0 Flares Twitter 0 Facebook 0 Google+ 0 Email -- 0 Flares ×

Bioökonomie betrifft Biomaterialien Biokraftstoffe Förderprogramm BioÖkonomiestrategieEinen passenden Oberbegriff zu finden, um bisher als getrennt wahrgenommene Wirtschaftsbereiche zusammenzuführen ist sehr nützlich, aber nicht ganz einfach. Wenn bestehende Gemeinsamkeiten oder die gemeinsame Wurzel der unterschiedlichen Branchen erkannt werden, ergibt sich ein sinnvolles Label aber in der Regel ganz natürlich. Dieses Kunststück ist mit der Bezeichnung der BioÖkonomie | BioEconomy gelungen. Da die BioÖkonomie die Branchen der stofflichen und energetischen Biomasse-Nutzung stark beeinflusst und in den letzten Monaten größere Entwicklungen in Deutschland stattgefunden haben, möchte ich diesen Wirtschaftszweig heute kurz vorstellen.

Vorteile der BioÖkonomie

Die Vorteile eines neuen Oberbegriffs, in diesem Fall „BioÖkonomie“, sind vielfältig und umfassen vor allem folgende Punkte:

  • Identifikationsstiftend für unterschiedliche Marktteilnehmer
  • Ermöglichung der Schaffung einer gemeinsamen Interessenvertretung
  • Stärkung der Schnittstellen zwischen erfolgreich bestehenden Branchen
  • Erhöhung der Innovationsgeschwindigkeit der Teilbranchen
  • Verbesserung der Nachwuchsförderung (neue Ausbildungsplätze und Studiengänge)
  • Gezieltes Einwerben von Fördermitteln

Die BioÖkonomie und die Biotechnologie hängen eng zusammen und die Schaffung der BioÖkonomie wurde wahrscheinlich erst durch den wirtschaftlichen Erfolg der Biotechnologie möglich oder zumindest sinnvoll.

Kurze Geschichte der BioÖkonomie

International wurde der Begriff der BioEconomy zuerst 1997 von Juan Enriquez und Rodrigo Martinez bei einem Seminar zur Genetik verwendet, womit sie, zumindest laut der englischen Wikipedia, als geistige Väter dieser Branche geführt werden.

In Deutschland wurde dann Mitte des letzten Jahres (siehe Artikel) der BioÖkonomieRat gegründet, der seinen Sitz in Berlin hat. Der Rat versteht sich als unabhängiges wissenschaftliches Gremium zur Politikberatung in Forschungs- und Technologiefragen im Bereich der BioÖkonomie.

Im Oktober des letzten Jahres wurde das erste Forschungszentrum Europas für bioökonomische Fragestellungen in Jülich gegründet. Das Bioeconomy Science Center (BioSC) ist ein Forschungsverbund aus mehreren renommierten Forschungseinrichtungen, wie dem Forschungszentrum Jülich, der RWTH Aachen und den Universitäten von Bonn und Düsseldorf. Das BioSC wird dabei durch die Kompetenz der etwa  1000 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen (z.B. Mikrobiologie, Pflanzenbau, Verfahrenstechnik, Ökologie, Informatik) mit unterschiedlichen Perspektiven (Wissenschaftler, Ingenieure, Ökonomen) gebildet.

Der Weg zu einer bio-basierten und somit auf die Nutzung von Nachwachsenden Rohstoffen konzentrierten Wirtschaft bis 2030 wird von der Bundesregierung in den kommenden sechs Jahren mit über 2 Milliarden Euro unterstützt. Dies wurde im November 2010 vom Kabinett bekanntgegeben und durch die Formulierung einer „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ (Link) gefestigt.

Ziele der BioÖkonomie

Die BioÖkonomie ist eine interdisziplinäre Branche und verknüpft wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse mit direkter wirtschaftlicher Anwendung. Nützliche Erkenntnisse zur Lösung einiger der großen gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit beizutragen, ist das Potentiale der BioÖkonomie. Diese Herausforderungen sind zum Beispiel:

  • Beherrschung der Auswirkungen des Klimawandels
  • Ernährung von bald 7 Milliarden Menschen
  • Umgang mit der Endlichkeit fossiler Rohstoffe

Die Erkenntnisse der BioÖkonomie sollen helfen, angemessen auf die Konflikte zu reagieren, die sich aus den genannten Entwicklungen ergebenden. Dabei wird auf die nachhaltige Nutzung von biologischen Ressourcen wie Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen gesetzt. Die Stoffströme der BioÖkonomie sind in der folgenden Grafik dargestellt:

Biomasse Nachwachsende Rohstoffe und BioÖkonomie ihr Marktvolumen und Marktpreis

Die Entwicklung der BioÖkonomie wird z.B. durch die folgenden Branchen beeinflusst oder beeinflusst diese:

  • Automobilindustrie
  • Chemieindustrie
  • Energiewirtschaft
  • Fischerei und Aquakulturen
  • Forstwirtschaft
  • Landwirtschaft
  • Gartenbau
  • Holzindustrie
  • IT-Branche
  • Lederindustrie
  • Maschinen- und Anlagenbau
  • Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie
  • Papier- und Zellstoffindustrie
  • Pflanzenzüchtung
  • Pharmaindustrie
  • Textilindustrie

Fazit zur BioÖkonomie

Der Begriff der BioÖkonomie ist noch nicht ganz leicht zu greifen und deckt eigentlich ähnliche Themenfelder ab, wie die Branche der Biomasse-Nutzung oder der Nachwachsenden Rohstoffe (NawaRo). Der Vorteil der Bezeichnung „BioÖkonomie“ ist allerdings, dass er im englischsprachigen und somit internationalen Sprachraum (BioEconomy) leichter zu verstehen und anzuwenden ist.

Ähnlich der Funktion eines chemischen Reaktors soll der Forschungs- und Wirtschaftszweig der BioÖkonomie mehrere schon bestehende Edukte zusammenbringen und als Produkt neue Ideen und Konzepte hervorbringen.

Ich wünsche der BioÖkonomie eine rasche Entwicklung, bzw. Konsolidierung, und freue mich auf die neuen Ideen und verbesserten Produkte aus Biomasse.

Turn the heat on…