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Die Gewinnung von Wärme und Kälte aus erneuerbaren Energiequellen ist neben der Stromproduktion das wichtigste Standbein für die Umstellung auf eine erneuerbare Energieversorgung. Biomasse nimmt bei der erneuerbaren Wärmeerzeugung traditionell den Löwenanteil ein. Nach langem Hin-und-Her wurde nun der Start des 1 Mrd. Euro umfassenden Renewable Heat Incentive (RHI) Programms im United Kingdom bekannt gegeben. Wie wird die Stärkung der Wärmeerzeugung aus Biomasse bei unseren britischen Partnern vorangetrieben und was können wir für unser EEWärmeG und Marktanreizprogramm daraus lernen?

Der Start der Renewable Heat Incentive wurde mehrmals verschoben und durch ein zähes Ringen um die besten Förderbedingungen für verschiedene Technologien begleitet. Nun wurde der Start der RHI in England für den November bekannt gegeben. In einem früheren Artikel wurde bereits ein Einblick in die Biomasse-Strategie Großbritanniens gegeben.

Was ist die Renewable Heat Incentive (RHI)?

Die britische Regierung möchte mit dem Renewable Heat Incentive Programm Investitionen in Erzeugungskapazitäten für erneuerbare Wärme auslösen. Mit einer Fördersumme von £ 860 Millionen wird dabei nicht gekleckert sondern geklotzt.

Das Besondere am englischen RHI ist, dass die Förderung nach einem Einspeisemodell ähnlich dem deutschen EEG zur Stromproduktion vorgenommen wird und England mit diesem System eine Vorreiterrolle für die Förderung erneuerbarer Wärme in Europa übernimmt.

Die Förderung von produzierter Wärme aus erneuerbaren Energiequellen wird dabei für 20 Jahre garantiert. Die jährlich erfolgenden Auszahlungen sollen Investitionen in Technologien und Anlagen zur Produktion von Wärme aus Biomasse anregen und zur Amortisation von getätigten Investitionen nach 5 – 10 Jahren beitragen.

Sowohl die direkte Erzeugung von Wärme als auch die Bereitstellung von Heißwasser soll durch das Anreizprogramm unterstützt werden.

Hier finden Sie eine umfassende Broschüre zu der Renewable Heat Incentive (RHI) des Department of Energy and Climate Change (DECC) in England. Auf Seite 43 – 51 werden die Rahmenbedingungen der RHI für die Bioenergie beschrieben.

Unterstützung vor allem für kleine Biomasseheizkraftwerke durch RHI?

In der ersten Phase des RHI werden aus dem Bereich der Bioenergie folgende Wärmetechnologien gefördert:

  • Biomasseheizkessel für die Holzverbrennung
  • Verbrennung von Biomethan mit Kraft-Wärme-Kopplung

Es ist also sowohl die Nutzung von festen, als auch flüssigen Bioenergieträgern möglich, um eine Förderung nach der RHI zu erhalten.

Tabelle zu RHI-Fördersätzen für Wärme aus Biomasse in England

RHI-Fördersätze für erneuerbare Wärme in England

Leider wurde die Förderhöhe für Biomasseheizkraftwerke über 1 MW von den ursprünglich im März vereinbarten 2.7 Pence/ Kilowattstunde auf nun 1 p/ kWh reduziert. Diese drastische Kürzung bei den großen Biomasseheizkraftwerken ist den Worten von Paul Thompson (Renewable Energy Agency – REA) zur Folge für viele Vertreter aus der Industrie ein Schock gewesen.

Eine Kürzung um 60% bezogen auf die Angaben aus der ersten Jahreshälfte 2011 ist für viele Investoren für große Biomasseheizkraftwerke ein schwer zu kompensierender Rückschlag. Das sich die Gesamtfördersumme von 860 Millionen £ nicht verändert hat, kann man diese Umverteilung auch als Maßnahme zur besonderen Förderung von dezentralen und kleinen Wärmeanlage betrachten.

Die ursprünglich angestrebte höhere Förderung von 2.7 p/ kWh für Biomasseheizkessel mit einer Leistung über 1 MW war der Hauptgrund dafür, warum der Start der RHI nicht früher bewilligt und mehrmals verschoben werden musste. Der Einwand gegen diese hohen finanziellen Mittel für große Biomasseheizkraftwerke stammte hauptsächlich von der Europäischen Kommission.

Weiterhin ist bis zum Beginn von Phase II des RHI im kommenden Herbst der Erhalt einer einmaligen Zahlung für die Neuanschaffung von Wärmetechnologien möglich. Diese Förderung beläuft sich, abhängig von der Technologie, auf eine Summe von etwa 1.000 Euro pro Anlage und wird als Renewable Heat Premium Payment (RHPP) geführt.

