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Intensive Landwirtschaft (forcierte Biomasseproduktion) ist ein häufiges Streitthema zwischen Landwirten und Umweltschützern. Woran liegt das?

Einige sehr engagierte Umweltschützer werfen den intensiv bewirtschaftenden Landwirten vor, dass sie die Natur auszubeuten und immer höhere Erträge aus der Fläche pressen wollen ohne an die Ökologie, speziell die Artenvielfalt und ein natürliches Gleichgewicht zu denken. Die Landwirte reagieren mit Unverständniss und argumentieren, dass sie nur eine effektive Landwirtschaft anstreben, bei der die Nachfrage nach Agrarprodukten gedeckt und das Wirtschaftwachstum vorangetrieben wird. Es gibt verschiedene Ausprägungen dieser Ansichten und einige Ansätze der Argumentationen möchte ich hier kurz vorstellen, da ich der Meinung bin, dass beide eigentlich sehr gut kooperieren könnten.

Intensive Landwirtschaft gleich wirtschaftliches Wachstum?

Es ist möglich zu argumentieren, dass eine intensive Landwirtschaft mit den ertragreichsten Anbausorten (vielleicht sogar genetisch veränderten Sorten), angepassten Hochleistungsmaschinen, ausreichendem Dünger und wirkungsvollen chemischen Pestiziden zu hohen und kostengünstigen Erträgen führt. Tatsächlich hat düngeintensive Landwirtschaft dazu geführt, dass mehr Biomasse pro Hektar erzeugt werden kann und dadurch weniger Landfläche für die Nahrungsmittelproduktion benötigt wird. Die Nahrungsmittel sind kostengünstiger zu kaufen und es steht durch die effektive Produktion mehr Landfläche für den Umweltschutz zur Verfügung! Die Effizienz wurde gesteigert und die Emissionen konnten durch kostenintensive präzise Technik (precision farming) verringert werden.

Gleichzeitig wird aber auch der Boden durch große Maschinen stärker verdichtet und schneller ausgelaugt. Es kommt zu großflächigen Monokulturen mit fehlenden ökologischen Korridoren, welche Flora und Fauna als Lebensraum benötigen. Eine ökologische Vielfalt und Stabilität kann sich nicht herausbilden, bzw. wird zerstört. Es kann leichter zu Errosionen kommen und Auswaschungen von Nährstoffen auf Grund von Überdüngung können das Grundwasser stark belasten. Mittelfristig verlieren die Böden an Qualität und die über Jahrtausende aufgebaute Bodenvielfalt nimmt zügig ab.

Umweltschutz gleich Nachhaltigkeit?

Die Nachhaltigkeits-Trias (einer Enquete-Kommission, 1998) spricht von der Integration der ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekte. Also ein Zusammenwirken von 3 Dimensionen einer Gesellschaft.  Sogar Mathematiker werden zugeben, dass es schwer ist zwischen 3 Variablen (dazu noch mit vielen Randbedingungen) ein Optimum herzustellen. Vieles basiert auf Erfahrung und individuellen Prioritäten.

Der Umweltschutz kann Jemandem, der nicht in Zeiträumen von Jahrzehnten oder Jahrhunderten denkt und vielleicht mit näheren existentiellen Probleme zu kämpfen hat als eine Klimaerwärmung in Jahrzehnten, wie purer Luxus oder gar Dekadenz erscheinen. Auch die Einrechnung der ökonomischen externen Effekte wird man schwer nachempfinden können oder wollen wenn man wirtschaftliche  schwerwiegende Probleme hat. Die Kunst eines guten mittelfristigen Kompromiss zwischen sozialer und ökologischer Entwicklung  bestand laut Winston Churchill darin, dass alle beteiligten Parteien mit dem Ergebniss gleich unzufrieden sein müssten. Nach dieser Definition hab ich den Eindruck, dass die Ziele der Nachhaltigkeit auf einem guten Weg sind.

Fazit

Für welche Seite der Nachhaltigkeits-Trias soll man sich entscheiden? Welchen Aspekten schenkt man in seinen Handlungen bei bestimmten Konflikten den Vorzug. Soll man kurzfristig sozial oder langfristig sozial entscheiden? Wieviel soziales Engagement für die finaziell Schwächeren einer Gesellschaft und wieviel Freiheit der finaziell Starken in einer Gesellschaft opfert man für die den Schutz der Umwelt und somit die nachkommenden Generationen? Wieviel Landfläche möchte man mit welcher Intensität nutzen und riskieren sie für einen langen Nutzungszeitraum ganz zu verlieren?

Konsequenters nachhaltiges, ökologisches Denken und Handeln hat für mich in seiner extremsten Form oft auch den Schmerz den aktuellen sozialen Problemen eher kühl gegenüberstehen zu müssen. Ein vorhandener Euro kann erstmal nur für eine Sache ausgegeben werden und fließt kurzfristig entweder  in die Senkung  des CO2-Anteils  in der Atmosphäre oder die Senkung der Kinderarmut. Deshalb meinte Al Gore vielleicht auch, dass der Klimawandel keine politische, sondern eine moralische und somit individuelle Entscheidung ist.

Etwas das ich für mich aus diesem heute  eher philosophischem Artikel mitnehme ist, dass letztlich auch ein gewisses Vertrauen von jedem Einzeln in die Gemeinschaft notwendig ist und das Vertrauen, dass jeder seine Energie nur  aus verschiedenen Perspektiven einsetzt. Das die kollektive Intelligenz (Schwarmintelligenz) einer Gesellschaft mittelfristig den maximal möglichen Nutzen für dass Ganze erreicht. Das hört sich  zwar etwas naiv an oder so als wolle ich mich vor der Verantwortung drücken, aber es ist für mich auch ein logisches Eingeständniss an die Lebensumstände in einer schneller und komplexer werdenden Gesellschaft. Aber jetzt drifte ich wirklich zu stark ab…