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Buch EEG NovelleDie beiden größten Biogasverbände Deutschlands haben trotz der gestiegenen und kürzlich bekanntgegebenen EEG-Umlage für das Jahr 2013 (auf 5.277 Cent je Kilowattstunde) ihr Festhalten am Erfolgsmodell EEG unterstrichen. Das von der FDP in die Diskussion gebrachte Quotenmodell sieht vor allem der Biogasrat als Rückschritt. Allerdings betonen sowohl der Biogasrat, als auch der Fachverband Biogas, dass eine weitere Novellierung des EEG notwendig ist, um den zukünftigen Ausbau der erneuerbaren Energien vernünftig zu gestalten. Beide Verbände unterstützen die Vorschläge und Herangehensweise von Bundesumweltminister Peter Altmaier zur Novellierung des EEG. Welche konkreten Vorschläge und Forderungen die Interessenvertreter der gasförmigen Bioenergie in Deutschland für den weiteren Fortgang der Energiewende mitbringen, erfahren Sie in den aktuellen Verbandsmitteilungen.

Fachverband Biogas: Neuregelungsvorschlag zum EEG bietet Chancen für eine Evolution

Der folgende Text entstammt einer Pressemitteilung des Fachverbands Biogas vom 12.10.2012.

Der Fachverband Biogas e.V. begrüßt, dass die Bundesregierung mit dem am Donnerstag von Umweltminister Peter Altmaier vorgestellten „Verfahrensvorschlag zur Neuregelung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG)“ erstmals ein Verfahren zur konkreten Umsetzung der Energiewende vorschlägt. „Es ist gut, dass sich Altmaier im Papier eindeutig zum Erfolgsmodell EEG bekennt“, sagt Claudius da Costa Gomez, Geschäftsführer des Fachverbandes Biogas. „Dass dieses Bekenntnis unmittelbar vor der am kommenden Montag erwarteten Vorstellung der neuen Zahlen zur EEG-Umlage erfolgt, ist ein wichtiges Zeichen für die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte EEG“, urteilt der Verbandsgeschäftsführer. „Wir erwarten allerdings auch, dass der Minister in der kommenden Woche deutlich macht, wie sich die Umlage derzeit zusammensetzt und wie er die allseits bekannten Ungerechtigkeiten im Umlagesystem des EEG ändern will, damit die Kosten der Energiewende gerecht auf allen Schultern verteilt werden“, fordert da Costa Gomez.

Viele der Aussagen in dem Verfahrensvorschlag sind nach Ansicht des Fachverbandes Biogas richtig und unterstützenswert, allerdings sieht der Verband auch einige Grundelemente des EEG gefährdet. So ist das „Festschreiben der Marktfähigkeit“ von Erneuerbaren Energien zwar ein Ziel, dass sich alle Akteure wünschen, dass sich aber mit den geltenden Marktmechanismen nicht umsetzen lässt. „Ohne ein funktionierendes Marktsystem, in dem die externen Kosten konventioneller Energien angemessen integriert werden, spiegeln sich wesentliche Werte der Erneuerbaren Energien nicht in den Märkten wider. Dies führt zu der bekannten Kostenschere zwischen konventionellen und Erneuerbaren Energien“, erläutert da Costa Gomez. „Da hilft auch der mantraartig wiederholte Ruf nach der Marktfähigkeit nicht. Solange die Ökonomen kein praktikables System zur Internalisierung der externen Umweltkosten liefern wird es die Markfähigkeit der Erneuerbaren Energien nicht geben“.

Eine weitere Gefahr in den vom Umweltminister genannten Reformen sieht der Fachverband in der vorgeschlagenen „Abstimmung des Ausbaus der Nutzung Erneuerbarer Energien mit dem Netzausbau und der Situation konventioneller Energien.“ „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des EEG ist der Vorrang Erneuerbarer Energien beim Netzanschluss. Auch der Netzausbau hat den Anforderungen der Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien zu folgen. Dieses Prinzip darf nicht aufgegeben werden, sonst wird die ganze Energiewende gefährdet“, warnt da Costa Gomez. Zwar erkennt auch der Fachverband Biogas, dass der Stromnetzausbau gewissen Hemmnissen unterliegt. Nachdem die Stromnetzbetreiber den Netzausbau in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt haben, darf daraus aber nicht folgern, dass die Energiewende den Bedürfnissen der zentralisierten konventionellen Energiewirtschaft untergeordnet wird.

