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Im Artikel werden verschiedene Ideen zusammengetragen, welche von Betreibern von Biogasanlagen genutzt werden, um den Betrieb und die Wirtschaftlichkeit der eigenen Biogasanlage zu verbessern. Dabei geht es um kleine und landwirtschaftliche Biogasanlagen zwischen 30 – 500 kWel und nicht um große Biogasparks wie in Güstrow  oder Penkun. Im Folgenden 10 Anregungen um Kosten für den Betrieb der Biogasanlage zu sparen oder neue Absatzmärkte für die produzierte Energie zu ergänzen.

10 Tipps zur Kosten-Einsparung beim Betrieb einer Biogas Anlage in Deutschland

Es gibt verschiedene Ansätze um die Wirtschaftlichkeit der eigenen Biogasanlage noch zu verbessern. Kostenreduzierung und Gewinnmaximierung sind zwei kühl klingende Begriffe die auch für den langfristigen betriebswirtschaftlichen Erfolg einer Biogasanlage gelten. Hinzu kommt das Finden neuer Absatzmärkte und Partner, um die produzierten Güter Gas | Strom | Wärme | Gärrest bestmöglich verkaufen zu können. Natürlich gehört immer auch eine große Portion Mut und Experimentierfreude dazu, um die mit einer Änderung verbundenen Risiken und Investitionen auf sich zu nehmen. Die aufgelisteten Ideen sind allgemeiner Natur.

In einem älteren Artikel wurden schon 16 Anregungen genannt, um den Betrieb der eigenen Biogasanlage zu verbessern.

1. Nutzung der Abwärme des Biogas-BHKW

Für eine wirtschaftliche Betriebsweise einer jeden Biogasanlage ist eine möglichst umfassende Nutzung der bei der Verstromung im BHKW anfallenden Wärme nötig. Durch den Aufgang des KWK-Bonus in die Grundvergütung durch die EEG Novelle 2012 wird diese Tatsache leider nicht beseitigt, sondern nur in eine andere Form gegossen (siehe Punkt 2).

In einem älteren Artikel werden 12 Konzepte vorgestellt, wie die Abwärmenutzung für eine Biogasanlage aussehen und optimiert werden kann. Als weitere Ideen möchte ich an dieser Stelle noch die Hackschnitzeltrocknung, die Gärresttrocknung und die allgemeine Installation (nicht nur Schrimps) oder Belieferung von Aquakulturen anfügen.

2. Anpassung der Biogasanlage an die EEG Novelle 2012

Die Berücksichtigung der Wärmenutzung wird durch das Inkrafttreten der anstehenden EEG Novelle zum Januar 2012 verschärft. 60% der bei der Biogasverstromung entstehenden Wärme müssen zukünftig genutzt werden, um die Förderprämie nach EEG zu erhalten.

Um keine Abschläge bei den bisherigen Einspeiseprämien durch die EEG Novelle zu erhalten oder die Prämien sogar noch zu erhöhen, sollte die bisherige Substrate-Zusammenstellung überdacht und gegebenenfalls angepasst werden.

Der Einsatz von Mais und Getreide wird ab dem 1.1.2012 nur noch bis zu einem Anteil von 60% gefördert. Für alle Biogasanlagen die bisher ausschließlich auf Mais als Substrat zurückgegriffen haben, sind deshalb alternative Substrate nötig, wenn eine komplette Förderung erreicht werden soll.

Mögliche Substrate, welche als Ergänzung verwendet werden können sind beispielsweise Gülle oder Zuckerrübe. Alternative Energiepflanzen bedeuten natürlich andere Kompromisse die man als Betreiber einer Biogasanlage eingehen muss. Jetzt ist ein günstiger Moment darüber nachzudenken.

3. Einspeisung von Bioerdgas ins Erdgasnetz

Bioerdgas ist ein wichtiger Evolutionsschritt der Bioenergie, welche Biogas- und Biokraftstoffbranche miteinander verbindet.

