iGreen und kostenfreie Datensätze für die Landwirtschaft

Sowohl für den eigenen Anbau von Energiepflanzen, aber auch beim Zukauf von Inputstoffen als Betreiber einer bioenergetischen Anlage (Biogasanlage, BMHKW) sind aktuelle Informationen zur Markt- und Wetterlage sehr nützlich.

Für die verschiedenen Teilnehmer innerhalb der Wertschöpfungskette von Bioenergie und landwirtschaftlichen Produkten allgemein ist das Verfügen über aktuelle Informationen eine wertvolle Ressource. Die Möglichkeiten in der Informationsbereitstellung nehmen bekanntlich ständig zu. Aber die zusätzlichen Daten waren bisher nur wenig oder als teures Privileg zu erwerben.

Informationen werden zunehmend über verschiedene elektronische Sensoren und Meßeinrichtungen aufgenommen. Weil es einfach  zu realisieren ist und die Kapazitäten zur Datenspeicherung wachsen. Es entsteht dabei ein Datenfluss , der von einem Einzelnen nicht überblickt werden kann und weitere Anwendungsmöglichkeiten für die Daten oft noch gar nicht bekannt sind.

Die Kunst ist, die Informationen so zu filtern oder so aufbereitet dargeboten zu bekommen, dass man in Kombination mit seinem eigenen Erfahrungswissen über einen nützlicheren und kompletteren Wissensschatz verfügt. Dadurch kann man Situationen besser einschätzen, mögliche Schwierigkeiten oder Probleme des eigenen Tätigkeitsbereichs rechtzeitig erkennen oder seinen eigenen Betrieb optimieren.

Kostenfreie Statistiken für Jedermann

…überall und individuell zuschneitbar. Es werden Unmengen an Daten gewonnen, aber die Auswertung und Verteilung sind häufig ein Problem. Die Daten wirtschaftlich rentabel und bequem in die Planungen des Landwirts oder Ingenieurs einzubauen war bisher nicht leicht. Die Daten liegen herum, werden immer älter und sind irgendwann kaum noch praktisch zu verwenden. Das soll sich nun ändern und die Verteilung vieler gewonnener Daten soll in Zukunft anwenderfreundlicher sein. Der persönliche Datenschutz darf dabei natürlich nicht auf der Strecke bleiben.

Persönlicher Einschub

Vielleicht hört sich der Artikel stark nach einer Werbeveranstaltung an. Deshalb muss ich zugeben, dass ich ein ziemlicher Anhänger des mathematischen Arbeitens bin und im Herzen dem Bund „Ritter der hellen Seite der Mathematik“ angehöre. Das ist eher eine Herzenssache und keine förmliche Vereinigung. Manchmal stehe ich dem Streben nach ständiger Optimierung von Parametern und Erhöhung der Effizienz auch ziemlich kritisch gegenüber, aber helle und dunkle Seiten gibt es bei jeder Handlung. Das man als Mensch nicht alle Wirkungen seines Handelns vorraussehen kann, ist meine bescheidene Sicht vom Menschen. Etwas mehr Demut und weniger prometheisches Handeln würde uns beim Bewältigen aktueller Probleme (Klimawandel, Bodenverschleiß, Welternährung…) glaube ich aber auch Helfen.

3 Internetseiten im Bereich grüne Datenverarbeitung

Ich möchte ein paar Internetseiten vorstellen, die ich besucht habe, die sich mit dem freien Zugang zu Informationen und Statistiken beschäftigen, bei denen die Landwirtschaft und somit auch die Bioenergie eine wichtige Rolle spielen.

1. GAPMINDER

Mein persönlicher Favorit, auf den ich dank einem Artikel im Magazin des VDI (C.Schulzki-Haddouti) aufmerksam geworden bin, ist dabei der Service Gapminder. Eine open-source Software, die es ermöglicht, verschiedene Datensätze (Statistiken) auf sehr ansprechende Art zu präsentieren. Die Galleonsfigur hinter diesem skandinavischen Projekt ist Hans Rosling, Professor für Internationale Gesundheit in Stockholm. Eine wirklich bemerkenswerte Persönlichkeit, die mit viel Intelligenz und Charm die Anwendungsmöglichkeiten der Statistik vermittelt und unaufdringlich erklärt, wie sie zum Lösen verschiedener Probleme beitragen kann. So können auch agrarwirtschaftliche Datensätze übereinander aufgetragen werden und aus dem Graphen entsprechende Schlüsse hergeleitet werden. Ein kleine Kostprobe seines Stils und der Plattform Gapminder gibt es im folgenden Film:

2. iGREEN

Der Begriff „green“ ist in den letzten Jahren noch stärker zu einem Symbol für eine neue Art zu Denken, zu Handeln, letztlich zu Leben geworden. Auch das wirtschaftliche Verhalten passt sich dieser zunehmend stärkeren Bewegung an. Das Projekt iGreen setzt ebenfalls an der Schnittstelle von grünen  Gedanken und moderner Kommunikationstechnologie an. Das standortbezogene Dienst- und Wissensnetzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe der Internettechnologie die Entscheidungsfindung von Unternehmen zu unterstützen. Es ist sogar schon die Sprache vom Web. 3.0 worunter ich mir noch nichts Konkretes vorstellen kann und auch die im Netz erhältlichen Definitionen fand ich wenig aussagekräftig.

Das Projekt befindet sich noch im Aufbau und wird mit 14 Millionen Euro bis 2012 vom Bund gefördert. Der Besuch der Internetseite gibt einen ersten Einblick in die Agenda und beschreibt die Verknüpfung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktisch orientierten Anwendern und Unternehmen als eine wichtige Aufgabe. Dabei habe ich auch erfreut entdeckt, dass der Pflanzenbau als erstes Kerngebiet von iGreen ausgewählt wurde. Geleitet wird das Projekt vom Forschungszentrum für künstliche Intelligenz, welches über Standorte in Kaiserslautern, Saarbrücken, Bremen und Berlin verfügt. Welche Anwendungsfunktionen von iGreen sind für die Landwirtschaft denkbar?

