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Heute wieder einer kleiner Ausflug in die Wissenschaft. Jedoch nicht tief in die Grundlagenforschung, sondern konkret in eine anwendungsorientierte Entwicklung im Bereich der Chemie.

Das Fraunhofer Institut für chemische Technologie (ICT) nahe Karlsruhe hat unter der Leitung von Jürgen Pfitzer and Helmut Nägele ein neues Material entwickelt

So wird aus dem Pflanzenbestandteil Lignin unter der Zugabe von Naturfasern, Leinenstoffen und Harz ein besonderer Biokunststoff. Diese Mischung der aktuell vielversprechenden Naturstoffe führt zu einem Material mit beeindruckenden Eigenschaften. Die Verwendung des neuen Materials ist wie bei den klassischen, auf Erdöl basierenden, Kunststoffen mit Hilfe des Spritzgussverfahrens möglich und erfordert somit keine neue Verfahrenstechnik.

Das am ICT mit Schwerpunktthemen wie Energie, Materialforschung und Umwelttechnik entwickelte Material heiß Arboform (Ableitung vom lateinischen arbo = Baum) und verrottet in der gleichen Weise wie Holz. Es ist aber nicht nur am Ende des Materiallebenszyklus sehr umweltfreundlich, sondern auch schon in der Gewinnung. Für die Herstellung muss kein Baum gefällt werden, sondern der Rohstoff Lignin fällt in in großen Mengen bei der Papierherstellung als Nebenprodukt an. Bisher wird das Lignin meist verbrannt, nachdem es zuvor von der Zellulose getrennt wurde, um die Farbe des Papiers weißer zu gestalten. Die Kreislaufwirtschaft lässt grüßen und freut sich über eine weitere Zwischennutzung eines Abfallstoffs.

Ein Spinoff des Fraunhofer Instituts Tecnaro produziert aktuell 275 t von Abroform und hat mit Abroblend und Abrofill noch zwei weitere Ableger der Kunststofffamilie im Angebot. Nachdem der Zugang zum deutschen Plastikmarkt zu Beginn sehr schwierig war, ist er mittlerweile in den ersten Produkten (Schuhbranche) angekommen. Die Vorteile dieses neuen Materials sind, dass es das Erscheinungsbild von Holz hat, aber die Verarbeitungsmöglichkeiten von Kunststoffen.

Diese Qualität macht es für den Automobilbau sehr interessant, da edle Optik mit flexibler Funktionalität verbunden werden kann. Designer werden einen solches Material lieben, was die nun folgenden Kooperationen mit Daimler und Bosch belegen. Ein weiterer Faktor spricht ebenfalls für eine erfolgreiche Zukunft des Materials. Im Gegensatz zu vielen anderen ökologischen Produkten ist sein Preis schon jetzt konkurrenzfähig und das Material liegt auf Grund seiner stofflichen Abfallbasis im preislichen Mittelfeld wenn man es mit Preisen für klassische Kunststoffe vergleicht. Bei steigendem Ölpreis und einem geschärften Umwelbewusstsein der Verbraucher, wird sich diese Tendenz weiter verbessern.

Ich bin gespannt, wie sich diese aufstrebenden Materialien auf dem Markt entwickeln werden. Jedenfalls scheinen Biokunststoffe nicht nur für Verpackungen und Folien geeignet zu sein, sondern zunehmend auch für Produkte mit längeren Lebenszyklen. Weitere Nutzungsmöglichkeiten für das auch in der Papierherstellung benötigte Zellulose gibt es hier.