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Ein Produkt aus einem Material fertigen zu können, dass andere für „Abfall“ halten, ist eine intelligente Möglichkeit um sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern und gleichzeitig zum Aufbau einer modernen Kreislaufwirtschaft beizutragen. Das Bestreben Biokraftstoffe aus Reststoffen und Abfällen zu gewinnen, passt deshalb in eine Zeit, in der sich die industrielle Produktion und ein bewusstes Umweltmanagement zunehmend die Hände reichen. Das EU-Projekt BioBoost stellt sich dieser Herausforderung und verpasst den Biokraftstoffen der zweiten Generation in Europa einen weiteren Schub.

Die industrielle Gewinnung von Energie aus Abfall ist eine vergleichsweise junge Branche und die ersten Kraftwerke, welche gezielt sogenannte Ersatzbrennstoffe (EBS) nutzen, wurden in Deutschland erst 2003 in Betrieb genommen (Lünen, Minden, Aßlar). Vor dem Hintergrund steigender Preise von fossilen Energieträgern und dem gesellschaftlichen Wunsch zur Senkung des CO2-Ausstoßes steigt das Interesse an der energiereichen Abfallfraktion.

Die Herstellung von flüssigen Energieträgern aus Reststoffen und deren Nutzung in marktverfügbaren Motoren ist sogar noch innovativer. Diese Kraftstoffe aus Abfallprodukten und Reststoffen (Stroh) werden deshalb auch zu den Biokraftstoffen der nächsten Generation (next generation = nextgen) gezählt.

Der Trend zur stärkeren Verflechtung von Abfallwirtschaft und Energieversorgung setzt sich somit fort.

BioBoost stärkt Nextgen-Biokraftstoffe in Europa

Mitte Dezember des vergangenen Jahres wurde das Projekt BioBoost gestartet. Finanziert wird BioBoost mit Fördergeldern aus dem 7. EU-Forschungsrahmenprogramm.

Fakten zum BioBoost-Projekt

  • Ziel: Herstellung von Energieträgern (Kraftstoffe, Strom, Wärme) und Chemikalien aus Restbiomasse
  • Fördersumme: 5,1 Millionen Euro
  • Laufzeit: 3 Jahr (2012 – 2015)
  • Projektkoordinator: Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  • Teilnehmer: 6 Forschungseinrichtungen + 7 Industriepartner

Welche Projektpartner bringt BioBoost  zusammen?

An BioBoost sind 13 Projektpartner aus den EU-Staaten Deutschland, Finnland, Griechenland, den Niederlanden, Österreich und Polen beteiligt. Hier eine Auflistung der einzelnen BioBoost-Partner:

  • AVA-CO2-Forschung GMBH
  • Centre for Research and Technology Hellas
  • Chimar Hellas AE
  • DSM Chemical Technology R&D BV
  • ENGW Energie Baden-Württemberg AG
  • FH OO Forschungs & Entwicklungs GMBH
  • Grace GMBH & Co. KG
  • Instytut Uprawy Nawozenia I Gleboznawstwa
  • Nederlandse Organisatie Voor Toegepast Natuurwetenschappelijk Onderzoek-TNO
  • Neste Oil Corporation
  • Panstwowy Instytut Badawczy
  • Syncom Forschungs-und Entwicklungsberatung GMBH
  • Universität Stuttgart

BioBoost wird das bisherige Forschungsengagement der beteiligten Projektpartner zusammenführen, getreu dem Aristoteles-Zitat „das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“.

Mit der Neste Oil Corp. ist unter den Partnern auch das Unternehmen, welches die bisher größten kommerziellen Anlagen (Rotterdam und Singapur) zur Herstellung von nextgen Biokraftstoffen weltweit betreibt.

BioBoost + Bioliq = Biokraftstoffe + BioÖkonomie am KIT

Das KIT als Projektkoordinator von BioBoost beschäftigt sich bereits in dem Projekt Bioliq mit der Erforschung und Herstellung von Biokraftstoffen der Folgegeneration. Dabei geht es bei Bioliq in erster Linie um einen BtL-Biokraftstoff (Biomass to Liquid), für dessen Herstellung ein Verfahren der Schnellpyrolyse verwendet wird.

Die Gruppe der BtL-Kraftstoffe kann bei ihrer Weiterentwicklung auch von den technologischen Entwicklungen der fossilen Vertreter in der XtL-Familie profitieren.

Besonderes Interesse des KIT beim BioBoost-Projekt gilt den weiteren Produkten, die bei der Vergasung, beziehungsweise Verschwelung, von Biomasse anfallen. Auf diesem Wege soll die Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit des Gesamtprozesses analysiert und die effizienteste Einstellung der verschiedenen Parameter (Druck, Temperatur etc.) für die Durchführung der Pyrolyse und Hydrothermalen Karbonisierung (HTC) gefunden werden.

Hier finden Sie einen kleinen Einblick in das aktuelle Engagement zur  Erforschung der HTC und Biokohle in der Region Berlin-Brandenburg.

Das Ziel von BioBoost beschränkt sich nicht auf die ausschließliche Erforschung der energetischen Nutzung von kohlenstoffhaltigen Reststoffen, sondern untersucht zusätzlich das stoffliche Recycling der Abfälle zur Produktion von Biochemikalien. BioBoost fügt sich somit sehr harmonisch in die Philosophie der BioÖkonomie und Kreislaufwirtschaft ein und wird den Aufbau von Bioraffinerien vorantreiben.

Nextgen-Biokraftstoffe mit starken Geburtswehen

Die Herstellung von Biokraftstoffen der nächsten Generation ist kein einfaches Unterfangen und ihre Markteinführung wird von vielen ökonomischen und technologischen Rückschlägen begleitet (siehe Artikel zur Insolvenz der Choren Industries GmbH). Wenn wir in einigen Jahren einen gesunden Biokraftstoff-Nachwuchs auf den Märkten erleben werden, dann haben sich diese Geburtsstrapazen gelohnt.

Immerhin sind Biokraftstoffe der nächsten Generation auch die großen Hoffnungsträger und Innovationsmotoren der flüssigen Bioenergie weltweit. Vorteile von Nextgen-Biokraftstoffen gegenüber ihren etablierten Vorreitern der ersten Generation gibt es viele.

Für alle Bioenergie-Enthusiasten ist der Start des europäischen BioBoost Projekts deshalb eine tolle Nachricht und zeigt, dass Europa seine Innovationskraft auch in dieser Zukunftsbranche stärken möchte. Über die EU-Projekte COACH BioEnergy und EnAlgae habe ich bereits berichtet. Diese haben ebenfalls die Förderung der Bioenergie in Europa zum Ziel.

Ich wünsche BioBoost viel Erfolg und allen beteiligten Projektpartnern einen kreativen Teamgeist.