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Biokraftstoffe und die Tank-oder-Teller DebatteFür diesen Artikel habe ich mir die aktuell kritischste Perspektive auf die Biokraftstoffe herausgesucht und möchte dem Zusammenhang zwischen dem Anbau von Energiepflanzen und dem Anstieg der Nahrungsmittelpreise nachgehen. Mit den Vorwürfen, dass die Bioenergie für eine Zunahme des Hungers in der Welt sorgt, wird die Bioenergie seit einigen Jahren konfrontiert und als Bioenergie-Enthusiast muss ich mich auch mit den dunkelsten Kapiteln dieser, in meinen Augen auch so vielversprechenden, Energieform auseinandersetzen.

Natürlich macht man sich mit einem kritischen Artikel bezüglich dieses moralischen Vorwurfs an der Bioenergie schnell angreifbar, aber ich glaube, dass die pauschale Ablehnung der Bioenergie auf Grund der weiterhin bestehenden Hungerproblematik (UN-Sondergesandte Jean Ziegler: „Die Biotreibstoff-Fabrikation heute ist ein Verbrechen gegen die Menschheit.“) genauso moralisch zweifelhaft ist, wie eine blinde Befürwortung von Biokraftstoffen & Co. Das Problem der ansteigenden Nahrungsmittelpreise weltweit ist sehr komplex und ich möchte Sie auf eine kleine Reise zu den wichtigsten Argumenten und Meinungen dieses Konflikts mitnehmen. Wenn das „Gespenst des Welthungers durch Bioenergie“ schon wütet, dann sollte es wenigstens auf einem rational gestärkten Parkett sein Unwesen treiben.

Wie ernst muss man als verantwortungsbewusster Verbraucher die Sorge um den Welthunger nehmen, der durch den gestiegenen Anbau von Zucker- und Ölpflanzen für die Bioethanol- und Biodieselproduktion eventuell stark beschleunigt wird.

Tortilla Krise – die Geburtsstunde der „Teller-oder-Tank-Debatte“

Dass die ärmsten Menschen unserer Weltbevölkerung immer auch am schnellsten von globalen Fehlentwicklungen betroffen sind, ist nichts Neues und eine tragische Ironie, die alle auch nicht direkt betroffenen Menschen schmerzt.

Direkt nach dem Abitur und während des Studiums wollte ich in die Entwicklungshilfe gehen, wurde aber erst deshalb nicht genommen, weil ich über kein Studium verfüge und anschließend, weil mir die nötige Berufserfahrung fehlt. Bei der Hilfe-zur-Selbsthilfe werden eben kaum unerfahrene Arbeitskräfte benötigt. Nachvollziehen kann ich das heute, aber damals habe ich mich mit meinem Wunsch aktiv zu helfen ziemlich hilflos gefühlt.

Entwicklung Nahrungsmittelpreise Preisindex FAO

Entwicklung der Nahrungsmittelpreise zwischen 1990 und 2012

Die globale Nahrungsmittelpreiskrise 2007 – 2008 und die dadurch ausgelöste Tortilla-Krise in Mexiko ist meiner Einschätzung nach auch die Geburtsstunde der „Tank-oder-Teller-Debatte“ und hat der bis dahin sehr euphorisch wahrgenommenen Bioenergie einen ersten herben Rückschlag versetzt (es folgten die Diskussionen um die Regenwaldabholzung und ILUC). Aber was waren, mit einigem Abstand betrachtet, die Gründe für den rasanten Anstieg der Preise für Grundnahrungsmittel wie Mais, Reis oder Hirse.

Die gestiegene Nachfrage nach Bioenergie in Europa und den USA war einer der Gründe für den Preisanstieg von Mais in Mexico. Da Mais auch der Hauptbestandteil für die Herstellung von Tortillas ist, führte der schnell ansteigende Preis für dieses Grundnahrungsmittel zu Demonstrationen und wütenden Protesten der mexikanischen Bevölkerung, die in Ihrer Ernährungsgrundlage bedroht wurden. Ein ausführlicher Artikel zur Entwicklung der weltweiten Nahrungsmittelkrise 2007/ 2008 ist auf der Internetseite der Bewegung für den Sozialismus erschienen.

