Totgesagte leben länger: Biosprit avanciert zum Vorbild für Nachhaltigkeit

Biosprit steht nicht nur für den Vertreter der Bioenergie-Gemeinschaft der sich für die Energiewende im Kraftstoffmarkt engagiert, sondern gleichzeitig auch für den am schärfsten kritisierten regenerativen Energieträger überhaupt. In den vergangenen 3 Jahren gingen in den Medien regelmäßige Shitstorm-Salven über den Biosprit-Befürwortern nieder, welche die Branche bis an die Grundsatzfragen ihres eigenen Existenzrechts geführt haben. Die aufgezwungene Katharsis und Beschäftigung mit der eigenen dunklen Seite hat die Biosprit-Branche nachhaltig verändert. Es freut mich, dass ich nach langer Zeit endlich mal wieder über Biosprit als ausgeschriebenes Vorbild berichten kann. Biosprit wird dank der politischen, technischen und rechtlichen Entwicklungen zu einem Vorbild für die Nachhaltigkeit innerhalb der Energie- und Landwirtschaft. Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen? Blicken wir einige Jahre zurück, als sich die Kritik und der mediale Shitstorm zum Biosprit langsam aufbauten…

Biosprit ist nicht tot

Der heilige Gral der Nachhaltigkeit

Wir schreiben das Jahr 2007. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Maßnahmen zum Klimaschutz und das wachsende Bewusstsein für die Endlichkeit des Erdöls haben zu raschen Erfolgen innerhalb der Biosprit-Branche geführt. Die Klimaschutz- und daraus erwachsende Energiewende-Bewegung haben die Weichen für einen stärkeren Einsatz von Biosprit in Europa und den USA gestellt. Es gab einen breiten Konsens, dass Bioethanol und Biodiesel beim Überwinden gleich mehrerer gesellschaftlicher Herausforderungen nützlich sind:

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  • Senkung der Abhängigkeit von endlichen und fossilen Energieträgern wie Erdöl und Kohle
  • Unterstützung der Landwirtschaft von Entwicklungsländern die sich den Import fossiler Kraftstoffe (steigender Erdölpreis) nicht leisten können
  • Als Folge der landwirtschaftlichen Revolution in Entwicklungsländern (Punkt 2) wurde eine schnellere Bekämpfung des Welthungers gesehen
  • Reduzierung vom Ausstoß an treibhausfördernden Emissionen (CO2+) in die Atmosphäre
  • Stärkung der regionalen Land- und biobasierten Kreislaufwirtschaft

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Dann kam die Enttäuschung und wir haben wiedermal erfahren müssen, dass die Welt komplexer und unvorhersehbarer ist, als uns häufig lieb ist. Man kann die Entwicklungen und Auswirkungen einer hochgelobten und dadurch rasch wachsenden Branche nicht am Reisbrett vorherzeichnen! Vorsichtig gesagt hat das dazu geführt, dass sich in der Praxis nicht alle großen Hoffnungen an den Heilsbringer Biosprit erfüllt haben. Im Gegenteil kam plötzlich ans Licht, dass jede Technologie auch eine dunkle Seite hat.

Einige Erfahrungen der vergangenen Jahre haben die Wahrnehmung der Nachhaltigkeit von Biosprit stark verändert. Deutlicher gesagt haben vor allem die im Folgenden ausgeführten Entwicklungen die Branche wie ein Hurrikan überzogen und nachhaltig geprägt.

Nachhaltigkeits Trias

1. Die soziale Nachhaltigkeit von Biosprit

Die Explosion der Nahrungsmittelpreise und die daraus resultierende Nahrungsmittelkrise 2007-2008 (Afrika, Südostasien, Mexiko) hat das Fundament der erneuerbaren Kraftstoffe erstmals erschüttert. Neben weiteren Ursachen (Agrar-Spekulationen, steigender Fleischkonsum, Dürren etc.) wurden die Biokraftstoffe als Hauptverantwortliche für den Anstieg der Nahrungsmittelpreise und damit verbundene Hungerkatastrophe ausgemacht.

Heute, nach einigen Jahren Zeit für Studien über neue Zusammenhänge der globalen Nahrungsmittelpreise allgemein und eine gründliche Analyse der Tortilla-Krise speziell kommt der Biosprit deutlich besser weg. Die erste sehr emotionale Reaktion wurde um rationale Fakten ergänzt. Meiner Einschätzung nach stimmen die meisten Fachleute heute darüber überein, dass der Anbau von Mais zur Umwandlung in Bioethanol einen Einfluss auf die Entwicklung der lokalen Agrarrohstoffpreise hat. Der Einfluss der Biosprit-Produktion auf die Entwicklung der Weltmarktpreise für Nahrungsmittel wird jedoch als sehr begrenzt angesehen. Diese Einschätzung lässt sich nachempfinden, wenn man berücksichtigt wie gering der Anteil von Bioethanol am globalen Getreideverbrauch ist. Dieser ist im vergangenen Jahr sogar wieder gesunken und liegt bei etwa 6 Prozent.

Biosprit und globaler Getreideverbrauch

Trotzdem hat die Tortilla-Krise als Tragödie ihren Platz im kollektiven Unbewussten eingenommen und mahnt uns aus den gemachten Fehlern zu lernen.

Außerdem wird aktuell das Szenario stärker berücksichtigt, dass Biosprit auch zur Überwindung des Hungers einen wichtigen Beitrag leisten kann. Und auch das Setzen auf Biosprit der nächsten Generation aus Substraten wie Algen, Abfällen und Zellulose steht für die Anerkennung der sozialen Nachhaltigkeit von Biosprit.

2. Die ökologische Nachhaltigkeit von Biosprit

Kommen wir zum zweiten Vorwurf der gegen die Nachhaltigkeit von Biosprit hervorgebracht wird: das Fehlen der ökologischen Nachhaltigkeit. In der Nachhaltigkeits-Trias der 1987 zusammengekommenen Enquete-Kommission des deutschen Bundestages („Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre“) wird ein vernünftiges Gleichgewicht aus sozialer, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit empfohlen. Natur- bzw. Umweltschutz sind demnach wichtige, aber eben nicht die einzigen Schutzgüter.

Zurück zur Biosprit-Kritik. Ein weiterer Rückschlag für die Biosprit-Branche waren die schockierenden Bilder, welche die zunehmend industrialisierte Palmöl-Gewinnung in Indonesien und teilweise in Malaysia mit sich brachte. Der rasche wirtschaftliche Aufstieg beider Länder in Südostasien ist eng an den Anbau der effektivste Ölpflanze der Welt gebunden. Arbeitsplätze, Bildung, Infrastruktur und viele andere erfreuliche Errungenschaften wurden im Zuge der beflügelnden Palmöl-Erfolge erreicht. Entsprechend wenig vorsichtig waren die Staaten zu Beginn beim Schutz ihrer wertvollen Urwälder. Nur am Rande sollte hier fairerweise erwähnt werden, dass Europa seine Urwälder schon vor vielen Jahrzehnten komplett zerstört hat. Der Grund war auch hier das Setzen auf wirtschaftliche Entwicklung und einen höheren Lebensstandard.

