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Ackerfeld zum Anbau von Energiepflanzen für Biokraftstoffe und Biogas Mit Erfolg ist in diesem Fall der wirtschaftliche Erfolg gemeint. Also die Tatsache, dass ein bioenergetisches Projekt sich finanziell eigenständig tragen kann und schwarze Zahlen schreibt. Überhaupt eine ertragreiche Ernte zu erlangen oder eine neue Kulturpflanze in die Fruchtfolge zu integrieren ist natürlich ein wichtiger Teilerfolg, der allein aber noch nicht den betriebswirtschaftlichen Erfolg des gesamten Betriebs garantiert. Da ich selbst kein Landwirt/ Energiewirt bin und mein Wissen aus verschiedenen Projekte (z.B. zum Energiepflanzenbau in Brandenburg) und aus Gesprächen mit Landwirten ziehe, freue ich mich bei diesem Artikel besonders über das Feedback von „praktizierenden Landwirten“.

Ich möchte meinen Schwerpunkt in diesem Fall auf die große Bedeutung von Zahlenverhältnissen legen, welche jeden landwirtschaftlichen Betrieb mehr oder weniger subtil beeinflussen und deren Ausprägung, manchmal ohne die konkrete (quantitative) Kenntnis des Landwirts, zum betriebswirtschaftlichen Erfolg einer Saison führt. Ganz im Dienste unserer schnelllebigen Zeit möchte ich die Kerngedanken als Aufzählung darstellen. Diese kann als Inspiration die Möglichkeit bieten über den einen oder anderen Punkt gemeinsam und ausführlicher zu diskutieren.

In vielen Punkten decken sich die bestimmenden Zahlenverhältnisse eines traditionellen landwirtschaftlichen Betriebs zum Anbau von Nahrungsmitteln mit denen zum Anbau von Biomasse zur Energiegewinnung  –  aber es sind auch neue hinzugekommen, welche noch stärker untersucht werden können.

Auflistung von zentralen Zahlenverhältnissen in einem bioenergetischen Betrieb

Im Bereich der Bioenergie nehmen folgende Verhältnisse eine zentrale Rolle ein und beeinflussen die Betriebswirtschaftlichkeit des Betriebs. Dabei habe ich ausschließlich Verhältnisse aufgelistet, die direkt mit der Anbaupflanze zu tun haben.

  1. Biomasseertrag/ pro Hektar (sicher der Klassiker unter den Verhältnissen)
  2. Biomasseertrag/ pro Zeit
  3. Zucker bzw. Ölanteil/ pro dt Biomasse
  4. Lignin und Zelluloseanteil/ pro dt Biomasse
  5. Wassergehalt/ pro dt Biomasse
  6. Energieverbrauch für einen Anbauzyklus/ pro Hektar und Energiepflanze (inklusive Aufbereitung und Transport)
  7. Düngereinsatz/ pro Hektar und Energiepflanze
  8. Lagerbeständigkeit in Tagen/  je Energiepflanze
  9. Anzahl Anbausorten/ pro Hektar (Monokultur, Mischfruchtanbau)
  10. Marktpreis in Euro/ pro Liter Bioethanol
  11. Methangehalt/ pro Kubikmeter Biogas
  12. Eurocent Einspeisevergütung/ pro kWh 

Die Aufzählung kann (sollte) fortgeführt oder einzelne Punkte weiter differenziert werden und es können die Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen ihnen beschrieben werden. Abhängig von der Komplexität eines landwirtschaftlichen Betriebs (z.B. mit oder ohne Biogasanlage) gewinnen bestimmte Punkte für einen Energiewirt natürlich an Bedeutung. Jeder einzelne Punkt trägt direkt zur Erhöhung oder Verringerung des betriebswirtschaftlichen Erfolgs bei. Die Ausprägung der wichtigsten Zahlenverhältnisse im eigenen Betrieb gut zu kennen, bedeutet auch über die Qualität des eigenen Produkts Bescheid zu wissen. Als Beispiel kann bei der Ernte von Zuckerrüben (LINK: Zuckerrüben als Energiepflanze) der Zuckeranteil bekanntlich um einige Prozentpunkte schwanken und ein reiner Verkauf nach dt (Lieferverträge), ohne Berücksichtigung des genauen Zuckergehalts, kann dazu führen, dass die eigene Ernte nicht dem realen Marktwert entsprechend verkauft wird. Einen interessanten Einblick in das Zustandekommen des Marktpreises von Zuckerrüben gibt es hier auf der Internetseite Land&Forst.

Ganz allgemein gibt es natürlich nicht DAS eine Erfolgsrezept und verschiedene Kombinationen der angesprochenen Verhältnisse können, abhängig von den Standortfaktoren und den Vorstellungen des Landwirts, zu einem erfolgreichen Bioenergiebetrieb führen. Sich den zentralen Verhältnissen und den Möglichkeiten zur Beeinflussung bewusst zu sein erhöht meiner Erfahrung nach nicht nur die Flexibilität einer Anbaustrategie, sondern auch die Experimentierfreude und Anbauleidenschaft des Energiewirts.

Einige Fragestellungen zur Inspiration für Energiewirte

  • Welche Verhältnisse haben eine Bedeutung für meine Anbaustrategie?
  • Welche dieser Verhältnisse sind besonders kritisch für meinen wirtschaftlichen Erfolg?
  • Welche kann ich beeinflussen?
  • Welche kann ich besonders leicht (zeit-, kosten- und energieeffektiv) beeinflussen?
  • Welche Möglichkeiten zur Rückkopplung habe ich, um die Entwicklungen beobachten zu können?

Ich wünsche viel Spaß beim Experimentieren und freue mich natürlich über Kommentare aus erster Hand.