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Die wichtigste Funktion von Biomasse liegt in der Nutzung als Nahrungsmittel. Dazu gesellen sich die stoffliche Nutzung von Biomasse – zum Beispiel in Form von Holzbaustoffen oder Verpackungsmaterial – und die energetische Nutzung. Die energetische Nutzung reicht von der Verwertung von Biogas für Elektrizität und Wärme, der Gewinnung von Biokraftstoffen für Kraftfahrzeuge, als Energieträger für Pelletheizungen bis hin zur nicht ganz unumstrittenen Mitverbrennung in Kraftwerken.

Der Streit um Holz gewinnt an Schärfe

Biomasse mit ihren vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten ist gefragt wie nie zuvor.  Ebenso steigt das Bewusstsein für Probleme, die sich aus ihrer Nutzung ergeben. Die langjährige „Tank oder Teller“-Diskussion ist nur ein Aspekt des Biomassediskurses: auch Holz erlebt derzeit eine Renaissance, ob als Baustoff oder Träger der Holzenergie und auch hier verschärfen sich die Konflikte zwischen den Marktteilnehmern. An Holz hegen unter anderem die Papier- und Zellstoffindustrie, die Sägeindustrie, die chemische Industrie, die Holzwerkstoffindustrie und die Branchen, die Holz zur energetischen Nutzung be- oder weiterverarbeiten, wie die Pelletbranche, Interesse.

Auch innerhalb desselben Nutzungssegmentes, beispielsweise bei der energetischen Nutzung, entsteht Konkurrenz – nutze ich die Biomasse zur Gewinnung von Flüssigkraftstoffen (Biomass to Liquid – BtL), oder um Wärme und Strom in KWK-Anlagen zu erzeigen? Und nicht zuletzt bestehen begründete Ansprüche des Natur- und Umweltschutzes, mehr Waldflächen als bislang zu schützen.

Der Rohstoff Holz wächst nach – Biomasse ist ein nachwachsender Rohstoff (NawaRo), aber gleichzeitig immer nur in endlicher Menge auf dem Markt verfügbar, denn die Anbauflächen und Zuwachsraten sind begrenzt. Der Anspruchsdruck auf den Wald wächst also aus allen Richtungen und innerhalb dieses Spannungsfeldes muss eine tragfähige Lösung gefunden werden, mit dem alle Beteiligten – Produzenten, Industrie und schlussendlich auch das Individuum – leben können.

Foto Kaskadennutzung Holz

Wir müssen unsere Rohstoffe intelligenter nutzen

Instinktiv möchte man natürlich dazu raten,  den Verbrauch der genannten Rohstoffe zu senken. Dass der Verbrauch von Holz sinkt, ist angesichts der derzeitigen Lage allerdings sehr unwahrscheinlich. Der Verbrauch wird eher zu- als abnehmen. Aber zusätzlich möchte man sich nicht stärker von Importen aus anderen Staaten abhängig machen, als unbedingt geboten erscheint. Was kann man also noch tun?

Wir müssen die vorhandenen Rohstoffe nachhaltig, verschwendungsarm und vielgestaltig nutzen, in einem Wort: wir müssen intelligenter mit ihnen umgehen, auch abseits von Verwertungsinteressen. Es gilt, vorhandene Effizienzpotentiale zu heben, um die Konkurrenz zwischen den Akteuren zu senken und unsere Biomassepotentiale langfristig zu erhalten.

Drei Konzepte zur Mehrfachnutzung von Biomasse hat das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH in seinem „Wuppertal Paper: Kaskadennutzung von nachwachsenden Rohstoffen“ (Nr. 180, August 2009) skizziert:

  1. Pflanzenteile werden gegenüber dem Hauptprodukt anderweitig genutzt (Neben- und Koppelproduktnutzung)
  2. Pflanzenteile werden in energetische und stofflich nutzbare Produkte getrennt (parallele Nutzung eines Produktes)
  3. Derselbe Rohstoff wird erst stofflich, dann energetisch genutzt – Kaskadennutzung!  

 

Prinzip Kaskadennutzung Grafik

Kaskadennutzung steigert Flächen- und Ressourceneffizienz

Nummern 1 und 2 sind zwar gute Methoden, um der Verschwendung von Teilen der Biomassenutzung vorzubeugen, aber die Kaskadennutzung reicht weiter: der Ansatz bei der Kaskadennutzung besteht darin, Biomasse in Form einer Kette mehrmals und so oft wie möglich stofflich zu nutzen, anstatt sie nur einmal zu verwenden wie z.B. bei der direkten Scheitholzverbrennung. Beispielsweise könnte man nach der ersten stofflichen Nutzung per Recycling  bzw. Neubearbeitung des Rohstoffs noch mehrfache Nutzungen in den Lebenszyklus des Stoffes einfügen, bevor die energetische Nutzung erfolgt.

Ein Beispiel: Holz wird dem Wald entnommen und vorerst der stofflichen Nutzung zugeführt, zum Beispiel in Form eines Regals, das nach seiner Verwendung wieder dem Hersteller zur Neuaufarbeitung übergeben und neu verkauft wird.  Erst nachdem das Regal mehrmals den Besitzer gewechselt hat, wird der Rohstoff energetisch verwendet.

Auch Holzfaserdämmstoffe oder Holz als Baustoff verschieben die energetische Nutzung einer gegebenen Menge Holz in der Verwertungskette.  Am Beispiel „Hausbau“ wird deutlich, dass man eine bestimmte Menge Holz über Jahre oder gar Jahrzehnte stofflich nutzen kann, bevor man es zur Energiegestehung verwendet.

Auch unbedenkliche Althölzer aus dem Sperrmüll (Möbel usw.) können oft noch als Material für Spanplatten oder andere Produkte herhalten – zwischen der stofflichen Nutzung und der energetischen Nutzung sollten so viele Nutzungsschritte liegen wie möglich. Je mehr sinnvolle Zwischenschritte in die Nutzungskette eingefügt werden, desto besser fällt die schlussendliche Rohstoff- und Flächeneffizienz der Landnutzung aus – das Wertschöpfungspotential steigt.

Die Vorteile der Kaskadennutung: die Konkurrenz zwischen den verarbeitenden Branchen sinkt, der Rohstoff wird effizienter genutzt, aus den gegebenen Rohstoffen lässt sich also mehr machen und der Nutzungsdruck auf den Wald sinkt. Die Kaskadennutzung ist im Hinblick auf eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer natürlichen Ressourcen ein zentraler Baustein im Umgang mit Biomasse.

Ein alleiniger Ausweg aus der Rohstoffknappheit ist die Kaskadennutzung für sich genommen nicht: um neue technische, strukturelle und organisatorische Lösungen werden wir nicht herumkommen. Aber nur mit innovativen Konzepten wie der Kaskadennutzung können wir die Energiewende wirklich stemmen und eine krisenfeste und starke Energieerzeugung schaffen.

Thorben Frahm, Online Redakteur bei Heizungsfinder.de, Solaranlagen-Portal.com & Daemmen-und-Sanieren.de.