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Braucht die BioÖkonomie die Wissenschaft? Sehr kritisch und fast schon zynisch betrachtet sind Wissenschaftler der Teil unserer Mitbürger, die in einem elitären Elfenbeinturm fern ab der Realität Gedanken-Schach spielen, uns mit Zukunftsängsten versorgen und mit ihren Instituten und Experimenten jährlich rund 4.5 Mrd. Euro (2011) an Steuergelder (1.3 % des Staatshaushalts) verpulvern. Ich erinnere mich noch gut an die Veröffentlichung der Bioenergie-Studie der Leopoldina im Sommer 2012. Eine Studie, die sich wie eine überhebliche und so gar nicht objektive Abrechnung mit den biogenen Energieträgern liest. Eine einseitige und äußerst medienwirksame Anti-Bioenergie-Kampagne, mit deren Echo (Akzeptanzprobleme) die Branche noch heute zu kämpfen hat. Einem Bioenergie-Enthusiast fällt es schwer diesen nachhaltigen Schlag der Nationalen Akademie der Wissenschaften zu verzeihen. Aber jede Medaille hat bekanntlich immer zwei Seiten und die Helle der Wissenschaft kompensiert die Strahlkraft der Dunklen großzügig.

Licht und Schatten von Wissenschaft und Forschung

Die helle Seite von Wissenschaft und Forschung

Viele Forscher die ich bisher kennenlernen durfte ertragen den Image-Spagat ihrer Zunft mit Fassung oder sogar Würde. Genauso wie es auch die leidenschaftlichsten unter den Branchenakteuren der Bioenergie tun. Die disziplinierte Arbeit im Forschungslabor oder Technikum eines wissenschaftlichen Instituts ist ja (leider) nicht nur grenzenlose Freude, sondern häufig geduldiges Arbeiten im Dienste der Wissenschaft. Vielleicht kann die Anziehung für Wissenschaft und Forschung durch ein Zitat von Justus von Liebig, Begründer der Organischen Chemie (Radikaltheorie, Liebigsche Minimumgesetz), etwas nachempfunden werden.

„Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an interessant zu werden, wo sie aufhört.“ – Justus von Liebig

…und der demütige Weg an den Rand einer Wissenschaft oder der wissenschaftlichen Methode ist oft weit und steinig.

Wenn man so möchte, nehmen viele Wissenschaftler das Opfer routinierter und manchmal frustrierender Forschungstätigkeit (Laborarbeit!) auf sich, um unsere Umwelt besser beschreiben zu können, Gefahren frühzeitig zu entdecken oder anwendungsorientierte Lösungen für gesellschaftliche Probleme vorzubereiten.

Mit Theorien und Begriffen wie in einer Sprache zu jonglieren, die nur in einem dünn besiedelten Land fern ab des Alltags verstanden wird, erfordert persönliche Opfer. Bei aller Kritik an der Wissenschaft habe ich deshalb großen Respekt vor jedem, der sein Leben der Wissenschaft widmet. Und vergessen wir nicht, dass Wissenschaftler vor 400 Jahren sogar noch auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden konnten, wenn sie zu inspirierende Theorien aufgestellt haben. Eines der bekanntesten Beispiele ist sicher das tragische Schicksal des Wissenschaftlers Giordano Bruno.

Benoît Mandelbrot, Mathematiker und moderner Naturphilosoph, hat zusätzlich zu seiner Entdeckung und Beschreibung der Fraktale auch etwas Inspirierendes über die Wissenschaft gesagt. Ein Zitat, welches eine wesentliche Bedeutung der Wissenschaft für den Alltag auf den Punkt bringt.

„Das Ziel der Wissenschaft ist es immer gewesen, die Komplexität der Welt auf simple Regeln zu reduzieren.“

In meinen Augen sind wir alle auch Wissenschaftler und Künstler. In verschiedenen Disziplinen zwar und nicht immer als dem prägende Charakterzug, aber Neugierde und Kreativität als wichtige Voraussetzungen bringen wir alle mit.

An dieser Stelle findet die kleine Laudatio auf die Wissenschaft ihr Ende und wir wenden uns der Forschung zur BioÖkonomie in Deutschland zu (puh, ich dachte schon er kommt nie zum Punkt).

Forschung und Wissenschaft zur biobasierten Kreislaufwirtschaft

Wissenschaft und Forschung zur BioÖkonomie in Deutschland und Europa

Im Vertrag von Lissabon der 2007 unterzeichnet wurde und Ende 2009 in Kraft getreten ist, haben sich die unterzeichnenden Staaten dazu verpflichtet, dass sie bis zum Jahr 2020 mindestens 3 Prozent ihres BIP für Forschung und Entwicklung (F&E) ausgeben. Ziel dieser Maßnahme ist, Europa zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt zu machen.

In Deutschland können wir den Sekt schon mal kalt stellen, denn bereits 2011 haben wir 2.9 Prozent des BIP für Forschung und Entwicklung investiert und stehen kurz vor der Erfüllung des Ziels für 2020. Den Angaben des BMBF für 2011 zur Folge haben Bund, Länder, Kommunen, Wirtschaft und private Haushalte zusammen ganze 245 Milliarden Euro für die verwandten Themen Bildung und Forschung ausgegeben. Ein Anstieg um 31 Milliarde Euro verglichen mit den Ausgaben 2008.

Von dieser erfreulichen Entwicklung profitiert auch der wachsende Wirtschaftszweig der BioÖkonomie.

