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Biomassestrategie für Biogas Pellets Biokraftstoffe in Brandenburg/ DeutschlandAm 20.10.2010 wurde vom Umweltministerium Brandenburgs eine Biomassestrategie veröffentlicht. Ich habe den 40-seitigen Text gelesen und werde im heutigen Artikel einige Aspekte des sehr gelungenen Papiers vorstellen. Außerdem möchte ich alle betroffenen und interessierten Personen dazu ermuntern die Broschüre selbst zu lesen – insofern das nicht schon passiert ist – es lohnt sich!

Welche Inhalte umfaßt die Biomassestrategie Brandenburgs

Eine Biomassestrategie für ein ganzes Bundesland aufzustellen, welche Investitionssicherheit bietet und dabei gleichzeitig Freiräume für zukünftige Innovationen und Technologien läßt, ist sicher nicht einfach. Brandenburg hat es nun Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg RW gleichgetan und eine eigene Biomassestrategie veröffentlicht. Diese reicht von der Darstellung der Ist-Situation der stofflichen und energetischen Biomasse-Nutzung bis hin zu landesspezifischen Potentialen. Im Folgenden stichpunktartig einige Ausschnitte.

Integration der Biomassestrategie in bestehende Programme

Die Biomassestrategie ist so angelegt, dass sie sich harmonisch in bestehende politische Programme einfügt. Allgemein kann gesagt werden, dass die Biomassestrategie vor allem die Zielstellungen der in der folgenden Grafik dargestellten landespolitischen Beschlüsse konkretisiert oder um neue Aussagen ergänzt.

gesetze zu biogas Biomasse und anbau entwicklung von energiepflanzen in Brandenburg

Arten von Biomasse und Bezugsquellen in Brandenburg

Eine einheitliche Begrifflichkeit für verschiedene Biomasseströme zu haben, kann die Planung zwischen verschiedenen Marktteilnehmern stark vereinfachen. Deshalb ist die in der Broschüre gelieferte Übersicht über die bisher bekannten Biomassearten sehr nützlich und gibt einen umfassenden Eindruck über die bisherigen Bezugsquellen. Im Strategiepapier werden diese genannt und detaillierter vorgestellt. Hier ein kleiner Ausschnitt:

  • Acker-Energiepflanzen
  • Waldholz
  • Aufwuchs von Grünflächen
  • Wirtschaftsdünger, Gärrest
  • Altholz
  • Landschaftspflegematerial
  • Bioabfälle/ Speisereste
  • Schlempe
  • Rapspresskuchen

Anbausituation für verschiedene nachwachsende Rohstoffe in Brandenburg

Natürlich wird auch die aktuell vorliegende Anbausituation von verschiedenen Nachwachsenden Rohstoffen in Brandenburg vorgestellt. Dabei wird auch auf die Entwicklung der Anbaufläche eingegangen, welche für den Anbau der verschiedenen Kulturen in den vergangenen Jahren bestellt wurde. Schätzungen über die Potentiale verschiedenen Biomassearten runden das Bild ab.

Allgemein kann gesagt werden, dass die bestellte Fläche für NawaRo’s während der letzten 6 Jahre stark gewachsen ist. So hat sich die Anbaufläche in Brandenburg von 61.000 Hektar im Jahr 2004 auf 190.000 Hektar im Jahr 2007 etwa verdreifacht. Allein der Anbau von Mais ist von ca. 50 Hektar (Jahr 2004) auf ca. 20.500 (Jahr 2007) gestiegen. Auch der Anbau von bisherigen Exoten auf Brandenburger Böden wie Zuckerrübe, Hirse und Sudangras hat stark zugenommen und erreicht jeweils Anbauflächen um die 2.000 Hektar (Jahr 2009).

Die Meinungen über eine solche Entwicklung gehen sicher auseinander, der starke Wandel zeigt aber auch, wie lebendig die Artenauswahl in der Landwirtschaft ist und wie schnell sich die Landwirte an die wirtschaftlichen Rahmenbedungen angepaßt haben.

Bioenergetische Anlagen in Brandenburg

Die Anbauarten und Anbaufläche bilden die eine Seite der Medaille, aber wie sieht es mit den folgenden Wertschöpfungsstufen aus? So haben vor allem die bioenergetischen Anlagen in den letzten Jahren stark zugelegt. Die Broschüre zur Biomassestrategie bietet hier konkrete Zahlen über den Ist-Zustand und zeigt die Verteilung von Biogasanlagen und Biomasseheiz(kraft-)werken auf die Brandenburger Landkreise. Ein kleiner Ausschnitt:

In ganz Brandenburg sind aktuell 22 Biomasseheizkraftwerke mit einer Leistung von 157 MWel und 367 MWth installiert. Hinzu kommen 12 reine Biomasseheizwerke mit einer Mindestwärmeleistung von 1 MW. Die meiste Leistung findet sich dabei in den Landkreisen Teltow-Fläming, Oder-Spree und Ostprignitz-Ruppin.

Beim Biogas sieht sie Situation folgendermaßen aus. Es gibt aktuell 176 Biogasanlagen mit einer installierten Leistung von 112 MWel und 125 MWth – weitere 85 Anlagen sind aber bereits genehmigt. Die durchschnittliche Leistung einer BGA im Land Brandenburg beträgt 640 kWel und liegt damit über der durchschnittlichen Biogasanlagengröße, die in Deutschland bei ca. 380 kWel angesiedelt ist.

