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In der Theorie gibt es viele funktionierende Konzepte und Herstellungsmöglichkeiten für Biokraftstoffe der nächsten Generation. Cellulose-Ethanol ist dabei einer der großen Hoffnungsträger auf dem Biokraftstoffmarkt. Der Up-Scale von kleinen Versuchsanlagen zu funktionierenden Anlagen im industriellen Maßstab ist aber bisher leider noch nicht geglückt. Die größer werdenden Demonstrationsanlagen stehen deshalb unter besonderer Beobachtung der Fachleute weltweit. Im heutigen Artikel werden 2 solcher Biokraftstoffanlagen mit Sitz in Deutschland vorgestellt, deren Entwicklungsstand unterschiedlicher kaum sein könnte.

1 Milliarde US-Dollar für Biokraftstoffe der nächsten Generation in der Luftfahrt

Biokraftstoffe der nächsten Generationen versprechen zahlreiche Vorteile (siehe Artikel) und sind in vielerlei Hinsicht eine echte Weiterentwicklung für die flüssige Bioenergie.

Vor allem in den USA, aber auch in Europa wird in zahlreichen Projekten an der Realisierung der ersten Industrieanlage für Biokraftstoffe der 2. Generation gearbeitet.

So wurde erst in der vergangen Woche von der Obama Regierung ein umfassendes Förderprogramm für die Weiterentwicklungen von Biokraftstoffen der nächsten Generation bekannt gegeben. Dabei werden bis zu 510 Millionen US-Dollar an staatlichen Fördermitteln und ein ähnlicher Betrag aus der Privatwirtschaft eingesetzt, um die Entwicklung von Biokraftstoffen der Folgegeneration in der Luftfahrt  zu unterstützen. Auf diesem Wege soll die Abhängigkeit der USA von Erdölimporten verringert werden. Die USA geben jährlich allein 300 Milliarden US-Dollar für den Import von Erdöl aus.

Wie sieht es mit der Herstellung von Biokraftstoffen der nächsten Generation in Deutschland aus?

Choren meldet Insolvenz für Geschäftsbereiche in Deutschland an

Die Choren-Gruppe hat für ihre Geschäftsbereiche in Deutschland Insolvenz angemeldet. Die Schließung des 1998 im sächsischen Freiberg geöffneten Werks hat europaweit für Enttäuschung gesorgt, da Biokraftstoffe der 2.Generation die Hoffnungsträger der internationalen Biokraftstoff-Branche sind.

Besonders schwer trifft es natürlich die 125 Mitarbeiter in Freiberg und die Angestellten der beiden Tochtergesellschaften der Choren-Gruppe in Deutschland. Die Tochterunternehmen in den USA und China sind von der Insolvenz nicht betroffen.

Choren stellte in Deutschland Biochemikalien und Biokraftstoffe her. Ein Spezialgebiet ist die Herstellung von Synthesegas (Syngas) aus kohlenstoffhaltigen Feststoffen wie holzartiger Biomasse.

Nach dem patentierten Carbo-V®-Verfahren wird durch Biomasse-Vergasung (siehe Artikel zur Hydrothermalen Karbonisierung) und anschließender Fischer-Tropsch-Synthese der Biokraftstoff SunDiesel hergestellt. Biokraftstoffe die auf diese Art gewonnen werden, sind unter dem Namen BtL (Biomass-to-Liquid) bekannt.

In der seit 2009 laufenden Demonstrationsanlage in Freiberg wurden auf diesem Wege aus 65.000 Tonnen Wald- und Altholz etwa 18 Millionen Liter SunDiesel pro Jahr hergestellt.

Was waren die Ursachen für die Insolvenz?

Wie in einem Blog-Artikel von Robert Rapier (ehemaliger technologischer Berater von Choren) nachgelesen werden kann, liegen die Ursachen für die vorläufige Insolvenz von Choren wahrscheinlich nicht in der verwendeten Technologie. Die Funktionsweise des Verfahrens zur Vergasung von Biomasse hat sich in einer kleineren Pilotanlage bereits seit 2003 bewährt.

Der englischsprachige Artikel von Robert Rapier bietet außerdem einen Einblicke in die bisherige Entwicklung der Choren-Gruppe, allgemeine Probleme beim Up-Scale von Pilotanlagen und einen starken Glauben an die Gasification-Technology für Biomasse.

