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Im umfassenden Standardwerk zur Bioenergie “Energie aus Biomasse: Grundlagen, Techniken und Verfahren (Kaltschmitt, Hartmann, Hofbauer) werden als bewährte Fermentermaterialien Edelstahl und Beton vorgestellt. Für Sonderlösungen wird aber bereits in diesem Buch auf Kunststoff und Holz  als seltene Baumaterialien für Biogasfermenter verwiesen. Bisher habe ich in der praktischen Anwendung allerdings nur die klassischen Fermenter aus rostfreiem Stahl und Beton erlebt. Auf der ersten Biogas World bin ich nun auf einen Fermenter aus Holz von dem Anlagenhersteller Biogas-Ost aus dem thüringischen Gehaus aufmerksam geworden und möchte diese klimafreundliche und wirtschaftlich interessante Alternative kurz vorstellen.

Stahl, Beton und Holz – Nachhaltigkeit durch Fermentermaterialien

„Wer die Wahl hat, hat die Qual“ sagt der Volksmund. Und tatsächlich kann man es sich bei der Auswahl des passenden Fermentermaterials für eine Biogasanlage sehr schwer machen.

Besonders interessant finde ich diese Freiheit in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wird häufig mit einem starken Schwerpunkt auf die ökologische Nachhaltigkeit verwendet, sollte aber auch die ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeitsaspekte eines Projekts und Produkts mit berücksichtigen. Diese Trias der Nachhaltigkeit kann auch bei der Auswahl eines Biogasfermenters eine wichtige Rolle spielen.

Die Vielfältigkeit der vorhandenen Fermentermatialien beeinflusst die Nachhaltigkeit beim Bau und Betrieb einer Biogasanlage. Mehr oder weniger offensichtlich variieren folgende Parameter zwischen den verschiedenen Fermentertypen teilweise sehr stark:

  • Materialbedarf für den Fermenter
  • Energiebedarf für Fertigung des Fermenters und den Bau der Biogasanlage (CO2-Emissionen)
  • Maschineneinsatz bei Herstellung und Bau
  • „Geldbedarf“ (Kosten) des Fermenters

Die Vorteile von Beton und Stahl sind im direkten Vergleich mit einem Holzfermenter nicht in diesen 4 Punkten zu finden. Dafür unterstreichen diese robusten Materialien die Langlebigkeit des Fermenters und ermöglichen durch ihre Stabilität erst den Bau von größeren Biogasanlagen! Planer von Biogasanlagen greifen deshalb gerne auf diese verlässlichen Fermentertypen aus Beton und Stahl zurück.

Ein Vorteil von Holz-Fermentern kann also in der positiven Klimabilanz und dem vergleichsweise geringen Bedarf an Baumaterialien und Energie bei gleicher Biogasleistung gesehen werden.

Geringere Installationskosten durch Holz-Fermenter

Ein Fermenter aus Holz sieht aber nicht nur gut aus und unterstützt den Klimaschutz, sondern bringt auch einen weiteren Vorteile mit sich, der für Biogasanlagenbetreiber am interessantesten sein dürfte.

Denn was bedeutet es, wenn der Energiebedarf für die Verarbeitung von Holz geringer (Vergleich zu Beton und Edelstahl) und der Maschineneinsatz energieärmer ist? Weniger Manpower und geringerer Maschinen- und Energieeinsatz bedeuten auch geringere Herstellungs- und Produktkosten.  Somit sind die Baukosten niedriger und verglichen mit Beton ist auch die Bauzeit eine kürzere.

Der Nachteil von Holz-Fermentern ist natürlich die vergleichsweise geringe Betriebserfahrung mit diesem vielversprechenden Material. Somit bedarf die Kaufentscheidung für einen Holzfermenter auch eine gewisse Portion Pioniergeist und Risikofreude. Dafür kann der Anlagenbetreiber eine bisher ungenutzte Marktchance eventuell als einer der ersten nutzen.

Wieviel man bei einer konkreten Biogasanlage sparen kann und bis zu welcher Größe ein Holzfermenter auch die nötigen Stabilitäskriterien erfüllen kann, fragen sie am besten bei einem der Anbieter von Holz-Fermentern nach – beispielsweise bei der Biogas-Ost. Erst der direkte Vergleich von zwei ansonsten gleichwertigen Angeboten kann Auskunft darüber geben, ob sich die Entscheidung für den Holzfermenter lohnt.

Als besonderes Bonbon und gleichzeitig der Grund warum der Holz-Fermenter anderswo auf dem Planeten seine ersten Erfolge feierte, gibt es den Erdbebenschutz eines Holz-Fermenters gleich mit dazu. Zugegebenermaßen sind Erdbeben aber nicht die größte Sorge von europäischen Biogasanlagenbetreibern.

Foto Holzfermenter für Biogasanlage

Holzfermenter als interessante Alternative für Mini-Biogasanlagen

Vorteile von Holz-Fermentern für Mini-Biogasanlagen

Die meisten Biogasakteure kennen die aktuelle Debatte um die Mini-Biogasanlagen nach EEG 2012.

  • „Die Anlagen sind nicht wirtschaftlich“
  • „Mini-Biogasanlagen auf reiner Gülle-Basis haben am ehesten eine Chance“
  • „Der fast identische Verwaltungsaufwand für Mini-Biogasanlagen ist problematisch.“

Letztlich dreht sich die Kritik selten um die technologische, sondern meistens um die wirtschaftliche Machbarkeit der Mini-Biogasanlagen. Eine Mini-Biogasanlage mit 75 kW kann bis zur Inbetriebnahme schnell bis zu 500.000 Euro kosten. Diese Investition in einem akzeptablen Zeitraum wieder reinzuholen, ist für die kleinen Biogasanlagen mit etwas geringerem Wirkungsgrad nicht ganz einfach.

Vor allem für diese kleinen Mini-Biogasanlagen kann die Verwendung von Holz als Fermentermaterial eine interessante Alternative darstellen, um die Wirtschaftlichkeit der Anlage schneller zu erreichen. Ich bin davon überzeugt, dass die EEG-Novelle 2012, mit der besonderen Förderung der Mini-Biogasanlagen, auch für die Holzfermenter eine besondere Chance ist!

So ist die zu Beginn des Artikels gezeigt Biogasanlage im Waimakariri District in Neuseeland eine klassische Mini-Biogasanlage mit einer elektrischen Leistung von 50 kW. Auch wenn den Angaben des dortigen Betreibers zur Folge vor allem die Optik und der Erdbebenschutz für die Auswahl des Holzfermenters gesprochen haben, würde ich mir als zukünftiger Betreiber einer Mini-Biogasanlage auch ein Angebot für einen Holzfermenter unterbreiten lassen. Ein unverbindliches Gespräch schadet sicher nicht.

Was denken sie über die Holzvariante unter den Fermentern und das Potential für Mini-Biogasanlagen?