Tortilla Krise in Mexiko durch Anstieg der Nahrungsmittelpreise

Nahrungsmittelpreiskrise 2007 führt zur Totilla-Krise in Mexiko

Neben der erhöhten Nachfrage nach Bioenergie werden aber noch weitere Gründe für die Preisexplosion genannt:

Wie einflussreich wurden die einzelnen Faktoren von verschiedenen Seiten eingeschätzt? Dem IFPRI-Modell zur Folge war die verstärkte Produktion von Biokraftstoffen zumindest für 30 Prozent des Preisanstiegs von Mais zwischen 2000 und 2007 verantwortlich. Entwicklungs-NGOs und die Vereinten Nationen sahen hingegen vor allem in der Zunahme von Spekulationen auf Nahrungsmitteln den Hauptgrund für den Preisanstieg. Die Studie von Michael Schmitz (Professor für Agrar- und Entwicklungspolitik, Justus-Liebig-Universität Gießen), welche Anfang dieses Jahres veröffentlich wurde und die den Zusammenhang von Biokraftstoffen und dem Anstieg von Nahrungsmittelpreisen untersucht hat, sieht in der gestiegenen Nachfrage nach Biokraftstoffen nur einen untergeordneten Grund für den Preisanstieg von Grundnahrungsmitteln. Ein Artikel zur Studie, die vom Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) in Auftrag gegeben wurde, ist bereits auf BiomassMuse erschienen.

Auch die Aussage von Wolfgang Gründinger (Demokratieforscher und Mitglied im Think Tank 30 des Club of Rome), dass man nicht alle Fehlentwicklungen in der internationalen Landwirtschaft der Bioenergie in die Schuhe schieben kann, sind natürlich Balsam für das angeschlagene Herz eines jeden Bioenergie-Befürworters. Mit der Anklage der Bioenergie als Sündenbock, machen es sich einige der schärfsten Kritiker meiner Einschätzung nach etwas einfach. Gründinger sieht vor allem die Konkurrenz mit der Fleischproduktion als Hauptursache für den Preisanstieg bei Nahrungsmitteln.

Weitere interessante Details zur Nahrungsmittelkrise 2007/ 2008 finden Sie auch in dem gelungenen Übersichtsartikel zum Thema Flächenkonkurrenz in der deutschen Wikipedia.

Steigende Preise erregen immer den Unmut der Verbraucher

Für steigende Preise der Nahrungsmittel in Deutschland kann den Angaben der Agentur für erneuerbare Energien (AEE) nicht der Anbau von Energiepflanzen verantwortlich gemacht werden. Und Daniela Thrän vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) betont, dass trotz gestiegenem Anteil der Bioenergie in Deutschland und Europa in jedem Jahr große Überschüsse bei der Getreideproduktion anfallen. Wenn überhaupt, dann kann eine wachsende Flächenkonkurrenz zwischen Teller-und-Trog, als Nahrungs- und Futtermitteln, beobachtet werden, was wiederum mit der These von Wolfgang Gründinger übereinstimmt, dass der wachsende Fleischkonsum zu einem Anstieg der Agrarflächen-Konkurrenzen führt.

Auch eine Anfang der Woche vom Fachverband Biogas veröffentlichte Pressemitteilung „Biogas ohne Einfluss auf Getreidepreise“ bezieht zu dem Vorwurf des Anstiegs der Nahrungsmittelpreise durch Biogas Stellung und sieht in der aktuell in Deutschland bestellten Ackerfläche für den Anbau von Energiepflanzen keine Bedrohung für den Anbau von Nahrungsmitteln.

Was man bei der ganzen Debatte nicht vergessen darf, ist die Unterscheidung zwischen Biokraftstoffen als Energieträger auf der einen Seite und dem Anbau von Energiepflanzen auf der anderen Seite. Allzu leicht wird das als identisch angesehen und der Ruf der Biokraftstoffe leidet unter den Vorwürfen. Genau genommen sind Biokraftstoffe aber nicht gleich Biokraftstoffe und natürlich passen sich die Hersteller den Wünschen oder Forderungen der Gesellschaft, beziehungsweise der Verbraucher an. Mittelfristig werden Biokraftstoffe durch ihre Herstellung aus Reststoffen (Zellulose-Ethanol) zunehmend zur Entlastung der befürchteten Flächenkonkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion beitragen.

Den Preisanstieg eines Produkts finde ich erst mal nicht unmoralisch und er ist häufig das logische Resultat der gestiegenen Nachfrage nach einer Ware oder Ergebnis der Verbesserung ihrer Qualität. Natürlich ist kein Verbraucher erfreut über den Preisanstieg eines Produkts. Die Frage ist, wer von dem Preisanstieg für landwirtschaftliche Güter profitiert und ob es jemanden gibt, der unzumutbar stark darunter leidet. Zumindest die Landwirte weltweit sind häufig dankbar, dass sie für ihre angebauten Kulturen endlich höhere Einnahmen erzielen können und dass die bis 2007 seit Jahrzehnten anhaltende Seitwärtsbewegung für Ackerkulturen endlich durchbrochen werden konnte.

