Neste Oil katapultiert Biodiesel in ein neues Biokraftstoff-Zeitalter

Zugegeben, der Titel belegt „den Neuen“ in der Familie der Biokraftstoffe mit einigem Erwartungsdruck. Verglichen mit dem aktuellen Smartphone-Markt entspricht der Biodiesel NExBtL von Neste Oil aber definitiv dem iPhone unter den erneuerbaren Kraftstoffen und ist ein Qualitätsprodukt das Maßstäbe setzt. So ist zumindest meine Einschätzung. Es gibt weltweit keinen anderen Biokraftstoff der zweiten Generation der aktuell in diesen Mengen hergestellt werden wird. Die größte und modernste Biodieselanlage der Welt steht aktuell definitiv in Rotterdam! Ich habe die neue Anlage besucht und mir von den Betreibern ihre Bioenergie-Vision präsentieren lassen.

Kritik ist  gut, Weiterentwicklung noch besser

Kritik zu Biokraftstoffen kann man in den Medien in einem breiten Spektrum vernehmen und auf diese bin ich in den vergangenen Artikeln ausführlicher eingegangen. Mit diesem Artikel möchte ich endlich wieder einen Blick auf die innovative Seite der Biokraftstoffe werfen. Immerhin sollten wir uns bei der Bewertung von Bioethanol & Co nicht nur auf die Probleme dieser erneuerbaren Energieträger fokussieren, sondern nicht vergessen, dass es auch rund um die Uhr clevere Leute gibt, die hart an der Überwindung der noch bestehenden Biokraftstoff-Konflikte arbeiten.

Rotterdam – eine Stadt am Hafen

Der Hafen von Rotterdam ist eine beeindruckende Erfahrung und man kann sich der Faszination für diesen größten Warenumschlagsplatz Europas (etwa 370 Millionen Tonnen pro Jahr) nur schwer entziehen. Als Besucher fährt man allein 30 Minuten und 40 Kilometer entlang der zahlreichen Raffinerien und Industrieanlagen die sich am Hafen angesiedelt haben. Traditionell sind die Erdöl-, Chemikalien- und Gasindustrie die wichtigsten Wirtschaftszweige im Hafengebiet, aber es werden auch weniger dramatische kulinarische Köstlichkeiten wie Früchte oder Pizzen verschifft. Der Hafen von Rotterdam sichert um die 320.000 Arbeitsplätze und spült 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die niederländische Staatskasse.

Ende des vergangen Jahres wurde sicher nicht zufällig die erste Biomasse-Börse Europas in dieser bedeutenden Hafenstadt eröffnet. Die strategisch günstige Lage für einen solchen Handelsplatz bietet ideale Rahmenbedingungen für einen verbesserten internationalen Handel mit Rundholz, Hackschnitzeln und Co. Die Biomasse-Börse schafft nicht nur Arbeitsplätze, sondern wird auch die Anwendung von Nachhaltigkeitsstandards für die verschiedensten Biomasse-Commodities beschleunigen.

Nun aber zum „New Kid on the Block“ und der modernsten Biodieselanlage weltweit.

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Biokraftstoffe in Rotterdam Neste Oil Anlage

Anlage in Rotterdam produziert 800.000 Tonnen Biokraftstoff pro Jahr

NExBtL Biodiesel nimmt die Herausforderung zur Weiterentwicklung von Biokraftstoffen an

Was waren meine Stimmung und Erwartung an den Besuch der NExBtl-Biodiesel-Anlage? Sicher eine Mischung aus faszinierter Vorfreude und der Bemühung um kritische Distanz für eine Industrieanlage die immerhin 800.000 Tonnen an Biodiesel pro Jahr produziert. Dadurch wird Neste Oil, mit seinen 4 Anlagen zur Herstellung von erneuerbarem Diesel, zum aktuell größten Biodiesel-Produzent (2 Millionen Jato) weltweit. Der Besuch der kürzlich in Betrieb genommenen Anlage in Rotterdam hat mich deshalb sehr gereizt und ich konnte diesen gut mit dem Besuch der World Biofuels Markets verbinden.