Weiterführende Informationen zur Renewable Heat Incentive finden Sie auf der Internetseite des Interseasonal Heat Transfer (IHT).

Grafik zum Anteil von Biomasse bei Wärmeerzeugung in Deutschland

Feste Biomasse als wichtigster erneuerbarer Wärmelieferant

Weiterentwicklung des EEWärmeG und des Marktanreizprogramms in Deutschland

In Deutschland gibt es zwar bereits ein Erneuerbare Energien Wärmegesetz (EEWärmeG), welches aber vor allem die Nutzung von erneuerbarer Wärme/ Kälte unterstützt. Für einen höheren Anteil an erneuerbarer Wärme beim Verbrauch in Deutschland, ist aber auch die finanzielle Förderung der Produktion erneuerbarer Wärme ein wichtiger Schritt.

Die großen Erfolge bei der erneuerbaren Stromproduktion basieren vor allem auf der direkten Förderung von Anlagenbetreibern (Biogas-, Windkraft-, Photovoltaikanlagen etc.), welche dank der Einspeisetarife des EEG die vorhandenen Grünstrom-Kapazitäten im deutschen Stromnetz erst ermöglicht haben. Bei der Förderung von erneuerbarer Wärme gibt es in Deutschland erste  gute Ansätze, aber auch noch viel Potential. Bisher vorhanden ist das Erneuerbare Energien Wärmegesetz (EEWärmeG) mit dem integrierten Marktanreizprogramm (MAP).

Das EEWärmeG basiert auf einem Landesgesetz in Baden-Württemberg, welches im Januar 2008 in Kraft getreten ist. Entsprechend dem EEWärmeG des Bundes, welches 1 Jahr später am 1.Januar 2009 in Kraft getreten ist, sollen bis zum Jahr 2020 mindestens 14% des Wärme- und Kältebedarfs von Gebäuden (Neubauten!) durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Dieses Ziel soll durch eine ausgeschriebene Nutzungspflicht für Häuserbauer und nicht durch einen Einspeisetarif für Wärmeproduzenten erreicht werden.

Das EEWärmeG sieht hierbei auch Zahlungen für Investitionen in entsprechende Anlagen zur Erhöhung des Anteils an erneuerbarer Wärme vor. Dazu enthält das EEWärmeG in den §§13 – 14 ein Marktanreizprogramm für finanzielle Fördermittel von bis zu 500 Millionen Euro pro Jahr. Die Fördergelder für Pelletkessel oder Wärmepumpen gelten hierbei zunächst nur bis Ende 2012!

Im Bereich der Bioenergie kann der Eigentümer des Gebäudes dabei sowohl auf feste, flüssige, als auch gasförmige Bioenergieträger zurückgreifen, die mindestens 50% des Gesamtenergieverbrauchs ausmachen müssen.

Im Jahr 2010 wurde das Marktanreizprogramm dann sogar kurzfristig gestoppt, um den unvorhersehbaren Belastungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise zu begegnen. Lesen Sie hierzu auch den Artikel „Gefährdung des Marktanreizprogramms für erneuerbare Wärme“.

Gutes Beispiel für die Förderung der Bioenergie als Wärmelieferant in Europa?

Deutschland ist bei der Förderung von erneuerbarem Strom ein Paradebeispiel und hat sich mit dem, unter ökonomischen Gesichtspunkten, ziemlich mutigen Schritt zum Atomausstieg auch selbst unter Druck gesetzt die Energiewende voranzutreiben. Bei der konsequenten Förderung der Nutzung von erneuerbarer Wärme können wir aber spätestens seit der Renewable Heat Incentive viel von den Briten lernen und uns von Ihrem positiven Beispiel inspirieren lassen. Umgekehrt haben es die Briten im Stromsektor auch getan und vom deutschen EEG gelernt.

Dabei würden nicht nur die großen Energieversorger von der Einführung eines ähnlichen Gesetzes zur Förderung der erneuerbaren Wärme profitieren. Ein Unternehmen wie die Vattenfall AG, welches mit einer engagierten Biomasse-Strategie (siehe Artikel) angetreten ist, könnte die Umstellung von Kohlekraftwerken auf Biomasse aber durch ein solches Gesetz wahrscheinlich noch beschleunigen.

Können sich also andere Länder in Europa bei der Förderung der erneuerbaren Wärme ein Beispiel an Großbritannien nehmen? Die Erfahrungen mit Eispeisetarifen sind zumindest im Stromsektor sehr erfolgreich gewesen. Ich persönlich würde Gespräche für die Einführung eines Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes mit Einspeisetarif (!) jedenfalls sehr begrüßen und unterstützen.

Was denken Sie, sollten wir unser erfolgreiches Vergütungsmodell für Strom, nach den Vorgaben des EEG, auch auf den Wärmesektor übertragen?