0 Flares Twitter 0 Facebook 0 Google+ 0 Email -- 0 Flares ×

Eine meiner ersten Begegnungen mit dem afrikanischen Kontinent war der tolle Film „Jenseits von Afrika“ mit Meryl Streep und Robert Redford in den Hauptrollen. Trotz eines späteren Auslandssemesters in Südafrika während meines Studiums bin ich seitdem nur noch „jenseits“ dieses faszinierenden Kontinents und seiner beeindruckenden Menschen unterwegs. Heute möchte ich deshalb zumindest einige Bioenergie Projekte vorstellen, die aktuell in verschiedenen afrikanischen Ländern stattfinden oder stattgefunden haben und die ich für interessant halte.

Biogasbranche in Deutschland vs. Biogasbranche in „Afrika“

Während in Deutschland aktuell an den rechtlichen Feinheiten der EEG-Novelle gearbeitet wird, welche auch die Weichen für die zukünftige Entwicklung der Biogasbranche stellen wird, entwerfen viele afrikanische Ländern gerade einen soliden Grundstein für eine komplexere Biogasstruktur.

Aber natürlich es gibt auch afrikanische Vorreiter in Bezug auf Innovationen in der Bioenergie-Branche und arbeiten bereits heute an der Entwicklung und Einführung von Biokraftstoffen der zweiten Generation (Übersicht) beschäftigen. Auch die Einführung des Biokraftstoff-Blends E10 sorgt in einigen afrikanischen Ländern für Konflikte (Äthiopien, Südafrika). Teilweise ist sogar die Einführung von E25 geplant und es existieren dementsprechende Partnerschaften mit Brasilien.

Die manchmal als ausgereizt beschriebene Biogas-Situation in Deutschland und die großen Potentiale der dezentralen Bioenergie in vielen afrikanischen Ländern könnten sich also gut ergänzen und ein gutes Fundament für intensivere Partnerschaften in den kommenden Jahren bilden.

Technisches Know-How und ein breiter Erfahrungsschatz (Deutschland) kombiniert mit den großen Ackerflächen und brach liegenden Potentialen einiger afrikanischer Länder. Aber Achtung, bei allen Möglichkeiten zu einem fruchtbaren Austausch, gibt es bei dieser Zusammenarbeit auch immer eine Dark Side Of The Moon – wie wir später noch sehen werden.

Die Vorteile der Bioenergie wirken in Ländern mit einem weniger komplexen Energieversorgungsnetz, als es die meisten dicht besiedelten, europäischen Staaten aufweisen, besonders intensiv.

Hier eine Auswahl von interessanten Projekten der Branchen Biokraftstoff, Biogas und Co. auf dem afrikanischen Kontinent.

10 Bioenergie-Projekte in Afrika

1. Southern African Bioenergy Association (SABA)

Die SABA ist die größte Vereinigung für Biokraftstoffe und Biogas im südlichen Afrika. Ein Verband der sich, genau wie die deutschen und europäischen Verbände aus dem Bereich der energetischen Biomasse-Nutzung (Auflistung deutscher Verbände), der Förderung der Biodiesel-, Bioethanol- und Biogasbranche widmet.

Die SABA verbindet Partner aus Landwirtschaft, Wissenschaft, verarbeitender Industrie und Politik und setzt sich für eine positive Wahrnehmung der Bioenergie in der Öffentlichkeit ein. Der Hauptsitz der Southern African Bioenergy Association ist in Midrand, nahe Pretoria/ Südafrika.

2. Bioenergie aus Abwasser in Ghana – Bill Gates Stiftung

Die Stiftung des mit zahlreichen Entwicklungen in der Computerbranche bekannt und wohlhabend gewordene Bill Gates, fördert unter anderem ein Bioenergie-Projekt in Ghana. So unterstützt The Bill and Melinda Gates Foundation zahlreiche Projekte im Bereich Erneuerbarer Energien in Afrika.

In Ghana wird eines der effektivsten Konzepte der Bioenergie als  Anlage verwirklicht. Die Abwasser-zu-Energie Anlage verbindet dabei Abwasseraufbereitung und Energieerzeugung mit dem entsprechend doppelten Nutzen.

Das bei der biologischen Abwasseraufbereitung anfallende Klärgas wird als Biogas (Methan) energetisch genutzt. Außerdem wird ein Teil der anfallenden Organik zu Biodiesel umgewandelt.