Zurück nach Südostasien. Es ist so, dass etwa 5 Prozent des Palmöls auch für die Herstellung von Biodiesel genutzt werden. Dafür gab es heftige Kritik am veresterten Biosprit (Biodiesel) und dieser wurde in der Folge zu einem Symbol für die Abholzung von Regenwäldern.

Plamöl Nutzung für Biosprit 2011

Auch hier gilt also wieder, dass der Umgang mit Biosprit eine dunkle Seite hat. Aber Biosprit ist nicht allein- und schon gar nicht hauptverantwortlich für die Zerstörung wertvoller Ökosysteme. Und man sollte berücksichtigen, dass diese zerstörerische Seite des teilweise stattfindenden Palmöl-Raubbaus auch eine sehr helle Seite hat, die sich in der wirtschaftlichen Entwicklung Südostasiens niederschlägt. Deshalb ist der Palmöl-Konflikt in erster Linie die Konsequenz eines schwierigen Bedürfnis-Dilemmas zwischen ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit.

Dass der Entzug vom Erdöl mit harten Entzugs-Erscheinungen einhergeht, ist uns spätestens seit den tragischen Erfahrungen der Palmöl-Industrie bewusst geworden. Trotzdem bleibe ich dabei, dass ein Umstieg von Erdöl auf Pflanzenöl ein notwendiger Schritt ist, wenn wir unseren Lebensstil nicht radikal ändern möchten. Aber auch wenn wir nichts unternehmen, wird sich unser Lebensstandard bei den vorherrschenden Rahmenbedingungen ändern (knapper und teurer werdende fossilen Ressourcen); und wahrscheinlich nicht zu unseren Gunsten!

Dieser Artikel läuft unter der Headline „Biosprit avanciert zum Vorbild für Nachhaltigkeit“. Bisher geht es aber vor allem um die Aufarbeitung der düsteren Seiten von Biosprit. Dass diese dunklen Erfahrungen der Biosprit-Branche letztlich dabei geholfen haben den nachhaltigen Umgang mit der wertvollen Substanz Biomasse zu verbessern (Aufbau von Zertifizierungssystemen für Nachhaltigkeit), wird im nächsten Artikel tiefer betrachtet. In diesem Artikel soll es der Vollständigkeit wegen noch um die letzte Nachhaltigkeits-Dimension von Biosprit gehen.

3. Die ökonomische Nachhaltigkeit von Biosprit

Machen wir uns nichts vor, wer eine industrielle Anlage für mehrere hundert Millionen Euro baut, muss mit den Einnahmen aus dem Betrieb der Anlage mindestens seine Belegschaft bezahlen können und möchte idealerweise auch Gewinn machen. Das ist bei Biosprit genauso wie bei jeder Erdöl-Raffinerie die uns mit den Erdölprodukten versorgt, die wir Konsumenten täglich wünschen. Ohne die Möglichkeit auf finanziellen Gewinn geht niemand die Risiken ein und investiert in den aufwendigen und teuren Bau eines Biodiesel- oder Bioethanolwerks. Deshalb benötigt jedes unternehmerische Handeln auch ein nachhaltig funktionierendes Geschäftsmodell. Und genau diese benötigte ökonomische Nachhaltigkeit, meinetwegen auch Investitionssicherheit (siehe Verbio AG), ist beim Bau von Biosprit-Anlagen aktuell stark gefährdet.

Der Einsatz von Biosprit ist eng gekoppelt an den Wunsch von Gesellschaft, speziell den Autofahrern, aktiv zu Klimaschutz sowie Energie- und Rohstoffwende beizutragen. Biosprit ist aktuell die einzige Alternative, die eine rasche, bezahlbare und vergleichsweise sanfte Energiewende im Mobilitätssektor ermöglicht. Elektromobilität, Car-Sharing-Konzepte oder der komplette Verzicht auf das Autofahren sind weitere Alternativen für einen Entzug von fossilen Rohstoffen. Diese Alternativen sind aber alle deutlich kostenintensiver, benötigen noch viel Entwicklungszeit oder fordern von den Autofahrern große Einschränkungen. Alle Alternativen sind wichtig, aber meiner Meinung nach trägt Biosprit am schnellsten und unkompliziertesten zum Klimaschutz bei!

Mit diesem Anspruch sind die Akteure der Biosprit-Branche auch angetreten: dass sie klimaneutral und somit ein direkter Beitrag zum Klimaschutz sind. Vor allem beim Anbau von klassischen (überholten?) Energiepflanzen der ersten Generation haben Wissenschaftler mittlerweile festgestellt, dass die einfache Rechnung nicht aufgeht, nach der die Pflanze für ihr Wachstum maximal soviel CO2 aufnimmt, wie bei der Verbrennung des aus ihr hergestellten Biosprits wieder freigesetzt wird. Heute ist man realistischer und berücksichtigt, dass der Anbau von Energiepflanzen und die Veredelung der Agrarrohstoffe auch Verfahrensschritte benötigt, welche einen zusätzlichen Energiebedarf haben. Vor allem in einer fossil geprägten Energiewirtschaft bedeutet das weitere Emissionen durch Biosprit.

An dieser Stelle möchte ich aber auch daran erinnern, dass die nachgelagerten Produktionsprozesse für die Förderung, Verarbeitung und den Transport von fossilen Rohstoffen ebenfalls zusätzliche Emissionen freisetzen! Wenn man die Emissions-Rechnung also auf die Verarbeitungsprozesse ausweitet, dann muss man das fairerweise auch für die fossilen Kraftstoffe tun. Und dann stehen die Biokraftstoffe wieder deutlich besser da. Meines Wissens ist das bisher nicht der Fall. Einzig der Biosprit muss seinen ökologischen Fußabdruck über die gesamte Wertschöpfungskette nachweisen, um als Biosprit in Europa eingesetzt werden zu dürfen. Diese ungleiche Bewertung von fossilen und regenerativen Kraftstoffen hat sich in dem komplexen Modellansatz ILUC zugespitzt. Das Konzept um die indirekten Landnutzungsänderungen (ILUC) ist sehr umstritten und würde Biosprit deutlich stärker belasten, als alle anderen Kraftstoffe. Das Messen mit zweierlei Maß ist eine tiefe Ursache, warum der Eintritt von Biosprit in den Kraftstoffmarkt aktuell so zäh verläuft. Deshalb hat sich die EU-Kommission in den vergangenen Jahren auch so schwer getan, einen einseitigen ILUC-Faktor für Biosprit einzuführen.

