1 Flares Twitter 0 Facebook 0 Google+ 1 Email -- 1 Flares ×

Biomasse Biogas Bioenergie Indien BioenergyIndien ist ein riesiges Land und sowohl auf die Fläche, als auch auf die Einwohner bezogen mindestens 10-mal so groß wie Deutschland. 2009 hatte Deutschland den Angaben des IWF zufolge beim Bruttoinlandsprodukt noch den 4. und Indien den 11. Rang inne, aber auch hier wird der Subkontinent dem jetzigen Trend nach zügig Plätze heranrücken. Im Bereich der energetischen Nutzung von Biomasse ist Indien eine Nation die mit Zahlen beeindruckt, bei denen einem als Europäer schnell schwindelig werden kann. Einen kleinen Eindruck davon möchte ich heute geben.

Indien gehört mit Brasilien, Russland, China und Südafrika zu den 5 BRICS-Staaten, welche ein jährliches Wirtschaftswachstum zwischen 5-10% aufweisen und etwa 40 % der Erdbevölkerung ausmachen.

5.000 Biomasse-Kleinanlagen liefern Leistung von 15 Atomkraftwerken

So wird es zumindest in einige Jahren sein, wenn man dem Report des Indischen Ministerium für Neue und Regenerative Energien glaubt, der in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde. Demnach sollen in den nächsten 10 Jahren über das gesamte Land verteilt tausende an kleinen Biomassekraftwerken mit staatlichen Geldern gefördert und errichtet werden. Der Report beschreibt diese Biomassekraftwerke als „Kleinkraftwerke“, obwohl jedes für sich immerhin 1-2 MW Energie (Strom und Wärme) produzieren wird.

Welcher Technologie- und Rohstoffmix diese riesigen Mengen an Bioenergie letztlich erzeugen wird, steht auf dieser Planungsstufe noch nicht fest und es dürfte eine Mischung aus Biogas, Biomasse Festbrennstoffen, Pflanzenölen, Biodiesel und Bioethanol werden – welche in verschiedenen Blockheizkraftwerken (BHKW) landesweit energetisch umgewandelt werden.

Auch die Verbio Ag hat vor einigen Monaten in einer, wie ich finde sehr wohltuenden, Kampagne zum Thema Bioenegie mit dem Slogan geworben, dass sie in Deutschland bald das erste Atomkraftwerk durch Bioenergie ersetzen werden (siehe Artikel).

Indischer Bundesstaat mit 24 Millionen Einwohnern strebt Installation von 1 GW Bioenergie an

Bioenergie ist vielleicht nicht unbedingt so „sexy“ wie andere regenerative Energieformen (siehe Artikel), weist aber dafür viele Vorteile für die dezentrale Versorgung einer Region mit Strom, Wärme und Kraftstoff auf. In meinen Augen ist sie die ideale dezentrale Energieform, die vor allem in dünnbesiedelten Landstrichen mit noch kaum vorhandener Energieversorgung und landwirtschaftlich ausgeprägten Strukturen ihr volles Potential entfalten kann.

Das müssen sich auch die Herausgeber einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Studie im indischen Bundesstaat Haryana gedacht haben. Der Haryana Renewable Energy Development Agency (HAREDA) zufolge besteht im nördlichen Bundesstaat ein Potential von 1 GW (!) elektrischer Leistung, die allein aus organischen Abfällen der Zuckerrohr-Verarbeitung gewonnen werden könnte.

Bioenergie-Partnerschaften zwischen indischen und deutschen Produzenten?

Auf Grund des rasanten Wachstums ist Indien in der Wahrnehmung einiger sicher noch als Entwicklungs- oder Schwellenland verankert. Bei dieser Perspektive können einem bei dem Begriff „Partnerschaft“ leider schnell einseitige Partnerschafteb ähnlich dem Wirtschaftskolonialismus oder –imperialismus kommen. Da uns Indien in Bezug auf die absolute Wirtschaftskraft in einigen Jahren wahrscheinlich überholt haben wird, steht eine gleichberechtige Partnerschaft auf einer soliden wirtschaftlichen Basis.

In einem Artikel habe ich schon über Projekte nach dem Public Privat Partnership (PPP) Prinzip berichtet, welche die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und die EnviTec Biogas AG in Indien realisieren (siehe Artikel).

In Bezug auf den Bau von Biogasanlagen ist Deutschland weltweit führend und verfügt mit einer Gesamtanzahl von aktuell etwa 6.000 laufenden BGA und 2,3 GW elektrischer Leistung über viel Erfahrung mit dieser Technologie.

Biogas Bioenergie Haushalte NettostromproduktionDer Austausch von Know-How und die gemeinsame Umsetzung von Biogasprojekten in ländlichen Regionen Indiens können deshalb für beide Länder von Vorteil sein. Die Genehmigung von weiteren Biogasanlagen in Deutschland ist nicht immer ganz unproblematisch und die Exportrate und die internationale Erfahrung der Anlagenhersteller, -erbauer und -betreiber nimmt zu. Unternehmen wie die Weltec Biopower GmbH, die Schmack Biogas GmbH, die EnviTec Biogas AG und andere haben schon Anlagen im internationalen Raum errichtet und verfügen teilweise schon über Ableger in Indien.

Einige Fakten zur Bioenergie in Indien

Hier einige interessante Fakten, welche die Entwicklung der energetischen Biomasse-Nutzung in Indien kennzeichnen:

  • Energie aus Biomasse steuert in Indien ein Drittel zur Primärenergieerzeugung bei
  • Das erste staatliche Biomasseförderprogramm Indiens war in den 1970iger Jahren eine Reaktion auf die weltweite Ölkrise.
  • Die großtechnische Nutzung und Verbreitung der Bioenergie wurde in Indien lange dadurch gehemmt, dass sie als rein traditionelle und ländliche Energieform wahrgenommen wurde.
  • Die unvollständige Verbrennung von Biomasse bei der traditionellen Energieerzeugung in Indien führt zur Freisetzung von Schadstoffen (z.B. Kohlenstoffmonoxid, Stickoxide, Benzol, Methan, Formaldehyd, Benzo(a)pyren)
  • Indien plant den verstärkten Einsatz innovativer Biomasse-Brennstoffe wie Reis-Stroh, Reishülsen, Bagasse, Holzabfälle, Wildsträucher und Abfälle aus der Papier- und Zellstoffproduktion.
  • Größenangaben über degradierte Landflächen in Indien, welche potentiell zum Anbau von Nachwachsenden Rohstoffen genutzt werden können, variieren zwischen 66 – 130 Millionen Hektar. In Deutschland werden aktuell auf 2,1 Millionen Hektar Landfläche Nachwachsende Rohstoffe angebaut (Quelle: FNR)

Weitere spannende Informationen zur Bioenergie in Indien bietet ein Paper von P.R. Shukla – hier der Link.