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Das ist eine Headline, die ich den kommenden Jahren häufiger in der Presse und den Bioenergie-Fachmagazinen lesen möchte. Biomethan-Projekte tragen dazu bei, dass die gasförmige Bioenergie ihren Kontakt zu den Energieverbrauchern auf eine viel breitere Basis stellen kann und dem Erdgasnetz kontinuierlich ein Grünton beigemischt wird. Der goldene Kompass für erfolgreiche Biomethan-Einspeiseprojekte ist aber leider noch nicht gefunden. Dabei wären solide Navigationsgeräte tatsächlich Gold wert in dem Sturm der Energiewende, welcher unsere traditionelle Energieversorgung aktuell durcheinanderbringt. Lassen sie uns gemeinsam an der Überwindung der Hindernisse arbeiten, um die im EEG 2012 verbesserte Fördersituation für Biomethan zu nutzen und den Durchbruch des flexibelsten aller Bioenergieträger zu beschleunigen.

Erdgasnetz ermöglicht Transport von Biomethan und Ökogas

Wahrscheinlich schaffe ich es in den 10 Artikeln der kleinen Bioenergie-Kampagne nicht, den leichten Marketing-Ton aus meinem Schreibstil herauszuhalten. Aber ich bin Bioenergie-Enthusiast und davon überzeugt, dass eine verbesserte Biomethan-Infrastruktur der nächste Meilenstein sein wird, um den Ausbau der Bioenergie zu sichern und die europäische Vernetzung voranzubringen.

Die zu Beginn des Jahres in Kraft getretene EEG-Novelle 2012 hat neben den gesetzlich geförderten Größenklassen für Biogasanlagen (Stichwort: Mini-Biogasanlage) auch den Biomethanmarkt auf ein neues Fundament gestellt. Dabei ist nicht nur die Förderhöhe der Einspeisevergütung erhöht (!) worden, sondern es wurde die gesamte Vergütungsstruktur angepasst. Folgende Rahmenbedingungen für Biomethan haben sich geändert:

  • Die Vergütungshöhe ist an neue Einsatzstoffklassen (ESK 0, ESK I, ESK II) gebunden.
  • Der Einsatz von ökologisch vorteilhaften Einsatzstoffen wie Gülle oder Landschaftspflegematerial wird in der ESK II am stärksten gefördert.
  • Ab 2012 müssen neue Biomethan-Einspeiseanlagen ein Massenbilanzsystem verwenden, welches hierzulande in Form des Biogasregister Deutschlands realisiert wurde. Bestandsanlagen müssen das 2010 gegründete Biogasregister erst ab 2013 nutzen.
  • Aufbereitung von Biomethan wird seit dem 1.Januar bis zu einer Nennleistung von 700 m3 Biomethan/ h mit 3 Cent pro Kilowattstunde gefördert. Die maximale Einspeiseleistung, für die der höchste Fördersatz bezahlt wird, wurde somit verdoppelt.
  • Bis 1.000 m3 Biomethan/ h wird eine Vergütung von 2 Cent/ kWh gezahlt. Bis zu einer Nennleistung von 1.400 m3 Biomethan/ h erhält der Anlagenbetreiber noch 1 Cent/ kWh.

Für die genaue Berechnung der Vergütungssummen nach EEG 2012 können sie auch auf den dafür konzipierten Biomethan-Rechner des Deutschen BiomasseForschungsZentrums (DBFZ) zurückgreifen. Hier finden sie außerdem einen Artikel zur Einführung des Biogasregisters.

Das Grüne muss zum Grauen – Biomethan sucht seinen Weg ins Erdgasnetz

Zugegeben, das Spiel mit den Farben und dem grünen Etikett von erneuerbaren Energien geht beim Marketing einiger Anbieter von Ökostrom und Ökogas etwas weit. Das häufig als „Greenwashing“ kritisierte Vorgehen ist eine leicht nachvollziehbare, aber nicht sehr nachhaltige Methode zur Vermarktung von regenerativen Energieprodukten. Beim Biomethan hält sich das bisher zum Glück noch in Grenzen und wir sollten darauf achten, dass wir seinen Ruf nicht mit unrealistisch strahlenden Werbeslogans („Claims“) zur Rettung der Welt künstlich überhöhen. Das hat dieser flexible Energieträger gar nicht nötig.

Ein interessanter Artikel zum Thema Greenwashing ist übrigens kürzlich im Algae Observer erschienen.

Grünes Gas aber nicht Biomethan

Biomethan ist kein grünes Gas, aber es hilft uns beim Klimaschutz.