Eine jedem Betreiber bekannte, aber noch nicht so verbreitet Möglichkeit für neue Absatzmärkte für Biogas ist sicherlich die Einspeisung ins Erdgasnetz. An dieser Stelle ist Verhandlungsgeschick gefragt, um das ins Erdgasnetz einzuspeisende Bioerdgas höchstmöglich zu verkaufen.

Sobald bei der Einspeisung von Bioerdgas ein breiterer Erfahrungsschatz vorliegt, ist die direkte Einspeisung des Gases eine interessante Alternative, die außerdem noch die Flexibilität des Anlagenbetriebs erhöht. Wie lukrativ diese Verwendungsmöglichkeit ist, hängt stark von der Anlagengröße, den Kosten für die Installation der Aufbereitungstechnik und dem Standort (Nähe zum Erdgasnetz?!) der Biogasanlage ab.

Bisher sind die Angaben zu erfolgreichen Einspeisebeispielen noch ziemlich wage, aber es handelt sich um ein innovatives Feld der Biogasbranche, welches dank der Biomethan-Ziele der Bundesregierung (siehe Artikel) in Betracht gezogen werden sollte.

Ein interessantes Beispiel einer Biogasanlage mit erfolgreicher Einspeisung finden Sie in diesem Artikel.

4. Aufstellung oder Verpachtung eines Satelliten-BHKW

Eine Möglichkeit um den Einzugsbereich einer Biogasanlage zu erweitern ist die Aufstellung eines Satelliten-BHKW.

Da der Einsatz eines Satelliten-Blockheizkraftwerks eine sehr effiziente Verstromung des produzierten Biogases mit einem umfassenden Wärmenutzungskonzept bedeutet, steigen durch ein solches Vorhaben die  Einnahmen pro Kubikmeter Biogas.

Es sind viele Arten denkbar, wie ein solches Satelliten-BHKW betrieben werden kann. Hierbei ist nicht so sehr gemeint, ob das BHKW strom- oder wärmegeführt ist, sondern wem das BHKW (Pachteinnahmen) und wem der produzierte Strom und die produzierte Wärme gehört.

Die Länge der zu installierenden Gasleitung und die damit verbundenen Kosten sind unter anderem von der Entfernung des Satelliten-BHKW zur Biogasanlage abhängig und müssen gegengerechnet werden. In einem weiteren Artikel finden Sie einen Vergleich verschiedener BHKW für die Verstromung von Biogas.

5. Gewinnbringende Nutzung des Gärrests der Biogasanlage

Auch dieser Punkt kreist um die Tatsache, dass die Wirtschaftlichkeit einer Biogasanlage dann steigt, wenn die Nutzungsrate aller entstehenden Güter (Biogas, Bioerdgas, Strom, Wärme, Gärrest) möglichst hoch ist.

Der Gärrest als „Abfallprodukt“ kann an dieser Stelle leicht unterschätzt werden. Der hohe Anteil an Nährstoffen (Stickstoff, Phosphor, Kalium, Schwefel) macht ihn zu einem für die Landwirtschaft gut geeigneten Dünger, der auf Grund der vorherigen Vergärung sogar eine bessere Klimabilanz aufweist als bei der direkten Verwendung von Gülle.

Bei vorliegender Technologie am Standort der Biogasanlage kann der Gärrest auch zu Pellets aufbereitet und als weiterer Energielieferant verkauft werden.

Weiterer Vorteil ist, dass die Wärmeproduktion der Biogasanlage mit Hilfe eines Bandtrockners und Separators vergleichsweise einfach zur schnellen Trocknung des Gärrests genutzt werden kann. Voraussetzung ist natürlich, dass ein hoher Feuchtigkeitsgehalt für die weitere Verwendung unerwünscht ist (z.B. Gärrest-Pellets, Verbrennung).

6. Auswahl der Versicherungen für die Biogasanlage

Versicherungen für Biogasanlagen sind ein weitere Punkt, bei dem es viel Spielraum und somit auch Einsparpotentiale gibt.

