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Das regenerative Energiesystem der Bioenergie ist aktuell auf der Suche nach neuen Rohstoffen. Dabei stehen Energiepflanzen und organische Abfälle im Fokus, welche sowohl die ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeitsanforderungen unserer Gesellschaft erfüllen. Vor allem für die Herstellung von Biokraftstoffen schiebt sich dabei auch die Energiepflanze Camelina stärker in den Vordergrund. Was sind die Vorteile und Potentiale der Camelina? Warum ist die Pflanze für Landwirte mit dem Fokus Bioenergie interessant?

Camelina – Anbau, Pflanzenpflege und Ernte

Wenn es um die energetische und stoffliche Nutzung der Camelina geht, dann ist vor allem eine Sorte im Gespräch – Camelina sativa. Der Kreuzblüter (Brassicaceae) wird auch als „Leindotter“ oder „Dotterlein“ bezeichnet.

Ursprünglich aus Südostasien und Mitteleuropa stammend, ist Camelina mittlerweile auch in Nordamerika verbreitet. Im englischsprachigen Raum gibt es viele, teilweise sehr geheimnisvoll klingende Bezeichnungen für Camelina sativa. Hier eine Auswahl:

  • Gold-of-pleasure
  • German sesame
  • Siberian oilseed
  • False flax
  • Wild flax

Bis ins 5 Jahrhundert hinein wurde die einjährige Pflanze (siehe auch Artikel zu mehrjährigen Energiepflanzen) schon als Reinkultur gezielt angebaut, wurde aber im Anschluss von anderen Ackerpflanzen abgelöst.

Der Kreuzblüter hat ähnliche Eigenschaften wie der Raps und es gibt sowohl eine Sommer- als auch eine Winterform.

Vorteile von Camelina sativa

Folgende Vorteile und Chancen zeigt die Camelina sativa für den Anbau als Energiepflanze:

  • Extensive Bewirtschaftung möglich (ökologischer Anbau!)
  • Anspruchslos bezüglich Bodenart und Bodentyp (auch für sehr sand- und kalkhaltige Böden geeignet)
  • Tolerant gegenüber Trockenheit und Frosteinbruch
  • Geringer Düngemittel- und Wasserbedarf
  • Sommerform wird im März-April ausgesät und im Juli geerntet
  • Vegetationszeit von nur 120 Tagen (als Zwischenfrucht geeignet)
  • Hoher Öl-Gehalt, was sie zu einem vielversprechenden Kandidaten für die Herstellung von Biokraftstoffen (Biodiesel) macht
  • Erträge: 20 – 35 dt/ ha (Vergleich Mais: 80 – 120 dt/ ha)
  • Es gibt Versuchsreihen zum Mischfruchtanbau von Camelina und Getreide

Vorteile der Camelina sativa gegenüber anderen Energiepflanzen sind also der vergleichsweise einfache Anbau und Ernte, eine gewisse Anspruchslosigkeit sowieso die flexible Anwendung als Zwischen- und Mischfrucht. Der hohe Ölgehalt der Camelina ist ein wesentliches Argument für den Anbau.

Weitere Angaben über Anbau und Anwendungsmöglichkeiten finden Sie auch in dem entsprechenden Artikel über Camelina sativa der deutschen Wikipedia.

Airlines verwenden Camelina für Biokraftstoffe

Das Besondere an der Energiepflanze Camelina ist, dass Sie über eine sehr günstige Ökobilanz verfügt. Demnach können im Vergleich mit der Verwendung fossiler Kraftstoffe beim Einsatz von Camelina bis zu 80% an produzierten Treibhausgasen in der Luftfahrt eingespart werden.

So war Camelina sativa auch die erste Energiepflanze die im Oktober 2009 von der US-Navy für einen Biokraftstoff-Testflug verwendet wurde. Bis 2016 sollen sogar 50% des von der US Air Force verwendeten Flugzeug-Treibstoffs aus Biokraftstoffen gewonnen werden.

Auch die zivile Luftfahrt schließt sich diesem Entwicklungs-Trend zu Biokraftstoffe an. In den letzten Monaten sind zahlreiche Projekte die den Einsatz von Biokraftstoffen in der zivilen Luftfahrt betreffen durchgeführt oder begonnen worden (siehe  Artikel).

Der erste zivile Transatlantik-Flug wurde im Juni 2011 ebenfalls mit einem Gemisch aus 15% Camelina-Biokraftstoff und 85% fossilem Kerosin absolviert.

Warum sind Biokraftstoffe für den Einsatz in der zivilen Luftfahrt interessant? Durch die Änderung des europäischen Emission Trading Schemes (ETS) ab 2012 bekommt die Ökobilanz von Treibstoffen für Airlines auch eine bedeutende wirtschaftliche Dimension. Lesen Sie mehr zu diesem Thema im Artikel über Emissionshandel und Biokraftstoffe in der Europäischen Union.

Anbau von Camelina als Energie- und Ölpflanze in Deutschland

Über die Potentiale der Durchwachsenen Silphie wurde schon berichtet. Sie ist ebenfalls eine vielversprechende Energiepflanze und gute Alternative zu den bisherigen Anbaukulturen in Deutschland.

Genau wie Silphium perfoliatum ist auch Camelina sativa für relativ karge Äcker geeignet und ermöglicht dem Energiepflanzenbau die Erschließung von Ackerflächen die für den Anbau von Mais nicht geeignet sind.

Auch bei einer geplanten Umstellung auf ein ökologischeres Bewirtschaftungssystem (Ökolandbau) im Energiepflanzenbau kann die Camelina dem Energiewirt in Deutschland neue Perspektiven und einen flexibleren Handlungsspielraum eröffnen. Der Anbau von Camelina befindet sich in Deutschland allerdings noch in seinen Anfängen und weitere Forschungsarbeiten sowie Anbauerfahrungen werden benötigt.

Durch das Inkrafttreten der Novelle des Erneuerbaren Energien Gesetzes im Januar 2012 (siehe Artikel EEG Novelle 2012) und der enthaltenen Mais-Deckelung für Biogasanlagen wird Camelina sativa in Zukunft vielleicht sogar für die gasförmige Bioenergie interessant. Hauptinteressent wird auf Grund des hohen Ölgehalts der Pflanze aber vor allem die Biokraftstoffindustrie (Herstellung von Biodiesel) und nicht die Biogas-Branche sein.

Haben Sie selbst schon Erfahrungen im Anbau von Camelina sativa gesammelt oder kennen interessante Informationsquellen zur Integration in dieser neuen Energiepflanze in die eigene Fruchtfolge? Schreiben Sie doch einen Kommentar. Vielen Dank.