Die bioenergetische angepasste Kläranlage bringt somit folgende Vorteile:

  • Abwasserreinigung für die Region à weniger Krankheiten die mit verschmutztem Abwasser zusammen hängen
  • Preiswerte Energiequelle
  • Beitrag zum Klimaschutz, da das besonders klimaaktive Methan zumindest zu Kohlenstoffdioxid verbrannt wird, bevor es in die Atmosphäre entlassen wird.

3. COMPETE Bioafrica

Das Projekt Competence Platform on Energy Crop and Agroforestry Systems for Arid and Semi-arid Ecosystems (COMPETE) wurde von der WIP – Renewable Energies in München organisiert und hat über 40 Projektpartner von fast allen Kontinenten zusammengebracht.

Ziel des Projekts COMPETE war die Ermittlung und Realisierung von bioenergetischen Potentialen in ausgewählten Regionen Afrikas. Dabei sollten die aktuell genutzten Landnutzungsstrategien betrachtet und die Integration innovativer Technologien geprüft werden. Außerdem lag ein Schwerpunkt des bioenergetischen Projekts auf der Zusammenführung von Partnern (South-South) aus afrikanischen Ländern mit Partnern aus Brasilien, China, Indien, Mexiko und Thailand.

Die Internetseite von COMPETE stellt zahlreiche Ergebnisse und Links zur Verfügung, die über den Verlauf des Projekts berichten. 

4. Africa Biofuel – Biokraftstoffe für Tansania

In Tansania werden täglich 2.5 Millionen Liter Diesel auf Erdölbasis verbraucht, der zu den stark schwankenden Erdölpreisen importiert werden muss. Diese Abhängigkeit soll durch die Verwendung von in Tansania hergestelltem Biodiesel abgeschwächt werden.

Dafür greift man auf den Anbau des Baums Croton megalocarpus zurück. Die ölhaltigen Früchte des Baums, auf 60.000 Hektar angebaut, reichen aus, um damit rund 10% des landesweiten Dieselbedarfs zu decken.

Der Baum wächst auch auf kargen Böden und benötigt einen Niederschlag von etwa 800 – 1600 mm pro Jahr. Diese Bedingungen bietet die Region Kagera, welche außerdem am Victoria See liegt und somit auch eine gute Anbindung für den Export des Pflanzenöl oder bereits aufbereiteten Biodiesels nach Burundi, Kenia, Ruanda oder Uganda bietet.

Einen kritischen Artikel zu einem ungenügend geplanten Biokraftstoff-Projekt in Tansania, finden sie hier. Bei dem Projekt geht es um die Zusammenarbeit eines niederländischen Investors (Bioshape) und tansanischen Landwirten, mit dem gemeinsamen Ziel Jatropha curcas für die Herstellung von Biodiesel anzubauen.

Pilotanlage des Projekts BiogaST in Tansania

5. BiogaST – Biogas für Tansania

BiogaST ist ein Projekt, welches von Ingenieuren ohne Grenzen e.V. durchgeführt wurde und arbeitete eng mit der tansanischen Partnerorganisation MAVUNO zusammen.

Ziel von BiogaST war die Entwicklung und der Bau einer Kleinst-Biogasanlage für den ländlichen Raum in Tansania. Das Projekt BiogaST wurde in 4 Phasen unterteilt, von denen die letzte Phase („Optimierung der Pilotanlage“) im April dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Das Projekt findet, genau wie das vorher genannte Africa Biofuel, in der Region Kagera statt, in welcher die positiven Potentiale für Biogas Kleinstanlagen als am höchsten eingeschätzt wurden.

Hier finden sie den Link zur Abschlusspräsentation von BiogaST, welche Anfang Mai in Berlin gehalten wurde.

6. Biogas for better Africa – Initiative für Biogas in Afrika

Biogas for better Africa ist eine Initiative, welche die Biogastechnologie dazu nutzt, die Gesundheits- und Lebensbedingungen afrikanischer Familien zu verbessern.

Die Initiative konzentriert sich auf folgende Aspekte:

  • Verhinderung der Rußbildung beim Kochen in den Haushalten (häufig offene Holzverbrennung)
  • Schaffen von heimischen Absatzmärkten für Landwirte
  • Anhebung der Bodenqualität (organischer Dünger der Biogasanlagen)
  • Schaffung neuer Jobs im Biogas-Sektor
  • Beitrag zum Klimaschutz

Ziel der Biogas for better Africa Initiative ist die Installation von 2 Millionen (!) ländlichen Biogasanlagen innerhalb von 10 Jahren.

7. ADDAX Bioenergy Project in Sierra Leone

Das Addax Bioenergy Project hat die Entwicklung des Biokraftstoffmarkts im westafrikanischen Sierra Leone zum Ziel. Konkret soll durch den Anbau von Zuckerrohr die Herstellung von Bioethanol erreicht werden.