Ohne die klare Zusage, dass die Klimabilanz von Biosprit zum überwiegenden Teil deutlich besser ist als die von fossilen Kraftstoffen, werden es die alternativen Kraftstoffe im hart umkämpften Kraftstoffmarkt sehr schwer haben. Der ökonomische Erfolg von Bioethanol & Co steht und fällt damit, ob sie die Einzigen sein werden, die hohe Nachhaltigkeitsstandards einhalten müssen und ob der europäische Emissionshandel (ETS) wiederbelebt werden kann.

Biosprit: Mit hohen Anforderungen entlassen von der Anklagebank

Abschließend noch ein kurzes Resümee.

Alle 3 Zielkorridore für Nachhaltigkeit (ökologisch, sozial und ökonomisch) bedingen sich gegenseitig. Teilweise stehen sie im Konflikt zueinander und manchmal begünstigen sie sich. Wer so scharf kritisiert wird wie der Energieträger Biosprit und praktisch dazu gezwungen wird sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auf allen Ebenen zu beschäftigen, lernt natürlich bei diesem Prozesse auch viel über das Ideal der Nachhaltigkeit. Das ist der Grund, warum Biosprit aktuell vom Angeklagten zum Lehrer der Nachhaltigkeit avanciert. Dass es für diese ebenfalls vorhandene Vorbild-Funktion des stark kritisierten Biosprits bereits konkrete Beispiele gibt, wird im nächsten Artikel berichtet.

Feedback zum Thema Nachhaltigkeit und Biosprit sind herzlich willkommen![/fusion_builder_column][/fusion_builder_row][/fusion_builder_container]

About the Author:

Ron "BiomassMuse" Kirchner ist Umweltingenieur, Fachjournalist und WebDesigner. Eine für BiomassMuse nützliche Mischung, da diese einen unabhängigen Schreibstil unterstützt. Aus der Hauptstadt schreibt er über den Einsatz der gasförmigen, flüssigen und festen Bioenergie im Strom-, Wärme- und Kraftstoffmarkt. Außerdem engagiert er sich gemeinsam mit anderen Energiebloggern für das Gelingen einer bürgernahen und ganzheitlichen Energiewende.

25 Comments

  1. Andreas 25. Februar 2016 at 18:33

    Hallo alle zusammen,
    eine rege Diskussion über Probleme, die nicht einfach gelöst werden können. Fantastisch…

    In diesem Zusammenhang will ich hier mal ein vorbildhaftes Unternehmen vorstellen.
    Die Firma LipiTec in Thüringen ist eine Bioraffinerie die sich mit Abfallfetten der deutschen Lebensmittelindustrie beschäftigt. Entstanden ist die Firma aus dem Gedanken Paraffin und Palmöl in Kerzen durch das natürliche Abfallmaterial zu ersetzen. Diese Entwicklung ist dem Unternehmen gelungen, die Kerzen sind marktreif. Weiterhin will das Unternehmen das Material auch in anderen Produkten unterbringen, damit immer weniger Rohstoff (Palm und Paraffin use.) aus weit entfernten Ländern antransportiert werden muss.

    Die Leitlinie des Unternehmens ist immer zuerst Rohstoffe als Lebensmittel zu nutzen, dann zum nächst höchstwertigen Produkt zu recyceln, solange es wiederverwendet und recycelt werden kann, bis erst ganz zum Schluss die energetische Nutzung eintrifft. Wer demnach Palmöl, Raps, und sonstige Lebensmittel verbrennt, begeht ein Verbrechen gegen die Menschheit.

    Zu finden sind die Produkte bis dato unter dem Markennamen „Biokema“.

    Sie sehen also, es gibt immer noch höherwertige Verwendungszwecke für sogenannten „Bio-Abfall“ bevor man sie für immer verbrennt.

    Viele Grüße,
    Andreas

  2. Erik 17. Dezember 2013 at 19:51

    Hallo,
    ich kann einige Kommentare hier in keinster Weise nachvollziehen.
    Mann muss erneuerbare Energien bzw. Biokraftstoffe sachlich betrachten.
    Jeder der das tut, kommt zum Ergebniss, dass erneuerbare Energien die einzige Alternative für eine bessere Zukunft sind.
    Wichtig ist vor allem der ökologische Anbau, Nachhaltigkeit und die Effizienz aller Prozesse. So macht es zum Beispiel keinen Sinn, Tausende Hektar Land in Deutschland brach liegen zu lassen, um Kartoffeln aus Ägypten zu importieren. Es macht aber auch keinen Sinn, in Deutschland Weizen anzubauen, um Ihn dann nach Afrika zu exportieren. Zumal fraglich ist, in wie weit Acker der nicht mit Weizen bestellt ist, tatsächlich den Hungernden dieser Welt zu Gute kommt.
    Da die meisten sogenannten Entwicklungsländer durchaus das Agrarpotenzial hätten, sich zentral zu versorgen, liegt das Problem also woanders. Aber in diesem Beitrag ging es ja nicht um Gewinnmaximierung und die skrupellose globale Ausbeutung einiger Firmen, sondern um Biokraftstoffe aus Energiepflanzen als Chance!
    Natürlich ist es fatal Regenwald abzuholzen um auf den gerodeten Flächen Zuckerrohr für Sprit oder Sojabohnen für deutsche Milchkühe anzubauen. Früher oder später werden die Staaten und seine Menschen die Zusammenhänge und gemachten Fehler begreiffen. Daher ist Bildung und Entwicklungshilfe unabdingbar. Anderseits muss man die Politiker (mit Importverboten) dazu bringen, Gesetze durchzusetzen die den ökologischen Ackerbau und nachhaltige Forstwirtschaft fördern. Desweiteren ist es letztlich natürlich auch unser Kaufverhalten welches den Markt massiv beeinflußt. Ob Exotische Früchte,
    die 15€ Jeans aus Bangladesh oder das Papier das kein FSC oder blauen Engel hat! Jeder muss was tun.
    Es wird unseren nachfolgenden Generationen auch nichts anderes übrig bleiben, als auf Biokraftstoffe zu setzen. Ob es nun Mais, Silphie, Algen, Wasserstoff, Biomethan (gewonnen aus Elektolyse) oder Strom sein wird, die Technologien gibt es ja bereits heute.
    Wer es sich finanziell leisten kann sollte schon heute sein Auto umrüsten und auf erneuerbare Biokrafstoffe wie Bioethanol E85 oder Bioethanol aus seiner Region setzen.
    Nur so wird Druck auf die Ölindustrie ausgeübt und die riesigen Algenanalgen in Afrikas Wüsten können kommen…

    Viktor

  3. Christine Denck 7. Oktober 2013 at 15:38

    Sehr geehrter Herr Kirschner,

    sicher haben Sie mittlerweile die Situation in Papua recherchiert, wo sich leider nur einer der Brennpunkte der Folgen unseres Ressourcenhungers befindet, schliesslich sind Sie ja Fach-Journalist.

