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Erdöl ist der zentrale Treib- und Baustoff auf den wir uns seit Jahrzehnten in der westlichen Welt verlassen. Daran ist erstmal nichts verkehrt. Die kreative Nutzung von Ressourcen und Werkzeugen ist eines unserer menschlichen Talente. Aber wie die Erfahrung zeigt, bringt eine erdölbasierte Wirtschaft nicht nur Licht, sondern auch jede Menge Schatten mit sich. Die zwei Seiten einer Medaille oder the dark side of the moon sind beliebte Bilder für diesen natürlichen Konflikt. Das Problematischste an der beliebten Ressource Erdöl ist aber zunehmend, dass sie endlich ist. Für uns, die täglich die Vorzüge einer mit Erdöl betriebenen Wirtschaft genießen, ist die ENDLICHKEIT des Erdöls keine attraktive Zukunftsaussicht. Schweren Herzens suchen wir nach Alternativen und verantwortungsbewussten Verhaltensänderungen, um den nachkommenden Generationen eine solide Ausgangsposition zu ermöglichen. Das Starten einer gemeinsamen Diät ist sicher eine der charmantesten Möglichkeiten, um die erste Runde des Erdöl-Entzugs einzuläuten.

Foto Erdöl Diät

Ring frei für die gemeinsame Erdöl-Diät

Die meisten Diäten gehen in der Regel mit einer Depression einher. Man freut sich vor allem auf die Ergebnisse der Diät und nicht auf die Diät selbst. Dabei wird die Stärke der Depression häufig von der Schwere der bisherigen Abhängigkeit bestimmt.

Also, wie schwer wird der europäische Entzug vom Erdöl? Einigen Tatsachen sollten wir uns beim Start der Erdöl-Diät bewusst sein:

  • Europa ist von Erdöl abhängig! Allein Deutschland verbraucht 3.4 Millionen Barrel Erdöl am Tag, was pro Kopf immerhin 4 Liter/ Tag bedeutet.
  • 85 Prozent des in Europa genutzten Erdöls müssen importiert werden, teilweise aus politisch instabilen Regionen
  • Der Peak-Oil ist wahrscheinlich bereits überschritten (siehe ASPO). Die intensiven Bemühungen zur Förderung von Erdöl und Erdgas mit Hilfe von Hydraulic Fracturing („Fracking“) unterstützen diese Meinung.
  • Der Preis für 1 Liter Erdöl ist in den vergangenen 15 Jahren um das 10-fache gestiegen
  • Die Nachfrage nach dem endlichen Erdöl steigt global stark an

Alle 5 Punkte tragen nicht zum wachsenden Wohlbefinden des europäischen Sucht-Patienten bei. Der Beitrag auf peak-oil.com geht tiefer auf das Problem ein:

Das der Preis der europäischen Erdöl-Sorte Brent in den letzten 3 Jahren nicht weiter gestiegen ist, sehen Fachleute als eine Nebenwirkung der anhaltenden Wirtschaftskrise in Europa. Diese neigt sich aber hoffentlich bald dem Ende entgegen, woraufhin der Erdölpreis auch wieder steigen dürfte.

Ein gemeinsames Ziel von Europa ist deshalb, den Entzug vom Erdöl voranzutreiben und nach Alternativen zu suchen. Wenn keine Kurskorrektur vorgenommen wird, dürften wir in den kommenden Jahrzehnten deutlich mehr für unseren erdölbasierten Lebensstandart bezahlen als heute. Ein Erdölpreis von 200 $/ Barrel ist leichter vorstellbar.

Eine Vision, die viele Biomasse-Akteure teilen ist, dass Biomasse eine der vielversprechendsten Alternativen zum Ersatz von Erdöl ist: erneuerbar, biologisch abbaubar und regional verfügbar. Der politische Aufbau einer BioÖkonomie ermöglicht interessante Szenarien, um die mit dem Entzug verbundene Energie- und Rohstoffwende zu bewältigen. Vor allem die nachkommenden Generationen werden die Gewinner der Erforschung und Umstellung auf die BioÖkonomie sein. Dafür ist allerdings wichtig, dass wir die Nachhaltigkeit der Biomasse-Nutzung weiter vorantreiben.

Eines der wichtigsten Erdöl-Substitute, welches die moderne Biomasse-Nutzung einer Gesellschaft zur Verfügung stellt, ist die bunte Palette an Pflanzenölen. Das die Nutzungspfade für Pflanzenöle (Nahrungsmittel, stoffliche Nutzung, energetische Nutzung) sich nicht widersprechen müssen, zeigt die aktuelle Pressemitteilung der Ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) vom 10.Juli. Die Stellungnahme von OVID zur aktuellen Biosprit-Krise in Europa beweist, dass sich die unterschiedlichen Biomasse-Nutzungen sogar ergänzen und gegenseitig stärken können.

Foto Pflanzenöle

Mit gutem Gewissen auf Pflanzenöle und Biosprit setzen

Der OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland appelliert an die Europaparlamentarier des Umweltausschusses, für die Fortführung der aktuellen europäischen Biokraftstoffpolitik zu stimmen (Anmerkung BiomassMuse: Auf Biooekonomie.net finden Sie einen Artikel zum Ergebnis der Abstimmung über den weiteren Umgang mit Biokraftstoffen in der EU).

