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Die Nachfrage nach Biomasse als erneuerbarem Rohstoff hat wegen verschärften Anforderungen an den Klimaschutz in den vergangenen Jahren  weiter zugenommen. Vor allem holzartige Biomasse wird als Brennstoff für Kraftwerke verstärkt nachgefragt. Um mehr System in den Handel von Biomasse zu bringen, wird am 3. November die erste Biomassebörse Europas in Rotterdam eröffnen. Welche Möglichkeiten bietet die Biomassebörse und was bedeutet sie für den Biomassehandel?

Handelsmöglichkeiten an der Biomassebörse in Rotterdam

Die Biomassebörse in Rotterdam ist ein Gemeinschaftsprojekt der Strom- und Gasbörse APX-Endex und dem größten Hafen Europas in Rotterdam.

Der Aufbau der Biomassebörse und der Handel von Biomasse soll in 2 Phasen entwickelt werden. In der ersten Phase wird es ausschließlich die Möglichkeit zum direkten Handel von Biomasse zwischen 2 Parteien (Käufer und Verkäufer) geben, bei dem die Biomasse unter transparenten Bedingungen den Besitzer wechseln kann.

In der zweiten Phase, die 2012 anlaufen soll, werden durch die Biomassebörse noch weitere Rahmenbedingungen („clearing services“) zur Verfügung gestellt, um einen problemlosen Biomasse-Handel zwischen mehreren Vertragsparteien zu gewährleisten. Wie die APX-Endex mitteilte, sollen Handelsverträge für den Zeitraum von 3 Monaten, 3 Quartalen und 3 Kalenderjahren abgeschlossen werden können.

Holzhackschnitzel Preise Biomasse Börse

Holzhackschnitzel an der Biomassebörse hoch im Kurs

An der neuen Biomassebörse, die in den Rotterdam Energy Port integriert ist, sollen hauptsächlich industrielle Holzhackschnitzel gehandelt werden. Ein Preisindex für industrielle Holzhackschnitzel wird von der APX-Endex bereits seit 3 Jahren erstellt.

Die Preisentwicklung von Hackschnitzeln in Deutschland zeigte in den vergangenen 3 Jahren einen Aufwärtstrend (siehe Grafik), welcher aber im direkten Vergleich mit den stark schwankenden Heizölpreisen als moderat bezeichnet werden kann. Holzhackschnitzel bleiben deshalb eine vergleichsweise preiswerte und wenig schwankende Quelle für die Strom- und Wärmeproduktion.

Das jährliche Handelsvolumen von Holzhackschnitzeln ist den Angaben von Hakan Ekstrom, Präsident von Wood Resources International, zwischen 2002 und 2008 um jeweils 5% gestiegen. Im Jahr 2010 wurde mit einem Anstieg um 25% auf etwa 35 Millionen Tonnen an gehandelten Holzhackschnitzeln ein weltweites Allzeithoch verzeichnet. Dieser rasante Anstieg wird vor allem auf die große Nachfrage nach Hackschnitzeln in China zurückgeführt.

Bei weiterem Interesse können Sie hier einen interessanten Artikel (in Englisch) über die Entwicklung des europäischen Holzmarktes im Jahr 2010 lesen, der auf globalwood.org veröffentlicht wurde.

Abnehmer von Biomasse an der Börse

Die wachsende Nachfrage nach holzartiger Biomasse in Europa ist hauptsächlich auf die starke Nachfrage nach Energieholz zurückzuführen. Dieser Trend ist wiederum eine Reaktion auf die politischen Bemühungen Europas aktiv zum Klimaschutz und zur Energiewende beizutragen.

Hierbei ist das Erreichen des „20-20-20-Ziels“ der Europäischen Union hervorzuheben. Demnach sollen bis zum Jahr 2020 folgende 3 Ziele umgesetzt werden:

  • Senkung der Treibhausgasemissionen um 20%
  • 20%iger Anteil an Erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch (Strom, Wärme, Verkehr)
  • Erhöhung der Energieeffizienz um 20%

Die Abnehmer für die in Rotterdam gehandelten Holzhackschnitzel werden vor allem die großen Biomasseheizkraftwerke sein.

Zahlreiche Kraftwerke in der EU werden auf Biomasse umgestellt. Außerdem wird Biomasse mit Hilfe der Mitverbrennung („Co-Firing“) aktuell schon in Kohlekraftwerken als Brennstoff eingesetzt. Als Berliner kann ich den Wandel von fossilen zu regenerativen Brennstoffen dank der umfassenden Biomasse-Strategie der Vattenfall AG hautnah miterleben.

Neben der energetischen Nutzung dürfte der Service der Biomassebörse aber auch für die stofflichen Nutzungspfade von Biomasse interessant sein. Als große Abnehmer denke ich an die zahlreichen Zellstofffabriken oder Spanplattenhersteller in der EU.

Mit Blick auf die nachhaltige Nutzung von Biomasse, sollte die stoffliche Nutzung von Biomasse sogar die erste Priorität, noch vor der energetischen Nutzung, einnehmen. Diese Kaskadennutzung unterstützt einen effizienten Einsatz des wertvollen Rohstoffs Biomasse. Siehe hierzu auch den Artikel zur Biomasse-Strategie Brandenburgs.

Übersicht internationaler Biomassebörsen

Von der APX-Endex wird die neu ins Leben gerufene Biomassebörse sogar als „erste der Welt“ beschrieben. Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang anfügen, dass es die erste Biomassebörse ihrer Größe und mit internationaler Ausrichtung ist, da in Nordamerika bereits einige Konzepte für Biomassebörsen umgesetzt wurden.

Hier ein Überblick für Handelsplätze, die sich weltweit auf den Biomassehandel spezialisiert haben:

Es bleibt abzuwarten, wie die Biomassebörse in Rotterdam angenommen und wie mit verschiedenen Qualitätsmerkmalen und Qualitätsansprüchen für Biomasse umgegangen wird. Außerdem hoffe ich, dass auch Nachhaltigkeitskriterien und die vorhandenen Zertifizierungssysteme (FSC, PEFC, ISCC etc.) beim Biomassehandel berücksichtigt werden.

Ich freue mich auf diese neue Dimension des internationalen Biomassehandels und drücke die Daumen für eine nachhaltige Entwicklung. Was denken Sie?