Monsanto – ein trauriges Beispiel moderner Biomasse-Nutzung?

Ich habe vor kurzem eine Dokumentation über eines der größten Unternehmen im Bereich grüner Biotechnologie gesehen und möchte meinen Eindruck in einem Artikel mitteilen. Das genetisch veränderte (transgene) Pflanzen stark umstritten sind, war mir bewusst, aber wie intensiv die GVPs schon heute die Landwirtschaft vieler Länder prägen hat mich doch überrascht und teilweise erschreckt.

Als neugieriger und der Wissenschaft sehr zugeneigter Mensch bin ich nicht allgemein gegen Biotechnologie, da ich sie unter der Voraussetzung der vorsichtigen und respektvollen Erforschung für eine sehr nützliche Technologie halte. Die Aussage der aufwendig recherchierten Dokumentation mit politischen und wissenschaftlichen Hauptakteuren und Landwirten von vielen Orten der Welt lässt jedoch zumindest Monsanto als eines der Flaggschiffe der Branche in keinem sehr guten Licht dastehen.

In dem Film „Monsanto – mit Gift und Genen“ von Marie-Monique Robin geht es sowohl um die Auswirkungen der Produkte von Monsanto auf die Landwirtschaft und Umwelt, als auch um die Leichtfertigkeit und  teilweise sehr aggressiven Methoden mit denen die Produkte global vertrieben werden. Um sich selbst ein Bild zu machen, empfehle ich den Film anzuschauen. Er ist im Moment noch auf Arte+7 oder durchgehend auf youtube zu sehen.

Einige zentrale Aussagen der Dokumentation sind:

  • deutliche Verschleierung und Fälschung von wissenschaftlichen Studien über Monsanto-Produkten durch Monsanto
  • Verdrängung der über Jahrhunderte gezüchteten Sorten (Mais, Baumwolle, Soya) durch die transgenveränderten Sorten
  • monopolartige Abhängigkeit betroffener Landwirte auf der ganzen Welt und der teilweise damit einhergehenden Zerstörung von ländlichen Gesellschaften

Ich möchte nicht pauschal über die Methoden von renditeorientierten Konzernen urteilen, aber der Film zeigt sehr anschaulich, welche traurigen Auswirkungen die hässliche Fratze der menschlichen Gier für viele Landwirte weltweit haben kann und hat.

Ein weniger waghalsiges und vorschnelles Vorgehen mit einer so komplizierten und mächtigen Technologie wie der grünen Biotechnologie wäre sowohl für die Verbraucher, als auch die mittelfristige Entwicklung der Technologie gesünder und nachhaltiger. Die Biotechnologie und speziell die Grüne Gentechnik hat das Potential die Erträge von Ackerpflanzen (auch Energiepflanzen) zu verbessern und gleichzeitig die Kosten zu verringern. Die Vorteile und Möglichkeiten dieser Technologie sollten aber noch viel stärker wissenschaftlich und in kleinerem Maßstab erprobt werden, bevor die GVOs weitläufig (aktuell schon auf über 100 Millionen Hektar weltweit) angewandt werden.

1. Teil von der Dokumentation „Monsanto – mit Gift und Genen“

Grüne Gentechnik ist ein Thema, welches zu Recht sehr heiß diskutiert wird und starke Emotionen zwischen Hoffnung, Neugierde, Ablehnung und Wut auslöst. Wenn ihr eine bestimmte Meinung zur Biotechnologie oder grünen Gentechnik speziell habt, dann teilt sie doch in Form eines Kommentars.

About the Author:

Ron "BiomassMuse" Kirchner ist Umweltingenieur, Fachjournalist und WebDesigner. Eine für BiomassMuse nützliche Mischung, da diese einen unabhängigen Schreibstil unterstützt. Aus der Hauptstadt schreibt er über den Einsatz der gasförmigen, flüssigen und festen Bioenergie im Strom-, Wärme- und Kraftstoffmarkt. Außerdem engagiert er sich gemeinsam mit anderen Energiebloggern für das Gelingen einer bürgernahen und ganzheitlichen Energiewende.

3 Comments

  1. Party 11. Januar 2010 at 15:23

    Danke für deinen ausführlichen Artikel und den Arte Beitrag!

  2. RonKir 10. Januar 2010 at 16:43

    Danke für den inspirierenden Kommentar eines Kenners und den Hinweis auf die beiden Institute. Das in dem Film kaum ein gutes Wort FÜR die Grüne Gentechnik gebracht wird, die immerhin auch dabei Helfen kann einige Probleme der aktuellen Welternährung zu lösen, fand ich auch etwas schade. Ist aber wahrscheinlich sehr schwer bei den schlimmen Beispielen von abhängigen Landwirten und Krankheitsfällen, die Marie-Monique Robin gesammelt hat, an die potentiell zu negativen Auswirkungen eines etwas einseitigen Films für die gesamte Gentechnik zu denken.

    Der Film ist wahrscheinlich hauptsächlich ein Warnruf, dass man aufpassen und aktiv werden sollte, dass Monsanto nicht mittelfristig zu einem zu starken globalen Monopolisten für gentechnisch verändertes Saatgut wird und damit das Schicksal von Landwirten in Entwicklungsländern komplett in den Händen eines großen Konzerns liegt. Das muss aber durch wirtschaftsrechtliche Schritte erreicht werden und sollte unabhängig von den Verfahren der grünen Gentechnik beurteilt werden.

  3. Sebastian 10. Januar 2010 at 12:01

    Sehr schön und differenziert geschrieben, danke!

    Während Monsanto tatsächlich eine hässliche Vergangenheit und eine schlechte und teilweise auch fragwürdige Kommunikationspolitik hat ist der Film „Monsanto mit Gift und Genen“ mit vielen Wissenschaftlichen Fehlern behaftet.

    Das Standard-Argument „Wir brauchen noch mehr Forchung“ wird von der Mehrheit der Forscher nicht geteilt. Wer mehr wissen will sollte sich die Risikoforschung der EFSA, des Julius-Kühn-Instituts oder zahlreicher anderer Wissenschaftler ansehen. Bis auf Einzelmeinungen ist die Mehrheit sich einig: Die zugelassenen Produkte sind für die Gesundheit sicher – und Monokulturen kein GMO begründetes Problem…

    Unwissenschaftliches, aber begründetes Argument: In den USA wo so viel geklagt wird und Millionensummen durch Produkthaftung gezahlt werden – hätte es nicht schon mal einen bekannt gewordenen Fall gegeben, wenn es wirklich so gefährlich wäre wie behauptet?

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