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Wald3Kopenhagen, Tag 5. Heute steht eines der wichtigsten und umfassendsten Themen ganz oben auf der Agenda. Es ist der erste offizielle „Forest Day“. Nicht nur für die Biomasse-Nutzung stellt der Wald einen bedeutenden Teil dar, sondern auch für das Erreichen der Klimaschutzziele. Deshalb gibt es heute einen Artikel über den Wald und die Konflikte zwischen menschlicher Nutzung und Klimaschutz.

Natürlich gibt es nicht DEN Wald, sondern viele verschiedene Wald-Ökosysteme mit unterschiedlichen Strukturen, eigner Geschichten und Artenzusammensetzung. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Urwald und Forst. In Europa gibt es ja kaum noch echte Urwälder und die meisten Wälder werden bewirtschaftet und verdienen dementsprechend mehr oder weniger die Bezeichnung „Forst“.

Wälder als Kohlenstoffsenke

Da Wälder als riesige lebende Organismen (systemisch betrachtet) viel Kohlenstoffdioxid in Biomasse umwandelt, werden sie als wichtige Kohlenstoffsenke betrachtet. Diese Eigenschaft, welche auf den Photosynthese-Prozeß der Pflanzen zurückzuführen ist, trägt zur Stabilisierung des CO2 Gehalts in der Atmosphäre bei. Es ist sicher etwas fantasievoll von einer Dankbarkeit des Waldes zu sprechen, aber die Wälder finden den höheren CO2 Gehalt in der Atmosphäre wahrscheinlich erst mal nicht so schlimm und profitieren letztlich von der menschlichen Düngung mit dem Kohlenstoff.

Der britische Ökologe J.Lovelock würde innerhalb seiner Gaia-Theorie, mit ihrem recht spannenden Perspektivenwechsel, eine sehr inspirierende und logische Erklärung für den ökologisch folgenden Wandel auf einen Anstieg der CO2 Konzentration geben. Diese Weltsicht von einem sich selbst regulierenden Planeten mit Hilfe der Biosphäre ist intuitiv zu begreifen, aber auf Grund der Komplexität wissenschaftlich schwer zu beweisen.

Regenwald

Stoppt die Biomasse-Nutzung!?

Das ist natürlich etwas provokant formuliert und so strikt auch gar nicht denkbar. Aber sobald eine Diskussion in Richtung Abholzung von Regenwäldern geht, wird sie verständlicher Weise schnell emotional. Es hängt soviel an den Wäldern. Die Nutzung der Wälder beeinflußt die Menschen die aktuell in und von ihm Leben (die aber wahrscheinlich leicht zu verkraften wären), die Entwicklung der Volkswirtschaften in denen der Wald steht, für die Entwicklung des globalen Klimas und damit auch die nachfolgende Generationen. Und das ist noch eine sehr humanzentrische Betrachtung.

Vor allem der Anbau von Pflanzen (Ölpalme, Zuckerrohr) zur Produktion von Biokraftstoffen auf gerodeten Regenwaldflächen hat in den letzten Jahren für starke Diskussionen gesorgt, die in Deutschland zu politischen Maßnahmen (Biokraftstoff- und Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung) geführt haben. An dieser Stelle muss aber unbedingt vorsichtiger und differenzierter argumentiert werden, wenn man auf den Klimawandel reagieren will, aber trotzdem eine wirtschaftlich gerechte Entwicklung gewährleisten will. Das ist ein Kraftakt für alle Beteiligten, aber Biokraftstoffe einseitig zu verdammen, weil sie als schlimmer Downswing zur Abholzung von Regenwäldern führen, ist eine übertriebene Konsequenz die meiner Meinung nach die Potentiale dieser Technologie komplett ausblendet.

REDD

Der Wald war im Kyoto-Protokoll noch nicht bedacht und kam das erste Mal in Montreal (2005) auf die Agenda der UN. Die Idee des REDD Modells ist, daß der Fähigkeit zur CO2 Speicherung von Waldflächen ein Geldwert zugeordnet wird. REDD steht für „Reducing Emissions from Deforestation and Degradation“ und beschreibt das angestrebte Ziel die Zerstörung von Waldflächen zu Reduzieren. So stammen 20% der weltweiten CO2 Emissionen aus Brandrodungen von Wäldern!

Je nach Anwendung des REDD werden finanzielle Anreize oder Reglementierungen über Emissionszertifikate zum Schutz der Wälder, des Klimas und der Volkswirtschaften führen. Auf Grund der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung stoßen die Mechanismen des Modells auf zum Teil schwer zu vereinbarende Interessenkonflikte zwischen Entwicklungs- und Industrieländern. Eine weitere Einigung auf konkrete Parameter und den Ablauf von REDD soll die nächsten Tage in Kopenhagen erreicht werden. Vielleicht sollten die Länder auch besser in „Länder mit Regenwald“ und „ohne Regenwald“ unterschieden werden. Die Parteien können insofern gut ein Kompromiß finden, da die Reduktion von CO2 Emissionen über die Verhinderung von Waldrodungen eine der schnellsten und preiswertesten Maßnahmen pro reduzierte Tonne CO2 ist. Für weitere Informationen zum Thema gibt es einen schönen Artikel auf der Seite  Umweltforschungszentrums in Leipzig (UFZ).

Aktuell wird außerdem über Weiterentwicklungen von REDD gesprochen, die ganz im Zeichen unser computerunterstützten Welt als REDD+ und REDD++ bezeichnet werden. Auch Google beteiligt sich insofern direkt am Klimaschutz, als daß es eine Non-Profit-Software für Wissenschaftler zur Verfügung stellt, mit deren Hilfe die Entwaldung präzise beobachtet werden kann und aus den Daten effektive Vorgehensweisen abgeleitet werden können.

Ich drücke die Daumen, daß sich die Entwicklungsländer und Industrienationen auf der Konferenz einig werden und dem Wald eine führende Rolle beim Klimaschutz zuordnen. Es sollte bei den wirtschaftlich sehr attraktiven Vermeidungskosten möglich sein ein Kompromiß zu finden, mit dem alle Seiten zufrieden sind.

Photos Thanks to ***Mary***,vfowler