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Es gibt viele spannende Klischees über die „Menschen vom Lande“ und die „Menschen aus der Stadt“. Einige davon mögen noch stimmen, Andere treffen in unserer mobilen und medial vernetzten Gesellschaft wahrscheinlich nicht mehr zu. Für den Erfolg der modernen Ziele der Landwirtschaft (z.B. als Rohstofflieferant und beim Klimaschutz) sind aber das Verständnis und die Akzeptanz in der gesamten Gesellschaft wichtig.

Die Fördergesellschaft für nachhaltige Landwirtschaft setzt an diesem Punkt an und präsentiert sich auf der diesjährigen Grünen Woche mit einer Ausstellung zum Thema “Landwirtschaft und Klimawandel”. Außerdem wird mit einem „ErlebnisBauernhof“ auf einem 6000m2 großen Areal auch den jüngeren Gästen der Stadt gezeigt, dass Kühe riesig sein können und nur selten pink sind.

Ich finde die thematische Zusammenstellung dieses Konzepts sehr schön, welches alltägliche Prozesse der Landwirtschaft spielerisch erleben lässt und sich gleichzeitig den abstrakten Zusammenhängen und Problemen der Landnutzung stellt. Politiker, Landwirte und Verbraucher sind gleichermaßen anwesend und können gemeinsam Diskutieren. Projekte dieser Art können den Wahrnehmungswandel der Landwirtschaft beschleunigen.

Mein Studium und ein halbes Jahr in einem landwirtschaftlich tätigen Betrieb des NABU  auf Fehmarn waren für mich als gebürtiger Berliner eine ganz besondere Erfahrung, die mir für viele Dinge erst Augen, Ohren und Nase geöffnet hat.

Zu einer nachhaltigen Biomasse-Nutzung gehört an erster Stelle der Wirtschaftskette natürlich die Landwirtschaft, welche die Produktion der Biomasse großflächig ermöglicht. Ob in ihrer  klassischen Funktion als Hersteller von Lebensmitteln oder in ihrer steigenden Bedeutung als Lieferant von nachwachsenden Rohstoffen für die stoffliche und energetische Nutzung von Biomasse, berührt die Landwirtschaft viele gesellschaftlich sehr aktuelle Themen (Energiewandel, Ressourcenwandel, Klimaschutz, Ernährungssicherheit).

Großstädter und ihr Verständnis für die moderne Landwirtschaft

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Kontakt mit den Prozessen der Landwirtschaft für viele Großstädter nicht selbstverständlich und manchmal etwas märchenhaft und wenig konkret ist. Vor allem für das Vertrauen in technologisch anspruchsvolle Themen wie Bioenergie, Biokunststoffe oder die Möglichkeiten der Biotechnologie kann ein direkter Kontakt mit den modernen Verfahren der heutigen Landwirtschaft und Pflanzenzucht, sowie der Vielfalt der Produkte sehr nützlich sein.

Die Akzeptanz für neue Möglichkeiten einer sich gewandelt habenden Landwirtschaft kommen in der Regel erst mit einiger Verzögerung im Bewußtsein vieler Endverbraucher an, die nicht direkt in der Landwirtschaft tätig sind (z.B. Großstädter).

Landwirtschaft und Klimawandel

Das Thema Umweltschutz und Klimawandel wird in Bezug auf die Produktionsprozesse in der Landwirtschaft sehr kontrovers diskutiert. Je weniger man von der Landwirtschaft versteht, desto schwerer fällt es Einem natürlich, sich die Größenordnung und Bedeutung dieses wichtigen Wirtschaftszweiges vorzustellen und sich eine differenzierte Meinung dazu zu bilden. Die Darstellung der Landwirtschaft als große Kohlenstoffdioxid-Senke existiert parallel zur Wahrnehmung als großer Emittent für Methan und Stickoxide. Beides sind so abstrakte Phänomene, dass man sich diese selbst als theoretisch interessierter Mensch nur schwer in ihren Auswirkungen vorstellen kann. Ein Ansatz in diesem Zusammenhang ist das Erstellen von Modellen und Statistiken über Stoffströme der Umwelt. Diese Methoden sind in den letzten Jahren immer häufiger geworden und sie helfen dabei, ein präziseres Gesamtbild zu erlangen.

Auch die klassisch angewandten Landwirtschaftsstrategien, welche vereinfacht in den Pol der ökologischen und den der konventionellen Landwirtschaft unterschieden werden, bekommen mit dem Klimawandel eine weitere Dimension.

Am Freitag werde ich selbst auf der Grünen Woche sein und ich bin gespannt wie die Themen umgesetzt werden. Im Anschluß werde ich natürlich über meine Erfahrungen berichten.