Die aktuellen Strompreise und der Einfluss der EEG-Umlage

Da ich regelmäßig damit konfrontiert bin, dass selbst Freunde von mir glauben, dass die Energiewende hauptverantwortlich für die schnell steigenden Strompreise ist, möchte ich dieses Thema etwas genauer unter die Lupe nehmen. Wie groß ist der Einfluss der Energiewende auf unsere Stromrechnung?

Im Februar hat Peter Altmaier mit der Rechnung überrascht, dass die Energiewende bis 2040 bis zu 1 Billionen Euro an Kosten verursachen könnte (siehe Interview in der FAZ)! Eine Aussage die nicht nur viele Unternehmen verunsichert hat, sondern vor allem bei den Bürgern die Frage aufwirft, wie stark sich diese Kosten auf die Entwicklung der privaten Stromrechnungen auswirken? Auch wenn viele Fachleute von der Darstellung des Bundesumweltministers schockiert waren und kritisieren, dass in dem gerechneten Szenario die ökonomischen Vorteile der Energiewende nicht entsprechend gegengerechnet/gegenübergestellt werden (heimische Energieproduktion, externe Kosten der Fossilen etc.), bleibt die unvorstellbare Summe von 1.000 Milliarden Euro in den Köpfen hängen und gefährdet den weiteren Fortgang des Großprojekts. Der Kampf zwischen Befürwortern und Gegnern der Energiewende ist in vollem Gange.

Ausgaben für fossile Energien deutlich höher, als die Ausgaben für die Erneuerbaren

Die Energieversorgung Deutschlands ist eine teure Aufgabe und man sollte bei der Bewertung der potentiellen Summe von 1 Billionen Euro auch nicht die Relationen vergessen. Wenn wir beispielsweise berücksichtigen, dass wir jeden Monat bis zu 8 Milliarden Euro für Energieimporteausgeben (EIPIX-INDEX), dann erscheinen die 1 Billionen Euro bis 2040 für die Finanzierung der Energiewende in einem anderen Licht. Zusammenaddiert, stark vereinfacht und konservativ gerechnet fließen also in den kommenden 27 Jahren etwa 6 x 12 x 27 Milliarden = 2 Billionen Euro ins Ausland, um unsere benötigten fossilen Energieimporte zu finanzieren. Eine Summe, die auf Augenhöhe mit den 1 Billionen Euro für die Energiewende ist. Und natürlich werden diese Kosten ebenfalls an die Energieverbraucher weitergegeben. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des EIPIX-INDEX während der vergangenen 12 Jahre.

Grafik: Ausgaben fossile Energieimporte

Zu den Ausgaben für die fossilen Energieimporte kommen noch die jährlichen staatlichen Subventionen für den Ausbau der fossilen Energiewirtschaft. Dem Weltenergiebericht der Internationalen Energieagentur (IEA) zur Folge wurden weltweit allein im Jahr 2011 rund 523 Milliarden Euro für die Subventionierung der fossilen Energieträger ausgegeben. Das Umweltbundesamt ermittelte allein für das Jahr 2010 Subventionen von 24 Milliarden Euro für fossile Energieträger in Deutschland.

Auch beim volkswirtschaftlichen Vergleich der Vergütungssätze schneiden die erneuerbaren Energien besser ab als die fossilen Kollegen. In Deutschland wurde die Einführung von Atomstrom mit etwa 60 Cent/ kWh subventioniert. Die höchsten Subventionen für erneuerbaren Strom werden aktuell für einige Photovoltaikanlagen gezahlt und betragen 36.7 Cent/ kWh.

Erneuerbare Energien senken Kosten für Energiebereitstellung. Mittelfristig!

Zahlreiche Studien belegen, dass der kontinuierliche Ausbau der erneuerbaren Energien den Strompreis an der Börse senkt und somit die Volkswirtschaft entlastet. Dank des wirkenden Merit-Order-Effekts brachten die Erneuerbaren allein im Jahr 2010 eine einsparende Wirkung von etwa 2.8 Milliarden Euro mit sich (Quelle: Fraunhofer ISI, Analyse zum Merit-Order-Effekt erneuerbare Energien)

Das Senken des Strompreises durch die erneuerbaren Energien ist hierbei relativ zu bewerten und nicht unbedingt in absoluten Zahlen. Ich befürchte, dass die fossilen Energieträger (Erdöl, Kohle) wahrscheinlich nie wieder so günstig zu haben sein werden wie Heute, aber ich lasse mich hier gerne überraschen.

