Probleme bei der Einführung von E10 führen zur Wiederbelebung alter Dämonen der Biokraftstoffbranche

Ethanol E10 Benzin-Gipfel Tankstelle Verträglichkeit Biokraftstoff MotorschadenSeit Anfang Februar wird vor allem an Tankstellen im Süden und Osten Deutschlands das Biokraftstoffgemisch E10 angeboten. Die geplante Einführung seit Anfang 2011 hat, harmlos gesprochen, nicht gerade reibungslos funktioniert. Mittlerweile ist den Diskussionen um die E10-Einführung leider jeglicher Humor abhanden gekommen und es werden teilweise sogar wieder die alten Dämonen der Biokraftstoff-Branche, wie beispielsweise die „Teller-und-Tank“-Diskussion, herausgekramt. Welche Probleme und Lösungsansätze gibt es bei der Einführung von E10?

E10 – ein euphorischer Sprung ins unbekannte Gewässer?

Vielleicht zu hochgejubelt und auf die leichte Schulter genommen, wurde Anfang des Jahres der Biokraftstoff E10 mit 10% (Bio)-Ethanol-Anteil, an deutschen Tankstellen eingeführt. Laut öffentlichen Angaben vertragen 90 % aller Fahrzeugmotoren den neuen Kraftstoff problemlos, während die verbleibenden 10 % selbst bei einmaligem Tanken Probleme mit dem Motor bekommen können.

Eine sehr beruhigende Angabe, wenn man sein Auto z.B. täglich im Beruf benötigt. Besonders dann, wenn das eigene Auto schon mal in der Werkstatt war und eventuell einige Motorteile ausgetauscht wurden, die dann wieder nicht E10 tauglich sein könnten. Auch die Handhabung der Haftungsfrage für eventuelle Motorschäden durch das Tanken von E10 bei möglichen Fehlangaben in den Verträglichkeits-Listen ist ungewiß. Alles in allem eine unbefriedigende Ausgangslage, die von den meisten beteiligten Parteien scheinbar unterschätzt wurde.

So wird von den meisten Autofahrern aktuell das im Durchschnitt 8 cent teurere „Super“ bevorzugt. Der E10 Blend sammelt sich an den Tankstellen an, während „Super“ wahrscheinlich bald zu horrenden Preisen auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden kann.

Die Suche nach Schuldigen

Die Raffinerien beginnen ihre E10-Produktion herunterzufahren und die Ausweitung des E10-Einführungsgebiets auf weitere Tankstellen in der Republik wird vorerst gestoppt. Es ist ein wirtschaftlicher Schaden entstanden und es wird nach Schuldigen gesucht. Der schwarze Peter, wer schuld an dem Schlammassel ist, wird dabei aktuell noch hin- und hergeschoben. Ich kann die Emotionen verstehen, aber ein Image-Schaden wird vermutlich vor allem für den Kraftstoff E10 oder sogar die Biokraftstoffe an sich zurückbleiben.

Es hätten sicher alle Beteiligten etwas mehr tun können, um dem neuen Kraftstoff einen entspannteren Eintritt in seine Tankstellen-Laufbahn zu ermöglichen. Die Suche nach einem Schuldigen hilft in der aktuellen Phase jedenfalls nur den Kritikern der Biokraftstoffe.

Am Dienstag wird es dann den Benzin-Gipfel zum Thema E10 geben, auf dem geklärt werden soll, welche Maßnahmen ergriffen werden.  Es wäre erfreulich, wenn sich der Benzin-Gipfel nur am Rande mit der Suche nach Schuldigen befasst und stattdessen seine geballte Kompetenz darauf konzentriert, rasche und trotzdem durchdachte Lösungsmaßnahmen zu entwickeln und einzuleiten.

Um die Dramatik noch etwas zu steigern, melden sich JETZT sogar noch einige Fahrzeughersteller und geben an, dass sich durch den Einsatz von E10 auch weitere Veränderungen für die Verbraucher ergeben könnten. So könnte es eventuell nötig werden, durch den höheren Anteil an Alkohol im Tank, auch die Ölwechsel-Intervalle zu verkürzt.

War die Einführung des Biokraftstoffgemischs überstürzt?