Allerdings sollten Grundnahrungsmittel als „Commodity“ sehr kritisch betrachtet werden und für diese eine Sonderstellung am Markt geschaffen werden, um wilde Marktspekulationen auf diese essentiellen Güter zu unterbinden. Im internationalen Vergleich verfügen wir in Deutschland außerdem über einen starken Verbraucherschutz, was leider nicht für alle Länder gilt.

Butterberge und Milchseen – schon vergessen?

2003 wurden in der Europäischen Union noch 194.000 Tonnen Magermilchpulver und 223.000 Tonnen Butter gelagert, was zu den bildlichen Begriffen der „Milchseen und Butterberge“ geführt hat. Es ist also noch gar nicht lange her, dass die Subventionspolitik der EU zu einer starken landwirtschaftlichen Überproduktion geführt hat und die Preise für landwirtschaftliche Güter gering und die Abfallmengen groß waren.

Den Angaben der FAO zur Folge gehen auch heute noch weltweit ein Drittel der für den menschlichen Verbrauch produzierten Lebensmittel verloren oder werden weggeworfen. Und das obwohl die EU-Lagerbestände aufgrund einer erhöhten Nachfrage seit 2007 vollständig abgebraucht werden konnten. Eine Studie des BMELV aus dem Februar dieses Jahres kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland weiterhin jedes Jahr knapp 11 Millionen Tonnen an Lebensmittelabfällen anfallen.

Man kann nicht allen Hunger auf der Welt auf Verteilungsprobleme reduzieren, aber die Zahlen zeigen doch, dass wir auch bei der Verteilung der angebauten Nahrungsmittel noch über ein großes Potential verfügen, um gegen den Hunger anzukämpfen.

Lösungsansätze und Fazit für die Flächenkonkurrenz von Nahrungsmitteln und Energiepflanzen

Abschließend möchte ich noch einige Punkte vorstellen, welche hoffentlich zur Lösung der Flächenkonkurrenz zwischen dem Anbau von Nahrungsmitteln, Futtermitteln, Energiepflanzen und Pflanzen zur stofflichen Nutzung beitragen können und den Aufbau eines Gleichgewichts zwischen diesen Nutzungspfaden für Biomasse unterstützen.

Selbst die Belesensten und Erfahrensten können bei einem sehr komplexen Thema nicht alle Zusammenhänge und aktuellen Entwicklungen eindeutig erfassen und es bleibt immer ein Spielraum und die Verantwortung der eigenen Interpretation. Auf BiomassMuse ist hierzu bereits ein Artikel zu dem anhaltenden Konflikt zwischen Optimisten und Pessimisten bezüglich den Auswirkungen der Bioenergie erschienen. Bei beruflichen Akteuren der einzelnen Biomassebranchen spielen notgedrungen auch wirtschaftliche Interessen eine wichtige Einflussgröße bei der moralischen Bewertung der einzelnen Nutzungspfade. Als Blogger und Bioenergie-Enthusiast fühle ich mich der Bioenergie verpflichtet und mein Horizont ist dementsprechend vorgezeichnet. Etwas mehr Bescheidenheit bei den absoluten Schlussfolgerungen der extremen Pro- und Contra-Bioenergielager sehe ich als einen der wichtigsten Punkte, um die Tank-oder-Teller-Debatte in eine etwas konstruktivere Richtung zu bewegen.

Differenzierung ist das A & O für eine vernünftige Debatte

Biokraftstoffe pauschal als Sündenbock hinzustellen, um das schlechte Gewissen zum weiterhin bestehenden Hunger auf der Welt zu beruhigen ist meiner Meinung nach kontraproduktiv. Auf der anderen Seite kann man Biokraftstoffe auch nicht pauschal aus der Kritik nehmen, weil es regional immer zu Fehlentwicklungen mit teilweise dramatischen Folgen kommen kann. Aber bitte nennen Sie mir eine Branche im Bereich von existentiellen Gütern wie Nahrungsmitteln, Energie oder Wasser bei der die Gefahr von Fehlentwicklungen durch strukturelle Marktveränderungen nicht besteht.