Wie setzen sich die aktuellen Strompreise zusammen?

Die folgende Grafik zeigt, wie sich der Strompreis für die verschiedenen Wirtschaftssektoren zusammensetzt.

Grafik: Entwicklung Strompreise Deutschland

Dabei müssen wir anerkennen, dass unser Haushaltsstrompreis im europäischen Vergleich sehr hoch liegt (Platz 3) und einzig von Dänemark (Platz 1) und Zypern (Platz 2) übertroffen wird (Quelle: BMWi). Allerdings sollten wir auch berücksichtigen, dass der wachsender Anteil der Energieausgaben für die EEG-Umlage im Inland verbleibt.

Strombörse in Leipzig gibt Auskunft über die aktuellen Strompreise

Seit der Liberalisierung des europäischen Energiemarkts im Jahre 1998 unterliegt die Strom- und Gasversorgung einem grundlegenden Wandel. In welchen Bereichen der Privatverbraucher von dieser Entwicklung profitiert hat und in welchen nicht, ist eine komplexe Fragestellung, über welche sich auch die Wissenschaftler nicht einig sind.

Fakt ist, dass sich mit dem Hinzukommen von zahlreichen dezentralen EE-Erzeugungsanlagen und Anlagenbetreibern ein völlig neuer Markt gebildet hat, dessen Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist.

Die Entwicklung des Strompreises und der Handel mit Ökostrom kann an der europäischen Energiebörse in Leipzig beobachtet, beziehungsweise durchgeführt werden. Auf der Internetseite der European Energy Exchange kann man die Entwicklung des Strompreises nachvollziehen und dabei feststellen, dass der Spotmarkt-Strompreis am Tag bis zu dreimal so hoch sein kann, wie in den Nachtstunden.

Im Bereich der gasförmigen Bioenergie ist die Direktvermarktung von Ökostrom ein großer Hoffnungsträger und steht für ein neues Kapitel der Biogasbranche. Seit der stärkeren Förderung der Direktvermarktung für Biogasanlagen im EEG 2012 gewinnt die EEX eine immer größere Bedeutung für Anlagenbetreiber.

Fazit zu den Kosten der Energiewende

Bei der Bewertung der Kosten für die Energiewende sollten wir die Kosten der fossilen Energieversorgung nicht ausblenden, sondern gegenrechnen. Beim direkten Vergleich sind die Kosten der Energiewende nicht mehr so gewaltig, wie es durch das Nennen der Summe von 1 Billionen Euro erscheint. Auch die Tatsache, dass ein Großteil des investierten Geldes (EEG-Umlage) direkt an Bürger/ Steuerzahler in Deutschland zurück fließt, sollte bei der Bewertung der Energiewende berücksichtigt werden.

Was denken Sie über die Aussagen von Bundesumweltminister Altmaier? Sollten wir die Energiewende neu überdenken und ihre Geschwindigkeit drosseln oder im Gegenteil den Umstieg auf erneuerbare Energien weiter beschleunigen und auf den Wärme- und Kraftstoffsektor ausdehnen?

About the Author:

Ron "BiomassMuse" Kirchner ist Umweltingenieur, Fachjournalist und WebDesigner. Eine für BiomassMuse nützliche Mischung, da diese einen unabhängigen Schreibstil unterstützt. Aus der Hauptstadt schreibt er über den Einsatz der gasförmigen, flüssigen und festen Bioenergie im Strom-, Wärme- und Kraftstoffmarkt. Außerdem engagiert er sich gemeinsam mit anderen Energiebloggern für das Gelingen einer bürgernahen und ganzheitlichen Energiewende.

8 Comments

  1. Ron Kirchner 11. April 2013 at 13:03

    Die Ziele sind wirklich ambitioniert, aber bis 2050 sind ja auch noch 37 Jahre Zeit. Wenn es einen gesellschaftlichen Konsens gibt, dass wir 80 Prozent erneuerbare Energien im Strombereich möchten, dann sehe ich das als absolut ereichbar an. Immerhin hatten wir Mitte der 1990iger noch einen Anteil von knapp 5 Prozent erneuerbare Energien (siehe Grafik AEE) und haben heute bereits einen Anteil von 22 – 25 Prozent (abhängig von der Informationsquelle). Mittlerweile sind die verschiedenen Technologien ja ihren Kinderschuhen entwickeln und sie wären theoretisch in der Lage, den überwiegenden Anteil der Stromversorgung zu übernehmen. Es bleibt spannend, wie sich die gesellschaftliche Akzeptanz für die Energiewende entwickelt!