    Ich möchte diesbezüglich noch auf den Themenabend auf ARTE hinweisen, der noch bis morgen auf deren Webseite zu sehen ist:

    wewewe: future[PUNKT]arte[PUNKT]tv/de/thema/wachstumsskepsis

    Eine Antwort auf viele Fragen?

  4. Ron Kirchner 28. September 2013 at 10:42

    Also die FDP habe ich nicht gewählt, falls Sie das meinen.

    Ihre Argumente gegen Biosprit kann ich wie gesagt gut verstehen. Ich kann auch nichts gegen die Nachteile und Risiken einer industrialisierten Palmöl-Industrie sagen. Beide Punkte werden auf dieser Seite auch sehr penetrant immer wieder erwähnt. Da sind wir weitgehend auf einer Linien finde ich. Ich weigere mich nur, dass aller Biosprit Teufelszeug, wie es in vielen großen Medien während der letzten Jahre war. Erfreulicherweise ändert sich das gerade wieder. Landwirtschaftliche Revolution in Enticklungsländern, Biosprit der nächsten Generation (Algen, Abfälle, Zellulose etc.) und der Beitrag zur Loslösung vom Erdöl sind zum Glück Punkte, die endlich wieder die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben.

    Außerdem teilen wir die Ansicht, dass der regionale Anbau von Energiepflanzen ökologisch gesehen um ein vielfaches besser ist, als der globale Transport von land- und forstwirtschaftlichen Produkten. Aktuell werden die externen Kosten von Industrien (Umweltschäden, Emissionen etc.) leider noch nicht im Marktpreis berücksichtigt, weshalb Industrien ökonomisch gesehen um ein Vielfaches erfolgreicher sind. Würden die externen Kosten stärker berücksichtigt, hätten sich Biokraftstoffe und hier vor allem die regional produzierten wahrscheinlich schon längst durchgesetzt. Soviel zu dem Vorwurf, dass ich ein positivistischer Marktgläubiger bin.

    In Südostasien bin ich übrigens demnächst unterwegs, aber schlimmer als die dramatischen und sehr einseitigen Bilder in ausgewählten Medien (brennende Regenwälder, hungernde Kinder in Afrika), kann die Realität ja kaum sein.

    So wie Sie über Biosprit sprechen, haben Sie ein sehr differenziertes Bild von diesen Energieträgern. Das freut mich und kann ich auch bei Ihrem eher kritischen Blick auf Bioethanol und Biodiesel komplett respektieren. Das ist alles, was ich mir für Verbraucher von Energie und Erdöl wünschen würde. Ein faires Bild von Biosprit. Biosprit ist eben nicht nur Hunger und Umweltzerstörung, sondern teilweise auch genau das Gegenteil.

  5. Pan Forestal 27. September 2013 at 09:29

    Bitte schildern Sie mir doch kurz die sozialen Vorteile von illegalen Landverkäufen, darauffolgende Vertreibung der kleinbäuerlichen Bewohner dieser Ländereien. Die werden wahrscheinlich noch übertroffen von den ökonomischen Vorteilen, die eine diversifizierte dörfliche Einkommensstruktur zugunsten eines meist internationalen Investments und darauffolgender Ausbeutung weniger Arbeitskräfte aufgibt.
    Herr Kirchner, waren Sie je in einem Land in dem Palmöl produziert wird, oder habe Sie je andere Berichte gelesen, als die Hochglanzprospekte von Zertifizierungsunternehmen? Korruption bestimmt dort die Landnutzung zu großen Teilen – und wenn Sie dann das Palmöl exportieren bleibt nichts anderes als eine Bananenrepublik zurück, denn alle weiteren Veredelungsschritte werden fast ausschließlich in den Ländern unternommen, in denen dann auch die von Ihnen beschriebenen ökonomische und sozialen Vorteile bestehen.
    Die Regierung in Brasilien hat übrigens längst wieder umgeschwenkt, von harter Verfolgung kann keine Rede mehr sein, eher von Investitionsanreize zur Urwaldrodung (hier übrigens eher für Bioethanol).
    Die Crux mit den erneuerbaren Energien, und sozusagen ihre Verbreitungsprämisse, war und sollte wieder sein, dass sie regional produziert werden, dass muss auch für ihre Rohstoffe gelten, besonders wenn diese reine Verbrauchs- oder Betriebsstoffe und nicht Konstruktionsmaterialien sind. Es gibt in Europa noch viele Flächen die einem kreativen, individuellen aber halt nicht hochindustrialisierten (und daher für Großkapital einzig interessanten) Anbau zuließen.
    Und die Industrien die früher hierzulande so viel kaputtmachten, taten dies in einem weit stabileren Ökosystem als es die tropischen Wälder sind – und mit weit weniger maschinellen Möglichkeiten – also hinkt der Vergleich, den Sie stets bemühen.
    Aber ich habe Sie längst im Verdacht, dass sie ein positivistischer Marktgläubiger sind, bei dem Einkommen für Wenige immer gleich Vorteile für Alle bedeuten – und diese Ideologie hat sich wie die sie vertretene Partei überholt.

  6. Ron Kirchner 26. September 2013 at 23:06

    Was mich freuen würde ist, wenn wir nicht alle Biokraftstoffe über einen Kamm scheren, sondern das es sich lohnt zu differenzieren!
    Okay, es gibt eine dunkle Seiten der Biosprit-Herstellung (die Situation in West-Papua kenne ich offen gestanden nicht), aber wie viel ist das? Der wirklich überwiegende Anteil (offiziell sogar 100 Prozent) des in Deutschland eingesetzten Bioethanols und Biodiesels stammt mittlerweile aus nachhaltigem Anbau!

    Es gibt die Zerstörung von wertvollen Ökosystemen für den Anbau von Nahrungsmitteln, Kosmetik, Biosprit, Möbeln etc. Das ist traurig und werden wir wahrscheinlich nicht zu 100 Prozent stoppen können, weil auch die Gier ein Teil des Menschen ist. Ich finde es lohnt sich, gegen Missstände anzukämpfen! Aber ich finde es zu extrem, daraus den Schluss zu ziehen (und das wäre dann konsequent), dass wir gar keine Produkte mehr aus Asien, Südamerika, Afrika etc. beziehen dürfen, weil das Risiko besteht, dass die Menschen/ Unternehmen vor Ort andere ökologische, soziale und ökonomische Ziele haben. Diese Kröte muss man meiner Meinung nach schlucken, wenn man das Zusammenwachsen der Welt (Globalisierung) prinzipiell befürwortet. Aber an diesem Punkt weicht die Diskussion definitiv zu weit von ihrem Ursprung (Biosprit!) ab.