„Mit ihrem Votum über die Zukunft der europäischen Biokraftstoffe stimmen die Abgeordneten außerdem über die Versorgung Europas mit Tierfuttermitteln ab“, so OVIDPräsident Wilhelm F. Thywissen. Angekurbelt durch die Biodiesel-Nachfrage wurden in den letzten Jahren zusätzliche Mengen Proteinfuttermittel auf den Markt und damit indirekt in die Lebensmittelproduktion gebracht. Vor dem Hintergrund der Teller-und-Tank-Debatte muss dieser Beitrag zur Sicherung der Welternährung im politischen Kontext als entlastend berücksichtigt werden. Ohne die Biodieselproduktion würden allein in Deutschland 3,2 Mio. Tonnen Rapsschrot ausfallen und müssten mit 2,5 Mio. Tonnen Soja-Importen kompensiert werden. Dafür müsste eine neue Anbaufläche in der Größe Mecklenburg-Vorpommerns angelegt werden.

Entgegen dem Eindruck, der insbesondere von NGOs erweckt wird, ist der Einfluss europäischer Biokraftstoffe auf die Agrarrohstoffpreise nachweislich minimal. Vielmehr leistet die zusätzliche Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten einen entscheidenden Beitrag zur Armutsbekämpfung: das von den Vereinten Nationen im Jahr 2000 selbst gesteckte Millenniumsziel, die Armut bis 2015 gegenüber 1990 zu halbieren, ist heute schon erreicht.

In der EU wird Biodiesel überwiegend aus Raps hergestellt. Außerdem ist die europäische Biokraftstoffbranche als Einzige per Gesetz an strenge Nachhaltigkeitskriterien gebunden.

Im Klartext: Soweit Palmöl für die Biodieselproduktion in der EU verwendet wird, ist es entlang der gesamten Wertschöpfungskette als nachhaltig zertifiziert und kann nicht für Regenwaldrodungen verantwortlich gemacht werden. Für die Lebensmittel- und die Oleochemiebranche gibt es, im Gegensatz zur Biokraftstoffbranche, keine rechtlichen Vorgaben bezüglich einer Nachhaltigkeitszertifizierung. „Die von OVID vertretenen Ölmühlen besitzen seit Jahren das notwendige Instrumentarium für Nachhaltigkeitszertifizierungen und sind bereit, zertifizierte Ware auch den anderen Branchen zur Verfügung zu stellen“, so Thywissen.

OVID wendet sich gegen das von der EU-Kommission auf der Grundlage der IFPRI-Studie ins Spiel gebrachte Rechenmodell der sogenannten indirekten Landnutzungsänderungen (iLUC), das wissenschaftlich nicht belastbar und willkürlich ist. Selbst der Autor der Studie David Laborde (IFPRI), verkündete in der vergangenen Woche gemeinsam mit Prof. Lahl von der TU Darmstadt, dass die Ermittlung von indirekten Landnutzungsänderungen herausfordernd und mit vielen Unsicherheiten verbunden sei.

Mit der Einführung von iLUC-Faktoren würde der durch Regenwaldrodungen verursachte CO2-Ausstoß auch die Klimabilanz des europäischen Rapsanbaus belasten. Damit wäre Biodiesel aus Rapsöl hinsichtlich seiner Umweltwirkung schlechter gerechnet als Mineralöl und als Basis für Biodiesel ausgemustert. Bereits in der vergangenen Woche warnte der Grain Club vor dem damit verbundenen Verlust von 220.000 Arbeitsplätzen und der Abschreibung von Investitionen in Milliardenhöhe. Nicht nur Unternehmen der Biokraftstoffbranche, sondern der Saatgutwirtschaft, der Landwirtschaft und der Verarbeitung, haben sich auf die geltenden gesetzlichen Vorgaben eingestellt und hohe Investitionen getätigt. Thywissen ergänzt: „Das Vertrauen in stabile politische Rahmenbedingungen ist eine Voraussetzung für Investitionen und Innovation. Ein derartiger politischer Zick-Zack-Kurs würde ein fatales Signal an Drittländer senden, was das Investitionsklima in der EU betrifft“.

Internetauftritt OVID

OVID vertritt als Verband die Interessen der ölsaatenverarbeitenden und ölraffinierenden Unternehmen in Deutschland.

Die Kernaufgabe der 18 Mitgliedsfirmen ist die Verarbeitung von Ölsaaten und Pflanzenölen zu Produkten für die Lebensmittelindustrie, die Oleochemie, die technische Verwendung und für die Bioenergie. Als Verband ist OVID Schnittstelle zwischen seinen Mitgliedsunternehmen, politischen Entscheidungsträgern, Wirtschaft, Wissenschaft und Institutionen sowie Medien und der Öffentlichkeit. Sitz des Verbandes ist Berlin, in Brüssel ist OVID über den europäischen Verband FEDIOL vertreten.

Internetauftritt OVID