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Die gedankliche Kombination von Land- und Forstwirtschaft auf der einen Seite und Stadtentwicklung auf der Anderen ist nicht gerade Routine. Die Gegensätze zwischen „Stadt und Land“ sind strukturell tief verwurzelt und auch in modernen Flächennutzungsplänen ist eine Verbindung von versiegelten Siedlungen und landwirtschaftlich genutzten Flächen meist schwer zu gestalten. Nicht so in Gelsenkirchen, genauer gesagt im Stadtteil Gelsenkirchen-Buer. Hier wird ein Versuch unternommen, beide über Jahrhunderte mehr oder weniger streng getrennte Landnutzungsformen mit Hilfe der Bioenergie direkt zusammenzubringen.

Entwicklung urbaner Räume durch Kurzumtriebsplantagen

Aus sportlicher Perspektive ist Gelsenkirchen aktuell sehr präsent wegen den guten Chancen von Schalke 04 auf die Meisterschaft in der Fussballbundesliga. In Bezug auf die Entwicklung der Bioenergie in Deutschland ist Gelsenkirchen im Moment dabei einen potentiellen Aufsteiger ins Rennen zu schicken. Mit dem „Biomassepark Hugo“ wird ein Pilotprojekt umgesetzt, bei dem auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlebergwerks eine Kurzumtriebsplantage der besonderen Art errichtet werden soll.

Die im Moment nicht genutzte Fläche soll durch den 22 Hektar großen Biomassepark wieder revitalisiert werden. Mit Hilfe der klassischen Arten der Energiehölzer wie Pappeln und Weiden sollen pro Hektar 8 t Holz/ ha und Jahr gewonnen werden. Die Versuchsfläche soll mit verschiedenen Sorten der schnellwachsenden Pappeln und Weiden bestellt werden, um die am Standort am besten wachsenden Sorten herausfinden zu können.

Bei 22 Hektar Gesamtfläche und 8 t Holz/ ha und Jahr kann ab dem 5 Jahr von einer jährlichen Ernte von ca. 220 t Biomasse ausgegangen werden. Da sonstige Angaben für die Erträge aus den benannten Energiehölzern bis hin zu 14-15 t/ ha und Jahr gehen, halte ich die angestrebten Ziele für relativ bescheiden und erreichbar.

Im folgenden eine Aufzählung über Potentiale des Biomasseparks Hugo:

  • schaffen von Arbeitsplätze (regionale Forstunternehmen)
  • Stärkung des Erholungsfaktors in der Stadt
  • Rekultivierung einer Fläche und Nutzung von Grenzertragsböden
  • Beitrag zum Klimaschutz mit allen Vorteilen der Bioenergie

Potentielle Probleme des Projekts:

  • Störung durch die Ernte der Biomasse (Lärmemissionen)
  • Wirtschaftlichkeit des Projekts (Realisierungskosten durch Bodenaufschüttung, relativ kleine Fläche)
  • Sauberhalten des Geländes

Selbst wenn der Biomassepark Hugo rein wirtschaftlich betrachtet am Ende „nur“ ein kostendeckendes Unternehmen werden sollte, rechtfertigen meiner Meinung nach allein die sozialen und ökologischen Potentiale die Umsetzung dieses Pionierprojekt.

Unterstützt wird das Projekt Biomassepark Hugo durch die „Plattform urbane Waldnutzung“.

Biomasseaktionsplan in NRW

Der Biomasseaktionsplan von Nordrhein-Westfalen „Bioenergie.2020.NRW“ ist eine länderspezifische Ergänzung zu den nationalen Biomasseaktionsplänen für die stoffliche und energetische Nutzung, welche die Bundesregierung im vergangenen Jahr verabschiedet hat. Das Ziel der Biomassestrategie in NRW ist eine Verdoppelung der kompletten Biomassenutzung (Wärme, Strom, Kraftstoff) von 2010 auf 2020. Dies entspricht beim Erreichen der Ziele einer genutzten Energiemenge von 17.8 TWh (oder 4% des Strom- und 5% des Wärmebedarfs) aus Biomasse pro Jahr im Jahr 2020.

Fazit zum urbanen Biomassepark

Eine in meinen Augen sehr kreative Idee, weil sie ein jahrhundertealtes Organisationsmuster hinterfragt und die in den Städten vorkommende Natur nicht ausschließlich als Erholungsorte (Parks) sieht, sondern eine vielschichtige Nutzung anstrebt und eine weitere Möglichkeit bietet Industriebrachen zu erschließen. In wie fern diese Idee in der praktischen Umsetzung gestaltet werden kann, muss sich zeigen und dafür wünsche ich viel Erfolg!