  2. Bernhard Ahlers 10. April 2013 at 09:26

    Erst wurden Milliarden Steuergelder in die Entwicklung und den Aufbau der Fotovoltaik ausgegeben, weitere Milliarden für Entwicklung und Aufbau von Windparks. Auch die Autobauer kassieren Milliarden für Entwicklung und Bau von elektrischen Autos. Weder Reichweite, Kosten oder Nutzung kommen den Anforderungen der Verbraucher entgegen, noch leisten sie einen positiven Beitrag zum Klimaschutz.
    Erst bauen deutsche Unternehmen mit deutschen Steuergeldern die Solarindustrie in China auf und kaum wettbewerbsfähig, beherrscht das Land den Weltmarkt. Deutsche Unternehmen werden geschlossen oder mit Kapital aus China umgebaut. Nachdem die Technologie Richtung China abgewandert ist, werden die letzten deutschen Produktionsstätten dicht machen.

    Ein ganz ähnliches Schicksal erfahren auch die E-Autoproduzenten. Die großen Hersteller wie Peugeot oder Mitsubishi haben schon Ende letzten Jahres ihre Bänder angehalten. Nun hat der US-amerikanische Vorzeige- Elektrofahrzeugbauer FIKER den Großteil seiner Mitarbeiter entlassen müssen.
    Etwa 150 von zuletzt noch 200 Mitarbeitern mussten letzten Freitag gehen. Fisker, neben Tesla einer der bekanntesten Spezialhersteller von Elektroautos. Das Unternehmen wurde 2007 von dem Autodesigner Henrik Fisker und dem ehemaligen BMW-Manager Bernhard Koehler gegründet.

    Mit Milliarden Investoren-Geldern 2007 gegründet, hofft das Unternehmen heute auf Finanzspritzen aus China. Allein das US-Energieministerium steht mit 190 Millionen Dollar in der Kreide. Am 22. April wird die Zahlung an die Regierung fällig.

    Ob der VW-Konzern, der noch 2013 die rein elektrisch betriebenen Serienmodelle E-Up und E-Golf anbieten will, Erfolg haben wird, darf bezweifelt werden. Und warum gerade Deutschland Anspruch auf die Technologieführerschaft bei der E-Mobilität erheben muss (gefordert vom Continental-Chef im Interview mit Automobilwoche) ist nicht nachvollziehbar. Eine Technologie, die vom Steuerzahler finanziert wird und dann China kostenlos zur Verfügung steht, ist doch reiner Schwachsinn. Hinzu kommt, dass den deutschen Unternehmen weder die Rohstoffe für den Bau der E-Motoren, noch Rohstoffe für die Batterien in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen. China beherrscht den Weltmarkt der „seltenen Erde“ mit über 92 Prozent.

    Wenn unsere Politiker weiter unsere Steuergeldern so rauswerfen, sollten sie nicht versuchen Steuerparadiese in Wüsten zu verwandeln, sondern sich einmal die Frage stellen, „warum laufen unsere Bürger mit ihrem Geld weg“. Der Begriff „Bürger“ scheint von „bürgen“ zu kommen und viele Deutschen haben langsam keine Lust mehr, für immer mehr Fehlplanungen der politischen Entscheidungsträger zu „bürgen“.

    Längst stehen nachhaltige, umweltfreundliche und preisgünstige Alternativen zur Verfügung, die unsere Mobilität bis zum wettbewerbsfähigen E-Auto Zeitalter sichern können. Eine Fahrzeug-Technik, die den Hersteller keine 50 € pro PKW kostet, einen Treibstoff, der kostengünstiger und umweltfreundlicher (CO2 minus 70%) ist als Diesel oder Benzin und weder in Lebensmittel- noch in Flächenkonkurrenz steht. Auch die Kosten einer flächendecken Infrastruktur betragen nur den Bruchteil dessen, der für E-Autos oder Gasfahrzeuge investiert werden muss. Nur daran haben weder Industrie noch Forschungsanstalten ein Interesse, dafür können keine Forschungsgelder beantragt werden.

    Es ist zu befürchten, dass unsere Regierung solange unsere Steuer-Milliarden für „Zukunftstechnologie“ ausgibt, dass wir selbst in einige Jahren Hilfsgelder aus China, Indien und Russland benötigen.
    Brend Ahlers

  3. Günter 9. April 2013 at 14:46

    Befürchte, da kommt noch einiges auf uns zu. Geplant ist bis 2050 bis zu 80% Strom aus erneuerbaren Energien – heißt, gut das Dreifache von den jetzigen 25%. Hinzu kommt der Netzausbau plus Strom-Speicher.