Biomethan ist chemisch betrachtet identisch mit fossilem Methan und eine Unterscheidung der Beiden ist ohne Kenntnis der Herkunft nicht möglich. Abgesehen davon, dass ein leicht grünlich schimmerndes Biomethan sicher ein Geschenk für das Branding von Biomethan-Produkten wäre, ist diese Gleichheit (Verträglichkeit) von Biomethan und Erdgas auch eine gute Nachricht, erlaubt sie doch die problemlose Einspeisung von Biomethan in die bestehende Erdgasinfrastruktur!

Biomethan ist ein Ökogas und kann deshalb als besonders „grün“ beworben werden, weil es hohe CO2-Minderungswerte im Vergleich mit dem fossilen Erdgas erreicht und auf diesem Wege direkt zum Klimaschutz beiträgt. Ein als „Ökogas“ vertriebenes Gasprodukt muss sogar garantieren, dass es CO2-neutral ist.

Um die Nutzung der gasförmigen Bioenergie noch effizienter und breiter zu gestalten, ist die Aufbereitung des schon etablierten Biogases zu Biomethan eine tolle Möglichkeit. Dieses wird ins Erdgasnetz eingespeist und kann anschließend an dem Ort verstromt werden, an dem die Nachfrage für die anfallende Wärme möglichst hoch ist. Der energetische Gesamtwirkungsgrad dieses Nutzungspfads ist deutlich höher als bei der reinen Verstromung von Biogas ohne entsprechend umfassendes Wärmenutzungskonzept.

Sollte die Aufbereitung und Einspeisung von Biomethan keine praktikable Option für sie sein, dann finden sie hier 12 Anregungen zur Verbesserung des Wärmenutzungskonzepts ihrer Biogasanlage.

Hindernisse zur Einspeisung von Biomethan müssen überwunden werden

Trotz der ökologischen und ökonomischen Potentiale steckt die weltweite Einspeisung von Biomethan noch in den Kinderschuhen und sieht sich mit einer Vielzahl von noch zu überwindenden Hemmnissen konfrontiert. Aktuell gibt es erst in Deutschland etwa 70 Anlagen, die Biomethan einspeisen.

Die Installation einer Aufbereitungsanlage und der Anschluss an das Erdgasnetz ist ein aufwendiges Projekt, kann sich bei großen Biogasanlagen ab 1.500 kW aber schnell rechnen. Ein Interview mit Reinhard Schultz, Geschäftsführer des Biogasrat e.V., zeigt deutlich, dass die großen Biogasverbände fest an das Potential von Biomethan für Deutschland und Europa glauben und sich für diesen Energieträger gemeinsam einsetzen.

Für Betreiber von Biogasanlagen ist die Erzeugung und Einspeisung von Biomethan eine interessante Alternative, die individuell geprüft werden sollte. So ist beispielsweise die Haase Energietechnik GmbH ein technologischer Vorreiter auf dem Gebiet der Aufbereitung von Biomethan.

Leider ist eben diese Firma auch ein Beispiel dafür, dass technologische Marktführerschaft allein kein Garant für den Geschäftserfolg ist, musste doch genau dieses Zugpferd der Biomethantechnologie vor 2 Wochen vorerst Insolvenz anmelden. Dieser Schritt war nach Unternehmensangaben nötig, um auf kurzfristige Finanzierungsprobleme zu reagieren, welche durch die Umstellung auf die Rahmenbedingungen des EEG 2012  aufgetreten sind.
Die Vergangenheit hat allerdings gezeigt, dass innovative Bioenergie-Technologien auch eine Phase der betriebswirtschaftlichen Insolvenz überstehen können. Hierbei denke ich vor allem an die Insolvenzen der Choren Industries und der Schmack Biogas GmbH. Ich hoffe, dass die Haase Energietechnik GmbH ihre aktuellen Probleme schnell überwinden kann. Ihr Know-How im Bereich Biomethan ist dafür sicher eine gute Grundlage.

Ich bin zuversichtlich, dass wir in den kommenden 3 Jahren einen deutlichen Anstieg von Biogasanlagen in Deutschland sehen werden, welche die Einspeisung von Biomethan erfolgreich integrieren.

Auch wenn die Überschrift dieses Artikels erstmal mehr versprochen hat, als die Biomethanlandschaft im Moment bieten kann, hoffe ich doch genau diese Überschrift zukünftig in immer kürzeren Abständen lesen zu können. Der Kompass muss ja noch nicht gleich „golden“ sein. Im  ersten Schritt reicht es auch aus wenn er funktioniert und der Biomethanbranche einen erfolgreichen Weg durch die Energiewende weist.

Kennen sie die Anlagen in ihrer Umgebung, die bereits mit der Biomethaneinspeisung begonnen haben? Für ein kurzes Feedback bin ich ihnen dankbar.