Der 3-jährige Bau der 670 Millionen Euro teuren Anlage im Hafen von Rotterdam benötigte 2.000 Arbeitskräfte und hat 5.7 Millionen Arbeitsstunden gedauert.

Ich war sehr positiv überrascht, dass Neste Oil seine moderne Mega-Anlage so freizügig für Journalisten öffnet und sich auch den kritischsten Fragen stellte. Hut ab vor dieser Courage. Biokraftstoffe sind im Moment jedenfalls keine Branche, in der ich die Unternehmens-Pressesprecher beneide. Stellungnahmen und Diskussionen zu Vorwürfen, dass „Biotreibstoffe für die Regenwaldabholzung und Agrosprit für den Welthunger“ verantwortlich sind jedenfalls keine Themen die einen in Hochstimmung versetzen oder einfach an einem abprallen. Auch die seit einigen Monaten in Europa an Tempo aufgenommene Debatte rund um indirekten Landnutzungsänderungen (ILUC) machen diesen Wirtschaftszweig nicht unbedingt weniger kompliziert.

Einzig die Hersteller von Biokraftstoffen aus Algen, Abfälle oder Stroh können aktuell (noch?) mit ruhigem Gewissen schlafen – und es sind aktuell noch ganz wenige Anlagen und Produktionsmengen die sich zu diesen geschützten Exemplaren zählen können. Von einem zügigen Wachstum der Nextgen-Biofuels-Power zwischen 2012-2014 ist derzeit stark auszugehen.

Aber was sind die Vorteile des erneuerbaren Diesels der nächsten Generation?

Vorteile des NExBtL Biodiesels

  • Breites Spektrum an Fetten und Ölen kann für die Herstellung von NExBtL verwendet werden.
  • Vollständige Beimischbarkeit von NExBtL zu fossilem Diesel bis zu 99 Prozent (100 Prozent ist kein Blend mehr). Damit entfällt auch ein großes Hemmnis der Markteinführung von Biodiesel, nämlich die Blend-Walls. Eine Modifizierung des Diesel-Motors ist nicht mehr nötig.
  • NexBTL senkt die Emissionen (NOx, CO, HC, Feinstaub) und verbessert die Luftqualität. Dazu gehört auch eine stark verbesserte Klimabilanz. Den Angaben von Neste Oil zur Folge können durch den Einsatz der aktuell produzierten Mengen an NExBtL die Jahresemissionen von etwa 250.000 PKW eingespart werden. Etwas leichtfüssig kann man also errechnen, dass etwa die Hälfte des CO2-Ausstoßes des jährlichen PKW-Verkehrs von Städten wie Leipzig oder Stuttgart neutralisiert werden – durch eine Anlage dieser Art.
  • Parallele Herstellung von 4 Produkten, die alle erneuerbar sind, ist möglich – Diesel, Kerosin, Naphta und Propan. 19 Prozent der produzierten Mengen sind nutzbare Nebenprodukte (Naphta, Propan)
  • Im Gegensatz zu Biodiesel-Varianten der ersten Generation kann NExBtL außerdem beliebig lange gelagert werden, wodurch der Handel und die Handhabung erleichtert werden.

Nachteile von NExBtL

  • Höhere Kosten pro Kraftstoffeinheit im Vergleich zu fossilem Diesel, aber nicht unbedingt zu Biodiesel der ersten Generation

Aktuell wird der farb- und geruchslose NExBtL-Biokraftstoff von Neste Oil an Abnehmer in 6 europäischen Ländern verkauft.

Und welche Innovationen plant Neste Oil für die Weiterentwicklung des Biodiesels in den kommenden Jahren?

Zukunft von NExBtL Biodiesel

  • Herstellung von Öl und NExBtL aus Algen und Bakterien
  • Einsatz des Biodiesels in der Schifffahrt
  • Biowachs aus Forstrückständen

Neste Oil und Lufthansa bringen NExBtL in die Luft

Der Biokraftstoff NExBtL ist ein Qualitätsprodukt, welches im Vergleich mit herkömmlichem Diesel noch teurer ist. Wieviel teurer, darüber hat Neste Oil keine Auskunft geben wollen.   Tatsache ist, dass vor allem diejenigen Wirtschaftszweige und Unternehmen den  neuen Biodiesel nachfragen, welche die Qualitätsvorteile direkt in ökonomische und ökologische Vorteile umwandeln können.

