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Erst vor wenigen Tagen wurde mit dem Bau der modernsten Biogasanlage Deutschlands zur Vergärung von Bioabfall in Berlin begonnen. Nun zieht in Berlin auch die Entwicklung der Bioenergie aus fester Biomasse nach. Die Vattenfall Wärme AG beginnt mit dem Umbau ihres ersten Heizkraftwerks für den Einsatz von Biomasse im Norden Berlins.

Vattenfall, Berliner Senat und Gesobau legen Grundstein für erstes Biomasseheizkraftwerk in Berlin

Auf dem obigen Foto ist der historische Moment der Grundsteinlegung für das Biomasseheizkraftwerk (BMHKW) festgehalten. Von links nach rechts setzen Frank Balzer (Bezirksbürgermeister von Berlin-Reinickendorf), Katrin Lompscher (Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz), Wolf-Dietrich Kunze (Vorstand der Vattenfall Wärme AG) und Jörg Franzen (Vorstand der Wohnungsgesellschaft Gesobau) den symbolischen ersten Stein für das moderne Heizkraftwerk mit regenerativem Brennstoff.

Mit diesem ersten Schritt für die Umstellung des Berliner Kraftwerksparks in Richtung regeneratives Zeitalter wird auch ein wichtiger Beitrag zur Erfüllung der Klimaschutzvereinbarung geleistet, die 2009 zwischen Berlin und Vattenfall geschlossen wurde. Demnach sollen die CO2-Emissionen im Jahr 2020 nur noch die Hälfte von denen im Jahr 1990 freigesetzten Mengen ausmachen.

Außerdem haben sich die Stadt Berlin und Vattenfall im Frühjahr 2011 geeinigt, dass nur Biomasse zur Energieversorgung verwendet werden soll, die in nachhaltiger Forstwirtschaft gewachsen ist.

In einem älteren Artikel wurde schon auf die gemeinsamen Anstrengungen zum Klimaschutz von Vattenfall und der Stadt Berlin eingegangen. In diesem Artikel werden auch die Potentiale und die Kritik an der Biomasse-Strategie von Vattenfall benannt.

Biomasseheizkraftwerk Märkisches Viertel in Berlin-Reinickendorf

Was bedeutet die Grundsteinlegung? Wird im Märkischen Viertel (MV) ein neues Kraftwerk gebaut?

Es wird kein neues Kraftwerk gebaut, sondern das bestehende und mit Erdgas befeuerte Fernheizwerk Märkisches Viertel im Bezirk Berlin-Reinickendorf wird auf Biomasse (Holzhackschnitzel) umgestellt. Die verfahrenstechnisch notwendigen Änderungen werden in das bestehende Gebäude integriert, so dass 30.000 Wohnungen, Industriebetriebe und öffentliche Einrichtungen schon ab den Wintermonaten 2012/ 2013 durch ein Biomasseheizkraftwerk mit Wärme und Warmwasser versorgt werden können.

Für die Umstellung auf ein Biomasseheizkraftwerk mit einer Leistung von 18 MW thermisch und 5 MW elektrisch wird Vattenfall 35 Millionen Euro investieren. Wie die Bezeichnung „Heizkraftwerk“ schon verrät, wird das Kraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) betrieben, um gleichzeitig und energieeffizient Strom und Wärme zu erzeugen.

Weitere Informationen zum Fernheizwerk Märkisches Viertel erhalten Sie auf der Internetseite des Kraftwerks.

Mitverbrennung von Holzpellets im Vattenfall-Kraftwerk Reuter West

Eine weitere Möglichkeit zum Einsatz von Biomasse ist deren Mitverbrennung („Co-firing“) in bestehenden Kohlekraftwerken.

Die Mitverbrennung von Holz ist eine vergleichsweise kostengünstige Maßnahme, um bei der Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzusteigen. Dabei kann der Kohlenstoffdioxidausstoß Berlins gesenkt und trotzdem die von den Berliner Stromkunden seit Jahrzehnten finanzierte Kraftwerkspark-Infrastruktur weiter genutzt werden.

In einem Artikel von Peter Focht („Holzfeuer im Vattenfall-Kraftwerk“, 15.August 2011) in der Zeitschrift Energie & Management wird Hans Dieter Hermes, Leiter der Biomasse-Entwicklung bei Vattenfall in Berlin, zu diesem Thema befragt.

Vattenfall hat nach zahlreichen Protesten auf den Bau eines weiteren Steinkohlekraftwerks in Berlin verzichtet und setzt stattdessen auf die Mitverbrennung von Biomasse. Während einer Testphase Anfang Juli im größten Berliner Heizkraftwerk Reuter West (726 MWth und 510 MWel) wurden schon 4000 t Holzpellets als Brennstoff getestet. Zukünftig sollen energiedichte Holzpellets angeliefert, in einer Kohlemühle zu feinem Staub zermahlen und anschließend gemeinsam mit Steinkohlestaub verbrannt werden.

Durch den hohen Energiegehalt von Holzpellets (5 x höherer Energiegehalt/ Volumen als Hackschnitzel) kann die Klimabilanz beim Transport des Brennstoffs deutlich verbessert werden.

Im Steinkohle-Heizkraftwerk Moabit wird schon seit 2010 auf die Mitverbrennung von Biomasse gesetzt. Dabei werden bisher 12 % der erzeugten Energie des Kraftwerks durch das Co-Firing von 45.000 t an Hackschnitzeln erreicht.

Märkisches Viertel wird Deutschlands größte Niedrigenergiesiedlung

„2015 wird das Märkische Viertel Deutschlands größte Niedrigenergiesiedlung sein!“

Mit dieser Aussage zeigt Jörg Franzen, Vorstand der Gesobau, welche Dimension die Modernisierung des Märkischen Viertels einnimmt. Die Nutzung erneuerbarer Bioenergie wird eine CO2-neutrale Energiebilanz des Märkischen Viertels in wenigen Jahren ermöglichen.

Die Gesobau investiert rund 500 Millionen Euro in die Sanierung von 13.000 Wohnungen im Märkischen Viertel. Mit diesem Investitionsvolumen ist das märkische Viertel außerdem das größte Modernisierungsprojekt einer Großwohnsiedlung in Europa. Die Investitionen sind dabei aber nicht ausschließlich auf die Optimierung der Energiebilanz der Wohnsiedlung ausgelegt, sondern dienen allgemein der Verbesserung des Lebensraums „im MV“.

Ich bin gespannt, wie sich das Märkische Viertel und die Energieversorgung Berlins in den kommenden Jahren verändern werden. Was denken Sie über den Einsatz von Biomasse als Energieträger?