Wenn man die Auswirkungen betrachtet, die wir aktuell rund um die Einführung des E10-Kraftstoffs erleben, muss man diese Frage sicher mit „Ja“ beantworten. Ich würde aber sagen, dass die Einführung vom Zeitpunkt her nicht überstürzt war, sondern einfach einer umfangreicheren Planung bedurft hätte. Deutschland strebt mit der Einführung des E10 Kraftstoffs letztlich nur die Umsetzung gemeinsam gesteckter Ziele innerhalb der Europäischen Gemeinschaft an.

Die im Jahr 2003 veröffentlichte „EU-Biokraftstoffrichtlinie“ (2003/30/EG) beschreibt den Umgang mit Biokraftstoffen in Europa. Sie wurde 2009 durch die „Erneuerbare-Energien-Richtlinie“ der EU (2009/28/EG) ergänzt und soll 2012 vollständig durch diese ersetzt werden. Es bestand, wie üblich, die Möglichkeit die EU-Richtlinie in angepaßter Form in nationales Recht umzusetzen.

Diese Möglichkeit hat Deutschland wahrgenommen und bereits 2009 die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung erlassen. Als verbindliches Ziel wurde in dieser, wie in der europäischen Richtlinie auch, ein Anteil von 10% Biokraftstoffen bis zum Jahr 2020 festgelegt.

Für das Erreichen der europäischen Klimaziele musste also auch Deutschland handeln. Ob aber eine Einführung von E10 in 2 Jahren auch noch gereicht hätte, ist mühselig zu beantworten. Fakt ist, dass eine bessere Planung nötig und wahrscheinlich auch möglich gewesen wäre.

Mehr Aufklärung und Absprache mit den Verbrauchern vor dem In-Verkehr-Bringen von E10, etwas mehr begleitende Informationen an den Tankstellen nach der Einführung und natürlich handfeste Studien über die genauen Auswirkungen von E10 auf die verschiedenen Modelle hätte viele Überraschungen sicher vorweggenommen. Außerdem hätte man mit einem kleineren Einführungsgebiet anfangen können, um die aktuell auftretenden logistischen Probleme einzudämmen.

Aber hinterher ist man immer schlauer und jeder hätte es natürlich besser gemacht!

Biokraftstoffe sind weder „Öko-Engel“ noch „Hunger-Teufel“

Es ist sehr schade, dass auf Grund der Einführungsprobleme von E10 und dem damit verbundenen Frust auch gleich wieder die Biokraftstoff-Kritikpunkte hochkochen, die gar nichts mit den aktuellen E10-Problemen zu tun haben.

Meinungen, die so undifferenziert über ein so vielversprechendes Thema wie Biokraftstoffe urteilen, müssen einen als „Freund der Biokraftstoffe“ einfach ärgern. Das gilt besonders dann, wenn allgemeine Urteile für ALLE Biokraftstoffe gefällt werden. So ist der Klimawandel oder das Aufstellen einer Ökobilanz ein so komplexes Feld, dass selbst Wissenschaftler eingestehen, dass die Ergebnisse ihrer Klimamodelle nur unter ganz bestimmten Randbedingungen Gültigkeit besitzen.

Besonders schmerzhaft sind Vorwürfe, dass Biokraftstoffe zur Abholzung der Regenwälder führen und den Hunger in der Welt ausweiten. Wenn man dann noch verfolgt hat, wie intensiv sich die Biokraftstoff-Branche in den letzten Jahren mit diesen Kritikpunkte beschäftigt und Maßnahmen zur Beseitigung jedes einzelnen getroffen hat, dann können undifferenzierte Artikel über die „bösen Biokraftstoffe“ auch nicht mehr mit der Liebe für den Planeten oder den Menschen in Entwicklungsländern gerechtfertigt werden. Kritik ist wichtig und teilweise sicher gerechtfertigt, aber Biokraftstoffe als Sündenbock für alle Übel der Welt anzuklagen, löst kein einziges dieser Probleme.

Welche häufigen Kritikpunkte gegenüber Biokraftstoffen gibt es?

