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Biomasse verspricht einen wichtigen Beitrag zur Energie- und Rohstoffwende und somit auch zum Umweltschutz zu leisten. Bei allen Visionen, welche Biokraftstoffe, Biogas oder die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe versprechen, gibt es aber auch Gefahren, die wir als Nutznießer der modernen Biomasse-Nutzung nicht aus den Augen verlieren dürfen. Inspiriert durch den auf Arte ausgestrahlten Film „Tebarans Testament“ von Mattias Klum über das Schicksal des Penan Stamms im Regenwald Borneos, möchte ich heute einige Gedanken zum wichtigen Aspekt der Nachhaltigkeit der Biomasse-Nutzung schreiben.

Akzeptanz der Bioenergie stärken

Ich schreibe selbst häufig über die groß angelegte Nutzung und den Ausbau der Bioenergie und glaube an die vielen Vorteile, welche diese Arten der Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen bringen können. Bei aller Euphorie und Faszination für diesen wandelbaren Rohstoff geht dabei manchmal etwas der Blick für eine der wichtigsten Bedingungen für den Erfolg der modernen Biomasse-Nutzung, speziell der Bioenergie, verloren. Diese Bedingung ist die langfristige Akzeptanz für die Bioenergie in der Gesellschaft. Es hört sich banal an, aber diese gesellschaftliche Akzeptanz bekommt auch die regenerative Bioenergie nicht geschenkt, sondern sie muss sie sich verdienen.

Das Potential der Bioenergie ist, dass es sich um eine Energieform handelt, die überall auf der Welt nachhaltig gewonnen werden KANN und vielen Ländern eine solide Basis für eine autarke Energieversorgung zur Verfügung stellen KANN. Es KANN aber natürlich auch anders kommen, wenn wir nicht rechtzeitig aus den schon gemachten Fehlern beim Ausbau der Infrastruktur der Bioenergie lernen und gegensteuern.

Auch wenn sich die aktuelle Fördersituation für Bioenergie in Deutschland mit der EEG-Novelle 2012 ändern wird (siehe Artikel zur EEG Novelle 2012), hat diese doch den intensiven Ausbau von Biogasanlagen unterstützt und das wahrscheinlich dichteste System von Biogasanlagen weltweit hervorgebracht. Dadurch ist ein reicher Erfahrungsschatz entstanden, der auch dazu führt, dass deutsche Unternehmen bei der Realisierung von internationalen Projekten häufig um Unterstützung gebeten werden.

Diskussionen um die auch auftretende Abholzung von Regenwäldern für den Anbau von Ölpalmen (ILUC – indirect land use change) und die Tank-oder-Teller-Diskussion zeigen dem Ausbau der Bioenergie für die Verwendung als Biokraftstoff aber auch immer wieder seine Akzeptanzgrenzen auf.

Regenwald Schutz mit Zertifizierungssystemen für nachhaltige Biomasse

Zertifizierungssysteme fördern Nachhaltigkeit der Biomasse-Nutzung

Es ist schwierig zu prophezeien, welche Formen der Biomasse-Nutzung sich noch ergeben werden, wenn wir es schaffen die wirtschaftlichen Ansprüche an die Bioenergie etwas zu dämpfen und ganz bewusst eine nachhaltige und langfristige Nutzung von Wäldern und Ackerflächen anstreben. Damit möchte ich vor allem die Gefahr der Abholzung von kostbaren Ökosystemen andeuten, um dann an dieser Stelle kurzfristig und häufig nur für wenige Jahre den Anbau von Monokulturen voranzutreiben.

Um die Gefahr des Raubbaus, im guten Namen der regenerativen Bioenergie, stark einzuschränken, gibt es aber auch zahlreiche kreative Ansätze, an denen Umweltverbände (z.B. der WWF), Politik und Wirtschaft gemeinsam arbeiten.

Eines der hoffnungsvollsten Instrumente zur Förderung des nachhaltigen Biomasse-Anbaus ist die Anwendung verschiedener Zertifizierungssysteme für Biomasse. Zertifizierungssysteme wie das ISCC oder das System der REDcert, welche gemäß den Biomasse-Nachhaltigkeitsverordnungen entwickelt worden sind, müssen seit Anfang 2011 für die Biomasse angewendet werden, welche später die EEG-Zahlungen für Bioenergie erhalten möchte (siehe hierzu auch DIESEN Artikel). Die Zertifizierung muss dabei entlang der vollständigen Wertschöpfungskette gesichert werden.

Umweltökonomie unterstützt Nachhaltigkeitsbewusstsein bei Energieprodukten

Es ist sicher nicht leicht ein Szenario zu entwerfen, bei dem sowohl die wirtschaftliche Entwicklung von Ländern mit reichem Vorkommen an Wäldern oder landwirtschaftlich nutzbaren Flächen unterstützt und gleichzeitig der nachhaltige Umgang mit den betroffenen Flächen gewährleistet wird.

Wie man häufig beobachtet, passen Umweltbewusstsein und wirtschaftliches Kalkül beim Design eines neuen Energieprodukts noch immer nicht gut zusammen. So ist die Berücksichtigung der Auswirkungen des wirtschaftlichen Handelns auf die Biosphäre häufig nur ein untergeordneter Punkt.

Da die Gründe und Folgen dieser Art der Produktentwicklung sehr komplex sind und ich nicht intensiv in diesem Bereich tätig bin, möchte ich an dieser Stelle nur einige interessante Faktoren der Umweltökonomie anreißen.

Wenn eine relativ junge Branche wie die moderne Bioenergie mit der, in den letzten Jahren immer stärker in die Kritik gekommenen, Erdölindustrie konkurrieren will, dann besteht die Gefahr, dass ökologische Aspekte auf Kosten der wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit etwas auf der Strecke bleiben.

Aber auch zur Lösung dieses Konflikts gibt es verschiedene Ansätze, um die Situation zu verbessern und die „externen Kosten“ der Naturbelastung oder –zerstörung in die Produktkosten einzupreisen und ihnen somit mehr Gewicht zu verleihen.

Zwei Maßnahmen der Umweltpolitik, bzw. der Umweltökonomie zur stärkeren Berücksichtigung der externen Kosten sind beispielsweise die Erhebung einer Ökosteuer und der Handel mit Emissionsrechten. Beide Instrumente führen dazu, dass Produkte die über einen geringen ökologischen Fussabdruck verfügen, für diese Form der „Umweltqualität“ einen Kostenvorteil gegenüber ähnlichen Produkten erhalten, die einen schwerwiegenderen ökologischen Fussabdruck aufweisen.

Zu guter Letzt möchte ich noch sehr den Film „Teberans Testament“ empfehlen, der mit einer großen Sensibilität und aus einer ungewohnten Perspektive das Problem der Regenwaldabholzung thematisiert.

Was denken Sie? Sind Zertifizierungssysteme für nachhaltige Biomasse in der Lage, die Abholzung von Regenwald für die Herstellung von Biokraftstoffen zu verhindern?