Was war dann der Grund für die Insolvenz, wenn nicht das verwendete technologische Verfahren?

Hoffnung für den Biokraftstoffhersteller Choren Industries

Die genauen Aussagen der Insolvenzverwalter von der Kanzlei Kübler werden noch erwartet, aber es wird vermutet, dass Probleme beim Scale-Up der Demonstrationsanlage und damit verbundenen kurzfristigen Finanzierungsproblemen die Ursache für den Konkurs der Choren Industries GmbH waren.

Es gibt also auch Hoffnung für alle Betroffenen und den Biokraftstoffsektor in Deutschland, dass durch das eingeleitete Insolvenzverfahren eine Lösung der Finanzprobleme gefunden wird und zahlreiche Arbeitsplätze und die inhaltlichen Geschäftsfelder der Choren-Group gerettet werden können. Gespräche mit möglichen Investoren werden den Angaben von Insolvenzverwalter Dr. Bruno Kübler zur Folge bereits geführt.

Süd-Chemie baut größtes Cellulose-Ethanol Werk Deutschlands

Die Süd-Chemie AG ist dabei eine Demonstrationsanlage für Biokraftstoffe der zweiten Generation in Straubing zu errichten. Am 26.Juli wurde im Beisein von Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil der Grundstein für das bisher größte Werk dieser Art gelegt.

Für 28 Millionen Euro wird nahe des BioCampus in Straubing eine Ethanolanlage entstehen, die schon Ende 2011 mit der Herstellung von 2.000 Tonnen Cellulose-Ethanol pro Jahr beginnen wird. Als Substrat wird dabei auf Stroh und andere Reststoffe aus der Landwirtschaft zurückgegriffen. Es wird somit auf innovative Rohstoffe für die Herstellung von Biokraftstoffen zurückgegriffen, welche nicht von der Tank-oder-Teller-Diskussion betroffen sind.

Außerdem ist die Klimabilanz der gesamten Herstellungskette noch besser als bei Bioethanol der 1.Generation und es können Treibhausgas-Einsparungen von bis zu 95% (!) verglichen mit fossilen Kraftstoffen erreicht werden.

Die Kompetenz-Region für Nachwachsende Rohstoffe um den BioCampus in Straubing entwickelt sich zu einem guten Zeitpunkt und federt die schlechte Nachricht um die Insolvenz der Choren Industries GmbH etwas ab.

Berg – und Talfahrt der Biokraftstoffbranche in Deutschland setzt sich fort

Es ist bisher ein aufregendes Jahr für die Biokraftstoff-Branche in Deutschland gewesen. Die Nachrichten des vergangenen Monats um die Insolvenz von Choren in Freiberg und die Eröffnung des Cellulose-Ethanol-Werks der Süd Chemie AG in Straubing fügen sich symbolisch in diese Landschaft ein.

Die dramatische Einführung von E10 zu Beginn des Jahres 2011 war ein erster Rückschlag für die Biokraftstoff-Branche in Deutschland. Mittlerweile ist dieses Tal durchschritten und die Einführung des Bioethanol-Kraftstoffgemisches auf einem besseren Weg.

Gut, dass es auch weitere positive Nachrichten aus der Welt der Biokraftstoff-Branche gibt und somit die weniger schönen bis traurigen Nachrichten gedämpft werden. So hat ADM, der führende Biodieselhersteller in Deutschland und Europa, erst in den letzten Tagen bekannt gegeben, dass die Einfuhr von Soja-Bohnen die Nachhaltigkeits-Standards des ISCC erfüllt. Somit steht die Herstellung von Biodiesel in Deutschland trotz der zunehmenden Umweltauflagen auf einem sicheren Fundament.

In den nächsten Monaten könnten vor allem die Entwicklungen in der Luftfahrt für einen weiteren Anschub der Biokraftstoffbranche sorgen. Das Jahr 2011 bleibt also weiterhin spannend und Rückschläge und Erfolgsgeschichten in der Welt der Biokraftstoffe wechseln sich weiterhin ab.

Der Anlage der Süd-Chemie für die Herstellung von Cellulose-Ethanol wünsche ich viel Erfolg beim Bau und Betrieb und der Choren-Gruppe das Auffinden eines starken Investors, welcher die Weiterführung des Geschäfts ermöglicht!


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