Grundsätzlich sollten wir uns fragen, welche Biokraftstoffe (und es gibt viele Sorten) wir ablehnen und welche wir unterstützen möchten – Differenzierung ist wichtig! So kann sich ein Land beispielsweise dazu entscheiden, möglichst auf importierte Biokraftstoffe zu verzichten oder die Produktion mittelfristig auf Biokraftstoffe der nächsten Generation mit hohen Nachhaltigkeitsstandards umzustellen. Das Energiepflanzen für Biokraftstoffe auf nachhaltig bewirtschafteten Flächen gewonnen werden müssen, gehört in Deutschland bereits seit Anfang 2011 zum Standard (Artikel nachhaltige Bioenergie). Fairerweise muss man allerdings gestehen, dass Deutschland in Bezug auf die Anwendung von Nachhaltigkeitsstandards für Biokraftstoffe zu den Vorreitern weltweit gehört. Irgendjemand muss immer anfangen.

Kaskadennutzung stärkt die Flächeneffizienz von Ackerflächen

Die Kaskadennutzung von Biomasse ist ein Konzept, welches auch in politischen Strategiepapieren zunehmend Beachtung findet. Kaskadennutzung bedeutet, dass Biomasse mit den folgenden Prioritäten genutzt werden sollte:

  1. Biomasse für die Ernährung
  2. Biomasse für die stoffliche Nutzung
  3. Biomasse für die energetische Nutzung

Diese Prioritätensetzung zeigt, dass parallele oder in Reihe geschaltete Anwendungspfade für angebaute Biomasse sehr vielversprechend sein können und organisches Substrat das bisher als Abfall galt (Agrarabfälle, Grünschnitt, Speisereste, Holzreste etc.) durch die Nutzung für die Bioenergiegewinnung zur Steigerung der Biomasse-Wertschöpfungsketten beitragen kann. Auch die aufkommenden Konzepte für Bioraffinerien achten darauf, dass die wertvolle Biomasse möglichst effizient eingesetzt wird.

Bioenergie der nächsten Generation lockert Flächeneffizienz

Biokraftstoffe der nächsten Generation versprechen eine deutliche Verbesserung und die Auflösung vieler Konflikte um die Bioenergie.

Die Geschwindigkeit der Markteinführung von Biokraftstoffen der nächsten Generation hängt auch stark davon ab, wie intensiv wir deren Erforschung und Herstellung in Deutschland fördern. Erst vor einigen Tagen wurde die größte Anlage, eine Demonstrationsanlage, zur Herstellung von Zellulose-Ethanol im bayerischen Straubing in Betrieb genommen.

Foto Mähdrescher und Traktor

Landwirtschaftliche Produktion wächst durch den Einsatz von Landmaschinen

Ohne Zugang zu Kraftstoffen gibt es kaum einen Anstieg der landwirtschaftlichen Produktivität

Viele Länder können sich eine flächendeckende Kraftstoffversorgung auf der Basis von Erdöl gar nicht leisten und hängen demnach in landwirtschaftlichen Produktionssystemen fest, die sich seit Jahrzehnten oder sogar seit Jahrhunderten nur wenig entwickelt haben. Der Betrieb von Maschinen zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität (Mähdrescher, Traktoren, Häcksler etc.) benötigt Energie und Kraftstoffe, die für viele ländliche Regionen in Entwicklungsländern aktuell nicht erschwinglich sind. Stattdessen wird mit einem Handpflug und Zugtieren gearbeitet, welche das Ertragspotential der vorhandenen Ackerflächen nur sehr begrenzt ausschöpfen.

Auf BiomassMuse sind bereits Artikel zur Bioenergie auf dem afrikanischen Kontinent (z.B. Botswana, Kenia oder Tansania) oder dem indischen Subkontinent erschienen, welche zeigen, dass die Bioenergie in diesen Staaten als ein großer Hoffnungsträger zum Aufbau und der Sicherung einer flächendeckenden Energieversorgung und dem Anstieg der landwirtschaftlichen Produktivität betrachtet wird.

Biokraftstoffe (kurzfristig Pflanzenöle und mittelfristig auch Bioethanol und Biodiesel) können in ländlichen Gegenden von Entwicklungsländern dafür sorgen, dass überhaupt ein Automobil oder eine Landmaschine angetrieben werden kann. Die Maschinisierung der Landwirtschaft hat viele Vorteile und führt beispielsweise dazu, dass mehr Landfläche mit weniger Arbeitskraft/ -zeit bestellt werden kann. Viele landwirtschaftliche Produktionsprozesse (Pflügen, Ernten etc.) können mit Hilfe von mit Biokraftstoffen betriebenen Maschinen deutlich effizienter vollzogen werden.