Bisher wird an den Standorten Rathenow, Schwedt und Ketzin das Biogas zu Biomethan aufbereitet und ins Erdgasnetz eingespeist.

Feldheim ist Gewinner des bundesweiten Bioenergiewettbewerbs

An dieser Stelle möchte ich auch sehr erfreut dem brandenburgischen Feldheim gratulieren, welches einer der 3 Gewinner (neben Effelter und Jühnde-Barlissen) des Wettbewerbs „Bioenergiedörfer 2010“ geworden ist! Das 145-Einwohnerdorf in Potsdam-Mittelmark deckt seinen Strom- und Wärmebedarf zu 100% selbst und verfügt über ein eigenes Mikrowärmenetz. Die Energieträger, welche Feldheim zur Energieautarkie verhelfen, sind hauptsächlich Biogas und Wind.

Rechtliche Regelungen zum Thema Biomasse

Auch auf den nationalen und EU-weiten rechtlichen Rahmen geht die Biomassestrategie ein. Sie nennt dabei relevante Gesetze und stellt den Bezug zur Biomasse her. Eine Prognose über mögliche Gesetzesänderungen bezüglich dem Umgang mit Biomasse oder Wünsche werden eines Wissens jedoch nicht vorgestellt. Folgende Gesetzestexte (inkl. Verordnungen und Richtlinien) kommen vor:

  • EU Richtlinie Erneuerbarer Energien
  • EU Biokraftstoffrichtlinie
  • Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung und Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung
  • Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
  • Biomasseverordnung
  • Gasnetzzugangsverordnung und Gasnetzentgeltverordnung
  • Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz
  • Bundesimmissionsschutzgesetz
  • Kleinfeuerungsanlagenverordnung
  • Energiesteuergesetz
  • Biokraftstoffquotengesetz
  • Gesetz zur Änderung der Förderung von Biokraftstoffen
  • Wachstumsbeschleunigungsgesetz

Nennung von Forschungsinstituten und Förderprogrammen für Biomasse in Brandenburg

Die Broschüre stellt eine umfangreiche Sammlung von Forschungsinstituten, Förderprogrammen, Projekten und Vereinen zur Verfügung, welche sich in Brandenburg mit der stofflichen und energetischen Nutzung von Biomasse beschäftigen. Die Aufzählung ist sehr gut geeignet, um potentielle Partner oder Ansprechpartner für die jeweiligen Biomasse-Nutzungspfade zu finden. Hier eine kleine Aufzählung der vorgestellten Instituten und Unternehmungen:

  • Brandenburgisch Technische Universität Cottbus (BTUC)
  • Energie Technologie Initiative Brandenburg (ETI)
  • Energie-Kompetenz-Zentrum Feldheim
  • Energieregion Lausitz
  • Forschungsinstitut Bioaktive Polymersysteme (BIOPOS)
  • Fraunhofer-Institut für angewandte Polymerforschung (IAP)
  • Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
  • Institut für Getreideverarbeitung Potsdam-Rehbrücke (IGV)
  • Kompetenznetzwerk Biokraftstoffe
  • Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftforschung (ZALF)
  • Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim (ATB)
  • Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung
  • Netzwerk Biofestbrennstoff MOL
  • Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB)

In der Broschüre sind vor allem noch weitere Programme und Projekte genannt, die sich mit der Weiterentwicklung eines Gebiets der stofflichen oder energetischen Nutzung von Biomasse beschäftigen.

Kaskade der Biomasse-Nutzungspfade

Als wichtige Orientierungshilfe wird in der Biomassestrategie auch von der Kaskadennutzung gesprochen. Schon im Koalitionsvertrag des Brandenburger Landtags Ende 2009 wurde die Kaskade angegeben, nach der Biomasse zukünftig in Brandenburg genutzt werden soll. Die damals gesetzten Prioritäten wurden in den Begrifflichkeiten leicht angepaßt, sind aber inhaltlich im Kern gleich geblieben. Die angestrebte Nutzungsabfolge endspricht in der Reihenfolge der obigen Grafik.

Die Nutzung von Nachwachsenden Rohstoffen soll demnach zuerst der Ernährungssicherheit dienen, bevor sich in anschließenden Stufen die stoffliche und energetische Nutzung anschließen. Bei Bestandteilen von Pflanzen, die nicht für die Ernährung oder als Bauteil geeignet sind (z.B. Landschaftspflegematerial), kann sich die Bioenergie aber auch als erste Stufe ergeben.

Link zur vollständigen Biomassestrategie als PDF

Zum Abschluß möchte ich den Verfassern zu dieser sehr gelungen Biomassestrategie für das Land Brandenburg gratulieren und mich für die gut strukturierte, präzise und informationsdichte Broschüre bedanken! Für viele weitere Informationen zur stofflichen und energetischen Nutzung von Biomasse gibt es hier den Link zur zur vollständigen Biomassestrategie als PDF-Download. Einen Blick in das Paper kann ich sehr empfehlen.

Weitere aktuelle Informationen über die Entwicklung der Biomasse-Nutzung in Berlin-Brandenburg gibt es außerdem hier.