1. Biokraftstoffe sind verantwortlich für die Abholzung der Regenwälder

Bis zu einem gewissen Grad stimmt das leider. Aber selbst Palmöl, welches immer als wichtigstes Produkt für diesen Kritikpunkt angeführt wird, wird „nur“ zu etwa 5% für die Herstellung von Biodiesel genutzt. Der überwiegende Teil des Palmöls geht in die Herstellung von Kosmetika und Margarine. Und nicht jedes Palmöl aus Malaysia oder Indonesien wird auf Flächen angebaut, welche vorher mit Regenwald bewachsen war.

Außerdem wurden und werden aufwendige Zertifizierungsverfahren entwickelt und seit kurzem angewendet (siehe Artikel zu Zertifizierungssystemen für Biomasse), welche auf so hochwertigen Flächen gewonnene Biomasse für die Nutzung von Biokraftstoffen ausschließt (zumindest in Europa).

2. Biokraftstoffe sind verantwortlich für steigende Lebensmittelpreise und den Hunger in der Welt

Dass der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen auf Grund der Flächen- und Nutzungskonkurrenz für Nahrungsmittel auch zum Anstieg der Lebensmittelpreise beiträgt, kann man nicht bestreiten, aber der wichtigste Grund für den Preisanstieg für Nahrungsmittel ist das rasante Wirtschaftswachstum in Ländern wie Indien und China, durch welchen auch die Nachfrage nach Lebensmitteln wie Mais, Weizen und Reis in die Höhe geschossen ist.

Außerdem profitieren Entwicklungsländer teilweise auch von den breiteren Einsatzmöglichkeiten der Biomasse und haben für ihre häufig großen Anbauflächen weitere Absatzmärkte hinzugewonnen. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Biomasse für viele Regionen in Entwicklungsländern die einzig bezahlbare Kraftstoffquelle überhaupt ist – gerade bei steigenden Ölpreisen! Auch die energetische Erschließung dezentraler Regionen wird häufig erst durch die Bioenergie möglich.

Um die wirtschaftliche Wechselwirkung von Nahrungsmitteln und Biokraftstoffen aber noch weiter zu verstärken, wird außerdem die Erforschung und Entwicklung von Biokraftstoffen der 2. und 3. Generation intensiv vorangetrieben. So ist beispielsweise die Erzeugung von Bioethanol aus nicht eßbaren Pflanzenbestandteilen (siehe Artikel Cellulose-Ethanol) ein wichtiger Schritt, um die Konkurrenz von Biokraftstoffen und Nahrungsmitteln einzuschränken.

3. Biokraftstoffe haben eine schlechtere Ökobilanz als fossile Kraftstoffe

Das Argument, dass Bioenergie eine schlechtere CO2-Bilanz als fossile Energieträger hat,  finde ich ziemlich vermessen. Sicherlich stimmt die Aussage für den Anbau einiger Biomassen (z.B. beim Gründlandumbruch), ist als verallgemeinerte Aussage für alle organischen Einsatzstoffe und Bioenergieträger aber nicht haltbar.

Die Berechnung der Ökobilanz von Biokraftstoffen kann, wie übrigens bei allen anderen Energieformen auch, teilweise sehr schwierig sein, da über die gesamte Produktionskette bis hin zum Verbrauchsort viele verschiedene Technologien kombiniert werden und Langzeitfolgen und Materialeinsatz oft schwierig zu berücksichtigen sind.

Trotzdem hat die Herstellung von Biokraftstoffen teilweise natürlich auch negative ökologische Auswirkungen (z.B. bei Mais-Monokulturen), welche erkannt und gebannt werden müssen.

Auch wenn Biokraftstoffe in den letzten Jahren vor allem als Klimaschützer angetreten sind, sollte man sie nicht nur wegen ihrer ökologischen Auswirkungen beurteilen. Biokraftstoffe und andere Bioenergieträger haben weit mehr Vorteile gegenüber vielen fossilen Energieträgern, als „nur“ eine andere Ökobilanz (siehe Artikel über die Vorteile der Bioenergie). Besonders hervorzuheben sind hierbei eine größere Unabhängigkeit vom Erdöl und das Verlagern vieler Wertschöpfungsketten und Arbeitsplätze an den Ort, an dem die nachwachsenden Rohstoffe angebaut und im Idealfall auch verbraucht werden.

