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Es ist soweit und das erste Zertifizierungssystem für nachhaltig produzierte Biomasse erreicht die Praxis. Während der letzten Jahre hat vor allem die Biokraftstoffbranche darunter gelitten, dass in einigen Regionen weltweit (z.B. Borneo und Paraguay) für die Produktion von Treibstoffen aus Biomasse große Flächen Urwald abgeholzt und dafür  Ölpalmen angebaut wurden. Der ökologische Ruf des regenerativen Energieträgers Biomasse wurde durch diesen Raubbau natürlich gefährdet. Diese Situation zu ändern, hat sich der neu gegründete und international tätige Verein ISCC auf seine Agenda geschrieben.

Deutschland ist das erste Land, welches die EU-Richtlinie 2009/28/EG (link) mit Hilfe der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung auch in nationales Recht umgesetzt hat. Die rasche Geschwindigkeit des Vorgehens wurde von Einigen kritisiert, z.B. der UFOP (link), weil unter anderem befürchtet wurde, dass deutsche Unternehmen dadurch einem Wettbewerbsnachteil unterliegen könnten. Andere sahen diese Vorreiterrolle eher positiv, weil sie die Zielstrebigkeit Deutschlands in Umweltschutzfragen betone. Beides ist sicher nicht falsch.

Die Entwicklung der Biokraft-NachV sieht auch das Schaffen von Zertifizierungssystemen vor, welche die Nachhaltigkeit der Biomasseproduktion über die gesamte Wertschöpfungskette beobachten und anzeigen soll.  Um ein solches System zu entwickeln, hat sich der Verein International Sustainability and Carbon Certification (ISCC) am 26.01.2010 offiziell in Berlin gegründet. Das von den verschiedenen Mitgliedern des ISSC schon während der letzten Jahre entwickelte Zertifizierungssystem (das erste seiner Art) ist von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Ende Januar anerkannt worden und kann seine Arbeit aufnehmen.

Die Entwicklung des internationalen Projekts läuft schon seit vier Jahren, wobei während dieser Zeit Testläufe in mehreren Anbauregionen und Agrarmärkten absolviert wurden. So konnten Erfahrungen in Bezug auf Schwächen und Stärken eines möglichen Zertifizierungssystems gemacht und in der jetzigen anerkannten Fassung berücksichtigt werden. Das Know-how von ca. 200 Einrichtungen und Institutionen ist während der Entwicklung zusammengeflossen.

Das Zertifizierungssystem soll Biokraftstoffe und flüssige Biomasse zur Stromerzeugung kennzeichnen. Die nationale und internationale Zertifizierung von nachhaltig gewonnener Biomasse bei der Produktion beginnend, über den Handel, bis hin zur Verarbeitung der Biomasse ist das Hauptanliegen des ISCC. Die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien (link) zu kontrollieren und die Zertifikate auszustellen ist dann die Aufgabe der zuständigen Zertifizierungsstellen und nicht des ISCC.

Ausgewählte Inhalte der Internetseite des ISCC

Ich habe die Internetseite des ISCC etwas genauer unter die Lupe genommen und probiert wie weit der Online Service schon frei geschaltet ist.

Der Internetauftritt des ISCC richtet sich vor allem an Erzeuger, Hersteller und Zertifizierungsstellen und informiert ausführlich über das Zertifizierungssystem.

Ziel des ISCC ist, dem Käufer und Verbraucher von Biomasse mehr Transparenz und Qualitätsmanagement anhand international gleicher Standards zu ermöglichen und eine rechtlich abgesicherte Produktion, Verarbeitung und Nutzung von Biomasse und Bioenergie zu gewährleisten.   In dieser Funktion wird es auch von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) gefördert.

Diese weiteren Informationen können auf der Internetseite gewonnen werden:

1. Ziele des ISCC:

  • Verringerung der Produktion von Treibhausgasen bei der Energiegewinnung
  • nachhaltige Bewirtschaftung der Flächen
  • Schutz von Ökosystemen (Regenwäldern)
  • mehr Transparenz für Käufer und Verbraucher von Biomasse

2. Angaben zu den Abläufen der Zertifizierung

Genaue Informationen zum Ablauf gibt es auf der Internetseite des ISCC.

3. Mitgliederverzeichnis des ISCC

Beispiele: WWF in Berlin, Institut für Weltwirtschaft in Kiel und Mannheim Biofuel GmbH

4. Termine für Seminare  zum Zertifizierungsvorgang

5. Datenbank der Zertifizierungsstellen

war heute (14.2) noch nicht frei geschaltet

Eine weitere Organisation, welche auf ökologische Zertifizierungssysteme spezialisiert ist und mit welcher auch der ISCC eine enge Zusammenarbeit anstrebt, ist die ISEAL Alliance (link)

Mein Fazit zu den Chancen und Problemen eines Zertifizierungssystems für nachhaltig gewonnene Biomasse gibt es hier.