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Traktor landwirtschaftWas können Biokraftstoffe? Können Sie Tank und Teller? Oder sind die Biokraftstoffe im Tank für den Hunger in vielen Ländern dieser Erde verantwortlich zu machen? Seit die Pläne der EU-Kommission, die Förderung von Biokraftstoffen zu ändern, bekannt geworden sind, wird wieder heftig und kontrovers diskutiert. Doch in der Debatte geht eine der wesentlichsten Fragen für jetzt und für die Zukunft unter und die lautet: Wer produziert unsere Lebensmittel und zu welchem Preis? Lutz Ribbe, Naturschutzpolitischer Direktor von EuroNatur und Manager im ZIM-NEMO Netzwerkprojekt agrarANTRIEB, hat hier eine klare Position:

„Wir brauchen Pflanzenölkraftstoffe im Tank der Traktoren, damit die Nahrung für den Teller produziert werden kann. Wir nennen das: Teller durch Tank.“ – Lutz Ribbe, agrarANTRIEB

Der Einsatz von reinen Pflanzenölkraftstoffen sei die einzig denkbare Alternative zum mineralischen Diesel in der Land- und Forstwirtschaft wie auch in anderen umweltsensiblen Bereichen. „Unter Hunger und Armut leiden jene Länder, die bereits heute keinen Zugang zum fossilen Öl haben“, sagt Ribbe. Angesichts zunehmender Knappheit und damit verbundener Teuerungsrate wird sich deren Zahl noch weiter erhöhen. Was läge da näher, als den Kraftstoff auf den eigenen Feldern zu erwirtschaften? Überall auf der Welt, auch in den ärmsten Ländern, können einfache, kleine Stoffkreisläufe beim Anbau der Ölsaaten und Verarbeitung zu kaltgepressten, reinen Ölen geschaffen werden. So können die Menschen dort teilhaben an dem, was in den reichen Industrienationen längst alltäglich geworden ist: eine gesicherte Ernährung von Mensch und Tier.

Auch für die stellt sich die drängende Frage, wie sie angesichts der knapp und teuer werdenden Ressource Öl ihre Daseinsfürsorge aufrechterhalten wollen. Welche Alternativen gibt es, wenn nicht die Rückkehr zur Muskelkraft von Mensch und Tier angestrebt werden soll? Für die Futtermittelerzeugung der Zugtiere wurden einst rund 25 Prozent der Ackerfläche gebraucht. In der modernen Landwirtschaft steckt das Pferd im Traktor und braucht bedeutend weniger. Der Energiepflanzenanbau für den land- und forstwirtschaftlichen Kraftstoffbedarf bedarf etwa zehn Prozent der Ackerfläche. Zwei Drittel dieser Ernte wandern als hochwertiger Eiweißpresskuchen in den Futtertrog und ersetzen Importe z. B. aus Übersee. Für die reine Ölerzeugung reichen somit drei bis vier Prozent der Fläche aus. Die deutschen Landesagrarminister haben das große Potential der reinen Pflanzenölkraftstoffe in umweltsensiblen Bereichen erkannt und bitten das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) um Unterstützung durch Steuerbefreiung und Förderprogramme. In Niederösterreich ist man schon einen Schritt weiter. Dort hat die Landwirtschaftskammer im September ein 100-Pflanzenöltraktoren-Förderprogramm aufgelegt, die Ausweitung auf Gesamtösterreich ist in Vorbereitung.

„Pflanzenölkraftstoffe in umweltsensiblen Bereichen sind gelebter Umwelt- und Klimaschutz.“ – Ribbe

Das ist für die Pflanzenölbranche wie auch für den Naturschutz ein sehr wichtiges Signal. Angebaut im ökologisch-nachhaltigen Mischfruchtanbau und mit abgestecktem Mengenbedarf, leisten sie einen wesentlichen Beitrag zum Flächenschutz und zur Biodiversität. Davon profitieren Flora und Fauna sowie die Landwirte, die krisensicher und unabhängig Lebensmittel, Kraftstoff und Tierfutter produzieren. Die Verarbeitungsstruktur in dezentralen Ölmühlen stärkt den Mittelstand und die Wertschöpfung in den Regionen. Kurze Transportwege sowie die sehr gute Treibhausbilanz der Pflanzenölkraftstoffe schonen das Klima. Für eine nachhaltig-ökologische Produktion in der Land- und Forstwirtschaft und Sonderbereichen wie zum Beispiel Wasserschutzgebiete ist die verfügbare Anbaufläche ausreichend. Fragen nach der Verantwortung für Regenwaldabholzungen, steigende Nahrungsmittelpreise und zunehmende Flächenkonkurrenz lösen sich somit auf. Der Einsatz von reinen Pflanzenölkraftstoffen in umweltsensiblen Bereichen löst nicht die Probleme unseres globalen und gewaltigen Energiebedarfs. „Aber es ist die Lösung für einen Teilbereich. Die Erhaltung und Schaffung der Ernährungssicherheit ist garantiert kein Luxusproblem.“

Vielen Dank an Irene Beringer für den Gastbeitrag über Pflanzenölkraftstoffe. Frau Beringer ist Journalistin und für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Netzwerk agrarANTRIEB verantwortlich.

Im folgenden Kurzfilm wird das Prinzip von agrarANTRIEB vorgestellt.