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Abgesehen von der politischen Förderung von Biomethan durch die von der Bundesregierung formulierten Einspeiseziele bis 2020, braucht es auch entsprechende Biomethan-Abnehmer und Maßnahmen der Industrie, um den Absatz an Bioerdgas in Deutschland anzuheben. Die auf der IAA 2011 vorgestellte Initiative Erdgasmobilität setzt an dieser Stelle an und zielt auf den Verkehrsbereich ab. Die Initiative Erdgasmobilität möchte den Erdgas und Bioerdgas-Anteil im Kraftstoffsektor bis 2020 verzehnfachen und von aktuell 0,3% auf 4% anheben.

Bioerdgas und fossiles Erdgas – ein starkes Team im Kraftstoffmarkt?!

Infrastrukturelle Rahmenbedingungen die den Energieträger Erdgas fördern, sind in der Regel auch förderliche für die „kleine Schwester“ Bioerdgas (siehe Artikel zu Bioerdgas). Deshalb kann sich Bioerdgas bis zu einem gewissen Grad von positiven Entwicklungen der Erdgasbranche mit tragen lassen.

Die ebenfalls zwischen dem fossilen und dem Bioerdgas vorliegende Konkurrenzbeziehung rückt somit in den Hintergrund und beide treten für das gemeinsame Ziele auf, eine größere Bedeutung am Kraftstoffmarkt einzunehmen. Biomethan ist hierbei das Öko- oder Luxusprodukt, während Erdgas als CNG (Compressed Natural Gas) die preiswerte, etabliertere und in großen Mengen verfügbare fossile Variante darstellt.

Gemeinsam sind Erd- und Bioerdgas ein dynamisches Duo. Zusammen bedienen sie sowohl die Kunden, die in erster Hinsicht auf der Suche nach einem günstigen Energieträger für das Strom-Wärme-Kraftstoffpaket sind (Erdgas), bieten aber auch eine Alternative für die Kunden, die ihren Energiebedarf sehr klimabewusst gestalten und die Energieproduktion am Standort Deutschland fördern möchten (Bioerdgas).

In Deutschland wird das Tanken von Erd- beziehungsweise Bioerdgas auf Grund seiner besseren (saubereren) Verbrennung, gegenüber Benzin oder Diesel, mit einer Steuervergünstigung bis 2018 belohnt. Daraus resultieren die etwa 30% geringeren Spritkosten beim Tanken von Erd- und Bioerdgas.

Initiative Erdgasmobilität hebt Erd- und Bioerdgas auf 4% bis 2020

Das erklärte Ziel der Initiative Erdgasmobilität ist es, sich dafür einzusetzen, den Anteil von Erdgas und Bioerdgas im deutschen Verkehrssektor bis 2020 auf 4% anzuheben. Für die Erreichung dieses Ziels haben sich am 14.09.2011 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) mehrere Akteure zur Initiative Erdgasmobilität zusammengeschlossen.

Einen Zusammenschluss von Unternehmen zur stärkeren allgemeinen Förderung von Biogas und Bioerdgas gab es schon für die Realisierung des zentralen Biogasregisters vor einem Jahr (siehe Artikel Biogasregister). Für die Initiative Erdgasmobilität haben sich hauptsächlich Fahrzeughersteller, Unternehmen der Mineralöl- und Gaswirtschaft, Unternehmen der Biogas- und Biokraftstoffbranche (Verbio AG) sowie der ADAC zusammengeschlossen, um so auch die Potentiale von Erdgas und Bioerdgas speziell im Verkehrssektor freizusetzen. Koordinator der Initiative ist erneut die Deutsche Energieagentur (DENA).

Absichtserklärung der Initiative Erdgasmobilität als Download (PDF)

Absichtserklärung der Initiative Erdgasmobilität

Unter anderem planen die an der Initiative Erdgasmobilität beteiligten Automobilhersteller Audi, Mercedes, Opel und Volkswagen in den kommenden Jahren neue Modelle mit Erdgasantrieb auf den Markt zu bringen, welche dann natürlich auch Bioerdgas tanken können.

Studie Erdgas und Biomethan im Kraftstoffmix

Die DENA hat außerdem im September eine aktualisierte Fassung ihrer Studie „Erdgas und Biomethan im künftigen Kraftstoffmix“ veröffentlich. In der Studie werden auf 38 Seiten der Handlungsbedarf und Lösungsansätze zur Beschleunigung der Etablierung von Erdgas und Bioerdgas im Verkehrssektor vorgestellt. Eine interessante Lektüre mit vielen Grafiken rund um den klimaschonenden Kraftstoff.

Die Studie steht als PDF auf der Internetseite der DENA zum Download bereit.

Grafik Initiative Erdgasmobilität Klimabilanz Biokraftstoffe

Grafik aus der DENA Studie über Erdgas und Biomethan im Kraftstoffmix

Investitionen in Infrastruktur von Bioerdgas notwendig

Jedes Erdgasfahrzeug kann theoretisch auch mit Bioerdgas betankt werden. Bioerdgas und fossiles Erdgas sind in ihrer chemischen Zusammensetzung identisch und stehen letztlich für die chemische Verbindung Methan.

Die qualitative und quantitative Entwicklung von Erdgasfahrzeugen und die Anzahl von Tankstellen die Bioerdgas anbieten, beeinflussen sich proportional. Ein dichteres Angebot an Tankstellen die den günstigen Kraftstoff Erdgas anbieten, wird den Verkauf von Erdgasfahrzeugen erhöhen, weil das Tanken bequemer wird.

Umgekehrt wird eine zunehmende Anzahl an Fahrzeugen die Bioerdgas tanken können und somit eine Nachfrage erzeugen, auch dazu führen, dass an Tankstellen mehr Bioerdgas angeboten wird.

Dieser Marktzusammenhang über Angebot und Nachfrage ist banal, bestätigt aber nochmal, wie wichtig der Ausbau und die Investitionen in die Infrastruktur sind, wenn wir mehr Bioerdgas im Verkehrssektor erreichen möchten.

An beiden Punkten setzt die Initiative Erdgasmobilität an. So sollen im Jahr 2020 etwa 1.4 Millionen Fahrzeuge in Deutschland mit Erdgas betrieben werden können. Aktuell sind es 90.000 angemeldete Automobile. Bezogen auf den Gesamtbestand an Autos in Deutschland (45 Millionen, Stand 2009) entspricht diese Menge einem Anteil von 3%.

Die Anzahl an Tankstellen, die im Moment schon ans Erdgasnetz angeschlossen sind und somit auch Bioerdgas als Kraftstoff anbieten können, liegt bei 900. In Zukunft soll ihre Anzahl auf 1.300 steigen und somit 10% des deutschen Tankstellennetzes umfassen.

Wenn bis 2020 nur 10% aller Erdgasfahrzeuge mit reinem Bioerdgas betankt werden, entspräche das immerhin schon einer Anzahl von 140.000 Autos die mit diesem klimafreundlichen und kostengünstigen Biokraftstoff fahren.

Ich wünsche der Initiative Erdgasmobilität viel Erfolg und hoffe, dass die Steuervergünstigungen für das Tanken von (Bio-)Erdgas zu einer Erfolgsgeschichte der Initiative und auch des Biokraftstoffs Bioerdgas beitragen.