Durch die Hinzunahme der Luftfahrt zum europäischen Emissionshandel (ETS) seit Anfang 2012 ist deshalb vor allem das Interesse der Fluggesellschaften am klimafreundlichen Biokraftstoff stark gestiegen. Die Anlage in Rotterdam kann wie angedeutet nicht nur erneuerbaren Diesel, sondern auch erneuerbares Kerosin aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen.

Ein vielversprechender Kandidat für die Abnahme von großen Mengen des Biokraftstoff-Qualitätsprodukts ist dementsprechend die Luftfahrt. Mitte des vergangenen Jahres sind Lufthansa und Neste Oil deshalb eine Partnerschaft eingegangen und haben in einer 6-monatigen Testphase den Einsatz von NExBtL in der zivilen Luftfahrt erprobt.

Über die Ergebnisse zum Ausgang der Testflugreihe wurde in der Presse viel spekuliert. Die Spekulationen wurden dadurch angeheizt, weil der Einsatz von NExBtL nach Abschluss der Testphase nicht fortgesetzt wird. Den Angaben von Neste Oil zur Folge ist die vorläufige Beendigung des Pilotprojekts aber kein Zeichen für einen Misserfolg und es kam bei den Testflügen zwischen Frankfurt und Hamburg weder zu technischen Problemen noch zu einem höheren Emissionsaufkommen.

Die Gründe für den vorübergehenden Stopp der Biokraftstoff-Flüge sind vor allem in den noch zu gering vorhandenen Mengen an produziertem NExBtL und der bestehenden Preisdifferenz zu fossilem Kerosin zu finden. Die technologischen Ergebnisse der Versuchsreihe sprechen aber überhaupt nicht gegen einen späteren Einsatz des Bio-Kerosins in  der Luftfahrt.

Fazit zur Entwicklung von Biokraftstoffen der 2. Generation

Ich bin gespannt, welchen Weg die Biokraftstoffe der 2.Generation in den kommenden Jahren gehen werden und hoffe, dass der Erfolg und das Vorbild von Neste Oil zahlreiche weitere Investoren und Unternehmen motivieren wird, den gleichen Schritt zu wagen.

Am Sonntag hat Günther Jauch mit seinen Gästen über die Ursachen, Verantwortlichen und Lösungsansätze der Preisspirale an der Zapfsäule gesprochen. Unter dem provokanten Titel „Die große Benzin-Abzocke – wer stoppt die Preistreiber“ wurde dieses Problem mit interessanten Perspektiven diskutiert. Eine Alternative, um die Abhängigkeit vom Erdöl zu lockern, sind bekanntlich Biokraftstoffe.

Was ist ihre Meinung zu Biokraftstoffen der nächsten Generation oder Biokraftstoffen allgemein?[/fusion_builder_column][/fusion_builder_row][/fusion_builder_container]

About the Author:

Ron "BiomassMuse" Kirchner ist Umweltingenieur, Fachjournalist und WebDesigner. Eine für BiomassMuse nützliche Mischung, da diese einen unabhängigen Schreibstil unterstützt. Aus der Hauptstadt schreibt er über den Einsatz der gasförmigen, flüssigen und festen Bioenergie im Strom-, Wärme- und Kraftstoffmarkt. Außerdem engagiert er sich gemeinsam mit anderen Energiebloggern für das Gelingen einer bürgernahen und ganzheitlichen Energiewende.

6 Comments

  1. Danilo Jovicic 5. Oktober 2016 at 13:16

    Wo findet man öffentliche, bestätigte Angaben aus welchen Edukten und icn welcher Menge NexBtL hergestellt wird?

  2. Kris 10. Juli 2014 at 10:45

    NexBTL ist nur ansatzweise Biodiesel 2. Generation, da Neste nur 52% Reststoffe und 48% Palmöl zur Herstellung verwendet. Außerdem sind die Reststoffe nur teilweise Abfälle, der andere Teil wird normalerweise anderweitig genutzt.