  1. Aktuelle Schädlingssituation in der Region können bedacht werden. Ähnlich wie beim precision farming können gewonnene Informationen über Schädlingsbefall, Bodenqualitäten und Grundwasserstände in die Maßnahmen zur Aussaat, Schädlingsbekämpfung und Düngung direkt einbezogen werden. Dadurch wird ein unterstützendes Finetuning bei der Entscheidungsfindung möglich.
  2. Mögliche Vorschläge für Handlungsszenarien können verglichen werden, wobei z.B. Aspekte der cross compliance schon berücksichtigt werden.
  3. Aktuelle Preisentwicklungen für benötigte Rohstoffe oder Absatzprodukte können individuell zugestellt werden.
  4. Wetterdaten (Niederschläge, Temperaturentwicklungen…) können sehr regionalspezifisch weitergeleitet werden und somit die Zeitpunkte für landwirtschaftliche Maßnahmen noch besser geplant werden.

3. EUROSTAT

Eurostat ist eine Sammelstelle für Statistiken der europäischen Länder. Kostenfrei kann mit Hilfe von Länderprofilen auf viele Daten aus den einzelnen Ländern zugegriffen und diese miteinander verglichen werden. Im Bereich der Landwirtschaft, Umwelt und Energie gibt es viele Daten die abgefragt und nach belieben kombiniert werden können.

Nachwort

Informationsgesellschaft, Hektik, Transparenz, exponentielle Informationsbildung etc. Das sind bis zu einem gewissen Grad auch Ideen, die in einer „brave new world“ manchmal etwas gruselig sind. Gerade in der Großstadt fällt es einem manchmal schwer  aus dem Informationsfluß auszusteigen. Aber die Chance oder die Utopie einer gefestigten Wissensgesellschaft kann auch sehr verlockend sein. Also eine zu rasante Entwicklung ist in meinen Augen nicht unbedingt zu fördern. Getreu einem meiner Lieblingsmottos ist Evolution besser als Revolution (bei allen abenteuerlichen Verlockungen die eine Revolution vielleicht bietet…). Ein bisschen Zeit sich an Neues zu gewöhnen macht Es einem viel leichter und sympathischer.

About the Author:

Ron "BiomassMuse" Kirchner ist Umweltingenieur, Fachjournalist und WebDesigner. Eine für BiomassMuse nützliche Mischung, da diese einen unabhängigen Schreibstil unterstützt. Aus der Hauptstadt schreibt er über den Einsatz der gasförmigen, flüssigen und festen Bioenergie im Strom-, Wärme- und Kraftstoffmarkt. Außerdem engagiert er sich gemeinsam mit anderen Energiebloggern für das Gelingen einer bürgernahen und ganzheitlichen Energiewende.

2 Comments

  1. Ron 29. November 2009 at 15:47

    Danke für deinen Beitrag und den regelmäßigen Besuch. Den Vergleich mit der Biologie finde ich sehr treffend. Revolutionen mit Mutationen zu vergleichen ist eine inspirierende Betrachtung. Ich muss zugeben, dass ich kein großer Freund von Revolutionen bin, weil ich oft das Gefühl habe, dass sie nicht nachhaltig sind. Wenn etwas in einer HauRuck-Aktion erkämpft wird, dann muss man es glaube ich auch mit viel Anstrengung verteidigen. Aber einige Dinge lassen sich wahrscheinlich wirklich nicht allmählich verändern sondern nur mit der Energie einer Revolution. Ist auch schwer zu sagen, ob ein klarer (revolutionärer) Cut beim Ausstieg aus der Atomenergie nachhaltig ist. Oder ob es besser wäre die jahrelange und teuer erkaufte Infrastruktur zu nutzen und so stabil in die Zeit der erneuerbaren Energie zu driften…? Alleine kann man sowas echt schwer überblicken. Aber da kann eine Wissensgesellschaft mit cleverer Teams hoffentlich otimale Szenarien formulieren und dann das Passendste Auswählen. Spannend ist es auf jeden Fall…Grüße

  2. Gordon Dahl 29. November 2009 at 12:45

    Sehr interessanter Beitrag! Was die Notwendigkeit einer echten Wissengesellschaft und einer stärkeren Vernetzung und Öffnung vorhandener Ressourcen betrifft, unterstütze ich deine Sicht vollkommen. Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass die meisten Veränderungen evolutionäre Prozesse bedürfen, damit sie erfolgreich sind – was oft eine gewisse Gewöhnung und Sympathie voraussetzt. Doch Evolution sagt auch, dass nur die besser angepassten Systeme (Menschen, Organisationen, Unternehmen) eine echte Chance haben, von den Veränderungen zu profitieren. Wie viele Menschen, Unternehmen gibt es, die immer noch im Web 1.0 stecken, oder einfach so eingefahren im eigenen System sind, dass sie die Veränderungen entweder nicht wahrnehmen, oder sich alleine nicht ausreichend anpassen können? In solchen (nicht seltenen) Fällen bedarf es dann entweder „Mutationen“ im System (Veränderungen von Innen), was meist nicht passiert, oder revolutionären Anstößen von Außen. Im letzteren Fall wäre Revolution dann gleichzusetzen mit einem Weckruf. Dein Blog hat das Potenzial, solch ein Weckruf zu sein. Deshalb gehört er auch schon zu meinen täglichen Informationsquellen.

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