Die Auswahl der Versicherung kann einem als Betreiber einer Biogasanlage nicht nur im Schadensfall helfen Kosten zu sparen, sondern im Idealfall einer gut geschneiderten Versicherung auch zur Reduzierung der fixen Kosten (monatliche/ jährliche Einzahlungen) beitragen.

Abhängig vom Anlagenstandort, der Betriebsweise und der Persönlichkeit des Anlagenbetreibers können folgende Versicherungstypen ausgewählt und angepasst werden.

  • Haftpflicht, Umwelthaftpflicht
  • Feuer, Sturm, Überspannung
  • Betriebsunterbrechung
  • Maschinenversicherung (Maschinenbruch, Maschinenbruchausfall)
  • Rechtsschutz

Natürlich haben alle Versicherungen eine Funktion. Trotzdem sollte man sich regelmäßig umhören, welche Erfahrungen mit den verschiedenen Versicherungstypen für Biogasanlagen gemacht wurden und welche eventuell überflüssig (z.B. doppelte Abdeckung) sind.

Vor dem Abschluss einer Versicherung sollten die Ausschlüsse und Selbstbeteiligungsbeiträge möglichst präzise durchgesprochen werden, um späteren Rechtsstreitigkeiten vorzubeugen.

7. Gülle als Substrat für die Biogasanlage

Biogasanlagen mit Gülle zu betreiben ist nicht neu und besonders für landwirtschaftliche Betriebe die sich auf die Milchviehhaltung spezialisiert haben eine ideale Möglichkeit auf eine gesicherte und kostengünstige Substratlieferung zurückgreifen zu können. Man rechnet mit der Gülle von etwa 7 Kühen um eine 1 kWel Biogasanlage zu betreiben.

Auf Grund der Änderungen der EEG Novelle 2012 wird der Einsatz von Gülle aber auch für weitere Biogasanlagen interessant.

  • Erstens entfällt für Biogasanlagen die auf mindestens 60% Gülle als Substrat zurückgreifen die Pflicht für ein sonst notwendiges umfassendes Wärmenutzungskonzept.
  • Zweitens ist Gülle und Gülletechnik für die Nassfermentation eine einfache Alternative, um die ab 2012 geltende 60% Mais-Deckelung abzufedern. Der Einsatz tierischer Substrate ist ab 2012 auch in Anlagen erlaubt, die Energiepflanzen verwenden ohne das der NawaRo-Bonus (entfällt ab 2012) entzogen werden könnte.
  • Drittens sind ab 2012 auch standortangepasste kleinere Biogasanlagen auf Güllebasis förderfähig.

Gülle kann vergleichsweise günstig und im Fall des Selbstabholers häufig sogar kostenfrei bezogen werden.

8. Wirtschaftlichkeitsberechnung der Biogasanlage

Je größer eine Biogasanlage ist und je mehr Kapital in die Anlage investiert wurde, desto eher wird eine professionelle Wirtschaftlichkeitsberechnung die Regel sein.

Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung kann auf Grund der langen Laufzeit einer Biogasanlage (in der Regel mindestens 20 Jahre) sehr umfangreich ausfallen. Die jährliche Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollte mindestens folgende Punkte enthalten:

  • Zusammenstellung und Einkaufspreise der Substrate
  • Verkaufspreise und Mengen der einzelnen produzierten Güter: Biogas, Bioerdgas, Strom, Wärme und Gärrest/ Dünger
  • Wartungs- und Instandhaltungskosten (z.B. Zündöl des BHKW)
  • Kosten für Prozessenergie (Strom- und Wärmenutzung)
  • Arbeitszeit und Lohnkosten
  • Versicherungskosten

Der Austausch mit befreundeten Anlagenbetreibern oder die Hinzunahme eines externen Beraters kann gerade in den ersten Jahren des Betriebs der Biogasanlage sehr nützlich sein.