„Herr Minister Altmaier hat die Diskussion und das Ringen um die Geschwindigkeit des Erklimmens der nächsten Evolutionsstufe der Energiewende mit seinem Verfahrensvorschlag eröffnet. Wir sehen an seinem Vorgehen, dass er das Jahrhundertprojekt Energiewende ernst nimmt und freuen uns auf den angekündigten und hoffentlich konstruktiven EEG-Dialog“, sagt da Costa Gomez mit Blick auf die sicher intensiven Gespräche der nächsten Monate.

Biogasrat: Bundesumweltminister Altmaier hat EEG-Prozess vernünftig angelegt

Der folgende Text entstammt einer Pressemitteilung des Biogasrat e.V..

Der Biogasrat e.V. unterstützt den Verfahrensvorschlag von Bundesumweltminister Peter Altmaier zur Neuregelung des Erneuerbaren Energie-Gesetzes (EEG) im Grundsatz. Positiv ist aus Sicht des Verbandes, dass die System- und Marktintegration erneuerbarer Energien im Mittelpunkt steht und am Ziel von 80 Prozent grünem Strom bis zum Jahr 2050 festgehalten wird. Eine Festlegung zeitlicher und regionaler Zwischenziele, deren Orientierung am Tempo des Netzausbaus und die Verzahnung mit dem notwendigen Angebot fossile befeuerter Kraftwerke, sei vernünftig, so Reinhard Schultz, Geschäftsführer des Biogasrat+ e.V. Auch die Vermeidung regionaler Überforderungen durch einen zu dichten Anlagenbesatz oder kleinräumige Flächenkonkurrenzen seien wichtige Gesichtspunkte, die der Biogasrat+ unterstützt.

Reinhard Schultz hält eine starke Marktorientierung des neuen EEG für zwingend erforderlich. „Unser Vorschlag ist es, nur noch die abnehmenden Mehrkosten der Erneuerbaren Energien über eine Umlage zu finanzieren. Dadurch wird die Wettbewerbsfähigkeit der Erneuerbaren mit den konventionellen Energien hergestellt und Strompreise wieder am Markt gefunden. Gegebenenfalls muss eine Absicherung eines kleineren Teils des Finanzierungsrisikos für Neuanlagen erfolgen, insbesondere für mittelständische Betreiber.“ Ein solches Marktmodell würde auch zu Unternehmenskonzepten führen, bei denen die erneuerbaren Energien durch Kooperationen sich selbst stabilisieren, ist sich Schultz sicher. Biogas werde dabei eine bedeutende Rolle spielen können. Ein Quotenmodell, bei dem die Energieversorger verpflichtet werden, einen bestimmten Anteil ihres Stroms auf erneuerbarer Grundlage zu produzieren, lehnt der Biogasrat+ ab. „Ein Quotenmodell führt zur Vermachtung des grünen Strommarktes nach dem Vorbild des konventionellen Strommarktes, schränkt Wettbewerb ein und gibt mittelständischen Anbietern kaum eine Chance“, kritisiert Schultz einen der möglichen Lösungsansätze, der aber aus seiner Sicht in keiner der politischen Parteien mehrheitsfähig ist.

Der wildwüchsige Zubau volatiler erneuerbarer Energien sollte nach Auffassung des Biogasrat+ durchaus in geordnete Bahnen gelenkt werden. „Dies kann durch eine zeitliche und regionale Deckelung des Ausbaus erfolgen“, meint Reinhard Schultz. “Für Biogas- und Biomethan gibt es diese Notwendigkeit allerdings nicht. Im Rahmen der vorhandenen Potenziale dient die Erzeugung von Biomethan immer der Stabilisierung des Gesamtsystems und erfordert keinen zusätzlich Ausbau des Stromnetzes.“

„Die Biogasbranche will eine stabile und sichere Stromversorgung zu bezahlbaren Preisen“, unterstreicht Reinhard Schultz. Gleichzeitig fordert der Verband jedoch, dass die Energiewende als Ganzheit diskutiert und organisiert werde. „Wir brauchen auch vernünftige Rahmenbedingungen für den Wärmemarkt und für CO2-neutrale Mobilität.“

Der Biogasrat+ nimmt die Einladung von Bundesumweltminister Peter Altmaier an, sich an einem breiten Dialog über die zukünftige Energieversorgung und die Neuausrichtung des EEG zu beteiligen. Der Verband hofft, dass dieser Dialog weitgehend aus dem Bundestagswahlkampf herausgehalten werden kann, damit ein breiter parteienübergreifender und damit für lange Zeit stabiler Konsens nicht gefährdet wird. „Das Warten auf das neue EEG wird die Marktaktivitäten nicht unbedingt beflügeln. Deswegen ist es umso wichtiger, dass danach ein hohes Maß an Planungssicherheit garantiert wird“, betont Reinhard Schultz.