Bereits in dem Artikel über die Politik zur BioÖkonomie in Deutschland wurde als einer der vier politischen Akte die Veröffentlichung der Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 vorgestellt. Die zur Verfügung gestellten Fördermittel verdeutlichen den Stellenwert, welcher der BioÖkonomie zugemessen wird. Der Löwenanteil der staatlichen Förderung für die BioÖkonomie bis 2016, nämlich 1.6 Milliarden Euro (von 2.4 Mrd Euro), fließt in Forschungsvorhaben zur biobasierten Wirtschaft.

Förderprogramme zur Erforschung der BioÖkonomie

Mit der Verteilung der Gelder ist hauptsächlich der Projektträger Jülich (PtJ) betraut, welcher verschiedene Programme zur Förderung der Forschung und Wissenschaft für die BioÖkonomie betreut. Hier ein Überblick verschiedener Förderinitiativen:

Die Programme fördern sowohl die Grundlagenforschung, als auch die anwendungsorientierte Forschung zur BioÖkonomie.

BioÖkonomie Forschung und Wissenschaft

Wissenschaftliche Institute an denen zur BioÖkonomie geforscht wird

Werfen wir einen Blick auf die wissenschaftlichen Akteure, die sich bereits mit der Erforschung der BioÖkonomie beschäftigen. Welche Institute und Universitäten bringen Forschung und Wissenschaft zur biobasierten Kreislaufwirtschaft in Deutschland voran und setzen sich somit für das Gelingen der Energie- und Rohstoffwende ein?

Die beiden wichtigsten Akteure sind für mich das Deutsche BiomasseForschungsZentrum (DBFZ) und die Universität Hohenheim. Beide setzen sich bereits seit viele Jahren für die Erforschung der Bioenergie ein, welche eines der großen Teilgebiete der BioÖkonomie ist.

Einer der vier Forschungsschwerpunkte des DBFZ ist die Entwicklung von Konzepten für Bioraffinerien. Dieser Schwerpunkt des Forschungszentrums zur industrielle Nutzung von Biomasse unterteilt sich in wiederum in fünf Arbeitsgruppen:

  • Prozesssimulation
  • Biokraftstoffe und Bioraffinerietechnologien
  • Gesamtsystembewertung
  • Kraftstoffcharakterisierung/ Motorprüfstände
  • Synthesegasbereitsstellung

Der Anwendungsschwerpunkt liegt auch hier auf der Bereitstellung von Kraftstoffen und somit auf der energetischen Nutzung von Biomasse. Auf den Spitzencluster „BioEconomy“ der in Mitteldeutschland angesiedelt ist und zu dem auch das DBFZ gehört, werde ich in einem kommenden Artikel über die wirtschaftlichen Akteure der BioÖkonomie näher eingehen.

Die Universität Hohenheim hat Anfang des Jahres einen Fördererzuschlag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) erhalten, um ein internationales Netzwerk für Wissenschaftler aufzubauen, die sich mit BioÖkonomie beschäftigen. Auf der Internetseite der Universität Hohenheim ist zu lesen, dass „die Universität ihre Kompetenzen in einem neuen interdisziplinären Forschungsschwerpunkt Bio-Ökonomie bündeln und eine der weltweit führenden Hochschulen auf diesem Gebiet werden will“. Dafür arbeitet Hohenheim mit Partner-Universitäten in Brasilien, Dänemark, Kanada und Mexiko zusammen. Mit dem Aufbau eines internationalen Netzwerks wird bereits einer der Punkte der Politikstrategie BioÖkonomie umgesetzt (Handlungsfeld C Ausbildung und Lehre), welche im Sommer (Juli 2013) verabschiedet wurde.

Auch auf der Europäischen Biomasse Konferenz 2013 stand die BioÖkonomie im Zentrum der Debatte und das Rahmenthema in Kopenhagen lautet Aufbau einer biobasierten Gesellschaft.

BioÖkonomie braucht Wissenschaft und Forschung!

Bezogen auf ihre Einsatzmengen im Alltag steht die biobasierte Kreislaufwirtschaft noch am Anfang ihrer Karriere. Die fossilen Rohstoffe Erdöl und Erdgas dominieren mit weitem Vorsprung unsere Wirtschaft und ihr Einsatz wurde im vergangen Jahrhundert ständig erweitert und optimiert. Das 21. Jahrhundert erfordert wegen der Endlichkeit der fossilen Rohstoffe und der gleichzeitig steigenden Nachfrage nach diesen ein gesellschaftliches Umdenken und die Suche nach Alternativen. Die wertvolle Substanz Biomasse als Rohstoff der BioÖkonomie unterstützt den schwierigen Entzug vom Erdöl. Eine biobasierte Wirtschaft ermöglicht die gleiche Flexibilität wie eine fossil Betriebene, ergänzt diese aber um die Eigenschaften nachwachsend, global verfügbar und biologisch abbaubar.

Um auf die Erfolge der fossilen Wirtschaft aufzubauen und ihre Nutzungskonflikte mit Hilfe einer biobasierten Kreislaufwirtschaft zu überwinden sind Wissenschaft und Forschung die wichtigsten Hilfsmittel. Ich bin gespannt auf die Konzepte und Technologien die uns in den kommenden Jahren überraschen werden!

Wenn Sie Mitarbeiter/in, Student/in oder Doktorant/in an einem Forschungsinstitut oder Lehrstuhl sind, welches/welcher sich auf die BioÖkonomie konzentriert, dann stellen Sie die Schwerpunkte ihrer Forschungsarbeit gerne kurz in einem Kommentar vor! Die Welt der BioÖkonomie ist so vielfältig, dass es zahlreiche wissenschaftliche Akteure gibt, die in diesem Artikel nicht zur Sprache kommen konnten.