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Großstädte wie Berlin produzieren entsprechend große Mengen an Abfällen. Sowohl unter wirtschaftlichen als auch unter umwelttechnischen Gesichtspunkten betrachtet, ist es nicht mehr zeitgemäß diese Abfälle ohne eine weitere Nutzung zu entsorgen. Dieses Credo gilt besonders für Bioabfälle, die vergleichsweise einfach eine wertvolle Anschlussnutzung ermöglichen. Mit dem Bau der modernsten Bioabfall-Biogasanlage Deutschlands in Berlin-Spandau beschreitet die Bundeshauptstadt neue Wege. Was zeichnet die erste Biogasanlage Berlins aus?

Bioabfalltonne seit 1996 in Berlin

Schon kurz nach der Wende hat Berlin im Jahr 1990 mit der flächendeckenden und getrennten Einsammlung von organischen Abfällen begonnen. Die Einführung der Biotonne für private Haushalte folgte 1996. Mittlerweile werden pro Einwohner etwa 15 kg Bioabfall jährlich eingesammelt, wobei 20 % der Haushalte noch nicht an die Bioabfallsammlung angeschlossen sind.

Der organische Abfall aus den Berliner Biotonnen wurde zur weiteren Nutzung bisher ausschließlich an die 9 Kompostierungsanlagen am Rande der Stadt geliefert (siehe Übersicht Kompostierungsanlagen, 2005). Dieses stoffliche Nutzungs-Spektrum wird nun um eine moderne bioenergetische Variante erweitert.

Berliner Umweltsenatorin gibt Startschuss für den Bau erster BSR-Biogasanlage in Ruhleben

Die Genehmigung einer Biogasanlage innerhalb Berlins ist nicht unproblematisch und Bedarf einer guten Zusammenarbeit zwischen dem Anlagenbetreiber (Berliner Stadtreinigung), der Genehmigungsbehörde und den betroffenen Anwohnern.

Das Genehmigungsverfahren und die Absprache zwischen den 3 Parteien soll den Angaben der Umweltsenatorin sehr gut funktioniert haben, so dass Mitte Juli der Genehmigungsbescheid für die Biogasanlage in Ruhleben (Berlin-Spandau) ausgestellt werden konnte.

Der Baubeginn wurde durch den symbolischen ersten Spatenstich am 12.08.2011 von der Berliner Umweltsenatorin Katrin Lompscher, der BSR-Vorstandsvorsitzenden Vera Gäde-Butzlaff und dem Bezirksstadtrat von Spandau Carsten-Michael Röding vollzogen.

Die Fertigstellung der Biogasanlage ist für Ende 2012 und die Betriebsaufnahme für Anfang 2013 geplant.

Hier finden Sie weitere Artikel zum Bau und Betrieb einer Biogasanlage in Deutschland.

Klimabilanz der Biogasanlage in Berlin-Spandau hat hohe Priorität

Im Genehmigungsbescheid wurde erstmalig auch ein Grenzwert für den Methanschlupf aufgenommen, der für eine weitere Reduktion der Methan-Emissionen sorgen wird. Der beim Betrieb von Biogasanlagen unerwünschte Ausstoß des klimawirksamen Gases wird von Umweltschützern häufig kritisiert, weshalb strengere behördliche Vorgaben an dieser Stelle zu begrüßen sind.

Frau Gäde-Butzlaff von der BSR ist überzeugt, dass am Standort die aktuell modernste Vergärungsanlage für Bioabfälle in Deutschland entsteht.

Bei der Konzeptionierung der Biogasanlage ist dem Klimaschutz ein hoher Stellenwert zugeordnet worden. Neben den strengen Auflagen der Genehmigungsbehörde an den Anlagenbetrieb, ist an dieser Stelle die Verwendung von Bioabfällen für die Produktion von Biogas besonders hervorzuheben. Kein anderes Biogas-Substrat kann aktuell mit der guten Klimabilanz von Bioabfällen und Gülle konkurrieren. Durch die Verwendung von Bioabfällen kann die Berliner Stadtreinigung den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß von Berlin um 5.000 Tonnen pro Jahr verringern.

Aber es gibt auch kritische Stimmen zum Konzept der ersten Biogasanlage in Berlin. So findet Gudrun Pinn vom Landesverein der Umweltberater in Berlin und Brandenburg (LAUB e.V.), dass die BSR problemlos zum Bau einer besseren Biogasanlage im Stande gewesen wäre. Sie kritisiert vor allem die Verwendung veralteter Technik und zu hohe Methan-Emissionen.

Bioerdgas als Biokraftstoff für die Fahrzeugflotte der Berliner Stadtreinigung

Aus 60.000 Tonnen Bioabfall wird die Biomethananlage in Ruhleben 4,5 Millionen Kubikmeter Biomethan pro Jahr erzeugen und 2,5 Millionen Liter Dieselkraftstoff ersetzen.

Das in der Biogasanlage produzierte Biogas wird zu Bioerdgas (Biomethan) aufbereitet, ins Erdgasnetz eingespeist und als CO2-neutraler Biokraftstoff zum Antrieb von 150 Müllfahrzeugen verwendet. Ein weiterer Vorteil der mit Bioerdgas betankten Müllfahrzeuge ist, dass sie keinen Dieselruß ausstoßen und weniger Lärmemissionen verursachen, als die mit Diesel betankten Fahrzeuge.

Die Anlage wird mit ihrer eingespeisten Biomethan-Menge einer bestehenden Biomethananlage im Biogaspark Barsikow/ Brandenburg entsprechen (siehe Artikel).

Fazit zur ersten Biogasanlage in Berlin

Als Berliner freut mich die erste große Biogasanlage innerhalb Berlins natürlich besonders.

Die unproblematische Einspeisung des Biomethans in das bestehende Erdgasnetz und die effiziente Nutzung des gewonnenen Stroms und der Wärme ist ein großer Vorteil von städtischen Biogasanlagen. Die Verwendung von Bioabfall für die Beschickung der Biogasanlage ist in vielerlei Hinsicht nachhaltig. Auch die anschließende Verwendung des Bioerdgases als Biokraftstoff ist sehr effizient und vor allem in dichten Siedlungsgebieten möglich.

Außerdem passt die erste Biogasanlage Berlins gut zu der KWK-Modellstadt Berlin und ich wünsche viel Erfolg beim Bau der Anlage!