen oder festen Bioenergie beschäftigt, muss man sich irgendwann entscheiden, wie man der Weiterentwicklung seiner Branche am meisten hilft.

Die Bioenergie hat zweifelsohne verschiedene Dimensionen und unterschiedlich stark involvierte Akteure. Von geschäftlichem Investitionsinteresse im Markt der Erneuerbaren Energien, über die technische Faszination beim Betrieb einer Biogasanlage bis hin zu einem Traum von einer Bioenergie, welche die Welt zu einem besseren Ort machen kann.

Die Bioenergie Enthusiasten sind wahrscheinlich bereit sich mit ihrer ganzen Kraft für die Bioenergie einzusetzen. Wenn das bedeutet, dass sie sich dabei auf ein kräftezehrendes und wenig erfüllendes Diskussionstheater mit teilweise sehr vernichtenden Kritikern einlassen müssen, dann werden sie sich auch dieser Aufgabe stellen. Die Enthusiasten, zu denen ich mich auch zähle, sollten aber aufpassen, dass der Traum von der Bioenergie während der Kämpfe unter der Gürtellinie nicht verloren geht und sie rechtzeitig den Absprung schaffen.

Was kann ich also tun, um die Bioenergie Branche konstruktiv weiterzuentwickeln?

Einige konkrete Ansätze dafür, wie man sich auch abseits der hitzigen Bioenergie-Debatte für die langfristige Stärkung der Branche einsetzen kann, werde ich in einem der nächsten Artikel vorstellen.