Fazit

Ohne zu moralisierend zu sein, sollte sich doch jeder selbst die Frage stellen, ob er eine größere Unabhängigkeit vom Erdöl unterstützen möchte und welche persönlichen Opfer er bereit ist, für diese Entwicklung aufzubringen. Welcher gemeinsame Weg dabei gegangen wird, sollte öffentlich diskutiert werden. Ein Weg die wirtschaftlichen und ökologischen Potentiale von Biokraftstoffen zu realisieren, muss in einem gemeinsamen und differenzierten Dialog gefunden werden.

Jede Veränderung unserer Energiewirtschaft hat Auswirkungen auf unsere Umwelt und nicht jede davon wird positiv sein. Auch die Einführung von E10 wird nicht absolut und für jeden nur Vorteile haben. Trotzdem bleibt Erdöl, bezogen auf menschliche Zeithorizonte, vorerst eine nicht nachwachsende Ressource und ist ENDLICH. Deshalb müssen Alternativen gefunden werden, da wir sonst weit größere Veränderungen für unsere Lebensweise erwartet müssen.

About the Author:

Ron "BiomassMuse" Kirchner ist Umweltingenieur, Fachjournalist und WebDesigner. Eine für BiomassMuse nützliche Mischung, da diese einen unabhängigen Schreibstil unterstützt. Aus der Hauptstadt schreibt er über den Einsatz der gasförmigen, flüssigen und festen Bioenergie im Strom-, Wärme- und Kraftstoffmarkt. Außerdem engagiert er sich gemeinsam mit anderen Energiebloggern für das Gelingen einer bürgernahen und ganzheitlichen Energiewende.

12 Comments

  1. RonKir 17. September 2011 at 10:46

    Wie sieht es mit der Einführung des Biokraftstoff-Blends E10 bei unseren Nachbarn in Österreich aus? Die Erhöhung des Biokraftstoffanteils ist eigentlich für den Oktober 2012 geplant.

    Die Probleme bei der Einführung von E10 in Deutschland sorgen aber für zunehmenden Druck von Vertretern der Mineralölindustrie, die auf eine Verschiebung des Termins um 2 Jahre auf das Jahr 2014 drängen.

    Ein interessanter Artikel zur E10 Einführung in Österreich wurde am 16.09.2011 auf DerStandard.at veröffentlicht.

  2. RonKir 23. April 2011 at 20:02

    Danke für deine kritischen Worte. Die Tank-oder-Teller-Diskussion ist sicher eine der schwierigsten bei der Bewertung von Biokraftstoffe. Sie kann nur schwer mit rationalen Argumenten geführt werden. Ich glaube niemand möchte, dass andere Menschen wegen ihm hungern müssen. Aber auf der anderen Seite möchte man auch, dass ärmere Länder überhaupt eine Chance auf eine Entwicklung haben und dafür ist eine Energieversorgung sicher hilfreich. So kann auch nur mit einer funktionierenden Energiewirtschaft (zu der ich auch Treibstoff zähle) die landwirtschaftliche Produktion und auch die Produktion von Nahrungsmitteln deutliche gesteigert werden. Häufig ist die Verwendung von Biokraftstoffen eine gute Alternative auf die Entwicklungsländer hier zurückgreifen können, besonders bei zunehmenden Ölpreisen.

    6% der landwirtschaftlichen Anbaufläche werden weltweit aktuell für den Anbau von Biomasse verwendet, die dann in Biodiesel oder Bioethanol umgewandelt wird. Es liegt also an uns, dafür zu sorgen, dass Biokraftstoffe nicht zu stark in direkter oder indirekter Konkurrenz zu den Nahrungsmitteln stehen und geeignete Maßnahmen gefunden werden, dies zu verhindern.

    Mit der reinen Verteufelung von Biokraftstoffen macht man es sich nicht nur selbst etwas einfach, sondern man nimmt die Probleme von Entwicklungsländern ihren Energiebedarf zu decken (ohne über eine gute Netzstruktur wie Industrieländern zu verfügen) auch nicht wirklich ernst. Es gibt hier glaube ich keine schwarz-weiß Lösung, sondern es muss immer der konkrete Fall betrachtet werden. Ist zwar anstrengend, aber das haben die Biokraftstoffe meiner Meinung nach verdient :-)

  3. Arno 22. April 2011 at 20:49

    Ich bin ja auch für umweltfreundliche Energieversorgung, aber solange Menschen auf der Welt noch Hungern, finde ich es bedenklich, dass Lebensmittel zu Sprit umgewandelt wirde