  7. Christine Denck 26. September 2013 at 19:20

    Ich möchte doch noch mal darauf hinweisen, dass die „betroffenen Vertreter“ i.d.R. NICHT in den Regierungen sitzen, sprechen Sie lieber mit den wirklich Betroffenen!
    Schauen Sie zB. nach West-Papua (solange es noch steht), einer der aktuellen Brennpunkte der Rohstoffausbeutung!
    Wagen Sie ruhig einen tieferen Blick, aber Vorsicht, es könnte weh tun!

    Es geht doch nicht darum, „Wohlstand“ zu verbreiten, wir wollen Menschen (ich meine Menschen, nicht Regierungen), die dies weder wollen und noch brauchen, unser System aufzwingen wollen, damit wir munter weiter konsumieren können.
    Ich schäme mich!

    Noch dazu schaufeln wir uns so unseres eigenes Grab.

    Wenn wir als Europäer den anderen Staaten einen wirklich „tollen Weg“ zeigen wollten, sollten wir schon komplett umdenken!
    Und das sollte sehr sehr viel tiefer greifen als die Schaffung immer neuer wertloser Nachhaltigkeitssiegel.

  8. Ron Kirchner 26. September 2013 at 16:00

    Der Erfolg des Palmölanbaus ist beeindruckend und erschreckend zugleich. Mit einer unschlagbaren Flächeneffizienz von 4 – 6 Tonnen Pflanzenöl pro
    Hektar und Jahr liegt Palmöl deutlich über dem Ertrag unseres heimischem Rapsöls (1.5 – 2.5 Jato). Wahrscheinlich war es nur eine Frage der Zeit, bis sich in Malaysia und Indonesien eine starke Industrie entwickelt, um die Schätze dieser lokalen Ressource zu bergen – mit allen ökonomischen und sozialen Vorteilen und den ökologischen Nachteilen.

    Aber wie bereits gesagt, sind sich sie politischen Vertreter in den betroffenen Staaten diesem sensiblen Gleichgewicht zwischen ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit sehr bewusst. Deshalb ist vor allem Malaysia während der vergangenen Jahre sehr hart gegen den Raubbau vorgegangen. Der Schutz ihrer wertvollen Wälder/ Ökosysteme ist genau wie in Brasilien zu einem wichtigen nationalen Ziel gereift. Ich möchte das nicht schön reden und auch nicht entschuldigen, aber ich glaube jede Industrie macht vor allem in starken Wachstumsphasen Dinge, die sie im nachhinein bereut. Was wäre denn ihr Vorschlag, wie Malaysia und Indonesien mit den heimischen Wäldern und Palmöl-Plantagen umgehen sollte?

  9. Pan Forestal 26. September 2013 at 14:04

    Als ich 2006 zum ersten Mal ein Unternehmen vor der Verwendung von Palmöl in BHK gewarnt habe, wurde mir entgegnet, dass die energetische Nutzung von Palmöl nur 1% ausmache, im Gegensatz des enormen Bedarfs der Nahrungsmittel- und Chemischen Industrie. Heute sehe ich in Ihrer Grafik, dass bei weltweit ohnehin gestiegenem Bedarf, der Anteil des Palmölverbrauchs für die enerbare Energieerzeugung bei 5% liegt – also immerhin eine 500%ige Steigerung (des Anteils innerhalb von 6 Jahren).
    Zudem möchte ich daran erinnern, welche enormen Nachteile aus Landnutzungsänderungen für das Klima aber eben auch meist der Anrainer dieser Flächen entstehen.
    Die Prämisse, eine wirtschaftliche Erschließung einer Naturressource bedinge hernach auch soziale und ökologische Wohltaten, ist jene Mär, die die deutsche Forstwirtschaft schon seit Jahrzehnten in ihrer leckgelaufenen Kielwassertheorie so fälschlich predigt.

    Für mich bleibt eine Umwandlung von hochsensiblen (im Gegensatz zu unseren Breitengraden) tropischen Primär-Ökosystemen in sozial ausbeuterische, mafiös etablierte und biodiversitär verarmte Ökonomiesysteme die schlechteste aller Möglichkeiten.

  10. Ron Kirchner 26. September 2013 at 11:31

    Sehr geehrter Herr Hasenberg, vielen Dank für Ihr differenziertes Feedback zum Thema Biosprit.

    Das Problem der Biosprit-Debatte in den Medien ist in meinen Augen, dass nur sehr selten so ausgewogen über die Potentiale und Risiken dieser nachwachsenden Energieträger berichtet wird, wie Sie es gerade getan haben. Für Bürger die davon überzeugt sind, dass Biokraftstoffe genauso viel zur Beseitigung des Hungers und zum Klimaschutz beitragen können, wie sie angeblich weltweit dagegen tun, ist das ein frustrierender Status Quo. Wenn selbst Freunde daran glauben, dass vor allem Biosprit für die Regenwaldabholzung verantwortlich ist, ist das schon frustrierend. Mit dem Hinweis auf die gestiegene Lebensmittelproduktion in China haben Sie dieses Problem schön relativiert.

    Aber es hilft den Befürwortern von Biosprit zu wenig, wenn eine kleine Zahl von interessierten Fachleuten über die dunkle UND helle Seite von Biosprit weiß, wenn gleichzeitig der überwiegende Teil der Energieverbraucher seine Informationen über Spiegel-Online bezieht. Ich kann nichts über die anderen Artikel von SPON sagen, aber was dort in den letzten 3 Jahren über Biosprit geschrieben wurde ist unterirdisch und hat für mich nichts mehr mit ausgewogenem Journalismus zu tun.

    Themen wie Biokraftstoffe der nächsten Generation, der erfolgreiche Aufbau von Zertifizierungsprogrammen oder Projekte zur landwirtschaftlichen Revolution in Entwicklungsländern werden so gut wie nie angesprochen. Vor allem deshalb ist das Biosprit-Image so einseitig düster.

    Dabei sehe ich den Biosprit-Beitrag zum Klimaschutz momentan noch als den geringsten Vorteil, eben weil Investitionen in die nächste Generation von Biokraftstoffen fehlen. Eine stärkere Unabhängigkeit vom Erdöl zu erreichen halte ich für ein viel dringenderes Problem. China betreibt, vorsichtig gesagt, eine interessante Erdöl-Strategie die sich über den gesamten Erdball erstreckt. Europa würde es gut zu Gesicht stehen, sich zumindest teilweise mehr von dieser heiß umworbenen Ressource zu befreien. Es müssen ja nicht gleich 50 Prozent Biokraftstoffe sein, aber der zähe Kampf um den Einsatz von 10 Prozent nachwachsenden Kraftstoffen finde ich wenig vernünftig und eigentlich schon unverantwortlich für ein Land, welches über keine nennenswerte eigene Erdölproduktion verfügt.

