Welche Rolle spiel Biomasse in der Zukunft des Ökostroms

Vielen Dank an Sarina Lindberg für das Einreichen dieses Gastartikels.

Der Umstieg auf regenerative Energien in Deutschland wird die Stromerzeugung in den nächsten Jahrzehnten massiv umverteilen und auch der Biomasse mehr Einsatz abverlangen. Hier erfahren Sie, wo die Biomasse zwischen den anderen Energieträgern steht und wie sie sich entwickelt.

Aktuelle Bedeutung und deren Gründe

An der gesamten Erzeugung von Strom machten die alternativen Energien im Jahr 2011 schon ein Fünftel aus. Dabei spielt die Biomasse mit ca. 30 % am Gesamtanteil der erneuerbaren Energien eine nicht zu ersetzende Rolle. Diese Rolle ergibt sich aber nicht nur aus dem hohen Anteil. Als physisch verfügbare Energieträger werden Biogas, Bioschlamm, Biokraftstoffe und Holz aus nachhaltigem Anbau oder Abfällen an praktisch jedem Ort eingesetzt. Für die Wirtschaft ergeben sich dadurch viele interessante Vorteile, denn Abfälle, die als Biomasse tauglich sind, sind plötzlich nutzbar. Erneuerbare Energie wird somit schon jetzt effektiv gespeichert und ist bei Knappheit anderer Energiequellen einsetzbar. Durch den Bau und Betrieb neuer Anlagen, die Etablierung neuer Wirtschaftszweige und die Forschung werden derzeit langfristig Arbeitsplätze in Zukunftsbranchen geschaffen. Auch einige alte Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) können nachhaltiges Brennmaterial oder Biogas verwenden. Dezentrale Kleinanlagen steigern die Effizienz und ermöglichen auch kleinen und mittelständischen Unternehmen eine günstige Nutzung von Ökostrom. In der Landwirtschaft profitieren schon jetzt viele Bauern von den Absätzen ihrer Energiepflanzen oder Reststoffe, die sie mitunter auch in eigenen Anlagen für die Energieversorgung vor Ort verwenden.

Vergleich der erneuerbaren Energiequellen

Auf dem alternativen Energiemarkt gibt es neben der Stromerzeugung aus biologischer Masse noch die sehr gewichtige Wind-, Wasser- und Solarkraft. 2011 steuerten die Windkraftwerke 7,7 %, die Wasserkraftwerke 3,2 % und die Solaranlagen 3,1 % zur gesamten Stromerzeugung bei. Die Biomasseanlagen liegen mit 6,0 % auf dem zweiten Rang und machen somit etwa ein Drittel des regenerativ erzeugten Stroms aus. Ein starker Anstieg war vor allem bei der Nutzung von Solarenergie zu verzeichnen, was sich aus den hohen Subventionen ergibt. Diese Subventionen sollen nun gekürzt und regelmäßig angepasst werden, um keiner Technologie einen Vorteil zu verschaffen und eine einseitige Ausrichtung der Energieversorgung zu vermeiden. Im Vergleich der Vor- und Nachteile ist besonders darauf zu achten, dass die Vorteile der einen Energieträger die Nachteile der anderen Erzeugungsarten ausgleichen können:

Windkraft ist günstig, verursacht keine Schadstoffe und birgt wenig Gefahren für den Menschen, aber sie ist gefährlich für Vögel oder Fische in Offshore-Anlagen, beeinträchtigt das Landschaftsbild und verursacht Lärm.

Solarkraft erhält starke Subventionen, ist eine gute Geldanlage bei Netzeinspeisung und kann bei starker Sonne sehr viel Strom produzieren, aber sie ist sehr teuer bei der Anschaffung und verursacht Schadstoffe bei der Produktion und Entsorgung.

Wind- und Solarkraft sind zwar unbegrenzt verfügbar, nur sie können nicht gespeichert werden, belasten die Netze bei Produktionsspitzen und liefern zu wenig Strom ohne Wind oder Sonne.

Wasserkraft ist wirkungsvoll, speicherbar, grundlastfähig und gibt wenig Wärme ab, doch schwankt die Leistung mit dem Wasserstand, sind Staudämme eine große Gefahr und ganze Lebensräume müssen überflutet oder ausgetrocknet werden.

Biomasse ist speicherbar, transportfähig, weniger gefährlich als andere Importgüter und grundlastfähig, aber sie benötigt auch Ackerflächen und gibt viel Wärme ab.

Alle vier Technologien sind CO2-neutral, denn auch die Verbrennung von Biomasse verursacht höchstens so viel CO2, wie die Pflanzen vorher der Luft entzogen haben. Biomasseanlagen haben somit die Vorteile eines Wasserkraftwerks, ohne an ein Gewässer gebunden zu sein. Damit sind sie so dezentral einsetzbar wie Solarzellen und Windräder, aber im Gegensatz zu diesen auch immer verfügbar.