  4. @Erdmaus 13. März 2011 at 18:38

    Vielen Dank für die auch sehr differenzierte Antwort.
    ich möchte meinerseits auf deine einzelnen „Verteidigungspunkte“ eingehen.
    Zu Punkt 1.:wie verändern sich die Prozessabläufe gegenüber der 1. Generation?

    zu Punkt 2: zugegeben ist es “ nicht sooo schwierig ist auch in Entwicklungsländern Bioethanol herzustellen“. Der Punkt bleibt aber bestehen, dass es zu Abholzung von Regenwäldern kommt. Gerade in Brasilien. Kontrollmaßnahmen, wie erwähnt sind nicht ausgearbeitet – für 3.Länder.

    zu Punkt 3. an dieser Stelle möchte ich auf die stoffliche Nutzung von NaWaRo`s hinweisen-s.a. http://www.fnr.de. Die Wertschöpfungskette wird jetzt kaskadenartig erweitert: Anbau-Verarbeitung, Herstellung-Bau, Möbel-und chemische Industrie, Recycling und Energiegewinnung über Biogasanlagen. Die Anzahl der Arbeitsplätze steigt auf über 1 Mio. Direkt oder indirekt kann ich jedoch nicht sagen.

    in Punkt 4 hast du wirklich eine Menge von Stichwörtern eingepackt.
    Was die Reichweite angeht: Deutschland ist ein dichtbesiedeltes Land. Überleg dir mal die tatsächliche Reduktion von CO²-Emissionen durch die Nutzung der Elektroautos in der Stadt! Stimmt die Logistik für die Wiederaufladung der Akkus bedarf des Ausbaus. Aber wenn man diesen Weg wirklich gehen will, kann die Infrastruktur schnell ausgebaut werden. Zur Forschung hin zu umweltfreundlichen Akkus schau mal auf die url: elektor.de/elektronik-news/umweltfreundliche-akkus-aus-grunalgen.1072548.lynkx. Und Aufladestationen der Akkus ist die Wohnung des Fahrers selbst. Folgendes Prinzip: Stromeinspeisung über Windanlagen und BHKW der einzeln Hausbesitzer ins Netz. Die Summe machts. Eine intelligente zentrale Steuerung regelt den Bedarf. Akkus und Kühlhäuser fungieren als Stromspeicher, deren Energie auch abgezogen werden kann!! Nach diesem Prinzip werden Überschüsse in der Einspeisung reguliert und Lücken aufgefangen. Das heißt, durch die Einführung solcher virtuellen Netze kann der Strom aus der Windenergie zur Grundlast werden. Die Technik selbst kann nach erfolgreicher Einführung in Drittländer als vernünftige Entwicklungshilfe exportiert werden. Und das was gerade in Japan passiert kann zukünftig ausgeschlossen werden. Atomkraftwerke als Überbrückungstechnologie sind bei konsequenter Durchführung werden nicht benötigt. Zukünftige GAU`s werden ausgeschlossen.
    Ein Austausch würde mir auch sehr gut gefallen. Wenn du irgendwelche Infos bezüglich kleiner Biogasanlagen und Innovationen besitzt, ich bin ein dankbarer Abnehmer. Abschließend nur noch eines. Ich habe die Seite http://www.umwelt-autoren.de aufgebaut. Ich würde mich freuen, wenn du einen Artikel zu dem Thema schreiben und mir zuschicken könntest. Ich veröffentliche ihn dann.

  5. RonKir 7. März 2011 at 19:46

    Vielen Dank für den kritischen, aber sehr differenzierten Kommentar. So zeigt er doch, dass ich trotz großer Sorgfalt bei meinen Argumentationen wegen des komplexen Themas schnell an die Grenzen stoße. Nun ist ein Artikel natürlich auch kein komplettes Buch und ab einer bestimmten Stelle wird man natürlich immer etwas undifferenziert, aber Ihre Perspektive hat mich trotzdem inspiriert.