  11. Volker Hasenberg 26. September 2013 at 10:45

    Sehr geehrter Herr Kirchner und ForumsteilnehmerInnen,
    vielen Dank erstmal für die kritische Auseinandersetzung von allen Beteiligten. In Ihrer Grundthese, Herr Kirchner, gebe ich Ihnen Recht. Aufgrund der starken Kritik und der heiklen Thematik („Tank-Teller“), stehen die biofuels mehr als alle anderen Produkte unter kritischer Beobachtung und müssen in Konsequenz stärker als alle anderen land- und forstwirtschaftlichen Produkte Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen.
    Biokraftstoffe, für die Naturflächen oder selbst auch Wiesen zu Anbauflächen umgebrochen werden, erweisen dem Klimaschutz einen Bärendienst, das ist richtig. Allerdings gilt das für alle anderen Produkte auch. Dieser Umstand entlässt Biokraftstoffe zwar nicht aus der Verantwortung, zeigt aber, dass die öffentliche Diskussion verengt und nicht objektiv geführt wird (Die Zerstörung südostasiatischer Urwälder zugunsten von Palmöl-Plantagen geht eben überwiegend auf die gestiegene Nachfrage von Palmöl als Lebensmittel in China, der EU und anderen Märkten zurück).
    Unter Berücksichtigung der gesamten Vorkette („well-to-wheel“), was im übrigen für biogene genauso wie für fossile Kraftstoffe gemacht wird und eine einheitliche Vergleichsbasis durchaus schon heute rechtlich verankert ist (zB EU-Richtlinien RED und FQD), haben Biokraftstoffe einen CO2-Vorteil von 30-70% je nach Feedstock und Konversionstechnik. In Regionen wie der EU, wo wir tatsächlich nicht unsere gesamte landwirtschaftliche Fläche zur Ernährung benötigen, wäre es falsch, aus klimapolitischen und ökonomischen Gründen diese Potenzial nicht zu nutzen, und gleichwohl methodisch kritisch CO2-Faktoren für iLUC-Effekte zu berücksichtigen.
    Allerdings werden Biokraftstoffe aus Anbaumasse sich nie ganz von dem Vorwurf
    freimachen können, Lebensmittel zu verbrennen und Hunger in der Welt noch anzutreiben. Mit einer weltweit steigenden Nachfrage nach Biokraftstoffen steigt natürlich auch der Druck auf die landwirtschaftlichen Flächen, weil ein weiterer Markt (Kraftstoffe) Nachfrage generiert. Insofern ist der Ansatz von iLUC (der mir in Ihrem Artikel zu kurz kam, Herr Kirchner) nicht falsch. Da eine direkte Kausalität aber real nicht nachgewiesen werden kann, ist es methodisch derzeit sehr umstritten, weil die CO2-Last je nach Ansatz enorm variiert.
    Meiner Einschätzung nach, werden Biokraftstoffe daher langfristig nur dann Akzeptanz finden, wenn sie unabhängig von landwirtschaftlichen Flächen (Stichwort 2. u. 3. Generation) erzeugt werden können. Da sind wir allerdings noch weit entfernt, weshalb die Nutzung von konventionellen biofuels (Biodiesel, Ethanol) sich auf einen kleinen Anteil der Kraftstoffnachfrage beschränken sollte, um ungewollte Effekte (iLUC, Hunger, Regenwaldzerstörung…) so gering wie möglich zu halten.

  12. Christine Denck 25. September 2013 at 18:35

    Ich halte generell nichts von der Produktion auf Monokulturen. Beim Anbau von Energiepflanzen kommt noch hinzu, dass sie den der Nahrungsmittel verdrängen.
    Deshalb kann Biosprit keine Alternative für unsere Mobilität sein, während Menschen in den Anbauländern hungern.

    Die Frage ist auch, wer profitiert vom Wachstum der jeweiligen Länder. Wie bei uns kommt der auch woanders am wenigsten unten an.

    Ganz bestimmt jedenfalls nicht bei denjenigen, deren Lebensgrundlage dadurch zerstört wird.

    Dass Nachhaltigkeitssiegel meist das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind, ist auch Greenpeace kein Geheimnis.
    Biomasse – abgesehen von der aus Abfällen hergestellten – gehört meiner Meinung nach nicht in den Tank!

  13. Christine Denck 25. September 2013 at 18:19

    Das ist doch die freundlichste Ansprache von allen…

  14. Manuel 25. September 2013 at 17:51

    „Lieber Manuel“… und alle anderen sind „Sehr geehrt“… ich fühle mich nicht ganz ernst genommen :D

  15. Ron Kirchner 25. September 2013 at 16:25

    Einigen wir uns in diesem Punkt auf unentschieden und schieben wir die Schuld den übereifrigen Spam-Bots in die Schuhe, die mit einem Link versehene Kommentare gerne als Spam sehen. In 95 Prozent der Fälle der eingehenden „Kommentare“ stimmt das ja auch. Jeder Blog braucht Spam-Bots, ansonsten geht er unter!

    Ein Missverständnis, dass zum Glück aufgedeckt werden konnte!

  16. Ron Kirchner 25. September 2013 at 16:01

    Und wieder ein Missverständnis ausgeräumt. Ende gut alles gut :-) Schön das Sie das noch entdeckt haben und ihren vollständigen Kommentar nochmal ohne Link veröffentlicht haben. Die Spam-Bots sind scheinbar wenig zimperlich.

    Nun zu Ihrer langen Ausführung und (finally) inhaltlichen Kritik an Biosprit.

    PUNKT 1: Fehlende Logik beim Thema Alternativen

    Ich meine Biosprit ist die einzige Alternative, wenn wir eine „RASCHE, BEZAHLBARE und vergleichsweise SANFTE Energiewende im Mobilitätssektor“ möchten. Das ist wahrscheinlich wenig elegant und missverständlich von mir formuliert. Gemeint ist, dass nur wenn alle 3 Eigenschaften für die Energiewende im Mobilitätssektor gewünscht sind, dann kommen wir um Biospit nicht herum. Letztlich stehen diese 3 Punkte für die ökologische (RASCHE), ökonomische (BEZAHLBARE) und soziologische (SANFTE) Nachhaltigkeit als Ideal einer „nachhaltigen Energiewende“. Ein Mix und Kompromiss, mit dem meines Wissens viele Akteure und Betroffene der Energiewende leben könnten.

