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ISCC,REDcert,FNR,Nachhaltigkeitsnachweis,Nabisy,NUTS2,Audit,Zertifizierung,Selbsterklärung,Zertifizierungssystem,MassenbilanzMitte der letzten Woche fand in Berlin eine Veranstaltung zum Thema „Nachhaltige Biomasse“ statt. Diese wurde von der FNR organisiert und hat über den Zertifizierungsprozess in der Praxis informiert. Ich habe die Veranstaltung besucht und werde im heutigen Artikel eine kleine Auswahl der besprochenen Ergebnisse geben. Der Fokus lag dabei im Spannungsfeld der in der Grafik gezeigten Parteien.

Auf der Seite der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) hat, wie so oft, Dr. Andreas Schütte durch die Veranstaltung geführt, welche von ca. 190 Teilnehmern besucht wurde.

Erste Erfahrung mit den Zertifizierungssystemen ISCC und REDcert

An dieser Stelle möchte ich auf einige Aussagen der Anbieter der Zertifizierungssysteme ISCC und REDcert, als auch auf die Erfahrungen einiger akkreditierter Zertifizierungsstellen eingehen. Dabei wurden zu Beginn jeweils von den Geschäftsführern der Gesellschaften ISCC (Dr. Norbert Schmitz) und REDcert (Peter Jürgens) die eigenen Systeme vorgestellt und die Rahmenbedingungen näher erläutert. Außerdem haben Auditoren der oben gelisteten Zertifizierungsstellen von ihren ersten Audit-Erfahrungen nach ISCC und REDcert berichtet.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die beiden bisher anerkannten Zertifizierungssysteme gut aufgestellt sind und einen möglichst einfachen und mit der Nachhaltigkeitsverordnung konformen Ablauf der Auditierung anstreben.

Auch der genaue Ablauf des Zertifizierungsvorgangs und der Erhalt eines Nachhaltigkeitsnachweises wurde vorgestellt und kann auf den Internetseiten der beiden Systeme nachvollzogen werden. Dort werden auch die Durchführung einer Massenbilanz und der Erwerb eines Nachhaltigkeitsnachweises beschrieben.

In den letzten Monaten wurden dabei ca. 260 Zertifikate nach dem REDcert System und 150 nach dem ISCC ausgestellt. Weiterhin wurden und werden Auditoren in Deutschland und weltweit nach beiden Systemen ausgebildet, um dem weiterhin sehr hohen Bedarf an Auditoren nachkommen zu können.

Fehlende Standartwerte und Ausfüllen der Selbsterklärung führen zu Startschwierigkeiten

Neben den positiven Entwicklungen gab es bei den ersten Zertifizierungen aber natürlich auch einige Probleme, die im Folgenden genannt werden sollen.

Als problematisch wurde sowohl bei den Systemanbietern, als auch bei den Zertifizierungsstellen das noch ungenügende Verständnis für die Rolle der Zertifizierungssysteme bei den betroffenen Unternehmen gesehen. Trotz einer hohen Rücklaufquote der auszufüllenden Selbsterklärung, gab es beispielsweise bei den Landwirten größere Verständnisprobleme und Unsicherheiten über die rechtlichen Auswirkungen einer ausgefüllten Selbsterklärung.

Weiterhin kam es während des Zertifizierungsprozesses zu Problemen, weil auf Grund noch fehlender Standartwerte für Energiepflanzen, die durch die Nachhaltigkeitsverordnung geforderte Berechnung der CO2-Bilanz nicht einheitlich durchgeführt werden konnte. Vor allem das bisherige Fehlen von NUTS2 Werten für Getreidearten wie Roggen, Gerste und Triticale wurde von mehreren Rednern genannt.

Außerdem wäre es bei einigen Begriffen (z.B. Grasland, Reststoff, Abfall) hilfreich eine detailliertere Definition zu erstellen, um in der Zertifizierungspraxis auf diese zurückgreifen zu können. Als abschließende Verbesserungsvorschläge möchte ich noch das Feedback der Auditoren nennen, dass eine weitere Feinjustierung der Zertifizierungsfristen und eine Anpassung der Toleranzwerte an den Händler-Schnittstellen nachgefragt wurde.

Ein verbreiteter Wunsch unter den Rednern war die Ausdehnung der Zertifizierung auch auf andere Biomasse-Nutzungen. So sollte nicht nur Biomasse für Bioenergie nach Nachhaltigkeitskriterien zertifiziert werden, sondern gleiche Anforderungen sollten auch für Biomasse als Baustoffe, Lebensmittel, Futter oder Chemikalie gelten.

Anfängliche Lieferengpässe für Biodiesel durch Zertifizierungsanforderungen befürchtet

Besonders hart trifft die ehrgeizige Zielsetzung einer zügigen Umsetzung der Nachhaltigkeitsverordnung in Deutschland die Biodieselsparte. Als Vertreter aus der Industrie war Martin Kropp von ADM als Redner geladen. Einige der zuvor genannten Kritikpunkte am Zertifizierungsprozess und vor allem der Zugang zu ausreichend zertifizierter Biomasse können den nach eigenen Angaben größten Biodiesel-Hersteller Deutschlands vor größere Produktionsprobleme stellen.

In diesem Zusammenhang wurde auch von einer Versorgungslücke für Biodiesel gesprochen, die auf Grund der Abhängigkeit von zertifizierten Rapsimporten  mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eintreten wird. Die entscheidende Frage sei an dieser Stelle vor allem, wie hoch die Versorgungslücke ausfallen werde, die auf Grund der Nachfrage der Mineralölindustrie zur Erfüllung der Beimischungsquote von Biodiesel erwartet werde.

Der Anstieg der Beimischungsquote von Biodiesel (Kraftstoff B7) im letzten Jahr ist auf der einen Seite eine große Freude für die Biodiesel-Brache, wird aber auf Grund der höheren Nachfrage nach zertifiziertem Raps wahrscheinlich auch zu Lieferengpässen führen.

Das Einhalten der mit den Mineralölkonzernen geschlossen Lieferverträge für Biodiesel, wird durch die Abhängigkeit von Raps-Importen stark gefährdet. Da im europäischen Ausland die Biomasse-Nachhaltigkeitszertifizierung meist noch vor der Umsetzung in nationales Recht steht, befürchtet ADM durch diesen Umstand das Entstehen einer großen Versorgungslücke für nachhaltiges Biodiesel. Ursache ist auch der hohe Bedarf an ausgebildeten Auditoren im Bereich der Biomasse-Zertifizierung.

Gleichzeitig betonte Herr Kropp aber auch, dass die durch die Administration zu tätigenden Änderungen, welche für die erfolgreiche Integration der Nachhaltigkeitskriterien in die Wirtschaft nötig seien, überschaubar und machbar sind. Großteils geht es hierbei um eine leichte Verlängerung von Fristen und einen flexibleren Umgang mit als  nachhaltig deklarierter Biomasse in der Anfangsphase.

Soweit ein Ausschnitt von der Veranstaltung, bei dem ich vor allen Dingen auf die vorhandenen Startschwierigkeiten eingegangen bin und eine Auswahl der präsentierten Verbesserungsvorschläge zusammengefasst habe. Wie kann die Nachhaltigkeit von Biomasse weiter gefördert werden?

Welche Erfahrungen haben sie gemacht?