Zukünftige Entwicklung und Pläne

Die Energiewende wurde parteiübergreifend beschlossen und die Wirtschaft stellt sich auf die Umwälzung der Stromerzeugung ein. Biomasse ist durch den nationalen Biomasseaktionsplan der Bundesregierung fest in der politischen Planung verankert. 2020 soll der Anteil von Ökostrom aus Biomasse bei mindestens 8 % des Gesamtverbrauchs liegen. Bei über 120.000 Beschäftigten in dieser Branche wird die Wirtschaft dort noch sehr stark wachsen, denn die Umsätze der Stromerzeugung mit Biogas machen schon jetzt die Hälfte des Gesamtumsatzes der alternativen Energien aus. Aufgrund der begrenzten Ackerflächen in Deutschland wird es mehr Biomasseimporte geben. Letztendlich muss auch der Wirkungsgrad der Anlagen erhöht werden, damit der so erzeugte Ökostrom günstig und umweltschonend bleibt.

Dieser Artikel wurde von der Redaktion von TarifHelfer.de zur Verfügung gestellt. Neben verschiedenen Tarifprodukten bietet das Portal hier auch einen Einblick in den Ökostrom-Markt.

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5 Comments

  1. RonKir 20. Juni 2012 at 13:26

    Danke Timo, ich bin zuversichtlich, dass wir im Zuge der Energie- und Rohstoffwende alle noch viel dazu lernen und mittelfristig einen guten Weg finden werden, um bestehende Probleme bei der Bilanzierung von Emissionen auf vernünftige Art zu lösen.

    Vor allem Algen werden bei der Diskussion um die Erhöhung der Nachhaltigkeit der Bioenergie mit Sicherheit eine große Rolle spielen. Aber von dem großen Potential der Mikroalgen muss ich dich als Redakteur des Algae Observer ja nicht mehr überzeugen :-)

  2. AlgaeObserver 20. Juni 2012 at 12:51

    Ron – da stimme ich Dir uneingeschränkt zu – hier muss sich was tun!

  3. RonKir 20. Juni 2012 at 11:18

    Die Bioenergie muss ihre Position im Energiemix der Zukunft sicher noch stärker definieren und der Trend weltweit geht eindeutig in Richtung Bioenergie aus Abfall und Einsatz von Bioenergie als Regelenergie.

    Der Umgang mit dem Life Cycle Assessment (LCA) muss ebenfalls weiter ausgebaut werden. Aber hierzu möchte ich auch anfügen, dass die Berechnung der Emissionen von Energieträgern nicht bloß für Bioenergie verstärkt werden darf, sondern eben auch für die fossilen Energieträger! Es kann nicht sein, dass beispielsweise Biokraftstoffe bereits heute ihren Emissionsausstoß über die gesamte Wertschöpfungskette nachweisen und berechnen müssen, während bei den fossilen Kraftstoffen die Förderung und der Transport nicht berücksichtigt werden und ausschließlich die CO2-Produktion am Auspuff gezählt wird. Das ist in meinen Augen ein „Messen mit zwei verschiedenen Maß“!

    Biokraftstoffe müssen schon heute eine CO2-Reduktion von 35 Prozent (2017 = 50 Prozent und 2018 sogar 60 Prozent) im Vergleich mit fossilem Benzin oder Diesel nachweisen und es fließen dabei auch die CO2-Emissionen aus Anbau und Transport der Energiepflanzen, bzw. Biokraftstoffe, mit ein. Bei fossilen Kraftstoffen müsst deshalb mindestens auch die Förderung und der Transport von Erdöl, bzw. Kraftstoff, in das LCA einfließen, damit wir hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

  4. Bettina 19. Juni 2012 at 16:08

    Hey sehr aufschlüssiger und vor allem zusammengefasster Artikel über die Vor- und Nachteile. Ich denke auch, dass die Biomassenverbrennung in Zukunft viel Energie liefern kann und zudem eben ein zweites Standbein für viele Bauern liefert. Die sind ja im Prinzip die Leittragenden der letzten Jahre, so dass sie nun die Chance nutzen sollten mit ihrem „Abfall“ Geld zu machen und zudem der Umwelt etwas Gutes zu tun. Zurück zur Natur kann man da nur sagen.

  5. AlgaeObserver 19. Juni 2012 at 15:47

    Die Aussage „Verbrennung von Biomasse verursacht höchstens so viel CO2, wie die Pflanzen vorher der Luft entzogen haben“ stimmt im Grunde genommen, aber ich denke, man sollte hier im Rahmen eines Life Cycle Assessment die gesamte Wertschöfpungskette im Auge behalten. Wie die Autorin erwähnt „Aufgrund der begrenzten Ackerflächen in Deutschland wird es mehr Biomasseimporte geben“ könnte hier neben dem biologischen CO2-Kreislauf noch einiges an Energie in den Transport, Aufbereitung, Materialeinsatz etc. fließen. Und Energieeinsatz bedingt meist auch CO2-Ausstoss…

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