Natürlich kostet der Aufbau eines maschinisierten Fuhrparks Kapital und ohne Investitionen kann die landwirtschaftliche Produktion nicht erreicht werden. Eine wichtige Frage ist, wer beispielsweise in die afrikanische Landwirtschaft investieren möchte, so dass diese produktiver wird und die Dumpingpreise für Agrargüter der industrialisierten Länder nicht mehr fürchten muss? Den Start von Pilotprojekten für den Bau von dezentralen Ölmühlen zur Herstellung von Pflanzenöl (z.B. aus Jatropha) halte ich für großartige Entwicklungsprojekte, welche mit dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ übereinstimmen.

Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwischen Technologieführer-Staaten und Staaten mit großem landwirtschaftlichem und bioenergetischem Potential gibt es viele und ich habe bereits einen Artikel über Win-Win-Situationen im Bereich von Mini-Biogasanlagen geschrieben.

Mehr Aufklärung zur Bioenergie von der Pro-Bioenergie-Fraktion ist wichtig

Viele Akteure der Pro-Bioenergie-Fraktion in Deutschland fragen sich, warum die Entwicklung der Bioenergie nicht genauso schnell voran geht, wie beispielsweise der Ausbau der Photovoltaik oder der Windenergie. Abgesehen von der Biogasbranche, welche die Bioenergielaterne aktuell am Leuchten hält, ist der Ausbau der flüssigen und festen Bioenergie vergleichsweise langsam oder sogar rückläufig (Biodiesel in Europa). Da ich der öffentlichen Debatte um die Bioenergie sehr intensiv folge, wundert mich dieses Schneckentempo nicht. Ein ganz wichtiger Grund für die langsamen Fortschritte ist, dass die Branche selbst sehr zögerlich auftritt, wenn es um effektive Aufklärungsarbeit in den großen Medien geht.

Die Contra-Bioenergie-Fraktion ist so aggressiv oder meinetwegen engagiert bei der Verbreitung von Schreckensmeldungen, dass zumindest ein Teil der Verbraucher durch diese Übermacht an negativen Schlagzeilen stark verunsichert ist. Die Debatte hängt teilweise fest in der Grundsatzfrage, ob Bioenergie überhaupt ein Gewinn für unsere moderne Energieversorgung ist, anstatt konstruktiver zu fragen, welche Bioenergie für welchen Standort die meisten Vorteile bringt. Hier muss viel stärker für die Vorteile der Bioenergie geworben werden!

Wir benötigen Biokraftstoffe zur Lösung der Abhängigkeit vom Erdöl im Verkehrssektor und zum Klimaschutz, weil wir uns kurzfristig wahrscheinlich nicht vom Automobil verabschieden werden und Car-Sharing-Konzepte oder E-Mobilität keine kurzfristig bezahlbaren Drop-In-Technologien sind.

Viele Unternehmen im Bereich Bioenergie sind bisher leider nur wenig aktiv, wenn es um das Starten von Aufklärungskampagnen im Bereich der Bioenergie geht. Ich würde mir wünsche, dass sich die finanzstarken Brancheakteure viel stärker gegen teilweise sehr einseitige, aber nicht unberechtigte, Kritik in Bezug auf Vermaisung, Anstieg der Pachtpreise, Motorschäden durch E10 oder moralische Vorwürfe zur Bioenergie (Tank-oder-Teller-Diskussion, Regenwaldabholzung etc.) in den Medien verteidigen. Manchmal kommt es mir so vor, als betrachten viele Marktakteure diese gesellschaftliche Debatte ausschließlich als eklige Krankheit, die man am besten dadurch heilt, dass man nicht über sie spricht. In vielen Fällen mag das gut funktionieren, aber ich bin nicht sicher ob es in diesem Fall nicht vernünftiger und auch erfolgreicher wäre, sich der Aufklärungs-Debatte etwas offensiver zu stellen. Ich glaube vor allem deshalb an die Kraft einer stärkeren Aufklärung, weil die Bioenergie eben auch viele Vorteile mit sich bringt, die in der aktuellen öffentlichen Debatte der auflagenstärksten Medien leider nur am Rande Beachtung finden. Damit soll es das mit der Prise Kritik an der Bioenergiebranche gewesen sein und ich hoffe für uns, dass wir vor allem bei Biokraftstoffen in Deutschland wieder auf hellere Zeiten zusteuern!

Was denken Sie über den Konflikt zwischen dem Anbau von Nahrungsmitteln und Energiepflanzen. Ist die Bioenergie eines der Hauptprobleme für den Hunger in der Welt oder eher ein Teil der Lösung?