    PUNKT 2: Car-Sharing als Alternative

    Car-Sharing ist eine feine und sehr „smarte“ Art, um unseren Entzug vom Erdöl zu beschleunigen und das Klima zu schützen. Aber es erfordert viele Einschnitte vor allem von den leidenschaftlichen Autofahrern unter uns. Es ist wahrscheinlich ungewohnt, weniger gemütlich und man ist weniger spontan. Aber ich habe kein Auto und nutze vor allem die Öffentlichen. Deshalb bin ich bei diesem Thema eher neutral. In einer Großstadt wie Berlin sind die Öffentlichen häufig sogar bequemer (Stichwort: Parkplatzsuche + Parkgebühren). Aber dem der Car-Sharing für sich gewonnen und sein eigenes Auto in Rente geschickt hat, dem kann ich nur gratulieren.

    PUNKT 3:

    Bei der kritischen Betrachtung der Palmöl-Industrie in Indonesien und Malaysia vertreten wir glaube ich sogar eine ähnliche Meinung. Ich bin allerdings der Meinung, dass wir uns hüten sollten mit dem erhobenen Zeigefinger auf andere Staaten zu zeigen, bloß weil wir unsere Lektion in diesem Punkt bereits gelernt haben. Ich habe jedenfalls betroffenen Vertretern der malayischen Regierung zugehört, die von den rasanten Abholzungen genauso schockiert sind wie Umweltschützer hierzulande. Trotzdem sind sie pro Palmöl, weil sie die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen in ihrem Land befürworten. Wenn die Europäer hier schon eingreifen müssen (und das tun wir ziemlich deutlich mit der neuen EU-Biosprit-Politik), dann sollten wir für unser aufgebautes Nachhaltigkeits-Bewusstsein international die Werbetrommel rühren. Wenn unser Weg so toll ist (und schlecht ist er nicht), dann werden ihn andere Staaten scho übernehmen.

    Der Kommentar ist schon ziemlich lang, deshalb mach ich an dieser Stelle erstmal einen PUNKT

    Abschießend nochmal der Link zur Sendung auf Deutschlandradio, den Sie mehrfach vergeblich gepostet hatten:

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/2247456/

  17. Christine Denck 25. September 2013 at 15:24

    Lieber Manuel,

    ich bin keine Autorin, muss also nicht gut schreiben können, trotzdem weiß ich dass Argumente jeder Logik entbehren.

  18. Christine Denck 25. September 2013 at 15:18

    Hallo Herr Kirchner,
    danke für das Angebot, ich bin allerdings keine Autorin, vielleicht kann ich aber das Angebot an eine Expertin weiter geben.

    Ich habe meinen Kommentar drei Mal abgesendet, zuletzt vor ca. einer halben Stunde. Wenn Sie diese Seite moderieren, müssten Sie das doch registriert haben?

    Na gut, dann probiere ich es noch einmal (Vielleicht lag es ja an dem beigefügten Link):

    „Ich habe geschrieben, dass dieser Artikel schlecht geschrieben ist, weil ich das genau so meine.

    Hier nur einige wenige Punkte, warum ich mich für dumm verkauft fühle. Ich sehe allerdings viel mehr Punkte, eine Diskussion darüber zu führen, ist hier der falsche Platz.

    Fairerweise erkenne ich an, dass in diesem Artikel viele Probleme zwar angerissen werden, doch sie werden aber stark verharmlost oder es wird näher auf sie eingegangen.

    Dem Schreibstil kann ich an einigen Punkten keine Logik entnehmen, beispielsweise schreibt der Autor:

    „Biosprit ist aktuell die einzige Alternative, die eine rasche, bezahlbare und vergleichsweise sanfte Energiewende im Mobilitätssektor ermöglicht. Elektromobilität, Car-Sharing-Konzepte oder der komplette Verzicht auf das Autofahren sind weitere (?) Alternativen für einen Entzug von fossilen Rohstoffen. Diese Alternativen sind aber alle deutlich kostenintensiver, benötigen noch viel Entwicklungszeit oder fordern von den Autofahrern große Einschränkungen.“

    Wie jetzt, gibt es eine einzige Alternative oder doch noch andere?

    Carsharing gibt es doch schon längst und ist für den Nutzer billiger.

    Verzicht noch billiger ist sofort verfügbar, aber warum gleich kompletter Verzicht? Was will der Autor mit dieser Drohung sagen?

    Gibt es denn da nicht Nuancen und andere Alternativen, wieso nicht mehr Energiesparmodelle, schon existierende Technik verwenden und auf neue Entwicklungen setzten?

    Davon abgesehen, dass der Text unschlüssig ist, setzt er auch die völlig falschen Zeichen.

    Einschränkungen und Nutzung neuer Entwicklungen werden von vorne herein ausgeschlossen. Mittlerweile sollte eigentlich jeder wissen, dass es in einer Welt, in der die bevölkerungsstärksten Nationen industriell immer stärker aufholen und immer mehr Menschen den verschwenderischen westlichen Lebensstil haben wollen, nicht nur die fossilen Ressourcen ganz schnell aufgebraucht sein werden. Dass dieser massive Raubbau Umweltschäden nach sich zieht, die unumkehrbar sind.

    Fairerweise muss ich anerkennen, dass das ja sogar zugeben wird, allerdings wird das das mit unzulänglichen (komisch anmutenden)Argumenten gerechtfertigt.

    Gerade auf Malaysien und Indonesien als positive Beispiele zu verweisen, halte ich für ziemlich brisant, weil dort gerade nicht weniger als die Vernichtung der Lebensgrundlage vieler wenn nicht gar landesweit auf dem Spiel steht. Indonesien ist noch dazu der weltstärkste CO2-Emmittant, Hauptursache ist die erschreckende Expansion der Palmölmonukulturen und daran hat auch das im Jahr 2004 gegründete Zertifizierungssystem für Nachhaltigkeit (RSPO) nichts geändert. Ich verweise hier zur schnellen Information auf einen aktuellen Radiobeitrag des Deutschlandfunkes (wwwDOTdradioDOTde/dlf/sendungen/umwelt/2247456/) und empfehle, sich weiter in dieses Thema zu vertiefen.

    Das Argument – nur am Rande fairerweise erwähnt – dass Europa seine Urwälder schon vor vielen Jahrzehnten komplett zerstört hat, ist fragwürdig:

    Weil wir sowieso unseren eigenen Urwald schon lange verheizt haben, dürfen das auch die andern – bzw. dürfen wir das auch bei anderen tun? Nur am Rande erwähnt: Der deutsche Urwald wurde schon vor vielen hunderten von Jahren zerstört, die späteren Folgen waren unter anderem strikte Waldschutzgesetze ab dem Mittelalter. In manchen wurde auch schon mal die Todesstrafe bei Holzentnahme aus den Wäldern angedroht. Damals (und nach einer Erholungsphase später wieder) war der Wald schon derartig geschädigt, dass die Lebensgrundlage aller in Frage stand.

