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Biokunststoffe Vorteile und Nachteile Review Kritik Pros und ConsIm letzten Artikel ging es um aktuell sehr kontrovers diskutierte Punkte der Algennutzung. Der Heutige beschäftigt sich ebenfalls mit einem Thema, welches sehr unterschiedliche Meinungen hervorbringt, aber nicht aus dem Bereich der energetischen, sondern der stofflichen Biomasse-Nutzung stammt. Ich möchte anlässlich des aktuell in den deutschen Kinos laufenden Films „Plastic Planet“ von Werner Boote über die Pro und Contras der Kunststoffnutzung sprechen. Ein Thema welches die Gemüter spaltet.

Wenn man an Arten der Biomasse-Nutzung denkt, dann fällt einem das Material Kunststoff (noch) nicht unbedingt als Erstes ein. Aber die Kunststoff- und Biomasse-Branche könnten über den Bereich der Biokunststoffe in den nächsten Jahren zu starken Partnern heranreifen (Link zu weiterem Artikel).

Plastic Planet ein kontrovers diskutierter Film

Der Film „Plastic Planet“ ist ein ziemlich kritischer Film von einem Kenner der Branche und beleuchtet vor allem die dunklen Seiten des Kunststoffzeitalters aus verschiedenen Perspektiven. Die Meinungen über den Film gehen, wie beim Thema Kunststoff selbst, weit auseinander und reichen von vorwurfsvollen Kommentaren über die Verwendung unwissenschaftlicher Studien bis hin zu Danksagungen über die prophetische Kraft und gesellschaftliche Relevanz des Films. Wenn es denn eine Wahrheit gibt, dann liegt sie wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Mir hat der Film gut gefallen und ich musste unweigerlich an Al Gore’s Film zum Klimawandel „Eine unbequeme Wahrheit“ denken. Auf relativ private und sympathische Art und Weise präsentiert Herr Boote eine weitere unbequeme Wahrheit über die Auswirkungen unseres globalen Handelns. Dabei ist der Film meinem Empfinden nach nur sehr selten moralisierend, legt aber den Finger in eine offene Wunde, die man als Teil einer vom Kunststoff  durchfluteten Gesellschaft nur schwer ausblenden kann.

Auf seiner globalen Reise zu den problematischen Aspekten unseres „Plastic Planets“ spielen vor allem die gesundheitlichen und entsorgungstechnischen Probleme eine zentrale Rolle. Trotz des sehr ernsten Themas ist der Film dabei unterhaltsam und man verläßt das Kino mit einem geschärften Bewußtsein für die Kunststoffproblematik.

Den Link zu offiziellen und sehr informativen Internetseite des Film mit passendem Plastik-Design gibt es hier.

Liste zu den gesellschaftlichen Vorteilen und Nachteilen von Kunststoffen

Wie bei allen erfolgreichen Technologien hat auch die Verwendung von Kunststoff, über die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet, verschiedene Problempunkte, welche sich der Kritik stellen müssen. Hier eine Liste von Vorteilen und Nachteilen die bei der Kunststoffnutzung auftreten:

Vorteile der Kunststoffnutzung

  • sehr flexibles Material, welches in vielen Branchen eine anwenderspezifische Lösung ermöglicht
  • Elektro- und Autoindustrie sind ohne Kunststoff kaum vorstellbar
  • Kaskadennutzung ist möglich – in Deutschland besteht eine Wiederverwertungsquote von 96%
  • ist ein vergleichweise kostengünstiger und sehr leichter Werkstoff

Nachteile der Kunststoffnutzung

  • Beschaffungsproblematik des fossilen Rohstoffs Erdöl und Abhängigkeit von dessen Preis
  • Müllproblematik vor allem in Ländern mit fehlenden Recyclingkonzepten
  • geteilte Meinungen bezüglich der Bewertung der Gefährlichkeit von einigen Inhaltsstoffen wie Bisphenol A, PVC und bestimmten Phthalaten

Diese Punkte fassen etwas vereinfacht die wesentlichen Punkte über die Pros und Cons der Kunststoffnutzung zusammen.

Gerade in Bezug auf die Gesundheitsgefahren von Kunststoffen ist in der EU in den letzten Jahren einiges passiert. So gilt seit Juni 2007 die EU-Verordnung REACH, welche die Verwendung von Chemikalien innerhalb der EU-Staaten regelt. Nach dieser dürfen nur solche Substanzen verwendet werden, welche vorher registriert und bewertet wurden. Das gilt auch für chemische Stoffe, welche bei der Kunststoffverarbeitung notwendig sind.

