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Bau einer Biogasanlage Fermenter Entwicklungsland dezentral Strom und WärmeWährend der vergangenen Tage habe ich Einiges über Botswana gelernt und in Gesprächen mit einem Batswana die Chancen der energetischen Biomasse-Nutzung vor Ort besser kennengelernt. Vor allem die kleine Biogastechnologie bietet große Potentiale und kann die weitere Elektrifizierung des großen, aber dünnbesiedelten Landes gut unterstützen.

Kurzes Briefing für Botswana

Afrika ist für Europäer oft ein Kontinent größter Gegensätze. Faszinierende Landschaften und Kulturen begegnen uns in  Nachrichten über das aktuelle Afrika genauso, wie erschreckende Bilder von Hunger, Krieg und Krankheit.

Botswana gilt als einer der Musterstaaten für den ganzen Kontinent. Eine hohe politische und ökonomische Stabilität sorgen seit 4 Jahrzehnten für eine zunehmende Entwicklung. Der Korruptionsindex des Landes (2009) ist der Geringste in ganz Afrika und liegt sogar niedriger als in Südkorea, Polen oder Italien. In Kombination mit den reichhaltigen Diamantenvorkommen die nach der Unabhängigkeit von Großbritannien (1966) entdeckt wurden, ist so für einen soliden Kapitalfluss in der gesamten Gesellschaft gesorgt.

In Botswana ist außerdem der Sitz der SADC (Southern African Development Community), einer Organisation ähnlich der EU von 15 südafrikanischen Staaten. Eines der größten Probleme des Landes war noch vor kurzem die hohe und weiter steigende HIV-Rate, die durch umfangreiche Programme in den letzten Jahren zunehmend besser in den Griff bekommen wurde.

Biomasse-Nutzung in Botswana

Schon seit einer Weile beobachte ich gespannt das Projekt Biogast, welches sich mit der Installation von Kleinstbiogasanlagen in Tansania beschäftigt und vom Verein Ingenieur ohne Grenzen geleitet wird. Eine Pilotanlage und Ableger von Biogast in Deutschland befindet sich in Hohenheim und eine weitere Anlage entsteht aktuell in Berlin.

Beim bisherigen Verlauf von Biogast und meinem Wissen zur Situation in Botswana erscheint mir die Übertragung des Konzepts auf Botswana als sinnvolle Option. Beide Länder der SADC bieten besondere Vorteile für die Umsetzung solcher Projekte. Allgemein bieten Regionen der Subsahara mit ihren großen Landflächen, hohen Sonneneinstrahlungen und eher landwirtschaftlich geprägten Volkswirtschaften gute Voraussetzungen für dezentrale bioenegetische Anlagen als Ergänzung zur technologisch anspruchsvollen direkten Nutzung der Solarenergie.

Die Rahmenbedingungen für Biomassewachstum sind in vielen Regionen Südafrikas (zeitliche und räumliche Niederschlagsverteilung) zwar nicht so gut wie beispielsweise in Brasilien, aber auf Grund der Anpassung der Ackerpflanzen dennoch solide. Vor allem die weitverbreitete Tierwirtschaft (hauptsächlich Rinder) und der entstehende Dung bieten eine gute Grundlage für eine dezentrale Energieversorgung durch die Biogastechnologie. Dung kann gut in Biogas umgewandelt und der Vergärungsrest als Dünger auf die Felder aufgebracht werden.

Beim Klimagipfel in Kopenhagen haben viele afrikanische Staatspräsidenten (unter anderem auch Ian Khama aus Botswana) das Treffen demonstrativ vorzeitig verlassen, weil sie mit der grundlegenden  Tendenz der Gespräche nicht einverstanden waren. Das Bewusstsein für den Klimawandel ist absolut präsent und beim gleichzeitigen Wunsch nach wirtschaftlicher Entwicklung sind regenerative Energiesysteme gefragter denn je.

Chancen auch für deutsche Biogasanlagenbauer?

Sobald man nach Wegen der Entwicklungshilfe sucht und dabei z.B. Produkte aus einem Industrieland in ein Entwicklungsland transferiert, kann manchmal leicht das Wort des Wirtschaftsimperialismus auftreten, wodurch das gemeinsame Projekt leicht emotional vergiftet werden kann.

Ideal wäre eine Zusammenarbeit, bei der beide Parteien genausoviel geben, wie sie auch bekommen oder sich den entstehenden Synergieeffekten stärker bewusst werden. Aber diese grundlegende Diskussion über die verschiedenen Probleme der internationalen Zusammenarbeit zwischen Industrieländern und sogenannten Entwicklungsländern möchte ich an dieser Stelle nicht beginnen.

Die Entwicklungschancen durch kleine Biogasanlagen (kleiner 50 kW) für dezentrale, noch nicht elektrifizierte Regionen in Entwicklungsländern sind zwar gewaltig, aber die ökonomische Dimension ist für Investoren nicht sehr anziehend. Wie kann man beide Interessen zusammenbringen und respektieren, ohne sich dem Vorwurf des Wirtschaftsimperialismus auszusetzen?

Der Hasenfuss von kleinen Biogasanlagen ist, dass sie mit abnehmender Größe (Leistung) in der Regel eine schlechtere Energiebilanz aufweisen als größere Anlagen mit der gleichen Verfahrenstechnik. Trotzdem sinken die Wirkungsgrade nicht so stark, dass sie im Vergleich zur Nicht-Installation und ausbleibender Elektrizität nicht dennoch mehr Vorteile bieten.

Eine große Chance für Entwicklungsländer sehe ich im aktuell in Deutschland häufig stattfindenden Repowering von Biogasanlagen. So werden viele Module (gerade im Verstromungsbereich) durch Module mit Kraft-Wärme-Kopplung ausgetauscht. Dieses Repowering aus Gründen der Verbesserung des energetischen Wirkungsgrads könnte für die internationale Zusammenarbeit sehr fruchtbar sein.

Die zurückbleibenden, aber immer noch voll funktionsfähigen Anlagen könnten zu einem sehr günstigen Preis (finanzielle win-win-situation) oder als Geschenk an Entwicklungsländer abgegeben werden. Je weniger komplexe Technologien in der versandten Biogasanlage vorhanden sind, desto besser die Eignung für ländliche Regionen von Entwicklungsländern. Komplizierte Technologien erhöhen den Wartungsaufwand und damit die Abhängigkeit von den Industrienationen oder aufwendigen Schulungsprogrammen. Hilfe zur Selbsthilfe ist eine Doktrin die ich für sehr nachhaltig halte.

Welche Art der Biogastechnologie für eine Region am besten geeignet ist (z.B. Entscheidung zwischen Trocken- und Nassfermentation), sollte in Gesprächen und Untersuchungen genau geklärt werden. Der Wassermangel in einigen Regionen könnte im Gegensatz zu Deutschland der Trockenfermentation einen entscheidenden Vorteil einräumen.

Zum Abschluss noch einen Link zu einem spannenden Film, welcher sich mit Kleinstbiogasanlagen in Yunnan (China) beschäftigt.

Vielen Dank an Neo Lekgetho aus Gabarone für die vielen inspirierenden Gespräche zum Thema Energieversorgung und Landwirtschaft in Botswana.

Photos: Thanks to Ecosan