  3. RonKir 3. April 2012 at 15:47

    Hallo Klaus-Martin,

    vielen Dank für deinen Kommentar mit vielen interessanten Ergänzungen. Das Neste Oil meist einen sehr guten Platz bei Nachhaltigkeits-Rankings weltweit gewinnt (und das als hauptsächliches Mineralölunternehmen!), habe ich in dem Artikel gar nicht erwähnt. Das stimmt aber absolut und ich finde, dass das Unternehmen dadurch noch sympathischer wird. Das finnische Unternehmen ist tatsächlich sehr engagiert, innovativ und transparent unterwegs, wenn es um die Entwicklung von ökologisch verbesserten Biokraftstoffen geht (Abfälle als Feedstock).

    Der scharfe und leider häufig sehr undifferenzierte Umgang einiger großer Umweltverbände mit „dem Thema Biosprit“ sehe ich ebenfalls sehr problematisch. Natürlich unterstütze ich auch die schnellstmögliche Unterbindung jeder Regenwaldabholzung für die Biodieselherstellung, aber das ist eben nur ein sehr kleiner Anteil der gesamten Biokraftstoffproduktion weltweit. Die zahlreichen Unternehmen die Biokraftstoffe auf umweltverträgliche und arbeitsplätzeschaffende Art und Weise herstellen, werden aber in diesen Negativ-Ruf mit hinein gezogen. Diese Fehlentwicklung wird von den Umweltverbänden einfach akzeptiert und man geht bei der Gestaltung der Anti-Biokraftstoff-Kampagnen wenig zimperlich mit dem Rest der Branche um. Die ökologische Nachhaltigkeit so drastisch über die soziale Nachhaltigkeit zu stellen finde ich weder modern noch verantwortungsbewusst. Sogar der WWF, der den Biokraftstoffen teilweise sogar positiv gegenübersteht, kommt auf seiner Startseite zur Bioenergie nicht über einige kleine Bekenntnisse zur Bioenergie hinaus und schreibt zu 80 Prozent über die drohenden ökologischen Schäden. Wirklich schade, weil sich sowohl Umweltverbände, als auch Biokraftstoff-Hersteller beim Klimaschutz auf Augenhöhe begegnen.

    Aber gut, vielleicht (hoffentlich!) nähern sich NGOs und Wirtschaft in ihrer Argumentation ja auch bald wieder an und unterstützen sich sogar gegenseitig beim Erreichen von nicht unbedingt widersprüchlichen Zielen! Ich drücke jedenfalls die Daumen.

    Auch sehr charmant, dass du dich als „kleinen Blogger“ beschreibst :-) Blogs sind vielleicht in Deutschland noch nicht so relevant wie in anderen Ländern, aber vielen Menschen helfen sie und das meist völlig kostenlos für den Leser. Und du warst mit deinem Blog über nachwachsende Rohstoffe sogar schon lang vor mir (Alter des Blogs 4-5 Jahre?) aktiv und gehörst sicher zu den Pionieren aller Umwelt-Blogger in Deutschland. Finde ich klasse! Habe aber beobachtet, dass du dich in letzter Zeit verstärkt dem professionellen Online-Marketing zugewandt hast.

    Viel Erfolg für deine Aktienanlagen und dass ein baldiges Ende der scharfen Kritik der Umweltverbände an den Biokraftstoffen auch diesen wieder Auftrieb gibt! Immerhin ein echtes finanzielles Bekenntnis zu diesen erneuerbaren Energieträgern.

  4. klaus-martin 3. April 2012 at 15:06

    Es ist interessant wie unterschiedlich Neste Oil wahrgenommen wird. Einerseits ist die Firma regelmäßig auf vorderen Plätzen in Rankings von besonders nachhaltigen Firmen andererseits wird das Unternehmen angeprangert. Was man auf jeden Fall sagen muss, ist dass die Finnen die Öffentlichkeit nicht scheuen und auch mir als kleinem Blogger hat man bereits ein Interview gegeben, was man z.B. von Greenpeace, die mich diesbezüglich angetwittert haben, nicht sagen kann.

    Ich habe mir auf jeden Fall im letzten Jahr ein paar Aktien hingelegt, wenn auch mit einem schlechten timing. :-)

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