0 Flares Twitter 0 Facebook 0 Google+ 0 Email -- 0 Flares ×

Vom Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) erwartet man keine scharfe Kritik am Bioethanol. Vielmehr erwartet man das genaue Gegenteil in Form von neuem Selbstbewusstsein für eine Branche deren Jahr in Deutschland bisher nicht so gut verlaufen ist. Aber selbst Kritiker von Biokraftstoffen werden beim Anschauen der in der vergangenen Woche veröffentlichen „Imagefilme“ eingestehen müssen, dass dem BDBe und der Little Green Bag GmbH eine Fakten basierte, moderne und selbstbewusste Bewerbung des Biokraftstoffs gelungen ist, welcher es nicht an Vision und Stärke fehlt.

Biokraftstoffbranche besinnt sich auf ihre Stärken

Die kürzlich vom BDBe auf der IAA präsentierten Kurzfilme heißen:

  1. Bioethanol als Kraftstoff – Die Mischung macht’s (siehe oben)
  2. Deutsches Bioethanol – Nachhaltig mobil

Die Filme zeigen, dass die Bioethanol-Branche bei aller öffentlichen und teilweise sehr einseitigen Kritik, der sie sich immer wieder stellen muss, durchaus optimistisch in die Zukunft blicken kann. Bioethanol bietet keine perfekte, aber eine klimafreundliche, bezahlbare und vor allem realitätsnahe Mobilitätsalternative zu fossilen Kraftstoffen.

Bioethanol ist nicht so schillernd und futuristisch wie die Elektromobilität, kann aber dafür schon mit der heutigen Infrastruktur und Motorentechnologie den CO2-Ausstoß deutliche reduzieren und direkt zum Klimaschutz beitragen.

Die Notwendigkeit zur Überwindung von fossilen Energieträgern im Verkehrsbereich und die Dringlichkeit der Suche nach alternativen Mobilitätsszenarien stehen für mich gar nicht mehr zur Diskussion. Dabei sind Biokraftstoffe und Elektromobilität mittelfristig ein starkes Team um klimafreundliche und regenerative Alternativen für den Kurz- und Langstreckenverkehr zu bieten.

Biokraftstoffbranche wehrt sich

Die Dramatik der Filme mag einige Zuschauer überraschen, aber die enthaltene Ernsthaftigkeit ist nicht unangebracht. Gegner von Biokraftstoffen schrecken nicht davor zurück brennende Regenwälder und hungernde Kinder als Bildmaterial zu verwenden, um die gesamte Biokraftstoff-Branche zu diffamieren. Auf ein solch undifferenziertes Kommunikations-Niveau muss man sich nicht begeben, aber etwas Dramatik muss zur Verteidigung gestattet sein.

Die Biokraftstoffbranche ist mit einer grünen und sehr leidenschaftlichen Vision für eine nachhaltige Mobilität angetreten. Das sollte bei aller Kritik an Biokraftstoffen nicht vergessen werden. Die Branche nun einseitig als Umweltsünderin hinzustellen ist ziemlich ungerecht.

Es geht bei Biokraftstoffen außerdem um neue Jobs, neue Absatzmärkte für die Landwirtschaft, die Erhöhung der Energiesicherheit etc. Viele wirtschaftliche und soziale Erfolge sind auf die Herstellung und Verwendung von Biokraftstoffen zurückzuführen, die aber nur schwer mit Bildern dargestellt werden können und schon gar nicht mit den drastischen und zur Fehlinterpretation verleitenden Bildern einiger Kritiker mithalten können.

Die Nutzung der Bioenergie wirft moralische Konflikte auf (siehe Artikel). Diese sollten diskutiert und gemeinsam gelöst werden. Denn der gesellschaftliche Nutzen ist gering, wenn man beim Auftreten von Schwierigkeiten bei der Nutzung einer erneuerbaren Energieform sofort von dieser ablässt und nach neuen Optionen sucht. Das ist alles andere als nachhaltig.

Jede Energieversorgung, ja jede Nutzung von Ressourcen führt auch zu Umweltproblemen. Diesen tragischen Widerspruch findet man auch bei der Photovoltaik, der Windenergie, der Elektromobilität oder der kommenden Kernfusion. Einer Energieform gegenüber kritisch eingestellt zu sein ist richtig, aber sie einseitig zu verdammen ist naiv, teilweise unverschämt und häufig Schwarzmalerei. Wenn es die Extremisten unter den Kritikern so ernst meinen, können sie ja wieder in eine Höhle ziehen und die Energie beziehungsweise die Wärme eines Lagerfeuers genießen. Das Lagerfeuer funktioniert dann aber übrigens auch schon wieder mit Biomasse.

Fehlen der Biokraftstoffe der 2. Generation – Verschenktes Potential?!

Das Anschauen der Filme hat mir gut gefallen und die Darstellung eines so komplexen Themas in einer überschaubaren Form ist wirklich gelungen. Einen Kritikpunkt habe ich aber dennoch. Warum kommt Cellulose-Ethanol als vielversprechender Vertreter von Biokraftstoffen der 2.Generation nicht in den Filmen vor?

Cellulose-Ethanol ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Bestandteil der nahen Zukunft des Bioethanols und beseitigt viele der aktuell zu Recht diskutierten Schwachpunkte von Biokraftstoffen. Außerdem zeigen Biokraftstoffe der nächsten Generation, dass die Branche innovativ und flexibel genug ist auf gesellschaftliche Wünsche zu reagieren und sich anzupassen. Das kann von der Erdölindustrie nicht ohne weiteres behauptet werden.

Vielleicht möchte man mit dem Verweis auf innovative Biokraftstoffe nicht noch mehr Verwirrung stiften und eine inhaltliche Überladung des Films vermeiden. Außerdem kann man sich mit Bioethanol der ersten Generation auf die Festigung von  Unternehmen konzentrieren, die in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung aktuell führend sind – und das sind natürlich Bioethanol- und Biodiesel-Hersteller der ersten Generation.

Cellulose-Ethanol und die Nachhaltigkeitszertifizierung bilden bei meinen Diskussionen mit Biokraftstoff-Kritikern häufig die wichtigsten Argumente zur Versöhnung  der unterschiedlichen Perspektiven. Ich finde, man hätte die nicht so weit von der Markteinführung entfernten BKS der 2.Generation (Choren hin oder her) erwähnen sollen.

Ansonsten ein wirklich gut gemachter Film, der den Puls der Zeit trifft und den ich sehr empfehlen kann. Den anderen Film des BDBe zu Bioethanol gibt es auf der Internetseite des Bundesverbands.

Diskutieren Sie mit! Was finden Sie gut und was weniger gut an den Filmen oder Biokraftstoffen allgemein?