Die Planung und der Bau der Bioraffinerie und des zugehörigen Kraftwerks sollen bis 2013 abgeschlossen sein, um anschließend direkt mit der Produktion des Bioethanols beginnen zu können. Beim Anbau und der Veredelung der Energiepflanzen sollen dabei sowohl ökologische, wie auch soziale Nachhaltigkeitsstandards erfüllt werden. Zur Erreichung dieses ambitionierten Ziels wird eine enge Zusammenarbeit mit dem Roundtable on Sustainable Biofuels eingegangen.

Die Struktur und die Erfahrungen des Vorzeigeprojekts sollen anschließend auf andere, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Entwicklungsprojekte übertragen werden, die ebenfalls von der African Development Bank Group (AfDB) unterstützt werden.

8. Markala Sugar Project in Mali

Ein ähnliches Projekt wie das in Sierra Leone und ebenfalls von der African Development Bank Group (AfDB) finanziert, ist das Markala Sugar Project in Mali.

Mit einem Darlehen von insgesamt 65 Millionen Euro (public and private partnership PPP) sollen in der Region Markala 14.000 Hektar Ackerfläche bestellt und mit Zuckerrohr bepflanzt werden, so dass eine jährliche Ernte von 1.5 Millionen Tonnen Zuckerrohr eingefahren werden kann.

Zusätzlich sollen eine Zuckerfabrik, eine Ethanolanlage und ein Biomasseheizkraftwerk errichtet werden. Die Zuckerfabrik wird 190.000 Tonnen Zucker, die Ethanolanlage 15 Millionen Liter Ethanol und das Biomasseheizkraftwerk 30 MW elektrischen Strom pro Jahr erzeugen.

9. Cape Town – Biokraftstoffe 2.Generation

Das wirtschaftlich wahrscheinlich am weitesten entwickelte Land auf dem afrikanischen Kontinent treibt sogar die Entwicklung und Produktion von Biokraftstoffen der nächsten Generation voran. An diesem Ziel arbeiten das südafrikanische Unternehmen Stellenbosch Biomass Technologies und die  ebenfalls in Stellenbosch ansässige Universität.

Aus Hölzern und Gräsern sollen in den kommenden Jahren Zellulose-Ethanol hergestellt werden. Die Produktionskosten für diesen Biokraftstoff der 2.Generation liegen im Moment noch bei etwa 80 US-$/ barrel. Durch F&E soll aber schon in diesem Jahrzehnt eine Kostensenkung auf etwa 50 US-$/ barrel Zellulose-Ethanol gelingen.

Die ersten Pilotprojekte sollen in enger Zusammenarbeit mit der Papier und Zellstoff Industrie in Südafrika realisiert werden.

10. Bioenery in Africa

Zum Abschluss möchte ich noch auf das Projekt Bioenergy in Africa (BIA) hinweisen. Das Projekt verbreitet das Wissen über die Chancen der Bioenergie in afrikanischen Ländern. Als wichtiger Fokus wurde die Energiepflanze Jatropha curcas ausgewählt, die auf Grund ihrer geringen Ansprüche an Bodenbeschaffenheit und Wasserhaushalt in vielen Ländern Afrikas zur Ölproduktion (Biodiesel!) angebaut werden kann.

Weiterhin ist das Projekt in folgende 4 Schwerpunkte eingeteilt:

  • Anbau und Verarbeitung von Energiepflanzen
  • Auswirkungen von Biokraftstoffen auf Natur und Gesellschaft (Life Circle Analysis)
  • Rechtliche Rahmenbedingungen, Handel und Zertifizierung für Biokraftstoffe
  • Potentiale von Biokraftstoffen in Ost-Afrika

Die Website des im Juni 2009 begonnenen Projekts liefert Informationen und Downloads zur Bioenergie auf dem afrikanischen Kontinent.

Man sieht also, dass in vielen afrikanischen Ländern an der Ausschöpfung der Bioenergie-Potentiale gearbeitet wird. Je geringer der Entwicklungsgrad der Energiewirtschaft eines Landes, desto größer häufig auch die Vorteile, die mit der dezentralen Bioenergie erreicht werden können (siehe Artikel).

Ich wünsche den zahlreichen Ansätzen zur Bioenergie in Afrika viel Erfolg und hoffe, dass ein internationaler Austausch und Projekte zur Zusammenarbeit realisiert werden.

Was sagt ihr zur Bedeutung der Bioenergie für afrikanische Länder? Wisst ihr von weiterer Projekten mit Biogas, Biokraftstoff oder fester Biomasse?