    Man setzt viel zu wenig auf Biomasse. Biomasse ist günstig gespeicherte Sonnenenergie. Für dezentrale Erzeugung von Strom und Wärme für 24 Stunden und an 365 Tagen im Jahr.

  4. Ron Kirchner 6. April 2013 at 17:20

    Bei deiner Leidenschaft für Algen und die Bioenergie der dritten Generation überrascht es mich nicht, dass du alle Konzepte auf ihre Algen-Tauglichkeit hin prüfts :-) Und wenn ich mich nicht täusche, hat die Kombination von CO2-Nutzung und Algenenkultivierung ja auch schon einige Pilotprojekte (z.B. Vattenfall in Senftenberg) erlebt. Ich weiß allerdings nicht, ob diese eher als Erfolg oder Misserfolg betrachtet werden.

  5. AlgaeObserver 5. April 2013 at 17:39

    Das Thema Verknappung von CO2-Zertifikate fände ich interessant. Vor allem unter dem Aspekt der Nutzung von CO2 zur Zucht von Algen (OK – da bin ich natürlich voreingenommen) ;-) Könnte motivierend wirken…

  6. Ron Kirchner 4. April 2013 at 15:06

    Der leidenschaftliche Lobbyisten-Wettkampf der aktuell um die Energiewende in Deutschland geführt wird, ist schon traurig für das vielversprechende Großprojekt. Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass Deutschland von seiner Vorreiterrolle bei einer echten Energiewende (immerhin sind wir traditionell stark abhängig von fossilen Energienträgern!) nur gewinnen kann. Und das vor allem mittelfristig. Aber aktuell sieht es so aus, als wollen sich die bisherigen Energieunternehmen ihre teuren Investitionen in fossile Großanlagen vollständig ausbezahlen lassen. Die Bereitschaft der GROßEN VIER noch weitere Gewinneinbußen für den Umstieg auf erneuerbare Energien in Kauf zu nehmen, scheint erschöpft. Bis zu einem gewissen Grad kann ich das verstehen. Immerhin hat Vattenfall erst kürzlich bekanntgegeben, dass man sich von 1.500 Mitarbeitern (10 Prozent der Belegschaft) trennen muss. Die fossile und erneuerbare Energiewirtschaft findet nicht wirklich zusammen, obwohl es große Bemühungen gibt, sich gegenseitig anzunähern.

    @StartCore Langfristig sehe ich aber ebenfalls nur Vorteile durch den Umstieg auf erneuerbare Energien und halte diesen deshalb für sehr schmerzhaft, aber notwendig.

    @Manuel Die Verknappung der CO2-Zertifikate wird ja immer wieder in die Diskussion eingebracht und das wäre eine gute Möglichkeit, um dem Emissionshandel endlich mal zum Durchbruch zu verhelfen. Aber ohne die großen Eingeständnisse an die hohe Stückzahl an Erstzertifikaten, hätte sich der Emissionshandel wahrscheinlich gar nicht einführen lassen. Hoffen wir, dass die externen Kosten des Klimawandels künftig stärker an die Verursacher weitergegeben werden und dadurch erneuerbare Energien einen weiteren Marktvorteil erhalten!

  7. Manuel 4. April 2013 at 11:06

    Interessanter Artikel. Dankeschön. Auch ich habe bei der Summe von 1.000.000.000.000 einen Schreck gekriegt. Trotzdem bin ich für einen schnelleren Ausbau… vielleicht sollte man anstatt EE zu fördern die fossilen mehr fordern (zur Kasse bitten) zum Beispiel über eine Verknappung von Co2-Zertifikaten..

  8. StartCore 2. April 2013 at 19:11

    Meiner Ansicht nach gibt es keine Alternative zum Ausbau regenerativer Energiequellen. Die Endlichkeit der fossilen Ressourcen wird auch durch neue (zweifelhafte) Technologien wie Fracking nicht aufgehoben… Ob schneller oder langsamer, Hauptsache Deutschland schafft es, das Wissen um die neuen Technologien im Lande auszubauen und damit zukünftig einen global agierenden Wirtschaftszweig zu etablieren. Hier sehe ich Chancen für Hochtechnologie und damit für Arbeitsplätze. Danke übrigens für diesen Artikel – war mir jetzt so nicht klar!

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