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Vor kurzem habe ich über das Verfahren der hydrothermalen Karbonisierung berichtet (Artikel), dessen Potential es ist, einen weiteren Weg zur CO2-neutralen Bioenergie zu liefern und dabei auch auf organische Abfälle und Altholz zurückgreifen zu können.

Die Tradition der Energiewirtschaft in der Region Berlin-Brandenburg ist lang und mit Werner von Siemens hat einer der Urväter der modernen Energiewirtschaft vor Ort gewirkt. Die Lausitz ist eines der 4 großen Kohleförderzentren Deutschlands und 33% (knapp 60 Millionen Tonnen p.a.) der deutschen Braunkohleförderung entfallen auf dieses Gebiet.

Bei diesem geschichtlichen Hintergrund ist es vernünftig an die gewachsenen Strukturen anzuknüpfen und die Energie aus Kohle mit den Ansprüchen und Problemen unser heutigen Gesellschaft zu verbinden. Einen Beitrag dazu liefert die “Biokohle”, wie sie bei der hydrothermalen Karbonisierung gewonnen wird. Diese Schnellkohle ist CO2-neutral und fördert die Kreislaufwirtschaft, da sie auf Abfälle und Altholt zurückgreifen kann.

Das Anwendungsfeld der Biokohle ist vielfältig und reicht von der energetischen Nutzung als Brennelement über die stoffliche Nutzung zur Bodenmelioration bis hin zu volkswirtschaftlichen oder ökoglobalen Nutzungspotentialen als Kohlenstoffsenke.

Ich möchte das mir bekannte Netzwerk zu Tätigkeiten im Bereich der hydrothermale Karbonisierung für die Region Berlin-Brandenburg im Folgenden kurz Kartografieren. Es zeigt sich, dass sich in den letzten Jahren eine gute Struktur in dieser Branche etabliert hat.Die Wertschöpfungskette ist dabei relativ komplex, so dass von der Gewinnung der Rohstoffe, über die Prozessführung, bis hin zur Verarbeitung und Verwendung der gewonnenen Produkte viele Bereiche involviert sind.

  1. ATB-Potsdam Agrartechnisches Institut
  2. Biopros Forschungsinstitut für Bioaktive Polymersysteme
  3. BTU Cottbus Lehrstuhl Kraftwerkstechnik
  4. Max-Planck Institut für Kolloid und Grenzflächenforschung
  5. PIK Potsdamer Institut für Klimafolgeforschung
  6. Suncoal schlägt schließlich die Brücke zwischen Forschung und industrieller Fertigung.
  7. TU Berlin Institut für Energietechnik

Ein Großteil der beteiligten Institute und Unternehmen haben sich in einem partnerschaftlichen Projekt HTC zusammengeschlossen, um die Potentiale der hydrothermalen Karbonisierung ganzheitlich zu erschließen. Gefördert wird diese Partnerschaft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.  Weitere Informationen zu den Kompetenzfeldern der einzelnen Partner und den Zielsetzungen der Gruppe gibt es auf der Internetseite vom HTC.

Ich habe die im Themenfeld der hydrothermalen Karbonisierung engagierten Institute und Unternehmen einmal graphisch aufgelistet:

Biokohle Berlin-Brandenburg

Die Zusammenstellung der Partner zeigt, dass vor allem im Bereich der Forschung noch Bedarf besteht, bevor die Technologie für eine breite Anwendung geeignet ist. Mit Suncoal ist aber auch schon ein dynamisches Unternehmen dabei, welches sich Ziele in der Entwicklung und Anwendung gelegt hat. So ist für das Jahr 2010 eine industrielle Beta-Anlage im Bundesland Brandenburg geplant, die in Testphasen mehrere 1000 Tonnen Biokohle p.a. produzieren wird.  Ein Interview mit Hans-Joachim von Massow, einem der Geschäftsführer von Suncoal, gibt es auf dem Blog von Klaus Martin Meyer “Nachwachsende Rohstoffe”.

Ich drücke den Beteiligten die Daumen, dass der Sprung von der Forschung in die Wirtschaft zügig gelingt und die Weiterentwicklung des Prozesses trotzdem beibehalten werden kann.