    Eine kleine „Verteidigung“ einiger Argumente muss ich aber trotzdem vornehmen :-)

    1. So fand ich es z.B. schade, dass Sie in Ihrer Kritik gegenüber meiner Laudatio für Biokraftstoffe nicht mit einem Wort auf die Biokraftstoffe der 2. und 3. Generation eingegangen sind. Denn ich halte die aktuellen Biokraftstoffe, vor allem die verwendeten Einsatzstoffe, auch für ausbaufähig. Viele Konflikte um Bioethanol sind mit der Konzentration auf Cellulose-Ethanol nämlich schon behoben.

    2. Dann muss ich sagen, dass ich der Meinung bin, dass es nicht sooo schwierig ist auch in Entwicklungsländern Bioethanol herzustellen. Die Fermentation von Zuckeranteilen (z.B. aus Hirse oder Maniok) ist nicht so komplizier und die Vergärung ist auch in ärmeren Ländern möglich – jedenfalls eher als das Finden und Erschließen einer Ölquelle. Die Aufreinigung des entstehenden Alkohols, wofür eine Raffinerie benötigt würde, muss zur anfänglichen Nutzung von Bioethanol nicht unbedingt sein, da man nicht zwangsweise Benzingemische herstellen muss, sondern auch Reinkraftstoffe verwenden kann. In Brasilien wird das seit Jahrzehnten betrieben. Es ist ja keine so industrielle Produktion wie bei der Verbio AG nötig, wo mehrere hunderttausend Tonnen Bioethanol jährlich hergestellt werden.

    3. Und über die Studien von Umweltverbänden (NABU, WWF oder Greenpeace) möchte ich sagen, dass sie natürlich den Fokus auf die ökologischen Auswirkungen von Biokraftstoffen legen, dass ist ihr Kernthema und ihre Verantwortung. Viele andere Vorteile der Biokraftstoffe/ Bioenergie werden von diesen Studien aber nicht berücksichtigt (Verlagerung von Wertschöpfungsketten, größere Unabhängigkeit vom endlichen Erdöl oder der Erhalt/ die Schaffung von Arbeitsplätzen). Zumindest die Nachhaltigkeitstrias strebt aber einen optimierten Mix aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Faktoren an und letztlich möchte kaum jemand OHNE ENERGIE leben.

    4. Und zu Elektrofahrzeugen möchte ich sagen, dass diese sicher eine weitere Alternative für eine neue Mobilität sind, die unbedingt gefördert werden sollte. Aber auch sie hat aktuell noch viele Probleme, deren Beseitigung einiges an Zeit und Investitionen benötigen wird. So fallen mir z.B. die Probleme mit der Reichweite, die fehlende Infrastruktur von Ladestationen, die Beschaffung und Entsorgung der nicht unbedingt ökologischen Batterien, die Kosten für den Bau von Elektrofahrzeugen oder die Frage nach der Energiequelle für den benötigten Strom ein. Und wie sieht es mit dem Nutzen von Elektrofahrzeugen in Ländern aus, die nicht einmal über ein elektrisches Netz (Entwicklungsländer), geschweige denn eine Smart Grid verfügen? Sicher, wenn man Elektrofahrzeuge sehr wohlwollend betrachtet (wie ich es im übrigen mit Biokraftstoffen tue), dann haben sie ein riesiges Potential und können jedes der aktuell noch bestehenden Probleme überwinden. Aktuell ist für Biokraftstoffe eher ein großflächiger Einsatz möglich, als für Elektrofahrzeuge – auch wenn diese Sichtweise durch das aktuelle E10-Chaos natürlich nicht gerade untermauert wird :-)

    Vielleicht als abschließende Worte: Umweltpolitik ist ein spannendes, aber auch hochkomplexes Thema. Und das Ziel sollte meiner Meinung nach ein vernünftiger Mix für eine modernes Verkehrssystem sein und die verschiedenen Quellen wie Elektrofahrzeuge, Biodiesel/ Bioethanol, Bioerdgas oder Wasserstoff zu gleichen Teilen nutzen. Sie sehen wahrscheinlich eher die Schwachstellen von Biokraftstoffen und ich eher ihre Potentiale und Stärken – bei den Elektrofahrzeugen ist es umgekehrt. Lassen Sie uns unsere Leidenschaften für die jeweilige Mobilitätsart nutzen und ihr dabei helfen ein immer umweltfreundlicheres, sozialeres und wirtschaftlicheres Verkehrswesen aufzubauen.

