0 Flares Twitter 0 Facebook 0 Google+ 0 Email -- 0 Flares ×

Organische Abfälle und Speisereste für biogasanlage und Fermenter organic waste Es gibt viele Ansätze die fossile Energiewirtschaft in eine andere Richtung zu bewegen. Der moderne Einsatz von regenerativen Energiequellen wie Biomasse, direkter Sonnenenergie oder Windenergie ist eine dieser Möglichkeiten, welche viel Platz für Kreativität und gesellschaftliche Visionen läßt. Aber auch die regenerativen Energien treten mit zunehmend effizienteren Technologien und wachsendem Marktanteil in einen stärkeren Wettbewerb untereinander um freie Anlagenstandorte, Kunden und gesellschaftliche  Akzeptanz. Dieses offensive Werben von Energieträgern und –technologien in Deutschland ist ungewohnt, aber in meinen Augen auch sehr nützlich und führt zur Erhöhung der Innovationsgeschwindigkeit der ganzen Branche und verhindert das vorzeitige Ausruhen auf dem schon Erreichten. Wie gut ist die Bioenergie beim diesem Werben um Aufmerksamkeit und Akzeptanz aufgestellt?

Ich kann nicht behaupten, dass ich besonders gut geeignet bin für eine möglichst objektive Antwort auf diese Frage, da  ich stark an die Vorteile der Bioenergie als regenerative Energieform glaube. Für mich passt sie optimal in die Zeit und ist die ideale Brückenenergie. Sie kann relativ ökonomisch in die bestehende Energiewirtschaft auf Basis von Verbrennungstechnologien integriert werden und öffnet trotzdem Wege für andere, revolutionärere Energieformen. Dies gilt besonders für die Mobilitätsschiene (Biokraftstoffe).

Sex-Appeal der regenerativen Bioenergie

Bei all meiner persönlichen Überzeugung weiß ich aber auch, dass es die Bioenergie in der öffentlichen Wahrnehmung oft etwas schwerer hat, als die Kollegen von der Sonnen- und Windenergie. Diese nicht auf Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Stoffen basierenden Energiequellen machen zumindest bei der Energiegewinnung (nicht bei der Herstellung und dem Recycling der Anlagen!) einen deutlich cleaneren oder etwas provokanter formuliert „sterileren“ Eindruck.

Bioenergie hingegen produziert Gestank, hat mit Abfällen zu tun und wird manchmal stark übertrieben als wichtiger Faktor für die „Verschlimmerung der Hungersnöte und Regenwaldabholzung auf der ganzen Welt“ verteufelt. Diese Randbedingungen tragen natürlich nicht unbedingt zur Attraktivität der Bioenergie bei und als Wähler und Konsument wird man sich bei manchen Horrorszenarien instinktiv erstmal von dieser Energieform distanzieren und in jedem Fall nicht magisch angezogen fühlen. Hat die Bioenergie also ein Imageproblem und fehlt ihr die reine Strahlkraft von Wind- und direkter Sonnenenergie?

So wie dir Probleme der Bioenergie oft in den Vordergrund der öffentlichen Diskussion rücken, kann diese Frage häufig mit ja beantwortet werden. Eine ausgewogene Diskussion über Gefahren und Potentiale der Bioenergie und ein rationaler Abgleich mit den aktuellen Alternativen findet mir zumindest in den Tageszeitungen mit den großen Auflagen zu selten statt. Das ist sehr schade für eine Energiequelle die zu den sozialsten (Erhalt von Arbeitsplätzen), effizientesten und preiswertesten erneuerbaren Energiequellen gehört, über die wir aktuell und in den nächsten 25 Jahren wahrscheinlich verfügen werden.

Ich bin ein absoluter Befürworter aller regenerativen Energieformen und glaube daran, dass nur ein Mix aus ihnen ein solides Team präsentieren kann, welches in der Lage ist sowohl im Wärme, Strom und Kraftstoffbereich die starken Vorgängerressourcen von Kohle und Erdgas (und Erdöl) abzulösen. Trotzdem ist die Enttäuschung nicht von der Hand zu weisen, über den manchmal mangelnden Rückhalt in der Öffentlichkeit und fehlenden Mut beim Einsatz für die Bioenergie. 

Ich glaube, dass so wenig über die Stärken der Bioenergie und dafür vor allem über ihre Schwächen gesprochen wird, liegt auch an einem Mangel an „Sex-Appeal“ dieser Energieform. Vom Sex-Appeal der Bioenergie zu sprechen ist etwas gewagt, aber ohne ausreichend Sex-Appeal hat es eine ökologische Bewegung schwer, da ökonomische, ökologische und soziale Faktoren manchmal nicht ausreichen um sie mit einer langfristigen Vision zu verknüpfen und den notwendigen politischen Rückhalt zu bekommen.

Hightech ist sexy

Wie kann das Image der Bioenergie also etwas aufpoliert werden? Das ist eine nicht ganz leicht zu beantwortende Frage. Es bringt sicher nichts der Bioenergie etwas anzudichten was nicht ihrer Natur entspricht. Auf der gleichen „cleantech“ Welle wie die Solartechnologie zu schwimmen ist wahrscheinlich nicht der richtige Weg, da Gestank, Mikroorganismen und Verbrennung einfach „dreckiger“ wirken und einen gewissen Ekel auslösen können. Authentisch sollte eine Imagekampagne für die Bioenergie schon sein und das kann sie bei den vielen Vorteilen auch.

Ein technisches Produkt wird z.B. oft stärker als „sexy“ wahrgenommen, wenn es über das Label „hightech“ verfügt und vielleicht wäre es eine sinnvolle Strategie für die Bioenergie stärker auf ihren Hightech-Charakter hinzuweisen. Die Bioenergie hat jede Menge Möglichkeiten ihr Image zu verbessern indem sie mehr auf ihre Schnittstellen zur Biochemie oder etwas gewagter der Genetik setzt. Die Genetik ist aber natürlich nicht ganz unproblematisch, da ihre Methoden in der Gesellschaft nicht unumstritten sind.

Lächelnde Frau als Sonne mit Apfel in der Hand für Sexappel der Bioenergie
Es ist geheimnisvoll welche Anziehung die Frucht des (verbotenen) Apfels in unserer westlichen Gesellschaft entfalten kann und mich würde interessieren wie stark der Erfolg des Unternehmens Apple auch in der erotischen Ausstrahlungskraft des Firmensymbols begründet ist. Früchte oder Biomasse allgemein können also durchaus sexy sein. Wie kann die Bioenergie als davon profitieren?

Eine Imagekampagen zu den Vorteilen der Bioenergie halte ich für sehr sinnvoll. Auf welche Art und Weise kann das Thema einer spannenden Diskussion sein. Was sind eure Ideen zum Start einer solchen Kampagne?