Wirtschaftszweig der BioÖkonomie bündelt vor allem die stofflichen Nutzungspfade für Biomasse

Bioökonomie betrifft Biomaterialien Biokraftstoffe Förderprogramm BioÖkonomiestrategieEinen passenden Oberbegriff zu finden, um bisher als getrennt wahrgenommene Wirtschaftsbereiche zusammenzuführen ist sehr nützlich, aber nicht ganz einfach. Wenn bestehende Gemeinsamkeiten oder die gemeinsame Wurzel der unterschiedlichen Branchen erkannt werden, ergibt sich ein sinnvolles Label aber in der Regel ganz natürlich. Dieses Kunststück ist mit der Bezeichnung der BioÖkonomie | BioEconomy gelungen. Da die BioÖkonomie die Branchen der stofflichen und energetischen Biomasse-Nutzung stark beeinflusst und in den letzten Monaten größere Entwicklungen in Deutschland stattgefunden haben, möchte ich diesen Wirtschaftszweig heute kurz vorstellen.

Vorteile der BioÖkonomie

Die Vorteile eines neuen Oberbegriffs, in diesem Fall „BioÖkonomie“, sind vielfältig und umfassen vor allem folgende Punkte:

  • Identifikationsstiftend für unterschiedliche Marktteilnehmer
  • Ermöglichung der Schaffung einer gemeinsamen Interessenvertretung
  • Stärkung der Schnittstellen zwischen erfolgreich bestehenden Branchen
  • Erhöhung der Innovationsgeschwindigkeit der Teilbranchen
  • Verbesserung der Nachwuchsförderung (neue Ausbildungsplätze und Studiengänge)
  • Gezieltes Einwerben von Fördermitteln

Die BioÖkonomie und die Biotechnologie hängen eng zusammen und die Schaffung der BioÖkonomie wurde wahrscheinlich erst durch den wirtschaftlichen Erfolg der Biotechnologie möglich oder zumindest sinnvoll.

Kurze Geschichte der BioÖkonomie

International wurde der Begriff der BioEconomy zuerst 1997 von Juan Enriquez und Rodrigo Martinez bei einem Seminar zur Genetik verwendet, womit sie, zumindest laut der englischen Wikipedia, als geistige Väter dieser Branche geführt werden.

In Deutschland wurde dann Mitte des letzten Jahres (siehe Artikel) der BioÖkonomieRat gegründet, der seinen Sitz in Berlin hat. Der Rat versteht sich als unabhängiges wissenschaftliches Gremium zur Politikberatung in Forschungs- und Technologiefragen im Bereich der BioÖkonomie.

Im Oktober des letzten Jahres wurde das erste Forschungszentrum Europas für bioökonomische Fragestellungen in Jülich gegründet. Das Bioeconomy Science Center (BioSC) ist ein Forschungsverbund aus mehreren renommierten Forschungseinrichtungen, wie dem Forschungszentrum Jülich, der RWTH Aachen und den Universitäten von Bonn und Düsseldorf. Das BioSC wird dabei durch die Kompetenz der etwa  1000 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen (z.B. Mikrobiologie, Pflanzenbau, Verfahrenstechnik, Ökologie, Informatik) mit unterschiedlichen Perspektiven (Wissenschaftler, Ingenieure, Ökonomen) gebildet.

Der Weg zu einer bio-basierten und somit auf die Nutzung von Nachwachsenden Rohstoffen konzentrierten Wirtschaft bis 2030 wird von der Bundesregierung in den kommenden sechs Jahren mit über 2 Milliarden Euro unterstützt. Dies wurde im November 2010 vom Kabinett bekanntgegeben und durch die Formulierung einer „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ (Link) gefestigt.

Ziele der BioÖkonomie

Die BioÖkonomie ist eine interdisziplinäre Branche und verknüpft wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse mit direkter wirtschaftlicher Anwendung. Nützliche Erkenntnisse zur Lösung einiger der großen gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit beizutragen, ist das Potentiale der BioÖkonomie. Diese Herausforderungen sind zum Beispiel:

  • Beherrschung der Auswirkungen des Klimawandels
  • Ernährung von bald 7 Milliarden Menschen
  • Umgang mit der Endlichkeit fossiler Rohstoffe

Die Erkenntnisse der BioÖkonomie sollen helfen, angemessen auf die Konflikte zu reagieren, die sich aus den genannten Entwicklungen ergebenden. Dabei wird auf die nachhaltige Nutzung von biologischen Ressourcen wie Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen gesetzt. Die Stoffströme der BioÖkonomie sind in der folgenden Grafik dargestellt:

Biomasse Nachwachsende Rohstoffe und BioÖkonomie ihr Marktvolumen und Marktpreis

Die Entwicklung der BioÖkonomie wird z.B. durch die folgenden Branchen beeinflusst oder beeinflusst diese:

  • Automobilindustrie
  • Chemieindustrie
  • Energiewirtschaft
  • Fischerei und Aquakulturen
  • Forstwirtschaft
  • Landwirtschaft
  • Gartenbau
  • Holzindustrie
  • IT-Branche
  • Lederindustrie
  • Maschinen- und Anlagenbau
  • Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie
  • Papier- und Zellstoffindustrie
  • Pflanzenzüchtung
  • Pharmaindustrie
  • Textilindustrie

Fazit zur BioÖkonomie

Der Begriff der BioÖkonomie ist noch nicht ganz leicht zu greifen und deckt eigentlich ähnliche Themenfelder ab, wie die Branche der Biomasse-Nutzung oder der Nachwachsenden Rohstoffe (NawaRo). Der Vorteil der Bezeichnung „BioÖkonomie“ ist allerdings, dass er im englischsprachigen und somit internationalen Sprachraum (BioEconomy) leichter zu verstehen und anzuwenden ist.

Ähnlich der Funktion eines chemischen Reaktors soll der Forschungs- und Wirtschaftszweig der BioÖkonomie mehrere schon bestehende Edukte zusammenbringen und als Produkt neue Ideen und Konzepte hervorbringen.

Ich wünsche der BioÖkonomie eine rasche Entwicklung, bzw. Konsolidierung, und freue mich auf die neuen Ideen und verbesserten Produkte aus Biomasse.

Turn the heat on…

About the Author:

Ron "BiomassMuse" Kirchner ist Umweltingenieur, Fachjournalist und WebDesigner. Eine für BiomassMuse nützliche Mischung, da diese einen unabhängigen Schreibstil unterstützt. Aus der Hauptstadt schreibt er über den Einsatz der gasförmigen, flüssigen und festen Bioenergie im Strom-, Wärme- und Kraftstoffmarkt. Außerdem engagiert er sich gemeinsam mit anderen Energiebloggern für das Gelingen einer bürgernahen und ganzheitlichen Energiewende.

7 Comments

  1. Prof. Dr. H. Weigelt 17. April 2012 at 15:34

    Ein wichtiger Beitrag zur Bioökonomie ist der 1988 erschienene Artikel von Howard T. Odum, dem Vetter des bekannten Ökologen, Eugene Odum. Dort werden die Umwandlungsgrade des Sonnenlichts als mögliche Bewertungsgrundlage (auch monetär) für alle Produktionsprozesse, natürlicher und menschlicher, betrachtet.

  2. RonKir 31. Mai 2011 at 13:19

    Sehr geehrter Prof. Weigelt,

    ich finde das die BioÖkonomie ein sehr vielversprechendes Forschungs- und Wirtschaftsfeld ist und möchte natürlich nicht die Begründer dieser Idee mit einer falschen Zuordnung vor den Kopf stoßen. Wenn ich an dieser Stelle eine falsche oder missverständliche Information verbreitet haben sollte, möchte ich mich dafür entschuldigen. In meinem Artikel beziehe ich mich allerdings auch ausdrücklich auf den englischen Begriffe der „BioEconomy“, dessen Geschichte ich im Internet nachvollziehen konnte. Zu der Zeit als ich den Artikel geschrieben habe, habe ich im Internet leidet keine genaueren Angaben zum deutschen Begriff der „BioÖkonomie“ gefunden und deshalb auf den englischen Begriff zurückgegriffen. Aktuell gibt es aber auch bei der deutschen Wikipedia einen ausführlicheren Artikel zur BioÖkonomie in dem auch auf die Bedeutung des rumänischen Mathematikers und Wirtschaftswissenschaftlers Nicholas Georgescu-Roegen verwiesen wird (siehe Artikel).

    Ich bin kein Wissenschaftler und sehe das Gebiet der BioÖkonomie vor allem aus dem Blickwinkel der praktischen Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen und wollte die Leser des Blogs auf die neuen Möglichkeiten hinweisen, welche sich vor allem auch durch die zunehmende politische Förderung dieser Wissenschaft und Wirtschaft ergeben. Wahrscheinlich ist der Begriff BioEconomy und BioÖkonomie auch nicht 1 zu 1 zu übersetzen und schwankt in seinen Schwerpunkten.

    Es würde mich natürlich freuen, wenn Sie als Wegbereiter dieser Wissenschaft einige Worte zur BioÖkonomie sagen könnten.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Ron Kirchner

  3. Prof. Dr. H. Weigelt 31. Mai 2011 at 12:38

    Mit der Erstbenennung Bioökonomie 1997 und den angegebenen Autoren bin ich überhaupt nicht einverstanden. Der Begriff geht auf Georgescu-Roegen zurück und wurde als Ausbildungsgang unter dem Namen „Bioökonomie“ an der Ruhr-Universität Bochum von mir 1986 eingeführt.
    Ein Kommentar dazu ist erwünscht.
    Mit freundlichen Grüßen
    H. Weigelt

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