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Wenn ein Schiff untergeht, dann kann man der schiffbrüchigen Crew im ersten Schritt mit Rettungsringen und Schlauchbooten helfen. Um die Crew wieder ihrer bisherigen Tätigkeit nachgehen zu lassen, benötigt diese aber ihr altes, bzw. ein neues Schiff. Bildhafte Vergleiche hinken immer ein Stück weit, aber das Wachstumsbeschleunigungsgesetz hat auf die Biokraftstoffbranche vor allem die Wirkung eines Rettungsrings, welcher die Branche vor dem Ertrinken bewahrt.

Wie soll es aber politisch gesehen mit der Branche weitergehen? Möchte man die bisherige Biokrafstoff-Crew, welche in den letzten Jahren mehrere große Stürme (hier zum Artikel) erlebt und viele Erfahrungen gemacht hat, mit Hilfe von steuerlichen Subventionen (Investitionen) für eine neue Expedition unterstützen oder warten bis sich die Fachkräfte notgedrungen anderen Dingen zuwenden?

Wachstumsbeschleunigungsgesetz

Die Wirkung des Wachstumsbeschleunigungsgesetz für Biokraftstoffe ist, dass die Steuerabgabe für Bioreinkraftstoffe (B100, Pflanzenöle) bis 2012 bei 18 cent/ Liter stabilisiert und nicht wie bisher geplant erhöht wird. Im Vergleich mit der aktuellen Absatzsituation wird dadurch vermutlich kein neues Wachstum entstehen, aber verglichen mit dem zukünftigen Szenario der Steuererhöhung wird der Absatz auch nicht noch weiter abnehmen.

Brandenburg und Bayern

Die Enttäuschung bei Produzenten und Vertreibern von Bio-Reinkraftstoffen ist groß, denn noch vor 2 Monaten war die Hoffnung auf eine echte Belebung des Marktes durch eine Verringerung der Steuer auf 8-10 cent/ Liter berechtigt und sehr groß. Bundesländer wie Brandenburg und Bayern hatten sich für eine stärkere Reduzierung der Steuer stark gemacht, konnten sich aber im Bundesrat mit diesem deutlichen Anschub für die Branche noch nicht durchsetzen.

Der aktuelle politische Stand ist, dass es im Laufe des Jahres zu einer weiteren Überarbeitung der Besteuerung von Biokraftstoffen kommen soll. In einem solchen Fall kann mit einer Reduktion des Steuerbetrags bis auf die Hälfte (8-10 cent/Liter) gerechnet werden.

Fazit

Ich glaube, dass das Wachstumsbeschleunigungsgesetz und das Bemühen einiger Bundesländer zeigt, dass die großen Chancen der Branche erkannt und mittelfristig auch realisiert werden. Während der letzten Jahre musste die Branche durch so viele moralisch zermürbende Diskussionen hindurch  (die meist nicht durch politische Maßnahmen ausgelöst wurden!), dass vielen Politikern vermutlich aktuell noch der Mut oder das Vertrauen fehlt, in diese Branche zu investieren.

Natürlich kann man über das politische Gewicht und die Einflussnahme der Erdöl-Lobby enttäuscht oder verärgert sein, aber das hilft der Biokraftstoff-Branche nicht. Biokraftstoffe sind über die nächsten Jahrzehnte betrachtet ein vernünftiger und sicherer Weg eine wirtschaftliche akzeptable und ökologisch nachhaltige Mobilität zu gewährleisten. Diese Alternative wird sich mittelfristig auch politisch ihren Weg bahnen.

Wenn dann in 40 Jahren die Elektromobilität soweit sein sollte, dass sie die Biokraftstoffe wirklich ersetzen kann, dann wäre es für die Branche genauso Zeit, wie heute für die erdölbasierten Kraftstoffe langsam den Weg frei zu machen. Das steht meiner Meinung nach auch nicht zwangsläufig im Konflikt mit den Interessen der großen Konzerne der Petroindustrie, die sich mittelfristig wandeln und ihre Strukturen und Know-how im Bereich der regenerativen Kraftstoffe anwenden werden.

Die Frustration im Bereich der Biokraftstoffe ist groß, wenn man die Entwicklungen der letzten Jahre als Betroffener miterlebt hat. Bezogen auf die Entwicklung einer ganzen Branche sind aber 2 Jahre nicht viel. Die Krisen wurden sehr gut genutzt und meinem Gefühl nach sind keine fundamentalen  Probleme mehr am Horizont zu erkennen und eine ruhigere See ist in Sicht. Diese Überzeugung basiert nicht auf blindem Optimismus, sondern auf einem rationalen Abwägen der mir bekannten Fakten und Szenarios.