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COP15 am dritten Tag. Unter Anderem wird der Bericht des Compliance Komitees in Kopenhagen besprochen. Ich möchte den heutigen Artikel nutzen, um eine Lanze für Biomaterialien zu brechen. Dabei werde ich zwei stoffliche Nutzungsmöglichkeiten vorstellen, die innerhalb der wirtschaftlichen Anpassungen an den Klimawandel sehr nützlich sind und zum Teil rasch an Bedeutung gewinnen.

Dabei habe ich ein Material aus der Bauwirtschaft und ein Weiteres aus der industriellen Produktfertigung ausgewählt. Doch zuvor…

…ein paar Zahlen zum Einstieg

Kurz vor der Bundestagswahl wurde noch der Aktionsplan  zur stofflichen Nutzung von Biomasse beschlossen, um damit das Potential dieses Rohstoffs durch politische Rahmenbedingungen zu fördern. Der deutsche Chemiemarkt deckt aktuell schon 15% seiner Rohstoffnachfrage durch den Einsatz von  nachwachsenden Rohstoffen. Dabei werden 2.7 Millionen Tonnen verwendet und ersetzen fossile Rohstoffquellen. Vor allem Lignin, Zucker, Stärke und Zellulose sind organische Strukturen die im Mittelpunkt dieser Rohstoffwende stehen.

Über 53.000 Beschäftigte sind im Moment innerhalb der Wertschöpfungsketten der stofflichen Nutzung von Biomasse tätig. Laut der Prognose einer Studie von Frost & Sullivan wird der Markt für chemische Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen innerhalb der nächsten Jahre um das Dreifache wachsen – von 1.6 Milliarden € (2008) auf  ca. 5 Milliarden € im Jahr 2015. Nun zu den beiden Beispielen.

Biokunststoffe

Kunststoffe sind noch relative junge Materialien und ihre Geschichte ist eng mit dem Erdöl und der Petrochemie verknüpft. In der Zeit haben sie einen wichtigen Teil in unserer Gesellschaft eingenommen und sind Bestandteil vieler Produkte. Ich finde es schwierig mir ein Leben ohne PET-Verpackungen, Gehäuse von Elektrogeräten, Schuhen, CDs und vielen nützlichen Dingen des alltäglichen Lebens vorzustellen. Kunststoffe werden gern verwendet, da sie durch die spezifische Zusammensetzung sehr flexibel in ihrer Bruchfestigkeit, Temperaturbeständigkeit und Härte gestaltet werden können.

Können Biokunststoffe die Funktion der petrochemischen Kunststoffe übernehmen und diese  ersetzen?

Das ist eine naheliegende Frage und wenn ich „ersetzen“ durch „weitläufig ersetzen“ austausche, würde ich mutig mit JA antworten. Glycerin, 1,3-Propandiol, Milchsäure und Bernsteinsäure sind nur Einige der raising stars, die bereit sind, zum Firmament des Materialmarkts emporzusteigen.

Der Fantasie im Produktdesign mit Hilfe von organischen Materialien und biotechnologischen Methoden sind erst mal keine Grenzen gesetzt. Die Substanzen der organischen Chemie, zu denen ja auch die Erdölderivate gehören, gehen in die Millionen. Der Vorteil der Biokunststoffe ist, daß sie einen kurzfristig geschlossenen Kohlenstoffkreislauf bilden und meistens biologisch abbaubar sind. In dieser Eigenschaft liegen aktuell auch noch wichtige Werkstoffgrenzen.

Etwas dramatisch formuliert ist die biologische Abbaubarkeit von Biokunststoffen für einige Produkte ein Segen, für Andere ein Fluch. In der Verpackungsindustrie mit relativ kurzen Lebenszyklen der Produkte paßt eine schnelle Abbaubarkeit gut ins Konzept, bei künstlichen Sprunggelenken natürlich eher nicht.

Für weitere Informationen hier 2 Links zu Artikeln über Biokunststoffe.

Dämmstoffe

Nun zum Beispiel aus der Architektur – wie sehen Baumaterialien in Zukunft aus und was werden sie uns ermöglichen? Gibt es biologische Baumaterialien, denen zwischen den dominierenden Materialien Beton, Stahl und Glas ein wichtiger Platz zukommt?

Innerhalb der Debatte zum Klimaschutz bieten vor allem innovative Dämmstoffen aus organischen Materialien eine schnelle Chance zur Energieeinsparung. Durch die Gebäudesanierung mit besserer Wärmeisolierung kann der Ausstoß an CO2 in diesem Bereich bis zu 50% reduziert werden. Das ist eine ökologische, ökonomische und soziale Chance sehr direkt einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Einen Artikel zu den genauen Einsparpotentialen innerhalb eines Gebäudes gibt es auf dem Blog Klimawandel Global.

Für die Herstellung von Dämmstoffen gibt es eine breite Palette an Biomaterialien, die sehr effizient und ökologisch nachhaltig eingesetzt werden können. Eine Auswahl an geeigneten Materialien sind Flachs, Holzwolle, Faserhanf und Zellulose.

Die Renaissance der Biomaterialien wird bestimmt kommen oder ist bereits da. Wenn ihr weitere praktische Beispiele, neue Ideen oder Grenzen des Einsatzes von Biomaterial kennt, dann schreibt doch einen Kommentar…Interessante Anwendungsmöglichkeiten für die stoffliche Nutzung von Biomasse gibt es regelmäßig auf dem Blog Nachwachsende Rohstoffe.