    Schöne Grüße und danke für die kritischen Worte.

  6. @Erdmaus 7. März 2011 at 14:27

    Ich finde es interessant, dass Sie ausschließlich Palmöl als Vertreter für die Gewinnung von Biokraftstoffen benannt haben. Sie sollten auch Soja-Öl, Rapsöl und Fette nicht unerwähnt lassen. Und addieren Sie all die verschiedenen Rohstoffe, so kommen Sie auf weit höhere Prozentsätze als 5%. Und all diese Anbauprodukte werden bzw. müssen zur Deckung des Bedarfs für Biokraftstoffe in Drittländern angebaut werden. Das geht nicht anders. Schon allein wegen der benötigten Anbauflächen. Der Bedarf für den Kraftstoff ist höher als die mögliche Produktion in Europa. Die Anbauflächen in Drittländern, bisher für die Versorgung von Lebensmitteln genutzt, finden ihre neue Funktion in dem Anbau von Energiepflanzen wie Soja, Raps oder Ölpalmen. Zur Deckung des Lebensmittelbedarfs werden bisher anders genutzte Flächen substituiert. Rodung von Urwald u.a.. Für den Import von Lebensmitteln aus den Industriestaaten müssen Kredite bei der Weltbank aufgenommen werden. Die Rückzahlung, manchmal auch die Tilgung der Zinsen, bedarf weiterer Kredite. Tatsächlich werden die Chancen zur Bekämpfung des globalen Hungers eher verkleinert. Und die Schuldenfalle vergrößert sich. Die Absatzmärkte werden nicht verbreitert. Sie verschieben sich zu ihren Ungunsten. Hinzu kommt, dass landwirtschaftliche Großunternehmen aus dem Ausland riesige Flächen in armen Ländern mit großen Flächen pachten, um dann mit hohem Profit Anbauprodukte auf dem Weltmarkt verkauft. Das Land selbst hat davon nichts.
    Und das Argument, dass dies (der Anbau) ein Vorteil für diese Staaten sei, da sie sich so ist erstaunlich: „Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Biomasse für viele Regionen in Entwicklungsländern die einzig bezahlbare Kraftstoffquelle überhaupt ist Länder dann selbst eine bessere Energieversorgung verschaffen können“. Tatsächlich werden die Energiepflanzen nicht zur örtlichen Energieversorgung eingesetzt, sondern exportiert. Auch die Technologien, die für die Gewinnung von Biokraftstoffen notwendig sind, existieren nicht. Auch das müssten Sie als Ingenieur wissen. Betreff der Zertifikate auf der Grundlage der Erneuerbare-Energien-Richtlinie” der EU (2009/28/EG) wurde mir auf Anfrage bei dem BfN gesagt, dass die EU sich zwar das Ziel gesetzt hat, zu kontrollieren, welchen Anteil der Flächennutzung Energiepflanzen in den Exportstaaten besitzen, aber das für die Umsetzung keine Maßnahmen existieren, die eine Kontrolle durchführbar machen. Zertifikate, die greifen können, existieren nur für Europa. Und wenn Sie die Aussage, dass der Anbau der Energiepflanzen eine Verschlechterung der Ökobilanz gegenüber fossilen Energieträgern für vermessen halten, dann können Sie das gerne tun. Ich persönlich verlasse mich eher auf Untersuchungen, die Greenpeace, WWF oder Nabu in Auftrag geben.

    Und das Erneuerbare Energiekonzept 2010 seitens der Bundesregierung geht für mich hier in die falsche Richtung. NaWaRos als Energiequelle zur Deckung des Treibstoff-Bedarfs ist die falsche Antwort auf die Minderung der CO²-Emissionen durch den Verkehr. Der Weg hin zu Elektroautos und Wasserstofftechnik sollte massiv gefördert werden. Auch die Logistik für die Praxis. Tatsächlich wäre es schon heute möglich in der Stadt primär Elektro-Autos einzusetzen. Die Technik für entsprechende ist da. Das Auto kann über Nacht aufgeladen werden. Und über das Prinzip der Smart Grids kann sogar auf die gespeicherte Energie zurückgegriffen werden. CO²-Emissionen durch Kohlekraftwerke oder auch die Sicherung des Grundbedarfs durch Atomstrom kann reduziert werden.

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