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Ohne Frage hat die FDP aktuell mit wichtigeren Problemen zu kämpfen als mit der Energiewende und deshalb kann man vielleicht nicht erwarten, dass die Partei momentan viel Kraft für die Entwicklung von konkreten Konzepten zur Stärkung der erneuerbaren Energien aufbringen kann. Wer mit der Existenz kämpft, für den sind Energiewende und Klimaschutz wahrscheinlich eher Luxusthemen. Trotzdem hätte ich mir von dem Bundestagsabgeordneten der FDP, Rainer Erdel, der immerhin auch selbstständiger Landwirt und Vorstandsvorsitzender des Biomasseheizkraftwerks Dietenhofen ist, etwas mehr Bekenntnis zum Thema Energiepflanzenanbau und Bioenergie gewünscht.

Stattdessen ist Herr Erdel in seinem Statement beim Parlamentarischen Abend zur Bioenergie direkt mit dem alten Thema der Teller-oder-Tank-Diskussion eingestiegen und hat damit gleich gezeigt, wo er beim Thema Bioenergie seine Schwerpunkte setzt. Abgesehen davon, dass dieses kritische Thema bereits umfangreich diskutiert wurde, ist der Bundestagsabgeordnete von der FDP beim Tank-oder-Teller-Konflikt mit keinem Wort auf die intensiven Anstrengungen und positiven Entwicklungen der Bioenergie-Branche während der vergangenen 2 Jahre (Nachhaltigkeitsverordnung und Nachhaltigkeitszertifizierung) eingegangen.

Dafür hat Herr Erdel betont, dass er die Verantwortung der zunehmenden Flächenkonkurrenz, bei nur 15 Prozent der für den Ackerbau geeigneten Landfläche weltweit, sehr ernst nimmt. Wieviel Platz hierbei für den Anbau von Energiepflanzen übrigbleibt, müsse sorgfältig überlegt werden.

Weiterhin ist er vor allem allgemeiner auf die Bedeutung der Energiewende eingegangen und hat dabei bekräftigt, dass Netzausbau und Speichertechnologien stärker gefördert werden müssen, um die erneuerbaren Energien als Ganze besser integrieren zu können. Sowohl beim Netzausbau, als auch bei den Speichertechnologien stehen wir aber teilweise noch am Anfang der Forschung. Beide Punkte sind richtig, aber sicher nicht neu für die Zuhörer.

Erst nach 5.5 Minuten seiner 12 Minuten Redezeit ist Herr Erdel dann auf das Thema Bioenergie zu sprechen gekommen. Hierbei hat er vor allem ihre ganzjährige Verfügbarkeit und Speicherbarkeit angesprochen und die Bioenergie als gute Ergänzung zu Solar- und Windstrom vorgestellt. Mir ist leider ziemlich negativ aufgefallen, dass Herr Erdel von der FDP in seinem Vortrag vor allem auf die Grenzen der Bioenergie eingegangen ist und ständig auf ihre Probleme und Risiken (Vermaisung, Verkehr, vergleichsweise geringes Energiepotential der Bioenergie) hingewiesen hat, ohne dabei in ähnlich umfassender Weise auf die vielen Stärken und Potentiale dieses einzigen Erdölersatzes einzugehen.

Der größte Anteil der Energiepflanzen sollte für die Gewinnung von Biokraftstoffen verwendet werden, weil die Antriebe von LKWs und Flugzeugen nicht so schnell durch E-Mobilität ersetzt werden können. Das ist sicherlich eine zutreffende Erkenntnis, zeigt aber  eben auch, welche Technologieförderung Herr Erdel anscheinend für besonders wichtig hält. Außerdem unterstützt er den Bau von Wärme- und Gasspeichern für die effizientere Nutzung der produzierten Bioenergie.

Es steht natürlich jedem frei, eine sehr kritische oder bremsende Einstellung zur Bioenergie einzunehmen, aber warum trete ich dann als Bundestagsabgeordneter bei einer solchen Bioenergie-Veranstaltung auf? Wähler aus der Bioenergiebranche gewinnt man mit einer solchen, leider ziemlich fantasielosen, Stellungnahme zu Biogas und Biokraftstoffen jedenfalls nicht. Dabei hat die FDP in ihren Reihen auch Bundestagsabgeordnete, welche der Bioenergie deutlich engagierter gegenüberstehen. Hierbei denke ich beispielsweise an den Bundestagsabgeordneten Michael Kauch, der kürzlich sowohl auf einem Parlamentarischen Abend des Biogasrats, als auch auf der BioGas World 2012 seine offenere Position zur Bioenergie vorgestellt hat.

Bei der weiterhin schwierigen politischen Lage der FDP möchte ich nicht noch kritischer auf das Bioenergie-Statement vom Bundestagsabgeordneten der FDP eingehen. Mit den Augen und Ohren eines Bioenergie-Enthusiasten betrachtet, war die Stellungnahme von Herr Erdel aber kein guter Wahlkampf. Wenn die FDP die Herzen oder zumindest die Zustimmung der Bioenergie-Akteure gewinnen möchte, ist bei der Fomulierung von konkreten Bioenergie-Maßnahmen meiner Meinung nach noch jede Menge Platz nach oben. Ich wünsche der FDP viel Geduld und Kreativität beim Durchschreiten ihres aktuellen Umfragetals und bin überzeugt, dass die Liberalen beim Anhalten des aktuellen Trends (Erfolge in Schleswig-Holstein und NRW) auch bald wieder mehr Kraft für den Ausbau der Bioenergie bereitstellen können.