    Waldschutzgesetze existieren immer noch, meist steht aber der ökonomische Aspekt im Vordergrund. Heute haben wir ja andere Rohstoffquellen und es gibt nur winzige Flecken, die vor ökonomischen Zugriffen geschützt sind, wo bestenfalls in hundert Jahren – so die Hoffnung – wieder Urwald entstehen könnte.“

  19. Christine Denck 25. September 2013 at 15:00

    Sehr geehrte Frau Gruber,

    es ist nicht wahr, vier Mal habe ich es versucht und auch jetzt wieder wurde die Kritik nicht zugelassen.
    Warum gehen Si davon aus, dass ich lüge?

  20. Cornelia Daniel-Gruber 25. September 2013 at 14:53

    Oh mein Gott, wenn das wahr ist, ist das allerletztklassig. So tun als ob man kommentiert hätte, damit man sich die Arbeit nicht antun muss. Ich hoffe für Frau Denk, dass das nicht wahr ist…

  21. Ron Kirchner 25. September 2013 at 14:29

    Meinen Sie das ernst? Wenn Sie mir unterstellen, dass ich Ihren Kommentar zensiert habe, dann suchen Sie sich bitte ein anderes Forum zum herumstänkern. Ich habe Ihnen in meinem letzten Kommentar sogar angeboten, dass Sie einen eigenen Artikel auf BiomassMuse veröffentlichen können, um Ihre Meinung zur Bioenergie zu äußern. Wenn Sie Ihre Kritik nicht ausformulieren möchten oder überzeugt sind, dass ich Ihre Kommentare/ Artikel zensiere, dann lassen Sie es eben bleiben. Ihre Entscheidung.

  22. Christine Denck 25. September 2013 at 14:19

    Hallo Herr Kirchner,
    ich habe einige Kritikpunkte hier schon beschrieben, offenbar wurde meine Kritik aber nicht zugelassen und wurde offenbar wieder gelöscht.

  23. Ron Kirchner 25. September 2013 at 12:18

    Hallo Frau Deneck, es tut mir leid, wenn ich mit diesem Artikel nicht Ihre Meinung wiedergebe und Sie eine ganze andere Position zur Nachhaltigkeit der Bioenergie vertreten. Dass meine Meinungen zur Bioenergie einigen Leser provokant oder unkonventionell erscheint, ist mir bewusst. Aber deshalb habe ich diesen Artikel zum Teil geschrieben, weil ich es schade finden, wie wenig verantwortungsbewusst wir in der gesellschaftlichen Debatte mit dem Potential der Bioenergie umgehen.

    Ich schreibe seit 4 Jahren regelmäßig über Bioenergie, habe viele Bioenergie-Fachveranstaltungen besucht und so intensiv wie mir möglich die internationale Klima- und Umweltschutz-Debatte verfolgt, sowie die Entwicklung der Energiewende in Deutschland beobachtet. Außerdem war ich unter anderem ehrenamtlich für Greenpeace, den BUND und den NABU tätig und habe mehrere Projekte innerhalb der Bioenergiewirtschaft begleitet und mitgestaltet. Allein auf BiomasseMuse habe ich mittlerweile 300 Artikel zur gasförmigen, flüssigen und festen Bioenergie im Strom-, Wärme- und Kraftstoffmarkt geschrieben. Für die Recherche zu den Artikeln habe ich mit sehr scharfen Kritikern und leidenschaftlichen Befürwortern der Bioenergie diskutiert und mir die Meinung gebildet, die ich in diesem Artikel zur Nachhaltigkeit dieses erneuerbaren Energieträgers vertrete.

    Wenn Sie meine Meinung kritisieren möchten, bin ich dafür offen und sogar dankbar etwas dazu zu lernen. Aber dafür müssen Sie die Fakten und Details in die Debatte einbringen, die Sie für „schlecht“ halten oder das Produkt benennen, von dem Sie das Gefühl haben, dass ich es Ihnen verkaufen möchte. Wenn Sie dass nicht tun, ist es unmöglich über diese Kritikpunkte zu diskutieren und Lösungen für diese zu finden. Wenn Sie möchten, schreiben Sie gerne einen Artikel mit Ihrer Meinung zur Bioenergie. Diesen veröffentliche ich dann umgehend auf BiomassMuse.

  24. Manuel 24. September 2013 at 13:45

    Wenn Sie so eine klare Ansage machen, dann wäre es schön und überzeugender, wenn sie Beispiele geben könnten. Welche Stellen sind schlecht recherchiert? Welche These ist umweltpolitisch nicht zu vertreten? Welche Fakten und Details werden unterschlagen?
    Damit geben Sie den Lesern die Chance, sich selbst eine Meinung zu bilden, und der Autor des Artikels hat die Möglichkeit nachzubessern. Vielleicht hat er sich hier und da ja nur unglücklich ausgedrückt. Was die „Schreibe“ angeht… es gibt vielleicht einige Stellen, die etwas holprig formuliert sind, jedoch ist auch Ihr Kommentar nicht fehlerfrei (Argumente entbehren jeder Logik… sie entziehen sich ihr nicht; unpräziser Satz mit sondern hier hätte ein „vielmehr“ gut getan). Den Vorwurf „schlecht geschrieben“ an erste Stelle zu setzen ist ein hartes und zu einem gewissen Grad subjektives Urteil, dass es dem Autor des Artikels schwer machen wird, den Rest ihres Kommentars offen anzunehmen und zu bedenken. Stellen Sie sich einfach vor, ich hätte meine Antwort mit „Ihr Kommentar ist ebenfalls schlecht geschrieben“ eingeleitet. Das beeinflusst auf jeden Fall, wie man den Rest wahrnimmt.

  25. Christine Denck 24. September 2013 at 12:40

    Dieser Artikel ist schlecht geschrieben, schlecht recherchiert und mit umweltpolitisch nicht vertretbaren Thesen durchzogen.
    Die Argumente entziehen sich teilweise jeglicher Logik, andere lassen sich schnell widerlegen, wichtige Fakten und Details werden unterschlagen – kurz gesagt, ich sehe nicht, dass der Autor sich um globale Zusammenhänge schert, sondern seinen eigenen ungebremsten Lebensstil predigt.
    Ich habe fast den Eindruck, dass er mir etwas verkaufen will!
    Ob „Bio“-Sprit oder nicht, mit Klimaschutz hat das leider nicht viel zu tun – im Gegenteil: Ich halte es für unverantwortlich der restlichen Menschheit und den kommenden Generationen gegenüber!

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