Wenn ich an Kunststoffe denke, dann auch mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite habe ich die Bilder von Teppichen aus Plastikmüll die auf (im) Meer schwimmen und die Verwendung problematischer Lösungsmitteln im Kopf. Auf der anderen Seite ist da aber auch die Vorstellung von einem der flexibelsten Werkstoffe bezüglich Formbarkeit, Beständigkeit, Gewicht und Kosten, welcher viele gesellschaftliche Probleme in der Medizin, Kommunikation oder Mobilität lösen konnte.

Die plötzliche Verdammung einer ganzen Industrie ist in meinen Augen genauso irrational wie der einseitige Hype. Beides trägt zuviel Revolution und zu wenig Evolution in sich. Aus gemachten Fehlern zu lernen und an bestehendes anzuknüpfen halte ich für vernünftiger als eine ganze Branche im Hauruck-Verfahren ersetzen zu wollen. Umwelttechnische Verbesserung der Produktionsverfahren und innovative Konzepte zum Recycling halte ich an dieser Stelle für nachhaltiger.

Kunststoffe 2.0 = Biokunststoffe?

Das Besondere an Biokunststoffen ist, dass sie dabei helfen können einen Großteil der Kritikpunkte (Rohstoffe, Herstellung, Entsorgung) zu überwinden und die Vorteile der Kunststoffnutzung in der Gesamtbilanz noch zu stärken. Eine Differenzierung zwischen fossilen Kunststoffen und Biokunststoffen halte ich deshalb für sehr wichtig. Denn auch das Material Kunststoff und die Kunststoffbranche insgesamt entwickelt sich, auch unterstützt durch Filme wie „Plastic Planet“, natürlich ständig weiter.

Bei den Biopolymeren sollte aber auch unterschieden werden zwischen den Kunststoffen, die ausschließlich auf der Basis von nachwachsenden Rohstoffen entstanden sind und denen, die zusätzlich noch biologisch abbaubar sind. So gibt es Kunststoffe, die zu den Biokunststoffen zählen, aber nicht unbedingt auch biologisch abbaubar sind. Nach den Angaben einiger Biokunststoff-Hersteller sind die ökologischen Vorreiter unter den Biokunststoffen aber die Typen, welche innerhalb von 180 Tagen komplett biologisch abgebaut werden können, ohne chemische Gefahrstoffe zurückzulassen. Was Naturfaserkunststoffe (NFK) alles leisten können, sehen Sie in diesem Film der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe.

Die Schwachpunkte der Biokunststoffe liegen aktuell vor allem im ökonomischen Bereich, da sie teurer sind als ihre fossilen Kollegen. Einige Aussagen über die Konkurrenzfähigkeit von Biokunststoff gegenüber den Fossilen habe ich auf der Grünen Woche von einem Verfahrenstechniker der Kunststoffbranche erhalten.

Ersetzen von 50% der fossilen Kunststoffe durch Biokunststoffe aus Algen

Wichtig ist aber auch bei Biokunststoffen die Frage nach den Rohstoffquellen und der zunehmenden Konkurrenz um nachwachsende Rohstoffe. Das US-amerikanische Unternehmen Cereplast hat zu diesem Argument erst kürzlich in einer Pressemitteilung die Meinung vertreten, dass mit Hilfe von Kunststoffen auf Algenbasis bis zu 50% der fossilen Kunststoffmengen ersetzt werden könnten.

Bisher hat das Unternehmen vor allem den Biokunststoff PLA aus der Stärke von Kartoffeln, Getreide und Maniok (Tapioka-Stärke) hergestellt, ist aber von den Ergebnissen der eigenen Algenforschung so überzeugt, dass es für die kommenden Monate die Entwicklung eines Biokunststoffs auf Algenbasis anstrebt. Das zeigt erneut die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von Algen (siehe Artikel Biokraftstoff aus Algen), welche sich demnach sowohl für die energetische, als auch für die stoffliche Nutzung anbieten.

Was ist eure Meinung zum Film oder zu „Plastik“ allgemein – sollten wir uns mittelfristig vom Kunststoff trennen und nach Alternativen Ausschau halten oder eher eine Modernisierung vornehmen?

Diskutieren Sie mit! Danke.