9. Contracting-Verträge für Biogasanlagen und Biogas-BHKW

Vor allem der Bau und Betrieb von Biogasanlagen mit einer größeren elektrischen Leistung und einem größeren Investitionsvolumen werden häufig über Contracting-Verträge realisiert. Die Finanzierung, das Investitionsrisiko und gelegentlich auch die Betriebsführung können so an den externen Contractor/ Contractinggeber übertragen werden.

Diese Art der Partnerschaft bringt sowohl dem Standortgeber, als auch dem Anlagenbesitzer (dem Contractor) Vorteile und ermöglicht häufig erst die Finanzierung und somit Realisierung eines bestimmten Biogasprojekts. Große Hersteller von Biogasanlagen bieten meist auch Contracting-Möglichkeiten an.

Da durch die Hinzunahme eines Contractors in der Regel die Möglichkeit entfällt, von den EEG-Boni zu profitieren, ist das Contracting nur unter bestimmten Bedingungen (Substratliefervertrag) für Landwirte interessant. Interessant ist das Contracting auch für Anlagenbesitzer, die über Repowering-Projekte nachdenken. So kann die Installation eines verbesserten Blockheizkraftwerks gemeinsam mit einem Contracting-Partner realisiert werden.

In diesem Artikel können Sie weitere interessante Punkte zum Thema Contracting- und Leasing-Verträge für Biogasanlagen nachlesen.

10. Wartungs- und Instandhaltungsverträge der Biogasanlage

Für die jährlichen Wartungskosten einer Biogasanlage sollten etwa  6% der einmaligen Investitionskosten bereitgestellt werden.

Ein vereinfachtes Beispiel: Bei einer 500 kW Anlage mit veranschlagten Kosten von 3000 €/ kW liegt ein gesamtes Investitionsvolumen von  1.5 Millionen Euro vor. Bei dieser Investitionssumme sollte also von jährlichen Wartungskosten von etwa 90.000 € ausgegangen werden.

Für Wartungsverträge gelten ähnliche Rahmenbedingungen wie für Versicherungen und es sollten verschiedene Szenarien gemeinsam durchgesprochen werden. Wenn möglich, sollte man den eigenen Wartungsvertrag mit denen anderer Anlagenbetreiber vergleichen.

Die Auswahl eines Wartungs- und Instandhaltungsvertrags ist in jedem Fall eine gute Stellschraube um die jährlichen Betriebskosten zu erhöhen oder im Idealfall zu senken. Entsprechendes Verhandlungsgeschick und gute Vorbereitung sind wie immer sehr hilfreich.

Fazit zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen

Die meisten Verbesserungen benötigen in der Regel Investitionen, entweder in Form von Zeit oder Geld. Damit sich der Aufwand auch wirklich lohnt, sollte man schon im Vorfeld überschlagen, wie viel Ersparnis die Änderungen am Betrieb der Biogasanlage  mittel- und langfristig bringen werden.

Durch die Änderungen der EEG Novelle 2012 wird zukünftig noch stärker der Bau kleiner Biogasanlagen, zwischen 75 und 150 kW, interessant sein. Auch diese Anlagen werden ihr Verbesserungspotential ausloten wollen.

Ich hoffe die aufgelisteten Ideen haben den einen oder anderen auf eine konkrete Idee gebracht oder zumindest zum Nachdenken inspiriert. Für Ideen zur Verbesserung der eigenen Biogasanlage, der Senkung der Kosten oder der Erhöhung des Gewinns, kann ich das Biogasforum von Markus Schlattmann sehr empfehlen. Dort finden Sie interessante und hilfreiche Diskussionen zum Thema Bau und Betrieb von Biogasanlagen mit verschiedenen Leistungsklassen.

Haben Sie weitere Tipps oder Fragen für die Verbesserung einer Biogasanlage, dann schreiben Sie doch einen Kommentar. Da ich selbst keine Biogasanlage betreibe, bin ich auch für kritische Anmerkungen und Verbesserungen zu den gemachten Angaben sehr dankbar!

Hier finden Sie weitere Artikel zum Betrieb einer Biogasanlage.

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