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Die Diskussion um „Teller, Trog oder Tank“ beim Anbau und der Nutzung von Ackerpflanzen hält weiter an. Die Branche der Biokraftstoffe ist bemüht, die notwendige moralische Debatte um Biokraftstoffe stärker auf rationale Argumente und belegbare Fakten zu gründen, um einen weiteren Imageverlust durch voreilige und emotionale Schlussfolgerungen möglichst zu vermeiden. An dieser Aufklärungsarbeit für die flüssige Bioenergie möchte ich mich gerne beteiligen und einige Ausführungen zu der vor einigen Tagen veröffentlichten Grafik der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) ergänzen. Die Grafik wirft einen Blick auf den Zusammenhang zwischen der Gewinnung von Biokraftstoffen und der Herstellung von Futtermitteln.

Soja verbindet Produktion von Futtermitteln und Biodiesel

Soja ist eine sehr flexibel einsetzbare Nutzpflanze und gilt mit 55 Prozent Marktanteil und einem jährlichen Marktwert von 40 Mrd. Euro als wichtigste Ölsaat weltweit.

In großen Mengen wird das Öl der Sojapflanze (etwa 18 Prozent der Pflanze) für die Herstellung von Nahrungsmitteln und das Eiweiß der Sojapflanze (28 Prozent) für die Herstellung von Futtermitteln verwendet. Die Verbindung zur Bioenergie entsteht dann, wenn wir berücksichtigen, dass der Ölanteil der Sojapflanze neuerdings auch für die Herstellung von Biodiesel verwendet wird.

Foto Soja Pflanze

Herstellung von Futtermitteln und Biokraftstoffen kann mit Soja und Raps kombiniert werden

Dabei ist die Verwendung der Sojabohne ein schönes Beispiel dafür, dass sich die Entscheidung zwischen Trog oder Tank beim Anbau von Ackerpflanzen gar nicht so ausschließlich stellt, wie die Bezeichnung „Tank-ODER-Teller“ vermuten lässt. Das liegt daran, dass das Eiweiß der Sojapflanze vor allem im Sojakuchen enthalten ist, welcher auch als weiterverwendbares Nebenprodukt bei der Biodieselproduktion anfällt. Da die Herstellung von Biodiesel vor allem auf den Ölgehalt der Pflanze abzielt, gehen die für die Futtermittel so wichtigen Proteine also nicht verloren.

Nebenprodukte der Biodieselproduktion verringern Abhängigkeit von Soja-Importen

Wie die Sojapflanze zeigt, kann eine Ackerfläche abhängig von der angebauten Ackerfrucht für die parallele Produktion von Futtermitteln und Bioenergie genutzt werden. Dabei ist Soja mit etwa 80 Millionen Jato sogar die meistgehandelte Nutzpflanze nach Weizen, knapp 150 Millionen Jato, und Mais, gut 100 Millionen Jato, weltweit.

Aber  was für die Sojapflanze gilt, gilt auch für den in Deutschland heimischen Raps. Und wie die Grafik der AEE demonstriert, bietet auch die deutsche Biodieselproduktion aus Raps den Vorteil einer kombinierten Futtermittel- und Biokraftstoffproduktion. Der bei der Pressung des Rapsöls in einer Ölmühle als Nebenprodukt anfallende Rapskuchen kann abhängig von der Ölextraktion und dem Pressverfahren (Kaltpressung, Heißpressung) als unterschiedlich hochwertiges Futtermittel weiterverwendet werden. Dabei bildet dieses Nebenprodukt der Ölpressung den dominierenden Mengenanteil von 70 Prozent (Raps) – 80 Prozent (Soja) der in die Pressung gegebenen Ausgangsmasse.

Durch die Verwendung des bei der Ölpressung, bzw. der Biodiesel-Produktion, anfallenden Rapskuchens, können demzufolge auch die Soja-Importe für die Futtermittelproduktion aus Südamerika etwas ausbalanciert und die Abhängigkeit reduziert werden.

ILUC-Entscheidung bestimmt die Zukunft vom Biodiesel

Trotz der genannten Vorteile der Biodieselproduktion steht es aktuell noch in den Sternen, ob Biodiesel auch nach den Jahren 2017 und 2018 eine tragende Rolle bei den alternativen Kraftstoffen in Europa spielen wird. Als größte Gefahr der Biodiesel-Industrie droht aktuell die Entscheidung zum Thema Indirect Land Use Change (ILUC) und die mögliche Einführung eines ILUC-Faktors. Allerdings wurde die Entscheidung der EU-Kommission zum Umgang mit den indirekten Landnutzungsänderungen erst vor kurzem erneut vertagt.

Bereits im Jahr 2010 ist die Biodieselproduktion in Europa erstmals zurückgegangen. Eine weitere Ursache, neben dem ILUC-Konflikt, sind die wachsenden Biodieselimporte aus Argentinien, welche wiederum deshalb gestiegen sind, weil das „Generalized System of Preferences“ (GSP) der Europäischen Kommission dem südamerikanischen Land deutliche Zollvorteile gewährt.

Welche Auswirkungen eine Subventionierung von Biokraftstoffen auf die Entwicklung des internationalen Handels haben kann, haben wir im (aus europäischer Sicht) negativen Sinne bereits bei den rasant gestiegenen Bioethanol-Importen aus den USA während der vergangenen 2 Jahre erlebt. Eine erneute Stärkung der heimischen Biokraftstoff-Produktion muss deshalb sicher nicht gleich als Protektionismus interpretiert werden.

Außerdem hoffe ich, dass der Fokus der Biomassenutzung zunehmend auf das Design von Produktionsketten gerichtet wird, welche die Herstellung und Weiterverarbeitung von Koppelprodukten berücksichtigen und dadurch die stoffliche und energetische Nutzung dieses wertvollen Guts stärken.